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Warum in Hünenberg das Gewerbe abwandert
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Landknappheit: Firmen die erweitern wollen, müssen mitunter aus Hünenberg wegziehen. (Bild: Andrey Popov / Adobe Stock )

Trotz Flächenreserven fehlt Platz für neue Firmen Warum in Hünenberg das Gewerbe abwandert

5 min Lesezeit 22.05.2019, 09:23 Uhr

Hünenberg ist kein Ort, der neue Unternehmen anzieht – im Gegenteil. Grund ist eine Knappheit an Gewerbeland. Deshalb wurde nun eine private Initiative angestossen, die den Missstand, so gut es geht, aus der Welt schaffen soll – durch Aufwertung und eine grössere Ausnützung.

Hünenberg gilt als attraktiv. Als Wohnlage punktet man im Dorfzentrum mit der Aussicht übers Reusstal, in den Quartieren Chämleten und Dersbach lockt der nahe Zugersee. Es gibt viele vergleichsweise bezahlbare Mietwohnungen, einen Haufen Natur als Naherholungsgebiet und mit dem Weiler Wart und einer Burgruine auch noch einiges an historischem Erbe zu entdecken.

Die Gemeinde vermarktet sich als Energiestadt, setzt auf neue Technologien und will auch attraktiver Wirtschaftsstandort sein. Dazu wurden zwei Gewerbegebiete ausgeschieden: Ein kleineres beim Dorfkern und mit dem Gewerbegebiet Bösch ein grosses auf der grünen Wiese – ohne jede Anbindung an das restliche Siedlungsgebiet.

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Gemeindepräsidentin macht Problem öffentlich

Das bekannteste Unternehmen im Bösch ist wohl der norwegische Sportartikelfabrikant Odlo. Doch ist das Gebiet ein eigener Mikrokosmos –  mit Sporthallen, einer Tierklinik, einem kleinen Hotel, einem Postamt, Pizzeria, Thai- und Grillrestauration und viel Gewerbe. Und ausserdem noch beachtlichen Flächenreserven: 26’000 Quadratmeter könnten dort noch überbaut, und somit zusätzliche Firmen angesiedelt werden.

Kunderbunte Nutzung: Im Bösch gibt es neben Dienstleisterun und einer Schule auch eine Übernachtungsmöglichkeit.

Kunterbunte Nutzung: Im Bösch gibt es neben Dienstleistern und einer Schule auch eine Übernachtungsmöglichkeit.

(Bild: mam)

Dennoch klagt die Hünenberger Gemeindepräsidentin Renate Huwyler (CVP) über zu wenig zur Verfügung stehendes Gewerbeland. Zusammen mit Parteikollege und Bauchef Thomas Anderegg sieht sie sich besonders gefordert, den guten Ruf von Hünenberg als Wirtschaftsstandort zu bewahren.

Landwirt will sein Kulturland nicht verkaufen

Was nicht einfach ist – denn die Landreserven gehören samt und sonders einem Landwirt, der das gute Kulturland lieber für seinen Betrieb nutzen will – und nicht an Verkauf oder Überbauung denkt. Man habe sich vom Gemeinderat aus mit dem Besitzer unterhalten, sagt Gemeindeschreiber Guido Wetli. Doch der wolle das Gelände als Landreserve behalten.

«Eigentlich sind wir als Wirtschaftsstandort attraktiv».

Renate Huwyler (CVP), Gemeindepräsidentin Hünenberg

Derweil muss Hünenberg an einem Zuzug interessierte Firmen vertrösten und das eigene Gewerbe, das gerne expandieren will, hat Platzprobleme. Es wandert, um Neubauten zu realisieren, zum Teil sogar in den den Nachbarkanton Luzern ab. Unschön für Hünenberg, das Nehmergemeinde im kantonalen Finanzausgleich ist und die eigene Steuerbasis verbessern, aber sicher nicht verschlechtern will.

Kanton verhindert Einzonungen im grossen Stil

Doch auch wenn das Einzonungsverbot im Kanton Zug mit Annahme des Bau- und Planungsgesetz (BPG) vom Tisch ist (zentralplus berichtete), ist Hünenberg damit nicht aus dem Schneider. «Im Rahmen der kommenden Ortsplanungsrevision können wir die Gewerbezone höchstens arrondieren», sagt Guido Wetli. Maximal 10’000 Quadratmeter könnten von allen Gemeinden zusätzlich eingezont werden, mehr wolle der Kanton nicht erlauben. Gemäss Verteilschlüssel soll auf Hünenberg knapp 7000 Quadratmeter entfallen.

Dieses Land ist eingezont wird aber nicht überbaut: Gewerbegebiet Bösch, Hünenberg.

