Warum es kein Zuger mehr in den Bundesrat schafft
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Das Berner Parlamentsgebäude in voller Pracht: Hier residiert auch der Bunderat – seit Jahrzehnten, allerdings ohne Zuger Beteiligung. (Bild: Guido Gloor Modjib/Flickr.com)

Die letzten vier Versuche scheiterten teils knapp Warum es kein Zuger mehr in den Bundesrat schafft

6 min Lesezeit 1 Kommentar 23.11.2018, 12:31 Uhr

Seit knapp 40 Jahren hat Zug keinen Bundesrat mehr. Nun ist jüngst auch der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin gescheitert. Alles nur ein Ergebnis von speziellen politischen Konstellationen – von Glück und Zufall? Oder hat Zug ein Problem in Bern? zentralplus analysiert die Gründe für Zugs Bundesratsmisere.

Das war wirklich ein superknappes Finish. Peter Hess, CVP-ler aus Unterägeri unterlag 1999 bei den Bundesratswahlen erst im sechsten Wahlgang knapp gegen den offiziellen CVP-Kandidaten Joseph Deiss aus Fribourg – und zwar mit nur einer einzigen Stimme!

Hess hätte damit in die Fussstapfen von Hans Hürlimann treten können. Letzterer war bekanntlich ebenfalls CVP-Politiker, Vater des Zuger Schriftstellers Thomas Hürlimann, und von 1973 bis 1982 Bundesrat – wohlgemerkt: der letzte Zuger Bundesrat. Denn seit 36 Jahren hat es kein Zuger mehr in die Landesregierung geschafft.

Tännler wurde Zweiter im parteiinternen Nominationsverfahren

Zugs Baudirektor Heinz Tännler hat sich dann zwar 2011 als Bundesratskandidat beworben. Er scheiterte aber gegen Bruno Zuppiger als Zweiter im parteiinternen Nominationsverfahren. Als Zuger Landammann bekundete der SVP-Regierungsrat 2015 nochmals Interesse für eine Bundesratskandidatur. Er nahm sich aber schliesslich selbst aus dem Rennen, weil er den nervenaufreibenden Kampf gegen die damals zahlreichen medial gehandelten Kandidaten scheute.

SVP-Nationalrat und Kantonalpräsident Thomas Aeschi: «Momentan sind die Wirtschaftszentren der Schweiz im Bundesrat eher unterrepräsentiert.»

SVP-Nationalrat und Kantonalpräsident Thomas Aeschi: «Momentan sind die Wirtschaftszentren der Schweiz im Bundesrat eher unterrepräsentiert.»

(Bild: woz)

Sein Parteikollege Thomas Aeschi schaffte es dagegen wie Hess bis zur eigentlichen Bundesratswahl. Im November 2015 nominierte ihn die SVP-Fraktion der Bundesversammlung als offiziellen Kandidaten für die Bundesratswahlen. Gewählt wurde aber der Waadtländer Weinbauer Guy Parmelin, ebenfalls SVP, gegen den Aeschi im dritten Wahlgang mit 88 zu 138 Stimmen unterlag.

Der vierte Zuger im Karussell der erfolglosen Bundesratskandidaten schliesslich, der Menzinger Peter Hegglin, musste jüngst gegen seine Parteikolleginnen Viola Amherd und Heidi Z’graggen passen – er wurde nicht von der CVP-Fraktion in Bern nominiert.

Nur zwei Bundesräte fürs wirtschaftlich so bedeutende Zug?!

Macht unterm Strich total zwei Bundesräte für Zug seit 1848. Denn vor Hans Hürlimann sass der Menzinger Philipp Etter für die CVP von 1934 bis 1959 im Bundesrat. Nur zwei Magistraten also für den heute so erfolgreichen Boom-Kanton?

