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Warum hat Zug noch immer kein Regierungsratsfoto?
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Der Regierungsrat – ganz mobil und modern. Wird er sich auf dem neuen Foto so präsentieren? (Bild: Montage wia/ Bild: Wikipedia CC )

Vorschläge für ein wirklich repräsentatives Bild Warum hat Zug noch immer kein Regierungsratsfoto?

5 Min 11.12.2017, 10:04 Uhr

Seit beinahe zwei Jahren ist Martin Pfister Teil der Zuger Regierung. Ein aktuelles Regierungsratsfoto gibt es indes noch immer nicht. Und das, obwohl praktisch alle anderen Kantone über ein solches verfügen. Was ist der Grund dafür? Wir haben deshalb beschlossen, der Regierung etwas nachzuhelfen. Gerade noch rechtzeitig, bevor sie es selber tut.

Regierungsräte vertreten ihre Kantone, vermitteln ein Image gegen aussen, haben eine Wirkung auf ihre eigene Bevölkerung und die anderer Kantone. Deshalb scheint es den allermeisten Kantonen auch wichtig zu sein, zumindest fotografisch Einigkeit zu vermitteln.

Bloss: Der Kanton Zug hat seit fast zwei Jahren, nämlich seit der Wahl Martin Pfisters, kein gültiges Foto mehr. Auf der Webseite findet man bloss Einzelfotos der Exekutivmitglieder. Eine Ausnahme?

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Wir blättern durch den Schweizer Regierungsdschungel. Tatsächlich haben praktisch alle Kantone ein Bild ihrer Exekutive gut präsentiert auf ihrer Webseite. Alle ausser Zürich und eben Zug.

Mal konservativ, mal industrienah, mal im Bachbett stehend

Die vorhandenen Bilder sind aussagekräftig. Während sich die naturverbundenen Thurgauer Regierungsräte im Bachbett tummeln, mag es der männerlastige Kanton Appenzell Ausserrhoden lieber konservativ vor dem Regierungsgebäude. Immerhin die Krawatten sind schön bunt. Noch konservativer wird’s jedoch in Innerrhoden, wo die Exekutive im schwarzen Umhang und – Obacht, mit Schwert – vor der Holztäferung posiert. Wie man uns bei der dortigen Ratskanzlei erklärt, werde das Foto jeweils am Tag der Landsgemeinde getragen, weshalb der Rat Mäntel trage und die Männer einen Degen.

Der Regierungsrat von Appenzell Innerrhoden zeigt sich konservativ und beständig. Die Umhänge bleiben Jahr für Jahr, der Hintergrund auch.

Der Regierungsrat von Appenzell Innerrhoden zeigt sich konservativ und beständig. Die Umhänge bleiben Jahr für Jahr, der Hintergrund auch.

(Bild: Kanton Appenzell Innerrhoden)

Die Urner kommen uns vom Gotthardtunnel entgegen und die Aargauer stehen passenderweise im Atomkraftwerk – vermuten wir zumindest. Besonders gelassen kommen die Freiburger (siehe Bild unten) daher. Gemeinsam kochend präsentieren sie sich und vermitteln damit ein wunderbares Bild von Einigkeit und Freude. Und auch Luzern erscheint frisch auf dem Dach des Luzerner Kantonsspitals.

Ein Regierungsratsfoto vermittelt unweigerlich ein Image. Aha, mit diesen Leuten haben wir’s zu tun. Diese Damen und Herren lotsen uns durch turbulente Finanzzeiten, sorgen für ein vernünftiges Gesundheitssystem und beschliessen, wie die Bildung unserer Kinder vonstattengehen soll.

Der Fotograf interpretiert

Dass mit einem Regierungsratsfoto eine wichtige Symbolik einhergeht, bestätigt auch der Zuger Fotograf Fabrizio Vignali. Und er ist der Ansicht, dass sich eine Regierung gut überlegen solle, in welchem Umfeld sie sich ablichten lasse. Für zentralplus interpretiert er Beispiele verschiedener Schweizer Kantone.

«Wozu die Degen und die Mäntel? Das wirkt schon beinahe wehrhaft.»

Fabrizio Vignali, Fotograf

So etwa auch das oben stehende von Appenzell Innerrhoden: «Technisch gesehen ist das ein gutes Foto. So ist es etwa korrekt ausgeleuchtet, die Komposition ist stimmig, auch wenn diese klassische Art schnell als altbacken aufgefasst werden kann.»

Und der Fotograf gibt jedoch zu bedenken: «Die Bildaussage und die Körpersprache lassen hier viel Interpretationsfreiraum offen. Wozu die Degen und die Mäntel? Soll hier der Bezug zur Vergangenheit und zur Tradition gemacht werden? Das wirkt schon beinahe wehrhaft. Die dunklen Mäntel haben etwas von einer Geheimloge an sich.»

