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Warum FCL-Sportchef Meyer das Budget fehlt
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Da war die (Fussball-)Welt noch in Ordnung: Sportchef Remo Meyer und Trainer Fabio Celestini im Gespräch während des FCL-Trainingslagers in Spanien. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Nach Verstärkung sucht er per Video Warum FCL-Sportchef Meyer das Budget fehlt

7 min Lesezeit 1 Kommentar 27.03.2020, 05:01 Uhr

Kann die aktuelle Meisterschaft zu Ende gespielt werden? Und wann beginnt die neue? Diese Ungewissheit in Zeiten des Coronavirus macht den Job von FCL-Sportchef Remo Meyer zu einer grossen Herausforderung. Der 39-Jährige sagt, wie er damit umgeht.

Die aktuelle Pandemie hat die Fussballwelt praktisch zum Erliegen gebracht und drängt den FCL an den Rand der Existenz (zentralplus berichtete). Die Spieler müssen sich bis zum 19. April zu Hause mit Pulsuhr und individuellem Trainingsprogramm fit halten (zentralplus berichtete).

Die Corona-Krise verunmöglicht Sportchef Remo Meyer aber auch eine Kaderplanung. Dabei müsste er sich schon damit beschäftigen, was im nächsten Sommer sein wird.

zentralplus: Remo Meyer, welches Szenario halten Sie für am realistischsten: Dass die Saison ab Mai zu Ende gespielt wird? Dass sie abgebrochen wird? Dass frühestens 2021 wieder Fussball gespielt wird?

Remo Meyer: Es wäre aus der Luft gegriffen, wenn ich eine Tendenz wagen würde. Die kurzfristige Zukunft im Schweizer Fussball ist sehr ungewiss. Darum ist für mich zentral, Geduld zu bewahren und abzuwarten. Die sportliche Planung ist momentan das Schwierigste überhaupt. Alles hängt davon ab, ob die aktuelle Meisterschaft zu Ende gespielt und wann die nächste gestartet werden kann – daher ist die Kaderplanung für die kommende Saison eine grosse Herausforderung. Es gibt verschiedene Fragen, die heute nicht beantwortet werden können.

zentralplus: Aber Sie müssen doch von einer Eventualplanung ausgehen. Sonst können Sie ja die Arbeit per dato einstellen.

Meyer: Natürlich arbeiten wir in der sportlichen Leitung mit verschiedenen Szenarien – im Moment beschäftigen wir uns vor allem mit der Sichtung von möglichen Verstärkungen über Scouting-Plattformen. Aber klar ist, dass die Kaderplanung des FCL derzeit auf Eis gelegt ist. Beruhigend ist, dass wir über 20 Spieler im FCL-Kader haben, die nächste Saison noch einen gültigen Vertrag besitzen. Es ist entscheidend für uns zu wissen, wann der Meisterschaftsbetrieb weitergehen wird – dies auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Zukunft des Vereins, die im Moment absolute Priorität geniesst.

zentralplus: Als Sportchef ist es Ihre Aufgabe, eine Vorstellung von der Kaderzusammenstellung für den Sommer im nächsten Jahr zu haben. Inwiefern haben Sie eine Chance, dieser Anforderung gerecht zu werden?

Meyer: Es ist richtig, dass die kurz- und mittelfristige Planung zu meinen Hauptaufgaben gehört. Aber zurzeit ist es schwierig abzuschätzen, was für Auswirkungen die Corona-Krise auf den Schweizer Fussball haben wird. In ein paar Wochen wissen wir hoffentlich mehr.

zentralplus: Darf man Ihre Aussagen so zusammenfassen, dass Sie aktuell nicht wissen können, wohin die Reise führt und wie viel Geld Sie dafür im Portemonnaie haben werden?

Meyer: Wir werden erst wissen, wie die finanzielle Situation beim FCL sein wird, wenn die Krise vorbei ist.

«Es ist nicht auszuschliessen, dass das Sportbudget für nächste Saison angepasst werden muss.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

zentralplus: Heisst das konkret, dass Sie aktuell nicht wissen, wie hoch Ihr Budget für Spielerkäufe im Hinblick auf nächste Saison sein wird?

Meyer: Wäre alles in normalen Bahnen verlaufen, wäre es mir jetzt natürlich bekannt. Aber durch das Unvorhersehbare werden im Verein selbstverständlich andere Prioritäten gesetzt. Es ist nicht auszuschliessen, dass das Sportbudget für nächste Saison angepasst werden muss. Aber das hängt eben auch davon ab, ob die aktuelle Meisterschaft zu Ende gespielt werden und ob die kommende Saison zum vorgesehenen Zeitpunkt beginnen kann.

zentralplus: Das heisst letztlich auch, dass Ihnen aktuell die Hände gebunden sind.

Meyer: Ja, für den Moment sind neue Vertragsabschlüsse oder Verlängerungen auf Eis gelegt. Dies gilt aber auch für andere Projekte innerhalb des FCL, die momentan gestoppt worden sind. 

«Ich bekomme noch Angebote. Aber es ist weniger los als für gewöhnlich.»

zentralplus: Funktioniert der Spielermarkt in Zeiten der Corona-Krise überhaupt noch – oder anders gefragt: Werden Ihnen derzeit Spieler angeboten?

Meyer: Ja, ich bekomme noch Angebote. Aber es ist weniger los als für gewöhnlich.

zentralplus: Wird es vor Beginn der nächsten Spielzeit ein uneingeschränktes Transferfenster geben können?

