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Warum Ruben Vargas nur beim Torjubel abhebt
  • Sport
FCL-Flügel Ruben Vargas wird laut Sportchef Remo Meyer nächste Saison für keinen anderen Super Ligisten spielen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

U21-Trainer hält grosse Stücke auf FCL-Spieler Warum Ruben Vargas nur beim Torjubel abhebt

5 min Lesezeit 23.03.2019, 12:02 Uhr

Seine Karriere hat so richtig Fahrt aufgenommen. Beim FCL ist der 20-jährige Adligenswiler Ruben Vargas nicht mehr aus der Startformation wegzudenken. Und das soll auch bald bei der Schweizer U21-Auswahl, die derzeit in Kriens trainiert und testet, der Fall sein.

Es läuft wie noch nie. Davon konnte sich jüngst auch Mauro Lustrinelli überzeugen. Er war am letzten Sonntag einer der gut 7’200 Zuschauer in Thun, die sahen, wie sich Ruben Vargas auf der rechten Seite in Stellung brachte und flankte. Den Ball nutzte FCL-Teamkollege Pascal Schürpf per Kopf zum 1:1 gegen die Berner Oberländer. Vargas hält bei vier Toren und sechs Vorlagen in 21 Meisterschaftsspielen.

Lustrinelli, der Trainer der Schweizer U21-Auswahl, sagt ein paar Tage später über seinen Schützling: «Ruben ist eine der grossen Hoffnungen in der Schweiz. Er besitzt unglaubliches Potenzial. Und das auf der Flügelposition. Von diesem Typ Spieler haben wir hierzulande nicht viele.»

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Der ehemalige FCL-Stürmer schreibt Vargas eine «positive Unberechenbarkeit» zu. Ruben könne sich im Eins-gegen-eins durchsetzen und Tore schiessen. «Zudem besitzt er die richtige Mentalität, seine Defensivarbeit ist intelligent. Weil es nur wenige Stürmer in unserem Team gibt, kann Ruben eine wichtige Rolle im Offensivbereich spielen.»

Warum sich Vargas komisch fühlt

Trotz der Vorschusslorbeeren fühlt sich der laut dem Fussball-Portal «transfermarkt.ch» wertvollste Spieler im FCL-Kader (2 Millionen Euro) dieser Tage irgendwie «komisch». Nicht, weil Vargas noch ein Grünschnabel in einer Schweizer Auswahl ist. Auch nicht, weil ihm die Abläufe während eines Zusammenzugs noch nicht so vertraut sind wie anderen im Team.

Es hat vielmehr mit dem Ort des U21-Trainingslagers zu tun. Der Flügel erzählt lachend: «In den Tagen vor dem Spiel gegen Thun haben wir FCL-Spieler noch auf dem Kunstrasen in Kriens trainiert. Jetzt sind die Mitspieler, die Trainer und die Staff-Mitglieder andere. Und wenn man in Luzern lebt, fühlt es sich aussergewöhnlich an, wenn man in einem Luzerner Hotel übernachtet.»

Übrigens kennt Vargas auch das ganz gut: Im genau gleichen Hotel in Bahnhofsnähe pflegt der FCL jeweils die unmittelbare Vorbereitung auf ein Heimspiel aufzunehmen. Mit ein paar Stunden Ruhe und gemeinsamer Verpflegung.

Die Schweiz ist für den Doppelbürger ohne Alternative

Für Vargas ist der Zusammenzug der Schweizer U21 in Kriens eine wichtige Zeit, die er für Werbung in eigener Sache nutzen will. Am Montag steht der zweite Test gegen Italien (19 Uhr) im Kleinfeld an. Erst am 16. Oktober letzten Jahres ist der Adligenswiler überhaupt zum ersten Mal für eine Schweizer Nationalmannschaft aufgelaufen – bei der 1:3-Niederlage in Wales. Nun geht es für den Mann, der schnell ist wie der Wind, darum, sich in eine optimale Ausgangslage für die nächste EM-Kampagne zu bringen.

