Gesellschaft

Forscherinnen liefern mögliche Erklärungen
Zwei Drittel aller Covid-Intensivfälle in Zug sind Männer

Die Arbeitsbelastung in den Spitälern ist hoch, nicht nur wegen Corona.
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Mehr Männer als Frauen, die an Covid erkrankt sind, sind auf Intensivpflege angewiesen. (Bild: zvg)

Sieben von zehn Menschen, die mit Corona in einem Intensivpflegebett liegen, sind Männer. So sieht es in Spitälern in Luzern und Zug aus. Doch warum erkranken Männer häufiger schwer an Covid als Frauen? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Wer einen Blick auf die Intensivstationen von Luzern und Zug wirft, der sieht: Da liegen mehr Männer, die an Corona erkrankt sind, als Frauen.

In Luzern mussten im Jahr 2020 gemäss Zahlen von Lustat 620 Männer, die an Corona erkrankt waren, hospitalisiert werden. Dies im Vergleich zu 420 Frauen. Das heisst: 6 von 10 hospitalisierten Covid-Patienten waren Männer. Bei insgesamt 162 Hospitalisierungen war ein Aufenthalt in der Intensivpflegestation nötig. Auch hier sind deutlich mehr Männer betroffen: Nämlich rund 112 Männer zu knapp 50 Frauen, was im Verhältnis 70 zu 30 Prozent steht.

In Zug sieht es ähnlich aus: Auch hier betrug der Anteil der an Covid-19 erkrankten Männer, die 2020 und 2021 auf der Intensivstation des Zuger Kantonsspitals stationär behandelt wurden, rund 70 Prozent.

Studien zeigen: Männer sind wirklich häufiger schwer von Corona betroffen

Dass mehr Männer mit Covid-19 auf Intensivpflegebetten angewiesen sind, ist nicht nur ein lokales Phänomen. Ärzte beobachten dies schon seit Beginn der Corona-Pandemie. Und das weltweit. Bald wurde diskutiert, ob es am Lebensstil von Männern läge. Dass diese schlicht weniger auf ihre Gesundheit achten, mehr rauchen und weniger die Hygienemassnahmen beherzigen. Ganz so einfach ist es dann doch nicht …

Jedenfalls haben sich Forscherinnen weltweit mit der Frage auseinandergesetzt, warum eine Covid-Infektion je nach Geschlecht milder oder schwerer verlaufen kann. Eine Studie, die in der Zeitschrift «Nature Communications» erschienen ist, untermauert die Erkenntnisse aus Luzern und Zug: Männliche Covid-Patienten haben eine fast drei Mal höhere Wahrscheinlichkeit, auf Intensivpflege angewiesen zu sein als Frauen. Und dies, obwohl sich die Geschlechter etwa gleich häufig infiziert hätten.

Beim Sterberisiko haben Männer laut der Studie ein knapp 40 Prozent grösseres Risiko, an Corona zu sterben. Für die besagte Studie haben die Forscher mehr als drei Millionen Corona-Fälle weltweit betrachtet, das heisst Daten aus 46 Ländern und 44 Staaten der USA ausgewertet.

Die Rolle von Sexualhormonen und dem Immunsystem

Was wir wissen: Bestimmte Vorerkrankungen wie starkes Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck sind bestimmt nicht besonders förderlich, wenn es um einen schweren Verlauf geht. So liegt die Vermutung nahe, dass Männer häufiger schwerer erkranken, weil sie eher an diesen Vorerkrankungen leiden. Die Studie von «Nature Communications» zeigt aber beispielsweise auf, dass erwachsene Männer und Frauen etwa gleich häufig an Bluthochdruck oder Diabetes leiden.

Eine andere Erklärung könnte darin liegen, dass der Rezeptor, an den das Corona-Virus im Menschen bindet, bei Männern häufiger vorkommt als bei Frauen. Dieser Rezeptor ist an der Oberfläche von Zellen zu finden und heisst ACE2. Das Corona-Virus nutze diesen Rezeptor aus, um in die Zellen einzudringen. So erklärt es «Quarks», eine öffentlich-rechtliche Medienmarke des Westdeutschen Rundfunks für wissenschaftsjournalistische Formate.

Studien würden zeigen, dass dieser Rezeptor bei Frauen seltener im Lungengewebe vorkomme. Und auch Sexualhormone spielen eine Rolle. Das weibliche Sexualhormon Östrogen verringere die Ausprägung dieses Rezeptors. Dadurch kann das Virus weniger einfach die Zellen befallen.

Haben Frauen ein stärkeres Immunsystem?

Und auch Chromosome und das Immunsystem dürften den Verlauf einer Covid-Infektion beeinflussen. Frauen haben zwei X-Chromosome, Männer ein Y- und ein X-Chromosom. Viele Gene, die das Immunsystem regulieren, liegen ausschliesslich auf dem X-Chromosom. Früher glaubte man noch, dass das zweite X-Chromosom bei Frauen inaktiv sei. Das ist mittlerweile widerlegt. Das zweite X-Chromosom kommt den Frauen also bei der körpereigenen Abwehr zugute.

