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«Warum? Meine Lieder sind furchtbar»
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Triple Bypass in Aktion: Hier als Vorband von «Nazareth» in der Chollerhalle Zug. (Bild: zvg)

Die Zuger Band mit dem härtesten Sitzleder «Warum? Meine Lieder sind furchtbar»

5 min Lesezeit 17.06.2015, 16:09 Uhr

Triple Bypass ist, das kann man wohl sagen, unermüdlich. Spielt seit 20 Jahren jeden Monat im Mr. Pickwick Pub in Zug. Trotzdem ist die Band bis heute völlig unbekannt. Das stört sie jedoch herzlich wenig – und auch dem Opernsänger in der Runde wird es nicht langweilig.

«Am besten treffen wir uns gleich im Mr. Pickwick», sagt Dave von der Band. Ja, wo denn auch sonst. Triple Bypass gehört dort mittlerweile zum Inventar.

Es ist früher Abend. Der schummrige Pub füllt sich bereits, Sitzgelegenheiten gibt es kaum noch. Doch Dave und seine Bandmitglieder, allesamt Herren um die 50 und älter, haben sich längst einen Tisch gesichert und sitzen vor ihren grossen Bieren. Es ist eine heitere Runde, alle plaudern auf Englisch durcheinander. Als Aussenseiter ist es oft schwierig zu erkennen, was Witz und was Ernst ist.

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Deutsch können die Mitglieder zwar alle, doch ist den Männern sichtlich wohler in der Muttersprache. Und die ist bis auf eine Ausnahme Englisch. Neben zwei Amerikanern sind in der Band ein Schotte, ein Südafrikaner, ein Schweizer und ein Australier vertreten.

Ein leerer Pub zum ersten Gig

Die Geschichte der Band geht über 20 Jahre zurück. Seitdem spielen sie jeden ersten Montag im Monat im Mr. Pickwick in Zug. Ein Arrangement, das per Zufall entstand. Man sei damals, in den 90ern, nach der Bandprobe einmal auf einen Drink im Pickwick gewesen. «Die damaligen Besitzer fragten uns, ob wir geschäftlich hier seien. Und als wir ihnen erklärten, dass wir gemeinsam in einer Band spielen würden, fragten sie: ‹Warum nicht gleich hier? Am Montag ist es sowieso immer leer hier, dann könnt ihr quasi hier vor Publikum proben›», erklärt John U., der im richtigen Leben Opernsänger ist.

«Als wir das erste Mal hier gespielt haben, verlangten die Pubbetreiber fünf Franken Eintritt. Weil es zudem ein schöner Sommertag war, sassen alle draussen. Kein Mensch hörte uns zu.» Daraufhin wurde der Eintrittspreis abgeschafft. Und seither kommt das Publikum.

«Man merkt, wie das Publikum ins Stutzen gerät, wenn es einen Song nicht kennt.»

Dave von Triple Bypass

Triple Bypass spielen also nun seit mehr als 20 Jahren im Pub alte Rockklassiker rauf und runter. Auf eigene Songs verzichten sie, obwohl einige der Mitglieder auch selber welche schreiben. Die Frage, weshalb man diese dem Publikum vorenthalte, beantwortet Steve ganz selbstverständlich so: «Warum? Meine Lieder sind furchtbar.» Offenbar funktionieren bekannte Lieder schlichtweg besser. «Man merkt, wie das Publikum ins Stutzen gerät, wenn es einen Song nicht kennt», sagt Dave. Darum setzt man auf Altbewährtes. Auf Neil Young, The Doors und Johnny Cash.

Dass es sich um eine reine Männerband handelt, ist kein Credo, sondern scheint sich einfach so ergeben zu haben. Frauen waren nämlich auch schon an Bord von Triple Bypass, unter anderem eine Cellistin. Derzeit jedoch sind sie eine reine «Boyband», bestehend aus Dave, Charles, Doug, zwei Johns und Steve. Eine Konstellation, die so schon lange besteht. Als letztes Bandmitglied kam der Australier Doug hinzu, doch auch er ist seit gut fünf Jahren dabei.

Nicht nur im Pub ist die Coverband zu hören. Neben Geburtstagen und Hochzeiten gehören auch Auftritte beim Zuger Seefest und als Support der schottischen Hardrockband Nazareth zum Erfahrungsschatz von Triple Bypass. Letzteres bezeichnet die Band als eines ihrer Highlights. «Es war perfekt! Wir hatten das Publikum in der Tasche.» Aber auch verschiedene Tourneen, unter anderem in Australien und den USA, hat die Band bereits auf dem Buckel.

Von aller Welt nach Zug in den Pub

Die Band ist ein Paradebeispiel für Zugs Internationalität. Nur Charles, der Schlagzeuger und Gründer der Band Pink Willy, ist gebürtiger Schweizer. Alle anderen haben ihren Kontinent oder zumindest ihre Insel verlassen und sind irgendwann während der letzten vier Dekaden in Zug gelandet. Dass sie hier bleiben würden, war bei den meisten ursprünglich nicht so geplant. Heute haben sich alle in der Schweiz etabliert, fühlen sich zuhause hier und sind in verschiedensten Branchen berufstätig.

«Eigentlich sind alle unsere Mitglieder auswechselbar. Alle ausser Dave. Er ist der Einzige, der weiss, wie man das Soundsystem bedient.»

Steve von Triple Bypass

Als richtige Schweizer Band gehen sie aber nicht durch. Dafür seien sie zu spontan, zu flexibel, erklärt John U.  «Wenn jemand einen Song hören will und wir den nicht im Repertoire haben, spielen wir ihn trotzdem.» Dann werden auch mal Texte erfunden. Charles ergänzt: «Die Band spielt bei ihren Gigs immer ohne Setlist. Das war für mich als Schweizer anfangs sehr gewöhnungsbedürftig.» Aber auch, dass sich die Band selber rühmt, ist äusserst unschweizerisch. So sagt Steve ohne mit der Wimper zu zucken: «Wir kommen gut an bei den Leuten. Sie mögen uns.»

Unsympathisch wirkt das nicht, denn gleichzeitig äussern sich die Bandmitglieder auch gerne selbstironisch. So erklärt Steve beispielsweise: «Bei uns spielen die meisten mehrere Instrumente und singen. Das heisst, eigentlich sind alle Mitglieder auswechselbar. Alle ausser Dave. Er ist der Einzige, der weiss, wie man das Soundsystem bedient.» In der Tat sind die meisten Bandmitglieder musikalisch polygam unterwegs und spielen noch in anderen Bands.

Stressfreies Musizieren

Wird es denn nach zwanzig Jahren nicht etwas öde? Nicht im Geringsten, wie sich rausstellt. Für die einen ist die Band eine gute Gelegenheit, «a night out» zu haben. Jemand erklärt, dass das Musizieren mit Triple Bypass stressfrei sei, weil niemand auf das Geld angewiesen sei, ein anderer vergleicht die Proben und Auftritte mit einer Psychotherapie. Das gemeinsame Spielen beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf die Musik. Regelmässig treffen sich die Bandmitglieder auch zum Golfspielen.

Und John U., der Opernsänger, erklärt: «Diese Band ist wie ein Hund. Auch wenn man mal was Falsches sagt oder tut, sie vergisst es schnell wieder und mag einen trotzdem noch.»

 

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