Meyer: Aktuell gehe ich davon aus, dass das reguläre Transferfenster geöffnet sein wird. Je nach Verlauf der Pandemie könnte es aber möglicherweise auch vom Sommer auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Das hängt massgeblich davon ab, ob die verschiedenen Länder die Corona-Krise überwunden haben und zu einem ähnlichen Zeitpunkt wieder zum gewohnten Fussball-Geschäft zurückkehren können.

zentralplus: Sie können in diesen Tagen und Wochen keinen möglichen Neuzugang beobachten, weil der Fussball praktisch überall ruht. Was bedeutet das für den FCL im Hinblick auf die sportliche Zukunft?

Meyer: Wir können tatsächlich niemanden live vor Ort beobachten, weil der Fussball auch international zum Erliegen gekommen ist. Aber ich kann tiefer eintauchen in die Scouting-Plattform und mir ein geschärftes Bild von möglichen Kandidaten machen. In dieser Form wäre mir das im fussballerischen Alltag nicht möglich.

zentralplus: An welchen Parametern orientieren Sie sich in dieser Zeit der Unsicherheit?

Meyer: Für Ihre Fragen habe ich Verständnis, aber lassen Sie mich festhalten, dass es mir in diesen Tagen schwer fällt, den Fussball in den Fokus unseres aktuellen Zusammenlebens zu rücken. Jetzt stehen für mich die Gesundheit und die Solidarität der Bevölkerung an oberster Stelle.

zentralplus: Dennoch besteht Informationsbedarf zu einem Verein, der in der Gunst der Zentralschweizer Sportinteressierten ganz oben steht und um seine Existenz ringt. Wie führen Sie in dieser Zeit die Spieler?

Meyer: Wir sind via Telefon oder Mail in Kontakt, selbst von Angesicht zu Angesicht unter dem gebotenen Abstand des Social Distancing von mindestens zwei Metern.

«Bei den sechs betroffenen Spielern herrscht eine erhöhte Unsicherheit im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft.»

zentralplus: Gerade die Spieler mit einem per Ende Juni auslaufenden Vertrag werden Gesprächsbedarf angemeldet haben.

Meyer: Das ist so. Bei den sechs betroffenen Spielern (Ryder Matos, Shkelqim Demhasaj, Simon Grether, Eric Tia, Christian Schwegler und David Zibung, Anm. d. Red.) herrscht eine erhöhte Unsicherheit im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft. Wir werden zusammen im Austausch bleiben und die Entwicklungen laufend besprechen.

zentralplus: Sind alle FCL-Kaderspieler seit Ausbruch der Corona-Krise Anfang März in der Schweiz geblieben?

Meyer: Ja, das wollten wir so.

zentralplus: Aus Gründen der Solidarität?

Meyer: Nicht nur. Es ging auch um die Frage, wie lange die Meisterschaft unterbrochen sein wird. Und auch um eine politische: Sind die Grenzen offen, damit die Spieler rechtzeitig zu uns hätten zurückkehren können, wenn es wieder los geht?

zentralplus: Als Sportchef verantworten Sie auch die gesamte FCL-Nachwuchsabteilung. Wie steht der Verein Nachwuchstalenten zur Seite in einer Zeit, in der die jungen Menschen wegen der möglichen Verschiebung des Abschlusses ihrer Ausbildung stark verunsichert sind?

Meyer: Natürlich sind Schule und Ausbildung ein grosses Thema, auch deshalb, weil viele zurzeit zu Hause selbstständig arbeiten müssen. Aber die Umstellung betrifft auch die Eltern. Zusammen mit Pius Kaspar, dem Technischen Leiter des Nachwuchses, und den Nachwuchstrainern wollen wir alle so gut wie möglich begleiten. Schliesslich sitzen wir alle im gleichen Boot. Wichtig ist ein guter und direkter Kommunikationsfluss, den wir gewährleisten können.

«Bis dato ist mir keine Corona-Infizierung in unserer Organisation bekannt.»

zentralplus: Beeinflusst Ihre Betreuung in diesen Tagen auch massgeblich die Zahl der Talente, die sich vom FCL abwenden könnten?

Meyer: Wir sind eine gute Adresse in der Schweiz. Darum schätze ich diese Gefahr als sehr gering ein.

zentralplus: Wie sieht eigentlich Ihr aktueller Tagesablauf aus? Sie können es wohl bei ein paar wenigen Stunden bewenden lassen.

Meyer: Auf Stufe unserer Geschäftsleitung ist der Austausch zurzeit ein intensiver, denn auf organisatorischer Ebene läuft enorm viel. Darüber hinaus geht es darum, die neuen Strukturen im Nachwuchs festzusetzen. Und mit den Spielern und weiteren Angestellten des FCL bin ich auch im regen Austausch. Zudem kann ich mich intensiver um das Scouting kümmern.

zentralplus: Wissen Sie von einem Corona-Infizierten von der ersten Mannschaft bis zu den jüngsten Junioren?

Meyer: Nein, bis dato ist mir kein Fall in unserer Organisation bekannt.

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1 Kommentare
  1. Sandro Luchsinger, 02.04.2020, 09:04 Uhr

    Lieber Herr Meyer

    Setzen Sie auf die Academy, die jungen Talente des FC Luzern. Das ist ersten günstiger, zweitens sympathisch (Zentralschweizer Spieler). Die sind motiviert und wollen zeigen, was sie können. Ich schaue mir viel die Spiele der U21 an. Ich denke zB an Spieler wie Lino Lang oder Fabian Rüedi. Die beiden fallen mir immer wieder auf, die könnten locker im 1. Team mitspielen. Geben Sie doch diesen Spielern eine Chance. Das Publikum braucht solche Zentralschweizer. Das ist Identifikation!

    Ich freue mich, diese nächste Saison in der swissporarena auflaufen zu sehen 🙂

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Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.