Frauen haben somit laut einigen Wissenschaftlerinnen ein stärkeres Immunsystem. Das zahlt sich auch beim Corona-Virus aus. Männer würden bei einer Covid-Infektion vor allem im Alter «eine schwächere zelluläre Immunreaktion» zeigen, heisst es in einem Bericht auf der Website «Lungenärzte im Netz». Mediziner führen das auf die Evolutionsbiologie zurück: Schwangere Frauen müssen sich selbst und das ungeborene Kind vor Viren schützen.

Die Geschlechterunterschiede sind also beachtlich. Diesen will die geschlechterspezifische Medizin gerecht werden. Eine, die dazu lehrt ist Cathérine Gebhard. Sie ist Oberärztin an der Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsspitals Zürich. In einem Artikel des Spitals sagte sie, dass eine Medizin, die das Geschlecht nicht berücksichtigt, Männern und Frauen nicht gerecht werde. «Medizinischer Prototyp war einfach traditionell der Mann», wird sie zitiert. In einer Studie hat auch sie gemeinsam mit ihrer Schwester die Geschlechterunterschiede bei Corona untersucht. Mit dieser hat Gebhard unter anderem gezeigt, dass Frauen öfter an Long Covid erkranken als Männer.

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13 Kommentare
  1. Hanuelo, 31.12.2021, 16:15 Uhr

    Ich fordere mehr IPS Plätze für Frauen, am Besten eine Quote von 50 Prozent.

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  2. Feldmann, 31.12.2021, 12:21 Uhr

    Viel wichtiger als nach dem Geschlecht der COVID IPS Patienten zu recherchieren wäre doch die Frage nach der Altersstruktur und Vorerkrankungen bei den IPS Fällen.

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    1. Remo, 02.01.2022, 12:29 Uhr

      Nein der Impfstatus wäre noch interessanter und da wird es wie überall aussehen. In Luzern sind 8 von 9 Covid IPS Patienten nicht geimpft: https://www.lustat.ch/analysen/gesundheit/corona-reporting/hospitalisationen
      Wen interessieren da noch die Vorerkrankungen?

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  3. Männerversteherin, 31.12.2021, 11:03 Uhr

    Daran würde eine allfällige zivilstandsamtliche Geschlechtsänderung nichts ändern. Wenigstens die Natur bleibt bei der Vernunft.

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    1. Ein Mann, 31.12.2021, 11:09 Uhr

      Treffend formuliert, Männerversteherin. Und ich dachte immer, es gäbe nur Frauenversteher (wo ich mich selbstredend ausnehme).

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    2. Daniel Feldmann, 31.12.2021, 11:35 Uhr

      Viel wichtiger als nach dem Geschlecht zu fragen, wäre doch zu wissen wie die Altersstruktur und die Vorerkrankungen der COVID Fälle auf den gut 300 IPS Plätzen in der Schweiz ist. Das BAG veröffentlicht keine Zahlen. Wieso wohl?

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      1. Thomas Aeberhard, 31.12.2021, 11:39 Uhr

        Diese Frage könnten SIe mit etwas Nachdenken ganz gut selbst beantworten. Oder glauben Sie wirklich, ein Bundesamt erhält aus den Spitälern detaillierte Angaben zur Kranheitsgeschichte von Patienten? Schon mal was von Datenschutz gehört? Aber immer schön Verschwörungstheorien posten, gälled Sie…

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      2. Roli Greter, 31.12.2021, 16:00 Uhr

        Herr Aeberhard, Sie interpretieren da etwas zu viel hinein. VT, really? 🤔

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      3. Remo, 02.01.2022, 12:30 Uhr

        Ach da wittert einer wieder eine Verschwörung. Der Impfstatus wäre noch interessanter und da wird es wie überall aussehen. In Luzern sind 8 von 9 Covid IPS Patienten nicht geimpft: https://www.lustat.ch/analysen/gesundheit/corona-reporting/hospitalisationen
        Wen interessieren da noch die Vorerkrankungen?

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  4. Andreas Peter, 31.12.2021, 10:53 Uhr

    Interessant!
    Kann auch jemand sagen, wie viele nicht-vorerkrankte, normalgewichtige Menschen unter 65 Jahren auf der Intensivstation liegen?
    Das würde mich interessieren im Zusammenhang mit der Risikoabschätzung.

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    1. Remo, 02.01.2022, 12:31 Uhr

      Nein aber ich kann Ihnen sagen, dass im Kanton Luzern 8 von 9 Covid IPS Patienten nicht geimpft sind:
      https://www.lustat.ch/analysen/gesundheit/corona-reporting/hospitalisationen
      Gut oder?

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  5. Ein Mann, 31.12.2021, 10:10 Uhr

    Wäre es umgekehrt, fühlten sich sicherlich einige Frauen diskriminiert 😉

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  6. Karl-Heinz Rubin, 31.12.2021, 06:34 Uhr

    Der Asbekt zwischen Hausfrauen und Hausmänner scheint irgendwie verloren gegangen worden zu sein.

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