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Warum mussten die beiden Jugendlichen aus Luzern sterben?
  • Gesellschaft
Der Mischkonsum von Medikamenten, Drogen und Alkohol stellt eines der grössten Risiken für Konsumenten dar. (Bild: Pixabay)

Verdacht auf tödlichen Mischkonsum Warum mussten die beiden Jugendlichen aus Luzern sterben?

4 min Lesezeit 17.06.2020, 19:33 Uhr

Entwickelt sich in Luzern eine neue Art der Drogenszene? Einiges spricht dafür. Die Polizei hat letztes Jahr einen Ring von über 50 Jugendlichen ausgehoben, die mit unterschiedlichsten Stoffen experimentiert haben. Und nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in zwei Todesfällen.

Zwei junge Männer aus Luzern sind in den letzten zwei Wochen gestorben, mutmasslich an Drogenkonsum. Die Luzerner Staatsanwaltschaft vermutet, dass ein Cocktail aus Medikamenten und Drogen zum Tod geführt haben könnte. Die beiden Männer wurden nur 17 und 20 Jahre alt (zentralplus berichtete).

Die Luzerner Staatsanwaltschaft bestätigt die beiden Todesfälle auf Anfrage. «In beiden Fällen wurde ein toxikologisches Gutachten angeordnet», sagt Sprecher Simon Kopp. Noch ist also nicht bestätigt, dass der Mischkonsum zum Tod der beiden Männer führte. «Wir müssen die Ergebnisse abwarten. Wir rechnen damit, dass sie in wenigen Tagen vorliegen werden», so Kopp.

Die beiden Todesfälle reihen sich in eine Folge erschreckender Meldungen aus dem letzten Jahr ein, die darauf hindeuten, dass sich in Luzern eine neue Drogenszene entwickelt.

Tödlicher Medikamentencocktail

Im September 2019 teilte die Luzerner Staatsanwaltschaft mit, dass man einen Drogenring entdeckt habe, dem rund 50 Personen angehörten (zentralplus berichtete). Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren, Lehrlinge, Gymnasiasten, Hochschüler, hatten sich im Internet Drogen bestellt, sie im grösseren Stil konsumiert und weiterverkauft.

Zu dem Zeitpunkt waren bereits zwei Jugendliche am Drogenkonsum gestorben. Der erste starb 2018 in seinem Zimmer. Gemäss «NZZ» war der 18-Jährige vermeintlich über seinem Computer eingeschlafen, als seine Mutter ihn zum Abendessen holen wollte. Als sie ihn wecken wollte, stellte sie fest, dass er nicht mehr lebte.

«Die Umstände legten nahe, dass er Medikamente konsumiert hatte», sagt Staatsanwaltssprecher Simon Kopp dazu. «Die zuständige Staatsanwaltschaft hat daraufhin ein toxikologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses zeigte, dass der Mann an Mischkonsum gestorben ist», so Kopp*. 

Zweiter Fall wurde in Zürich untersucht

Am 14. Dezember 2018 forderten die Drogen ein zweites Todesopfer. Wie Recherchen von zentralplus zeigen, wurde der damals 18-jährige Luzerner ebenfalls tot in seinem Zimmer aufgefunden. Er lebte zu dem Zeitpunkt in Zürich, weshalb die dortigen Behörden den Fall untersuchten.

Es wurde eine Obduktion angeordnet. Staatsanwaltschaft und Polizei untersuchten die Umstände des Todesfalls und die Frage, ob strafrechtlich relevantes Fehlverhalten Dritter vorliegt. «Die Untersuchung ergab keine Anzeichen für eine Dritteinwirkung, die zum Tod des Mannes geführt hat. Das Verfahren wurde eingestellt», bestätigt Sprecher Erich Wenzinger. Über die genaue Todesursache will er aus Rücksicht auf die Angehörigen keine weiteren Angaben machen. 

Drogenkonsum in Luzerner Hotels

Wie die «NZZ» aufdeckte, haben sich die übrigen Jugendlichen von den Todesfällen nicht beeindrucken lassen. Im Dezember 2018 mieteten sie ein Hotelzimmer und feierten dort regelrechte Drogenexzesse. «Jeder der Freunde hat seine Lieblingsdroge dabei. Gras, Koks, Ecstasy, MDMA-Kristalle und vor allem verschreibungspflichtige Medikamente: Oxycodon, ein Schmerzmittel, und Xanax, ein Psychopharmakon», heisst es in der NZZ-Reportage.

Ein ganz ähnlicher Fall ereignete sich im Januar. Damals fand die Polizei in einem Luzerner Hotel in der Neustadt bei einer Razzia zahlreiche Drogen und rezeptpflichtige Medikamente: Darunter Amphetamin, Marihuana, psychoaktive Pilze, Morphin, Testosteron, Ketamin, Valium, Codein, Rivotril und Dormicum. Gemietet hatte das Zimmer ein 27-jähriger Mann aus Luzern (zentralplus berichtete). 

Gemäss Simon Kopp, Sprecher der Staatanwaltschaft, steht dieser Fall in keinem Zusammenhang mit dem aufgedeckten Drogenring. Es ist daher zu vermuten, dass dieser lediglich die Spitze des Eisbergs bildete. 

Drogen über Messenger-Dienst bestellt

Darauf weist ein weiteres Rechercheergebnis der «NZZ» hin. Sie berichtet, dass man sich in Luzern Drogen über einen Telegram-Kanal bestellen kann. Telegram ist ein Messenger-Dienst. Die Kanäle funktionieren ähnlich wie Whatsapp-Gruppen. Wenn man wisse, wie der Luzerner Kanal heisst, finde man ihn leicht. Jeder könne beitreten. 

In der Gruppe sprächen sich über 200 Personen ab, was sie gerade suchen oder verkaufen. Einige posten ihren Namen und ihr Alter, viele von ihnen seien Teenager.

* In einer ersten Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass die Todesursache nicht weiter abgeklärt worden sei. Weitere Abklärungen der Medienstelle der Staatsanwaltschaft ergaben inzwischen jedoch, dass ein toxikologisches Gutachten den Mischkonsum bestätigt hatte.

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