Warum in Kriens eine Regenbogenparty steigt
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Der Verein Pride Zentralschweiz fährt für diverse Events aufs Land. (Bild: zvg)

Events auf dem Land statt grosse Pride Warum in Kriens eine Regenbogenparty steigt

4 min Lesezeit 3 Kommentare 06.09.2021, 16:21 Uhr

«Pride goes Country»: Die Pride Zentralschweiz fährt aufs Land. Auch im Bellpark in Kriens wird an diesem Samstag zu Drinks geladen. Präsident Christian Sprenger erzählt, warum die Pride aufs Land setzt – und weshalb es nicht nur primär darum geht, für die «Ehe für alle» zu mobilisieren.

Kriens, das Städtchen am Fusse des Pilatus mit einem eher biederen Ruf, ist nicht unbedingt der Ort, an dem man flatternde Regenbogenfahnen erwartet. Oder gleich eine ganze Party. Genau dies aber passiert am Samstag, 11. September. Die Pride Zentralschweiz organisiert im Bellpark Kriens ein Sommerfest mit einem Live-Auftritt. Und wo die Pride Zentralschweiz ein Fest gibt, da wird selbstverständlich auch Glitzer, Glamour und Spass versprochen. Und auch für Drinks ist gesorgt.

Keine grosse Pride in Luzern – dafür viele kleinere Events

Eigentlich wollte die Pride Zentralschweiz in diesem September eine grosse Pride in Luzern organisieren. Es wäre die erste gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie und um die Sicherheit aller zu gewährleisten, hat der Verein aber entschieden, die Pride um ein Jahr zu verschieben. Dafür gibt’s heuer ein paar «queere Highlights» – unter anderem das Sommerfest im Bellpark.

«Wir fahren nicht primär aufs Land, weil wir glauben, dass die Leute da kritischer gegenüber der LGBT+-Community eingestellt sind.»

Christian Sprenger, Präsident des Vereins Pride Zentralschweiz

In Kriens sei man auf offene Türen gestossen. Ziel ist, den Krienserinnen den Verein Pride Zentralschweiz näherzubringen, über die Themen LGBT+ aufzuklären und «einfach eine gute Zeit zu haben, zusammen anzustossen», wie der Präsident des Vereins Christian Sprenger auf Anfrage sagt.

Bewusst Kontakte auf dem Land knüpfen

Dass die Wahl auf Kriens gefallen ist, kommt nicht von ungefähr. Es ist auch kein Trostpflästerchen für die ins Wasser gefallene grosse Pride. Obwohl man darüber natürlich etwas traurig sei, wie Christian Sprenger sagt. Die Pride fährt nämlich ganz bewusst aufs Land. Mit der «Pride goes Country» will der Verein teilweise entlegene Gebiete und Menschen ansprechen.

«Wir fahren nicht primär aufs Land, weil wir glauben, dass die Leute da kritischer gegenüber der LGBT+-Community eingestellt sind», sagt Sprenger. Schliesslich werden Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen auch in der Stadt nicht zu 100 Prozent toleriert. Auch hier werden Menschen regelmässig homophob angefeindet (zentralplus berichtete). «In den grossen Städten gibt es jedoch einige Angebote für die LGBT+-Community – anders als auf dem Land», so Sprenger. «Darum wollen wir die Community auf dem Land sichtbarer machen, Aufklärungsarbeit leisten und mehr Akzeptanz schaffen.» Mit ein Ziel ist es, queeren Menschen eine Stütze zu sein – auch solchen, die vielleicht vor einem Outing stehen. Und zu zeigen, dass man eben nicht allein ist.

«Die Gespräche mit den Gemeinden, um ‹Pride Goes Country› zu organisieren, waren offen und positiv», ergänzt die Vizepräsidentin des Vereins Jennie Scragg. Sie ist Projektleiterin von «Pride Goes Country» und dem Sommerfest im Bellpark in Kriens. «Unser Ziel, die Menschen persönlich anzusprechen und speziell die ländlichen Gebiete der Zentralschweiz miteinzubeziehen, kam sehr gut an.»

Einige kritische Fragen wurden gestellt

So wehte Mitte August am Markttag auf dem Dorfplatz in Stans eine Regenbogenfahne. Der Verein war mit einem Stand vor Ort präsent. Rund 100 Personen kamen vorbei. Geplant ist, auch nach Engelberg und Altdorf zu fahren. Und vielleicht auch schon bald ins Entlebuch oder nach Muotathal? Wer weiss.

Die ersten Events auf dem Land kamen gut an. «Auch die Abstimmung ‹Ehe für alle› stiess auf grosse Resonanz», sagt Christian Sprenger. Hie und da seien ihnen «kritische Fragen» gestellt worden. Dass etwa nur eine Frau und ein Mann zusammen eine Ehe eingehen könnten. «Oder ob Queerness überhaupt gottgewollt ist.» Die Kirche in Stans kam sogar zum Gespräch an den Stand und teilte mit ihnen Essen und Getränke. Über diese Offenheit und Freundlichkeit habe man sich sehr gefreut, erzählt Springer.

Zudem kam es zu einem spontanen Treffen von Personen, die über TikTok und Instagram vom Event erfahren hatten. «Wir konnten mit allen das Gespräch führen», zieht Christian Sprenger Bilanz. «Und dass es dabei um Liebe und nicht etwa um religiöse oder politische Fragen geht.»

Hinweis: Das Sommerfest im Bellpark mit der «queeren Pop-up Bar» findet am 11. September von 15 bis 19 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos. Weitere Events findest du hier.

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3 Kommentare
  1. AentlibuecherChaeser, 08.09.2021, 20:26 Uhr

    Von unserer fünfköpfigen Familie (Ich, Frau, 3 erwachsene Söhne) gibts 5 JA! Ich kann nicht verstehen, wie man Nein stimmen kann. Das tut doch niemandem weh oder nimmt jemandem etwas weg, sondern sichert zwei Menschen, die sich lieben, ab. Hatte vor vielen Jahren auch noch Mühe damit, aber habe mich eines besseren belehren lassen! Auch weil ich zwei homosexuelle Paare in meinem Umfeld habe, denen ich nichts verwehren möchte. Sie sollen sich absichern können und genau gleich behandelt werden wie ich!

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  2. Paula Abegglen, 07.09.2021, 16:21 Uhr

    Sicher gibts hier auch morgen, übermorgen usf. wieder Regenbogen-Abstimmungspropaganda. Werde trotzdem mit Nein stimmen.

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    1. B Suter, 08.09.2021, 11:43 Uhr

      Schade dass sie für einen Staat sind, bei dem die Gleichwertigkeit der Liebe zwischen zwei erwachsenen, mündigen Menschen abhängt davon was zwischen den Beinen zu finden ist. Pervers eigentlich oder?

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