Ruben Vargas (1. Reihe ganz rechts) im Dress der Schweizer Nationalmannschaft:

 
 
 
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Diese beginnt im nächsten September. Die aus Topf 3 zugeloste Schweiz wird dabei auf Frankreich, auf die Slowakei, Georgien, Aserbaidschan und Liechtenstein treffen. Neben den Gastgebern Ungarn und Slowenien qualifizieren sich für die U21-Endrunde 2021 die neun Gruppensieger, der beste Gruppenzweite und die Gewinner der vier Barrage-Duelle der weiteren Gruppenzweiten.

Die Schweizer Auswahl ist für den Sohn einer schweizerisch-italienischen Doppelbürgerin und eines Dominikaners nicht bloss ein Versuchsballon. So frei nach dem Motto: Schaffe ich es in der Schweiz nicht, schliesse ich mich halt den Kickern des Inselstaates an. Vargas sagt: «Ich habe von klein auf nur immer an die Schweiz gedacht, wenn ich von einer Fussballer-Karriere träumte. In der Dominikanischen Republik, wo wir früher im Winter in den Ferien waren, ist Baseball die Nummer 1 unter den Sportarten.»

Er will alles dafür geben, um dereinst Unterschlupf im A-Nationalteam der Schweiz zu finden. «Für die Dominikanische Republik aufzulaufen kommt für mich nur in Frage, wenn mein Karriereende naht und ich es bis dahin nie in die Schweizer Auswahl geschafft haben sollte», stellt er klar.

Videosequenz seines Traumtores beiseitegelegt

Selbstverständlich ist es noch ein weiter Weg bis zum Ziel seiner sportlichen Träume. Dennoch scheint er kürzer zu sein als auch schon, weil Vargas in seiner fussballerischen Entwicklung einen grossen Sprung nach vorne gemacht hat. An seinem herrlichen Hocheckschuss im Cup-Viertelfinal gegen die Young Boys lässt sich das exemplarisch festmachen. In dieser Szene stoppt Vargas den zu kurz abgewehrten Ball, legt ihn zurecht und visiert das Ziel an. Noch vor gut einem halben Jahr hätte er in der gleichen Situation überhastet draufgehalten.

«Im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sind die anderen
Jugendlichen in die Höhe geschossen. Ich nicht.»

Ruben Vargas, U21-Internationaler des FC Luzern

Er habe es fast nicht glauben können, als der Ball oben links im Lattenkreuz eingeschlagen habe. «Ich kam mir vor wie in einem Film», sagt Vargas fast schon verlegen und erwähnt, dass es das schönste Tor seiner bisherigen Karriere gewesen sei. Den Film lässt er sicher noch ein paar Mal in seinem Kopfkino laufen. Für den Fall, dass die Erinnerung daran dereinst verblassen sollte, hat er vorgesorgt. «Die Videosequenz des Tores habe ich aufgehoben», gibt Vargas freimütig zu.

Demut lässt Vargas nicht abheben

Wenn es einem jungen Sportler traumwandlerisch gut läuft, liegt die Gefahr nahe, die Bodenhaftung zu verlieren. Bei Vargas scheint das laut eigenem Bekunden nicht möglich zu sein. «Ich bin so erzogen worden, dass ich auch in guten Zeiten schön am Boden bleibe. Und das wird mich durchs Leben begleiten.»

Aber was macht ihn da so sicher? Er sei von seinen Eltern im christlichen Glauben an Gott erzogen worden, erläutert Vargas. «Dazu gehört die Demut und das Wissen, woher man kommt.»

Jahrelang hatte er keine Chance auf ein Aufgebot einer Schweizer Nachwuchs-Auswahl. Das verbindet Vargas mit einem körperlichen Defizit. «Im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sind die anderen Jugendlichen in die Höhe geschossen. Ich nicht», erzählt er. Erst mit 17 hatte er einen Wachstumsschub. Mit 20 ist er nun bei 1,74 Metern und 68 Kilo angelangt. Die Arbeit, seinen Körper noch weiter zu kräftigen, hat er nach wie vor nicht aus den Augen verloren. Dabei geht es Vargas vor allem um das richtige Körpergefühl (zentralplus berichtete).

Schliesslich soll sein guter Lauf noch so lange wie möglich anhalten.

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