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Warum gibt man den Pannenstreifen in Zug nicht frei?
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Jeden Morgen stauen sich Autos der Pendler nach Zug vor der Nordzufahrt: Der Pannenstreifen (rechts im Bild) liegt dagegen völlig brach und könnte – freigegeben – für mehr Verkehrsfluss sorgen. Und für weniger Stau auf der Autobahn. (Bild: woz)

Mittel, um Staus von Zuger Autobahn zu verbannen Warum gibt man den Pannenstreifen in Zug nicht frei?

5 min Lesezeit 2 Kommentare 26.10.2017, 16:58 Uhr

Während bei der Ausfahrt Küssnacht der Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur freigegeben wurde, stauen sich die Fahrzeuge im Kanton Zug an neuralgischen Stellen noch immer auf der Fahrbahn. Damit steigt nicht nur die Stau-, sondenr auch die Unfallgefahr. Es fragt sich: Warum schaffen die Behörden keine Abhilfe?

Dass die Autos auf der Zuger Nordzufahrt jeden Morgen im Stop-and-Go bis in die Stadtmitte zuckeln, ist nichts Neues. Dass der Stau der Pendler in die Boom-Town schon weit vorher, nämlich auf der Autobahn, beginnt, darüber ärgern sich zumeist nur die Pendler selber – wenn sie mitten auf der Autobahn halten müssen.

Denn wer diesen versteckten Rückstau von der Nordzufahrt als Nichtbeteiligter miterleben will, muss sich schon etwa auf die Autobahnbrücke bei der Schochenmühle stellen. Von dort kann man bestens beobachten, wie sich all die «Goldnuggets» (Autoscheinwerfer von vorne) und «Rubine» (Autorücklichter) zu dichten Schmuckketten der unschönen Art formieren.

Wer dem Stau zuschaut, fragt sich dann schnell: Warum eigentlich geben die Strassenbehörden – sprich: das Astra – auf Initiative des Baudirektors des Kantons Zug nicht einfach den Pannenstreifen für die Autofahrer frei?

In Rüti bei Rotkreuz herrscht dasselbe Problem

Damit könnte man nämlich zum einen die Einfahrt auf die Nordzufahrt verlängern. Zum anderen den Stau von der Autobahn holen und damit die Gefahr von Auffahrunfällen minimieren. Solche Kollisionen ereignen sich ja in letzter Zeit immer öfter in Rüti, wo die Pendler in die andere Zuger Boom-Town, sprich: nach Rotkreuz zu Roche, abbiegen. Auch dort könnte ein aufgehobener Pannenstreifen mehr Verkehrsfluss und damit weniger ineinanderkrachende Autos bescheren.

Hinter den Kulissen: Der morgendliche Stau von der Autobahn auf die Zuger Nordzufahrt. Die Staus werden politisch verdrängt, die Zuger Baudirektion hat keine neuen Massnahmen geplant.

Hinter den Kulissen: Der morgendliche Stau von der Autobahn auf die Zuger Nordzufahrt. Die Staus werden politisch verdrängt, die Zuger Baudirektion hat keine neuen Massnahmen geplant.

(Bild: woz)

Dass solche Staubekämpfungsmassnahmen kein Humbug sind, beweist zum einen die Tatsache, wie seriös das Thema Pannenstreifen jüngst auf Zustimmung bei Besuchern der «Arena» im Schweizer Fernsehen stiess. Da wurden Möglichkeiten der Staubekämpfung auf Schweizer Strassen diskutiert.

Und es ist sicher eine veritable Lösung, durch die Aufhebung des Pannenstreifens zusätzlichen Verkehrsraum zu schaffen. So, wie man es in Deutschland etwa seit Langem im Grossraum Frankfurt am Main sehen kann – wo man eine dreispurige Autobahn flugs in eine vierspurige verwandelt hat.

Die verlängerte Ausfahrt in Küssnacht

Aber auch gleich nebenan gibt es bereits gute Beispiele. An der Kantonsgrenze von Zug gibt es beispielsweise schon so eine solche «Nicht-mehr-Pannenstreifen-sondern-Stauverlagerungs-Variante».

In Küssnacht hat man die Autobahnausfahrt ins Gewerbegebiet Fänn aus Richtung Zug um einige hundert Meter verlängert, indem man einfach den Pannenstreifen aufgehoben hat. «Diese Massnahme löst den Stau zwar nicht grundsätzlich auf», sagt die Kantonspolizei Schwyz. Aber dadurch gebe es zumindest keinen Stau mehr auf der Autobahn.

«Wir müssen zudem Nothaltebuchten erstellen und Anschlüsse anpassen.»

Thomas Rohrbach, Astra

«Die Umsetzung einer Pannenstreifen-Umnutzung (PUN) im Sinne eines zusätzliches Fahrstreifens bedingt allerdings bautechnische Anpassungen des Pannenstreifens», wie Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra) sagt. Sprich, die Breite, aber oft auch der Strassenunterbau müssten angepasst werden. Denn Pannenstreifen weisen oft nur zwei, allenfalls 2,5 Meter Breite auf. Eine Fahrspur hingegen misst mindestens 3,5, eher aber 3,75 Meter.