«Jedes Bundesratswahlergebnis ist ein Mix von verschiedenen Gründen und Elementen», sagt Thomas Aeschi. Der Baarer wurde im November 2017 zum Fraktionspräsidenten der SVP gewählt und hegt derzeit kein Interesse an einer weiteren Bundesratskandidatur. Man könne nicht allgemein sagen, warum Zug jeweils mit seinen Kandidaten gescheitert sei. «Jeder Fall und jede Kandidatur ist unterschiedlich und weist spezifische Gründe auf.»

Die Angst vor den Geberkantonen geht um

Und doch verhehlt Aeschi nicht, dass auch andere Gründe in Bern mitschwingen, warum nicht unbedingt ein Zuger Bundesrat wohlgelitten wäre.

«Bei den Nehmerkantonen des NFA, die im Bundesrat mehrheitlich vertreten sind, ginge sicherlich die Angst um, wenn weitere Geberkantone wie Zug in den Bundesrat einzögen», ist der 39-Jährige überzeugt. Wirtschaftlich potente Kantone könnten möglicherweise weniger Rücksicht nehmen auf finanziell schwächer aufgestellte Kantone, so die Befürchtung. 

«Das erfolgreiche Zug ist nicht überall beliebt in der Schweiz.»

Thomas Aeschi, SVP-Nationalrat

Dabei wäre es gemäss dem Zuger SVP-Nationalrat durchaus legitim, wenn alle Regionen in der Schweiz im Bundesrat vertreten wären – auch der Kanton Zug. «Momentan sind aber die Wirtschaftszentren der Schweiz im Bundesrat eher unterrepräsentiert.» In linken Kreisen sei zu spüren, dass man so potenten Kantonen wie Zug nicht zu viel Macht zugestehen wolle. «Das erfolgreiche Zug ist nicht überall beliebt in der Schweiz.»

Zugs Finanzdirektor Heinz Tännler: «Man könnte auch von Glück sprechen, oder – wie oft bei begehrten politischen Ämtern – davon, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.»

Zugs Finanzdirektor Heinz Tännler: «Man könnte auch von Glück sprechen, oder – wie oft bei begehrten politischen Ämtern – davon, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.»

(Bild: zvg)

Stichwort Neid. Andererseits ist nicht nur der Kanton Zug im Bundesrat unterrepräsentiert – sondern die ganze Zentralschweiz. In der Tat hatte Luzern bisher «nur» fünf Bundesräte, Obwalden nur einen und Zug, wie gesagt, nur zwei. Aus Schwyz, Uri und Nidwalden wurde noch gar niemand in den Bundesrat gewählt – während vergleichsweise etwa das kleine Appenzell (Ausser- und Innerrhoden zusammengezählt) schon vier Bundesräte hatte.

Zentralschweiz müsste in Bern solidarischer auftreten

«Das schlechtere Standing der Zentralschweiz in Sachen Bundesrat im Vergleich zu anderen Kantonen hat sicher auch mit dem Machtverlust der CVP angesichts des zunehmenden Einflusses der reformierten Bevölkerungsgruppen zu tun», sagt Aeschi. Gleichzeitig könnten die Kantone der Zentralschweiz beim Lobbying in Bern aber auch noch deutlich solidarischer auftreten.

Zugs Finanzdirektor Heinz Tännler denkt dagegen nicht, «dass es einen grundsätzlichen Anti-Zuger-Reflex gibt. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Urkantone, also die Gründer der Eidgenossenschaft, in der bisherigen Bilanz noch schlechter abschneiden als Zug.»

«Bei der aktuellen Kandidatenkür zeigte sich recht schnell, dass Männer schon über gewissen Mut verfügen mussten, wenn sie ihren Hut in den Ring warfen.»

Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor, SVP

Für ihn spielt bei der Bundesratswahl immer auch noch das Zufallselement mit. «Man könnte auch von Glück sprechen, oder – wie oft bei begehrten politischen Ämtern – davon, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein», so Tännler.