Dieses Land ist eingezont, wird aber nicht überbaut: Gewerbegebiet Bösch, Hünenberg.

(Bild: mm)

Interessengemeinschaft gegründet

Also bleibt nur die Selbsthilfe, um in Zusammenarbeit mit Firmen und Grundeigentümern eine grössere Verdichtung zu erreichen. Der Verein Wirtschaftsregion Zugwest, die spezielle Förderorganisation der drei Zuger Ennetseegemeinden, hat dazu zusammen mit einer auf Raumentwicklung spezialisierten Firma die Gründung einer Interessengemeinschaft angestossen – den Verein Zukunft Bösch, der vor rund einem Monat offiziell gegründet wurde

«Wir möchten unsere beiden Gewerbegebiete Bösch und Moosmatt aufwerten», sagt Geimeindepräsidentin Renate Huwyler zur Initiative.

Bösch soll ein Zentrum erhalten

Der Verein, Zukunft Bösch in dessen Vorstand neben Grundeigentümern auch Vertreter ansässiger Firmen sitzen, hat sich zum Ziel gesetzt, das Gebiet voranzubringen und mit eigenen Ideen weiterzuentwickeln.

Im Vordergrund stehen dabei zwei Punkte: Zuerst sollen Verkehrsprobleme gelöst werden – sprich Parkierungsfragen angegangen und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr gwährleistet werden. Und zweitens soll das Gebiet ein eigentliches Zentrum erhalten. Eine Karte zeigt eine Zentralachse, Verpflegungspunkte, Verkehrsanknüpfungspunkte, Orte des Beisammenseins.

Verein als Ansprechspartner

So soll der Aussenraum- und die Aufenthaltsqualität im Bösch gesteigert werden und ein gutes Angebot an Verpflegung, Versorgung und Sport garantiert werden. Das Gebiet soll auch künftig sowohl Raum für Gewerbe wie auch Raum für Dienstleistung bieten. Hierfür setzt sich der Verein Zukunft Bösch zum Ziel, die Konflikte zwischen den verschiedenen Nutzungen möglichst tief zu halten.

Diesen Plan hat der Verein Zukunft Bösch fürs Gewerbegebiet.

Diesen Plan hat der Verein Zukunft Bösch fürs Gewerbegebiet.

(Bild: zvg)

«Wir setzen darauf, dass sich die Grundeigentümer so über ihre gemeinsamen Interessen klar werden», sagt Huwyler, «und so zum Partner der Gemeinde werden, welche die Landknappheit im Rahmen der nächsten Orsplanrevision beheben will – namentlich durch höhere Ausnützungsziffern. «Der Kanton hat uns signalisiert, dass eine grössere Verdichtung möglich sei», sagt Huwyler. Dadurch wären Neubauten und grössere Volumen möglich.

Interessierte Zuzüger

In der Tat gibt es im Bösch einige ältere Hallen, grosszügige Grünstreifen und zum Teil äusserst weitläufige Vor- und Parkplätze, die man geradesogut in einem Kellergeschoss unterbringen könnte. Auch eigentliche Baracken und extensive Werkhöfe sind im Gewerbegebiet noch anzutreffen.

Eine Aufwertung und bessere Verdichtung soll so mittelfristig wieder neue Betriebe nach Hünenberg bringen. «Ich erhalte immer wieder Anfragen von interessierten Firmen, sagt Huwyler. «Denn eigentlich sind wir als Wirtschaftsstandort durchaus attraktiv.»

Abtausch von Land wäre möglich

Nachdem im Kanton Zug wieder Einzonungen möglich sind, rückt in den elf Zuger Gemeinden die Überarbeitung der Ortsplanung in den Vordergrund. Die soll bis 2025 abgeschlossen werden. Der Kanton erlaubt den Gemeinden dabei nur noch Arrondierungen – oder konkret: total zehn Hektar neu einzuzonen.

Jedoch steht es den Gemeinden frei, einen flächengleichen Abtausch vorzunehmen, indem sie beispielsweise zwei Hektaren auszonen und an einem anderen Ort wieder zwei Hektaren einzonen –  etwa, wenn keine Überbauungsabsichten bestehen oder Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen zu gross sind. «Dies bedingt jedoch eine umfassende Analyse im Rahmen der Gesamtrevision der Ortsplanungen», sagt Baudirektor Florian Weber (FDP) gegenüber zentralplus.

In Bezug auf die Arbeitszonen sei festzuhalten, «dass es jeweils auch einer gemeindeübergreifenden Gesamtschau bedarf». So gebe es namentlich in Steinhausen noch viele unüberbaute Arbeitszonen.

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