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Warum man an Zuger Tankstellen immer mehr zahlt
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Die Zuger «Discount-Tankstelle»: Weil es drei Kilometer entfernt in Sins eine günstige Tankstelle gibt, verkauft diese BP-Station in Hagendorn das Benzin ausnahmsweise zu tieferen Preisen. (Bild: mbe.)

Benzinpreise deutlich höher als in Nachbarkantonen Warum man an Zuger Tankstellen immer mehr zahlt

5 min Lesezeit 24.10.2018, 14:38 Uhr

Der Unterschied macht bis zu 12 Rappen aus: An Tankstellen, die nur wenige Kilometer auseinanderliegen, zahlt der Konsument ganz unterschiedliche Preise. Wobei der Zuger am tiefsten in die Tasche greift. Doch ganz in der Nähe gibt es günstige Alternativen.

In Zug sind nicht nur die Mieten teurer als anderswo. In Zug muss man auch fürs Benzin mehr berappen. Wobei es Autofahrer vor allem nervt, dass an den Kantonsgrenzen zu Zug das Benzin zumeist sofort günstiger ist.

Beispiel Migrol. Es stört einen Autofahrer natürlich prinzipiell, dass der Liter Bleifrei 95 in Steinhausen an der Migrol-Tankstelle Ende Oktober 171 Rappen kostet, im neuenburgischen Boudry dagegen nur 156 Rappen. Doch dazwischen liegen mehrere hundert Kilometer und der «Röstigraben». Sprich: Das sind verschiedene Lebenswelten, die sich nicht wirklich berühren.

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171 Rappen für Bleifrei 95 in Zug

Mehr ärgert Autofahrer beispielsweise, dass sie in der Shell-Tankstelle mit Migrol-Service an der Zuger Chollermühle beispielsweise 171 Rappen bezahlen, in jener in Sins, gleich ennet der Kantonsgrenze, nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt, für den gleichen Liter Benzin nur 167 Rappen. Bei der Migrol-Station im schwyzerischen Sattel kostet der gleiche Treibstoff gar nur 161 Rappen. Gar nicht zu sprechen vom «Super-Discount-Preis» von Migrol im luzernischen Emmen – wo der Autofahrer nur 159 Rappen für einen Liter Bleifrei 95 berappt.

Auch wenn es sich hier nicht um krasse Preisunterschiede handelt: Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Und vor allem ist es eben immer der Konsument, der im Kanton Zug für einen Liter Benzin mehr bezahlt und damit den Kürzeren zieht als Autofahrer in den meisten umliegenden Kantonen. Sogar an der Autobahnstankstelle St. Katharina bei Buchrain muss man nicht mehr als in Zug bezahlen. Warum ist das so? Planmässige Abzocke? Oder einfach nur Absprache?

«Der Kanton Zug ist grundsätzlich eine städtische Agglomeration, die höhere Marktpreise generiert.»

Daniel Hofer, Migrol-Unternehmensleiter

Daniel Hofer schüttelt den Kopf. Er ist Unternehmensleiter bei Migrol – die übrigens eine Gratis-App mit den Treibstoff-Preisen an allen 302 Migrol-Tankstellen in der Schweiz herausgegeben hat. «Der Endpreis ist immer ein lokaler Preis», erklärt der Mineralölexperte. Will heissen: Letzten Endes sei für jeden Tankstellenstandort die lokale Kostensituation entscheidend. Also etwa die Kosten für Liegenschaften und Löhne. Und die sind in Zug bekanntlich höher als anderswo.

«Der Kanton Zug ist grundsätzlich eine städtische Agglomeration, die höhere Marktpreise generiert – das spielt auch eine Rolle beim Benzinpreis», sagt Hofer und zappt in der Migrol-App nach Vergleichspreisen. Im Kanton Zug gibt es übrigens sechs Migrol-Tankstellen.

Nur in Zürich und in Genf ist das Benzin noch teurer

«Durch den lokalen Wettbewerb kommt es schweizweit zu unterschiedlichen Treibstoffpreisen», versichert Sabine Schenker von der Coop Mineralöl AG pauschal. Coop setze alles daran, dass die Kunden auch in diesem Wettbewerbsumfeld den bestmöglichen Preis erhielten.

Doch zurück zu Migrol. In Aarau kostet ein Liter Bleifrei 95 mit 168 Rappen beispielsweise weniger als in Zug, in Kriens bei Luzern mit 167 Rappen ebenfalls weniger. Nur Zürich, Winterthur und Genf liegen mit 171 Rappen auf dem gleichen Preisniveau mit Zug beziehungsweise mit 173 Rappen sogar noch darüber. Das Entscheidende sei, dass jede Tankstelle für sich funktionieren müsse, so Hofer von Migrol, und man Tankstellen deshalb nicht quersubventionieren könne.