Man dürfe auch nicht vergessen, so der SVP-Regierungsrat, dass eine kandidierende Person nebst all den zum jeweiligen Zeitpunkt gerade als Trumpf geltenden Attributen im Idealfall auch noch qualitative Anforderungen erfüllen sollte. «Bei der aktuellen Kandidatenkür zeigte sich zudem recht schnell, dass Männer schon über gewissen Mut verfügen mussten, wenn sie denn ihren Hut in den Ring warfen.»

Stichwort: Cherchez la femme. Sprich: Immer mehr Frauen sind im Bundesrat. Immer mehr Frauen wollen in den Bundesrat. Zug hat gerade mal eine Frau im Regierungsrat – da scheint noch viel Luft nach oben. Vielleicht sollte sich bei der nächsten Bundesratswahl eine Zuger Politikerin melden.

«Ich kann mit der Theorie, dass man den Kanton Zug abstrafen will, nicht viel anfangen.»

Joachim Eder, FDP-Ständerat

Auch Joachim Eder, FDP-Ständerat seit 2011, ist einer, der die Wahlen eines Bundesrats in den Bereich der situativen Schicksalshaftigkeit verortet. Es sei eben sehr oft Zufall und Glück, ob jemand überhaupt Bundesratskandidat werde, sagt der Freisinnige aus Unterägeri.

«Ich kann mit der Theorie, dass man den Kanton Zug abstrafen will, nicht viel anfangen», dementiert Eder. Auch die Zahlen würden eine andere Sprache sprechen.

FDP-Ständerat Joachim Eder vor dem Zuger Bahnhof.

FDP-Ständerat Joachim Eder vor dem Zuger Bahnhof.

(Bild: fam)

Betrachte man nämlich alle Bundesratswahlen von 1998 an, also der letzten 20 Jahre, habe der Kanton Zug mit Peter Hess und Thomas Aeschi als einziger Zentralschweizer Kanton zwei offizielle Kandidaten stellen können, so Eder. Mit Luzern (2000 Cécile Bühlmann, Grüne), Obwalden (1999 Adalbert Durrer, CVP), Nidwalden (2018 Hans Wicki, FDP) und Uri (2018 Heidi Z’graggen, CVP) seien weitere vier Zentralschweizer Kantone einmal an die Reihe gekommen.

Koordinierte Aktion gegen Hegglin

«Im Falle der Nichtnomination von Peter Hegglin fand CVP-fraktionsintern offenbar eine koordinierte Aktion für die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen und gegen meinen Ständeratskollegen statt», bedauert Eder. Die Hintergründe dafür seien ihm allerdings nicht bekannt.

«Hätte sich der Oberägerer Gerhard Pfister von Anfang an als Kandidat zur Verfügung gestellt, wäre er sicher aufs CVP-Ticket gekommen.»

Joachim Eder

Dass Hegglins internes Scheitern mit dem Kanton Zug nichts zu tun habe, zeigt für ihn auch folgender Umstand: «Hätte sich der Oberägerer Gerhard Pfister von Anfang an als Kandidat zur Verfügung gestellt, wäre er sicher aufs CVP-Ticket gekommen», ist sich Eder sicher. Gemäss Aussagen von vielen bürgerlichen Parlamentsmitgliedern hätte er allerbeste Chancen gehabt, Nachfolger von Doris Leuthard zu werden.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 24.11.2018, 15:16 Uhr

    Seit Jahren führen die Blutspuren globaler und nationaler Skandale auffallend häufig in den kleinen Kanton Zug. Ist es da erstaunlich, dass man in Bern Angst vor Politikern aus dem Zuger Filz hat? Er oder sie könnte noch ein paar unentdeckte Leichen im Keller haben. Noch sind es erst sieben Jahre her, seit ein Nationalrat der SVP und Urzuger durch die Justiz auf der Türschwelle zum Bundesratszimmer gebremst werden konnte.

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