Vignali wundert sich zudem, warum die Frau keinen Degen trage. Ausserdem weist er darauf hin, dass die Personen rechts im Bild einen grösseren Abstand zur Gruppe haben und dass es scheint, als wolle die Frau im Bild den Abstand verringern, indem sie sich nach rechts lehnt.

Haben sichtlich Spass miteinander: Die Fribourger Regierungsräte beim Kochen.

Haben sichtlich Spass miteinander: Die Fribourger Regierungsräte beim Kochen.

(Bild: Keren Bisaz, Mirages Photographie)

Spass an der Arbeit oder doch zu viele Köche?

Viel Lob übrig hat Vignali für das Staatsratsfoto aus Freiburg, auf dem die Räte gemeinsam in einer Küche posieren. «Dies ist ein Beispiel eines modernen Fotos, welches toll umgesetzt wurde und eine ebenso gute Wirkung erzielt. Der Teamgedanke wurde schön dargestellt. Man sieht den Politikern den Spass an, den sie beim Shooting hatten», sagt der Fotograf. «Natürlich kann nun jemand mit der Argumentation kommen, dass zu viele Köche den Brei verderben. Das wäre meiner Meinung nach jedoch zu spitzfindig.»

«Die Zuger haben es verpasst, Teamgeist zu zeigen.»

Fabrizio Vignali, Fotograf

Und wie sieht es denn mit der aktuellen Präsentation der Zuger Regierungsräte aus? Was sagt Vignali dazu? «Die Zuger haben es verpasst, Teamgeist zu zeigen. Zwar ist die Schachbrettanordnung modern, wirkt in diesem Fall aber wie ein beliebiges Mitarbeiterregister.» Ausserdem findet es der Fotograf schade, dass der Hintergrund nicht bei jedem Rat gleich wirkt. So entstehe das Gefühl, dass das ganze Ensemble etwas zusammengewürfelt sei.

So präsentiert sich der Zuger Regierungsrat auf der aktuellen Homepage.

So präsentiert sich der Zuger Regierungsrat auf der aktuellen Webseite.

(Bild: Kanton Zug)

Auf das fehlende Regierungsratsfoto angesprochen, erhalten wir eine erstaunliche Antwort: «Ein Gruppenfoto vom Zuger Regierungsrat ist in Bearbeitung und wird Mitte dieser Woche online publiziert», schreibt Sabine Windlin, die Kommunikationsbeauftragte der Zuger Direktion des Innern. Es sei reiner Zufall, dass zentralplus genau in diesem Moment nachfrage.

Bald gibt es auch aus Zug ein Bild

Man darf also gespannt sein, wie sich die Zuger Regierung auf dem brandneuen Bild präsentieren wird. Und wir haben flugs ein paar eigene Vorschläge gemacht.

Wie wär’s denn mit einem stürmischen Statement? Der Zuger Regierungsrat ist gegen Wind und Wetter gewappnet und stellt sich gemeinsam den potenziellen Steuerwellen und dem kalten NFA-Wind? Und das, während die Frisuren perfekt bleiben.

Diese Woche wird das neue Zuger Regierungsratsbild veröffentlicht. Ob es so aussehen wird?

Diese Woche wird das neue Zuger Regierungsratsbild veröffentlicht. Ob es so aussehen wird?

(Bild: Montage wia)

Der Kanton Zug ist mittendrin. Nah an Zürich, der pulsierenden Wirtschaftshauptstadt, aber auch nah am gemächlicheren, bodenständigen Luzern. Mit dem Zug in 40 Minuten am Flughafen, von dort innert kürzester Zeit im Silicon Valley, im Vatikan, in Usbekistan. Umgekehrt sind wir ganz leicht zu erreichen für internationale Konzerne und Crypto-Startups. Zug ist mobil, und das könnte man auch mittels Bild so vermitteln.

Der Regierungsrat – ganz mobil und modern. Wird er sich auf dem neuen Foto so präsentieren?

Der Regierungsrat – ganz mobil und modern. Wird er sich auf dem neuen Foto so präsentieren?

(Bild: Montage wia/ Bild: Wikipedia CC)

Oder wird’s für einmal ganz konservativ? Ruft sich die Exekutive seine alten Werte ins Bewusstsein und merkt, dass Degen und Umhang unweigerlich zu mehr Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit verhelfen? Dann würde das Bild vielleicht so aussehen. Dann hoffen wir jedoch, dass auch Frau Weichelt einen Degen erhält. Und natürlich gehört Frau Landammann in die Mitte des Bildes.

Eine – natürlich völlig fiktive – Anlehnung an das Beispiel der Kollegen aus der Ostschweiz. So könnte sich der Zuger Regierungsrat von der konservativen Seite zeigen.

Eine – natürlich völlig fiktive – Anlehnung an das Beispiel der Kollegen aus der Ostschweiz. So könnte sich der Zuger Regierungsrat von der konservativen Seite zeigen.

(Bild: wia/Montage)

 

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