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Warum kein Pop-up-Parkplatz am Seetalplatz?
  • Gesellschaft
Mobilitätsexperte Kurt Metz plädiert für befristete Carparkplätze auf dem Seetalplatz. (Bild: les)

Alternativer Vorschlag zu Luzerner Car-Problematik Warum kein Pop-up-Parkplatz am Seetalplatz?

5 min Lesezeit 2 Kommentare 07.01.2019, 05:15 Uhr

Der Luzerner Mobilitätsexperte Kurt Metz will die Cars aus dem Stadtzentrum weg haben. Statt über die Umsetzung ewig zu studieren, rät er zu einem Experiment auf dem Seetalplatz. Den aktuellen Stillstand in der Car-Frage begründet er mit Führungsschwäche des Stadtrates. Und er bricht trotz aller Probleme eine Lanze für den Tourismus.

«Wir müssen den gordischen Knoten durchschlagen, statt ewig zu diskutieren und Abklärungen zu tätigen.» Kurt Metz aus Neuenkirch ist Experte für Mobilität und Tourismus. Und der Fachpublizist hat einen Lösungsansatz für die Verkehrsproblematik in der Stadt Luzern. «Warum erstellt man auf der Baubrache am Seetalplatz keinen Pop-up-Parkplatz für Cars?», fragt der 66-Jährige.

Beim Treffen auf dem Seetalplatz beginnt Metz sogleich mit den Armen auf eine freie Fläche zu zeigen. «20 Cars könnte man hier problemlos platzieren», ist er überzeugt. Und der Seetalplatz biete viele Vorteile. «Es gibt einen direkten Anschluss an Autobahnen in drei Himmelsrichtungen.» Zudem seien sanitäre Installationen vorhanden und die Fahrer könnten ihre Zeit im gegenüberliegenden Kinokomplex verbringen.

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Für Metz ist klar, dass die Cars im Stadtzentrum nichts verloren haben. Im Ausland sei dies gang und gäbe. «Madrid hat vor kurzem entschieden, Cars und Autos aus der Altstadt zu verbannen.» Ein besonders extremes Beispiel sei die italienische Stadt Perugia. «Dort hat man seit den 80er-Jahren keinen Verkehr mehr in einem relativ grossen Perimeter um den historischen Stadtkern.» Dafür habe man ausserhalb der Stadt einen grossen Parkplatz errichtet mit Anschlüssen an den öV, zu welchem auch eine seilgezogene Minimetro gehöre. Auch in Pisa parken die Autos ausserhalb. Metz: «Unsere Städte wurden nicht für den motorisierten Strassenverkehr gebaut – höchstens für Kutschen.»

Luzerns Angst vor Nein-Sagern

Metz bricht dabei auch eine Lanze für die USA. «Auch wenn wir die Amerikaner manchmal bezüglich des öffentlichen Verkehrs belächeln, sie bringen wenigstens kreative Lösungsansätze aufs Parkett und probieren sie auch aus.» So dürften gewisse Autobahnspuren etwa nur von Fahrzeugen mit mindestens zwei oder drei Passagieren genutzt werden.

«Wir dürfen nicht ewig diskutieren, so steigt nur der Unmut der Bevölkerung und die Glaubwürdigkeit der Demokratie geht vor die Hunde.»

Kurt Metz

Zurück nach Luzern. Metz erläutert seine Vision des Pop-up-Parkplatzes: «Einfach loslegen – ein Carparking am Seetalplatz lässt sich innert sechs Monaten umsetzen.» Ihn stören die ständig neuen Auslegeordnungen und Studien. «Das ist typisch schweizerisch. Man will es immer allen recht und erst noch für die Ewigkeit perfekt machen.» Man richte sich ständig an den Nein-Sagern und Nörglern aus. «Wir dürfen nicht ewig diskutieren, so steigt der Unmut der Bevölkerung und die Glaubwürdigkeit der Demokratie geht vor die Hunde», sagt Metz.

Der Kommunikationsexperte äussert auch Kritik am Stadtrat: «Mir fehlt es an Führungsqualität.» Es gehe doch in erster Linie darum, die Stadt vorwärts zu bringen. «Chef sein, heisst nicht primär, populär zu sein.» Der gebürtige Berner erinnert an Berns verstorbene Ex-Stapis Raymond und Tschäppät. «In Luzern ist die Konstellation aktuell unglücklich. Weder Stadtrat noch Parlament wollen Verantwortung übernehmen, sondern vertagen die Entscheide lieber und lassen Gesamtauslegeordnungen erstellen.» 

Auf diesen beiden Flächen könnte sich Metz Pop-up-Carparkplätze vorstellen: 

 

Erhält die Schwanenplatz-Lobby zu viel Gewicht?

«Die Pop-up-Idee finde ich deshalb spannend, weil sie befristet wäre», führt Metz aus. «Niemand muss Angst haben, dass sich etwas schleichend installiert. Man weiss, dass das Areal in ein paar Jahren überbaut wird.» Deshalb wäre es besser als der Test bei der Allmend. Dieser ist Metz sowieso unsympathisch: «Man würde die Touristen mit der Zentralbahn durch ein Loch in die Stadt führen und wieder durch den Tunnel entlassen. Der erste und letzte Eindruck wäre miserabel.

