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Warum sich in Zug derzeit kaum ein Hausarzt findet
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Einen Hausarzt zu finden, ist nicht immer leicht – Symbolbild. (Bild: Adobe Stock)

Ampelsystem soll bei der Doktorsuche helfen Warum sich in Zug derzeit kaum ein Hausarzt findet

4 min Lesezeit 1 Kommentar 26.04.2019, 10:24 Uhr

Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri sagt, im Kanton Zug gäbe es genügend Hausärzte. Dennoch ist es besonders zur aktuellen Grippezeit ein Problem, einen Doktor zu finden. Liegt das am rasanten Wachstum der Einwohnerzahl? Im Ennetsee verzeichnet die Notfallstation jedenfalls immer mehr Patienten.

Ferienabwesenheiten und die aktuelle Grippesaison bringen Hausärzte – und Patienten – an den Rand der Belastbarkeit. Dies zeigen zufällig mitgehörte Telefonate in Zuger Arztpraxen. Notfallpatienten auf der Suche nach einer Lücke im Kalender oder Patienten, die selbst beim Stellvertreter ihres Hausarztes abgewiesen werden: Wer krank wird, braucht derzeit viel Ausdauer. Und neue Patienten nehmen Zuger Hausärzte sowieso kaum mehr auf.

Doch selbst wer sich einen Platz in einer Kartei gesichert hat: Ist eine Krankheit im Anzug, so geschieht das gerne am Wochenende, wenn die Praxis der Hausärztin oder des Hausarztes geschlossen ist. Passiert ein kleiner Unfall – verstauchter Fuss, verbrannter Finger oder angeknackste Rippe – so ereignet sich der oft, wenn die einzige Notfallpraxis im Kanton Zug geschlossen hat – werktags nach 22 Uhr und am Wochenende nach 20 Uhr.

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Problematik ist bekannt

Klar gibt es einen Doktor der Zuger Ärztegesellschaft, der Pikett hat und den man telefonisch kontaktieren kann. Doch Mediziner sind auch Menschen. Sie müssen essen, aufs Klo, haben Familie zu betreuen oder auch Auto zu fahren, um andere Notfälle zu verarzten. Kurz: Sie sind – wenn man ihre Telefonnummer herausgefunden hat – nicht immer sofort erreichbar.

Und nach der medizinischen Soforthilfe wird vielleicht noch eine Nachbehandlung nötig – und man ist erst vor Kurzem zugezogen oder braucht ohnehin einen Hausarzt. Auch kein leichtes Unterfangen. Dessen ist man sich etwa bei der Notfallstation des Zuger Kantonsspitals bewusst.

Gesellschaft für Hausmedizin hilft

Im Kantonsspital gibt man daher am Empfang bei Bedarf Karten ab, die auf eine Dienstleistung der Zuger Gesellschaft für Hausmedizin hinweist: ein Ampelsystem, welches bei der Suche nach Hausärzten hilft.

Auf der Homepage der Vereinigung sind Allgemeinpraktiker und Kinderärzte aus allen Zuger Gemeinden aufgeführt, die angeben, ob sie neue Patienten aufnehmen oder nicht mehr: Grün bedeutet «Ja», gelb heisst «unter Umständen», also wenn man beispielsweise ganz in der Nähe wohnt. Rot heisst: das Boot ist voll.

Auf dem Land lebt es sich zufrieden

Eine kurze Analyse zeigt, dass in den ländlichen Gebieten die Zugänglichkeit von Allgemeinpraktikern gut ist. Etwas anders sieht es in den drei grössten Gemeinden des Kantons aus. In Zug und Baar hat die Hälfte der Hausärzte die Ampel auf Orange gestellt, nimmt also nur noch vereinzelte Patienten auf. Rund ein Viertel ist komplett ausgebucht. Ein Viertel hat noch freie Kapazitäten und daher die Ampelfarbe Grün gewählt.

«Jede Notfallstation der Schweiz behandelt auch Patienten, die keinen Hausarzt gefunden haben und medizinischen Rat benötigen.»

Marietta Werder, Andreasklinik Cham

Ein gewisser Engpass scheint indes in Cham zu bestehen. Vier von acht Hausärzten nehmen überhaupt keine neuen Patienten mehr auf, zwei weitere nur in Ausnahmefällen. Lediglich zwei haben noch uneingeschränkt Platz.

Notaufnahme der Andreasklinik als Ausweichadresse

Da trifft es sich gut, dass in Cham die Andreasklinik dabei ist, ihr Dienstleistungsangebot auszubauen. Sie betreibt auch eine Notfallstation. Solche Notfallaufnahmen sind eigentlich vorab für ernste Fälle gedacht, die vor Ort hospitalisiert werden. Oder, wenn die nötige Infrastruktur bei komplizierten Fällen nicht vorhanden ist, für Patienten, die mit dem Rettungsdienst in ein Zentrumsspital transportiert werden.

«Doch wie jede Notfallstation der Schweiz, behandelt auch unsere Notfallaufnahme Patienten, die keinen Hausarzt gefunden haben und medizinischen Rat benötigen», sagt Marietta Werder, die Sprecherin der Andreasklinik. In diesem Fall funktioniere die Notfallstation wie eine Notfallpraxis.

Jedes Jahr mehr Patienten

Generell zählt man in der Klinik eine steigende Zahl an Notfallpatienten und spricht von einem jährlichen Wachstum von 10 bis 15 Prozent pro Jahr. «Dies zeigt uns, dass wir einem Bedürfnis der Zuger Bevölkerung entsprechen», kommentiert Werder. Mittelfristig werde man an räumliche Grenzen stossen und prüfe daher mögliche Ausbauvarianten.  

 

 

Bekanntlich plant die Andreasklinik im Sommer ein Facharztzentrum mit Praxen auf sieben Stockwerken zu errichten. «Wir sind aber auch sehr daran interessiert, niedergelassene Hausärzte etwa im Rahmen einer Notfallpraxis stärker einzubinden», sagt Werder.  Dies würde die Notfallstation entlasten. Ein entsprechendes Projekt würde evaluiert.

Vorsorgen ist besser als Nachsorgen

Keinen Handlungsbedarf sieht man bei der Gesundheitsdirektion: «Die Hausärzteabdeckung ist im Kanton Zug nach wie vor gut», sagt Kantonsarzt Rudolf Hauri. Es gebe ausserdem genügend Notfallpraxen – auch für den Ennetsee. Überdies lobt er das Funktionieren des Ärztepiketts. Dieses wird von der Zuger Ärztegesellschaft organisiert, die dazu einen gesetzlichen Auftrag hat.

Warum aber haben Patienten im konkreten Fall dennoch Mühe, einen Arzt zu finden?  «Natürlich kann es zu gewissen Zeiten, etwa bei einem Grippeausbruch, zu erhöhter Nachfrage kommen», sagt Hauri. Er hat einen Tipp, wie man solche Situationen vermeiden kann:  «Es ist empfehlenswert, bereits in ruhigeren Phasen, etwa im Sommer, einen Hausarzt zu suchen», so Hauri.

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1 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 26.04.2019, 14:27 Uhr

    “Zuger Gesellschaft für Hausmedizin” Richtig wäre: “Zuger Gesellschaft für Hausarztmedizin”. (https://www.zugham.ch/)