«Wir müssen zudem Nothaltebuchten erstellen und Anschlüsse anpassen», erklärt Rohrbach. Dies seien umfassende Massnahmen, welche eine öffentliche Auflage bedingen würden. Das heisst, das Einspracheverfahren läuft unter Umständen bis zum Bundesgericht. Die reine Anpassung eines Autobahnanschlusses sei dagegen etwas weniger umfangreich, erfolge aber immer auch in Absprache mit den lokalen Behörden. 

Probleme bei Brücken und Tunneln

Nicht zuletzt muss ein Autobahnabschnitt ohne Pannenstreifen laut Rohrbach ein entsprechendes Verkehrsleitsystem erhalten, welches den Autofahrern die Freigabe beziehungsweise die Schliessung des Pannenstreifens als Fahrspur anzeigt. Etwa nach dem Motto: «Bei Stau Pannenstreifen benutzen.»

Eine weitere Problematik sei, dass viele Brücken einen reduzierten Pannenstreifen aufweisen und so eine Aufhebung des Pannenstreifens nur mit Veränderungen am Bauwerk möglich sei. «Gleiches gilt für Tunnel, wo der Streifen meist gänzlich fehlt.»

Weitere Umnutzungen des Pannenstreifens sind in folgenden Regionen auf den Autobahnen geplant: Aargau, Basel, Bern, Genf, Lausanne, Winterthur, Zürich. Warum also nicht auch in Zug?

«Es gibt keine neuen Massnahmen für die Nordstrasse.»

Urs Hürlimann, Zuger Baudirektor

Zumal Urs Hürlimann, seines Zeichens kantonaler Baudirektor, keine anderen Stauentlastungen auf der Nordzufahrt geplant hat. «Es gibt keine neuen Massnahmen für die Nordstrasse», so der FDP-Magistrat. Was eine Aufhebung des Pannenstreifens auf der Zuger Autobahn angeht, verweist der Zuger Regierungsrat auf das Astra.

Der Zuger Baudirektor Urs Hürlimann.

Der Zuger Baudirektor Urs Hürlimann.

(Bild: zvg)

«Für die Autobahnen ist das Astra zuständig», sagt Hürlimann. Wenn das Astra zum Schluss komme, es wolle Pannenstreifen auf Autobahnen zugunsten eines besseren Verkehrsflusses aufgeben, und dies der Verkehrssicherheit helfe, dann sei er selbstverständlich dafür. «Aber nochmals: Einen solchen Entscheid fällt das Astra.»

Korrekt. Aber vielleicht könnte Regierungsrat Urs Hürlimann auch mal beim Astra anrufen und einen entsprechenden Vorschlag machen?

Deutlich weniger Unfälle und weniger Umweltbelastung

Die Pannenstreifen-Umnutzung (PUN) ist eine Verkehrsmanagement-Massnahme und bedeutet laut dem Astra, dem Bundesamt für Strassen, dass die Pannenstreifen in den Spitzenzeiten als Verkehrsstreifen freigegeben werden. In den Spitzenzeiten können die Fahrzeuge den Pannenstreifen als Fahrstreifen nutzen. Dies verbessert laut Astra den Verkehrsfluss und reduziert die Umweltbelastung.

Die Bilanz des Pilotversuches von Morges-Ecublens, der schon seit sechs Jahren im Kanton Waadt läuft, zeigt: Pendler müssen nicht mehr einfädeln, Spurwechselmanöver entfallen. Der Verkehrsfluss wird durch eine Pannenstreifenumnutzung also klar verbessert.

Es gibt keine Staus bei freigegebenen Pannenstreifen. Die Unfallrate liegt generell um 15 Prozent und lokal sogar bis 80 Prozent tiefer. Und last, but not least tut das Ganze auch noch der Umwelt gut. Denn der Schadstoffausstoss in unmittelbarer Strassennähe nimmt durch so eine Massnahme um rund 20 Prozent ab. 

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2 Kommentare
  1. Daniel Huber, 28.10.2017, 10:26 Uhr

    @mariostuebi: Es ist natürlich viel intelligenter, wenn sich die Autos vor der Ausfahrt auf der rechten Fahrspur über einen 1km stauen und es so täglich zu Auffahrunfällen kommt, allenfalls noch mit Verletzten, wie diese Woche. Warum also nicht auf den Pannenstreifen schwenken? Im Gotthardtunnel hat es meines Wissens keine Ausfahrt…

  2. Mario Stübi, 28.10.2017, 01:53 Uhr

    Was für ein tendenziöser Artikel. Macht man Pannenstreifen für den Fall von Autopannen oder um sie bei Stau freizugeben? Mit dieser Argumentation werden dereinst auch die Pannenstreifen im Gotthard zweckentfremdet, wenn die zweite Röhre in Betrieb ist.