Auch die Coop Mineralöl AG passt ihre Benzinpreise dem hohen lokalen Zuger Level an.

Auch die Coop Mineralöl AG passt ihre Benzinpreise dem hohen lokalen Zuger Level an.

(Bild: Mag)

Gleichzeitig veranstalten Tankstellen-Betreiber wie Migrol jüngst in Steinhausen und in Sihlbrugg Rabatt-Aktionen für Verbraucher, die dann drei Tage gelten. Den Liter Bleifrei 95 gibt’s dann plötzlich 5 Rappen billiger. Ein Ausdruck schlechten Gewissens – könnte man da in Zug nicht gleich ständig solche günstigen Preise anbieten?

Wieder verneint Daniel Hofer. «Man kann nicht immer alles billiger anbieten, das geht nur punktuell.» Nicht zuletzt seien die Margen der Mineralölgesellschaften gar nicht so gross beim Benzinverkauf. 

«Wir bitten um Verständnis, dass wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Kommentare zur Preispolitik abgeben können.»

Jane Nüssli, Shell External Relations, Baar

Für die Coop Mineralöl AG sind die Treibstoffbons Marketinginstrumente, die je nach Marktsituation lokal oder national gesetzt werden. «Marketingmassnahmen, wie sie von fast allen Unternehmen in einer freien Marktwirtschaft eingesetzt werden, haben nichts mit schlechtem Gewissen zu tun. Sie sollen den Kaufanreiz steigern», so Schenker.

Die Sache mit dem Iran

Warum ist Benzin derzeit überhaupt weltweit so teuer? Die Gründe für den rasanten Preisanstieg an der Einkaufsfront lauten: Die Weltwirtschaft boomt, die Nachfrage nach Treib- und Brennstoff steigt deshalb. Das treibt den Ölpreis nach oben. Zudem greifen die Förderkürzungen der Opec-Staaten immer besser. Nicht zuletzt bedeutet das Ende des amerikanischen Atomabkommens und das Embargo zwischen Washington und Teheran, dass sich weniger iranisches Öl auf dem Weltmarkt befindet.

Andere Mineraölgesellschaften, von denen übrigens BP und Shell ja schon traditionell ihren Sitz in Zug haben, begründen die teuren Benzinpreise im Zugerland ähnlich wie die Migrol. Wenn auch deutlich verklausulierter.

«Wir bitten um Verständnis, dass wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Kommentare zur Preispolitik abgeben können», stellt Jane Nüssli von Shell External Relations in Baar zunächst mal klar.

Die Preise an den einzelnen Standorten würden sich einerseits aus den Beschaffungskosten, andererseits auch aus der Wettbewerbsposition der Tankstelle vor Ort zusammensetzen. Zudem seien die Betriebskosten für jede Tankstelle unterschiedlich. Nüssli: «Der Schweizer Tankstellenmarkt umfasst viele Anbieter mit unterschiedlichen Geschäftskonzepten.»

Auf Zug bezogen heisst das unterm Strich: Weil hier vieles teurer ist als anderswo, kann man eben auch bei den Zuger Autofahrern mehr fürs Benzin verlangen als anderswo.

BP: Vergleichspreise haben beschränkte Aussagekraft

Der Benzinpreis hängt laut Nüssli im Übrigen nicht nur vom Erdölpreis ab. «Sondern er wird zu gut 60 Prozent von öffentlichen Abgaben bestimmt. Die Beschaffungskosten sind variabel, da die Transportwege unterschiedlich ausfallen können.»

Und Peter Kretzschmar, Mediensprecher von BP Schweiz, versucht noch zu relativieren: «Aufgrund der Wettbewerbssituation kann sich das Säulenpreisniveau jederzeit ändern, weshalb Vergleichspreise nur eine sehr beschränkte Aussagekraft besitzen.» Der aktuelle Preis am 23. Oktober liege für Bleifrei 95 zum Beispiel bei BP in St. Gallen bei 1,71 Franken, in Bülach bei 1,68 Fr., in Basel bei 1,70 Fr. und in Chur bei 1,69 Fr.

Erhellend ist das nicht unbedingt. Vor allem ändert es nichts an der Tatsache, dass die Tankstellen in Zug zu den teuersten Benzinpreisanbietern in der Schweiz zählen.

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