Er plädiert dafür, das Experiment am Seetalplatz zu wagen. Auch, um die Akzeptanz bei den Reiseveranstaltern und den Touristen zu testen. Denn der Knackpunkt bei einer Car-Haltestelle ausserhalb der Stadt ist der Transfer ins Zentrum. Im Normalfall fahren stündlich fünf Züge von Emmenbrücke nach Luzern. «Die Touristen, die wir anvisieren, kommen und gehen zwischen zehn und sechzehn Uhr. Es gibt also nur geringe Konflikte mit dem Pendlerverkehr», sagt Metz.

Auf dieser Grünfläche möchte Metz (Bildmitte) die Cars parkieren.

Auf dieser Grünfläche möchte Metz (Bildmitte) die Cars parkieren.

(Bild: les)

«Wobei», fährt der Tourismusexperte fort, «wir müssen uns schon noch klar darüber werden, welchen Tourismus wir überhaupt in Luzern wollen.» Vom «Durchlauferhitzer-Tourismus», wie Metz zweistündige Aufenthalte von Cartouristen nennt, hält er nicht viel. «Die Wertschöpfung ist viel zu klein.» Metz erklärt: «Die Schwanenplatz-Lobby will uns ständig ihre essentielle Rolle weis machen. Dabei profitiert bloss eine Handvoll Unternehmen, die zu einem grössten Teil eingeflogene Arbeitskräfte beschäftigen.»

Metz meint, die 2-Stunden-Touristen könnten wir genauso gut bei der Mall ausladen. «Ein Panoramakino, einige Uhrenläden und Tourismusshops würden reichen», sagt er kurzerhand.

«Luzern bleibt als Tourismusdestination sowieso auf der Landkarte.»

Touristen, die nur schon eine Nacht in Luzern verbringen, bezeichnet Metz hingegen als eminent wichtig. «Diese Touristen bringen Wertschöpfung. Denken Sie nur einmal an die Hotels und die Gastronomie.» Wer Quoten für Touristen fordere oder den Tourismus generell verteufle, sei sich gar nicht bewusst, was ein Fernbleiben von Touristen für Auswirkungen auf die hiesige Lebensqualität hätte. «Weder die Schifffahrt noch die Seilbahnen könnten rentabel betrieben werden.» Zudem verweist er auf die vielen Arbeitsplätze, die indirekt vom Übernachtungstourismus profitieren.

Als Fazit empfiehlt Metz Mut zu zeigen. Und keine Angst davor zu haben, die Touristen zu verärgern. «Luzern bleibt als Tourismusdestination sowieso auf der Landkarte. Die Qualität, die wir unseren Gästen bieten, ist hervorragend – ob man nun mit dem Car direkt an den Schwanenplatz kommt oder irgendwo auf den öffentlichen Verkehr umsteigen muss.»

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2 Kommentare
  1. Hansjörg Kaufmann, 07.01.2019, 15:25 Uhr

    Herr Casagrande reagiert als Haupt-Profiteur der 2 Stunden-Touristen prompt und etwas wirr. Der Vorschlag von Herrn Merz geht in die richtige Richtung. Es müssen ja nicht alle Cars am Seetalplatz anhalten. Am besten werden diese auf verschiedene Haltestellen eingewiesen. Nächstens verhandelt das Stadtparlament über Steuerungen und Einschränkungen des Massentourismus und eine generelle Tourismusstrategie. Dies sollte mithelfen, die richtigen Massnahmen auch zur Carproblematik treffen zu können!
    Bis die bestmöglichen Lösungen vorliegen, will der Stadtrat mit einem digitalen Parkleitsystem und neuen Tariflösungen -inklusiv Seetalplatz- den Carverkehr neu organisieren. Inzwischen ist auch allen Verkehrsfachleuten klar, dass ein Projekt Parkhaus Musegg die grundsätzlichen Verkehrsprobleme der Stadt Luzern nicht löst, sondern verschärft.

  2. Robert Casagrande, 07.01.2019, 13:16 Uhr

    Für mich ist unverständlich, wie sich jemand als Tourismusspezialist in Szene setzt, der mit solchen Rundschlägen hantiert. 20 Parkplätze lösen nicht einmal das Problem der wegfallenden Parkplätze am Inseli. Ich finde es aber durchaus richtig den mini Pop-Up- Parkplatz zu prüfen. Der Stadtrat macht es sich nicht leicht und versucht eine breit abgestützte Lösung zu finden, die es den Geschäften weiterhin ermöglicht wirtschaftlich zu funktionieren. Herr Metz möchte anscheinend eine ganze Branche aus dem Zentrum vertreiben. (Mit was ersetzen?) Diese ist ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler in Luzern. Viele Orte buhlen um unsere Kunden weil eben die Wertschöpfung gross ist. Luzern bietet ein Shoping in traumhaftem Ambiente, unvergleichlich mit einem Center von denen es tausende auf der Welt gibt. Es gilt auch zu beachten, dass mehr als die Hälfte der Tagesgäste Schweizer sind und nicht einmal ein Drittel zu diesen ungeliebten 2h Touristen gehören. Herr Metz diese “Durchlauferhitzer” sind auch Menschen und lösen umgerechnet geschätzte 1% des Gesamtverkehrs aus. Sie erkennen richtig, dass ohne die Touristen die Schifffahrt, Bahnen, die Gastronomie und Hotels nicht rentabel sind. (Hotel Montana und einige Ausnahmen sind ausgenommen)