Warum in diesem Schaufenster in Luzern keine Ware, sondern Kunst steht
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Arbeiten seit 2008 als Designerinnen-Duo zusammen: Lovis Caputo (links) und Sarah Kueng (rechts). (Bild: Flavio Karrer für voile.studio/zvg)

Designerinnen-Duo will dich irritieren Warum in diesem Schaufenster in Luzern keine Ware, sondern Kunst steht

3 min Lesezeit 1 Kommentar 24.03.2021, 17:01 Uhr

Im Schaufenster der Globus-Filiale – an bester Passantenlage an der Pilatusstrasse in Luzern – sind derzeit keine Kleidungsstücke ausgestellt. Stattdessen sieht man da Fallschirme und andere Kunstinstallationen. Das Designerinnen-Duo Kueng Caputo verrät, was sie sich dabei gedacht haben.

Na, hast du dich auch bereits gewundert? Wer derzeit bei der Pilatusstrasse Luzern an der Globus-Filiale vorbeiläuft, wird wohl etwas irritiert sein. Denn für einmal sind darin keine Mäntel und Schuhe mit Preisschild ausgestellt. Stattdessen gibt es gelben und weissen Stoff, der sich langsam aufbläst, bis er zu einem Fallschirm wird. Minuten verstreichen, bis die Luft entweicht und der blosse Stoff auf den Boden des Schaufensters fällt.

Werden zu einem Fallschirm und sacken dann wieder in sich zusammen: Die Kunstinstallation von Kueng Caputo. (Bild: zvg)

Was steckt hinter dieser Kunstinstallation? Dafür verantwortlich sind Sarah Kueng und Lovis Caputo vom Designerinnen-Duo «Kueng Caputo», das letztes Jahr den Schweizer Grand Prix Design gewonnen hat. Das Duo hat die Schaufenster von acht Globus-Filialen in «Wunderkammern» versetzt. Darunter auch die Schaufenster der Filiale in Luzern.

Keine Werbetafeln

Die Designerinnen genossen bei dem Kunstprojekt grosse Freiheiten. Klar war von Anfang an nur eine Sache: Nämlich dass sie die Schaufenster nicht als Werbetafeln nutzen wollen. «Für uns war es eine unglaubliche Chance, so viel öffentlichen Raum bespielen zu dürfen», sagt Kueng. Weil sie mit den Schaufenstern eine Vielzahl an Menschen erreichen.

«Wir wollten mit dieser Arbeit nichts Politisches machen und auch nicht kritisch werden.»

Kueng Caputo, Designerinnen-Duo

Menschen, die sonst nicht in Museen gehen, sich für Kunst nicht interessieren. Jetzt werden sie gezwungenermassen damit konfrontiert – jeder kann aber dennoch selber entscheiden, ob er vor den Schaufenstern stehenbleiben oder weiterlaufen möchte.

Sarah Kueng. (Bild: zvg)

Einen Moment der Ruhe in turbulenten Zeiten schenken

Sarah Kueng und Lovis Caputo haben lange Zeit darüber diskutiert, welche Message sie mit den Kunstinstallationen vermitteln wollen. Kueng sagt: «Wir wollten mit dieser Arbeit nichts Politisches machen und auch nicht kritisch werden.»

In diesen tristen Zeiten wollten die beiden Designerinnen erreichen, dass die Menschen einfach für einen Moment innehalten. Sie wollten die Schaufenster mit einer Leichtigkeit füllen. Wie den Tüchern, die sich mit Luft füllen, zu einem Fallschirm werden und dann wieder in sich zusammensacken. Wie das Atmen der Menschen – nur, dass es dank der Fallschirme eben extrem sichtbar wird.

Aus Alltagsgegenständen machen Kueng Caputo Kunst

Kueng und Caputo wollen Passantinnen und Begutachter für nur einige Sekunden gewinnen, dann haben sie ihr Ziel erreicht. «Denn wonach sehnen sich die Menschen jetzt? Nach einem Moment, der sie staunen lässt. Dass sie etwas Verblüffendes sehen.» Als Materialien verwenden Kueng und Caputo das, was wir aus dem Alltag kennen. Und doch wird mit den Materialien etwas kreiert, was man so noch nicht kennt. Der Moment der Irritation sei dabei sehr gewollt.

Hinter dem, was einfach aussieht, steckt oft eine ausgeklügelte Technik: Für die Globus-Schaufenster vereinen sich so beispielsweise Ventilatoren und Regenschirme zu einem Regenschirmballon, der sich zu einem lebendigen, winddurchtriebenen Objekt aufbläst. Oder es entstehen geschichtete bunte Berge aus Gummigranulat, die einer Sanduhr ähneln.

Bei den Kunstinstallationen handelt es sich bei jedem um ein Unikat. Die bunten Berge aus Gummigranulat werden am Ende zu einem Teppich verarbeitet. «Wir wollten am Ende nicht vor einer Tonne unbrauchbarem Material stehen», so Kueng.

Seit 2008 arbeitet das Duo zusammen

Kueng und Caputo arbeiten als Duo offiziell seit 2008 zusammen. Die zwei Frauen lernten sich vor dem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste kennen. Als Designerinnen-Duo Kueng Caputo verarbeiten sie Stein, Emaille, buntes Gummigranulat oder Porzellan. Sie fertigen mal Hocker, Leuchten, Schalen und Vasen, mal richten sie Lokale ein. Vor zwei Jahren präsentierten sie an der Design Miami Möbelstücke und eine Tasche für das italienische Modehaus Fendi.     

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1 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 25.03.2021, 08:44 Uhr

    Clevere Zwischennutzung und Globus poppt sein Image etwas auf. Kann man machen, muss man aber nicht.

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