Warum es Frauen schwerer haben, Investoren von sich zu überzeugen
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Mit dem Projekt «Funding Female Founders» der Hochschule Luzern sollen Frauen mit Investoren besser vernetzt werden. (Symbolbild: CoWomen/Unsplash)

Projekt aus Luzern will Unternehmerinnen fördern Warum es Frauen schwerer haben, Investoren von sich zu überzeugen

6 min Lesezeit 7 Kommentare 29.03.2021, 05:00 Uhr

In der Schweiz geben Investoren überproportional viel Geld an männlich geführte Unternehmen. Frauen bleiben auf der Strecke. Ein Projekt der Hochschule Luzern will das ändern. Sylvie Oldenziel von der Hochschule Luzern erklärt, wie sie Unternehmensgründerinnen fördern wollen.

Ein Unternehmen gründen und Investoren für sich zu gewinnen – das ist auch im Jahr 2021 vorwiegend Männersache. Weibliche Gründerinnen haben es schwerer.

Das weiss auch Eugenie Nicoud, Co-Gründerin der Firma «Sedimentum». Das Zuger Start-up hat eine kontaktlose Lösung zur Sturz- und Notfallerkennung im Gesundheitswesen entwickelt, ohne dabei die Privatsphäre zu gefährden.

Nach Nicouds Einschätzung profitieren Männer viel mehr vom persönlichen beruflichen Netzwerk. «Aufgrund der teilweise fehlenden Geschlechterbalance in gewissen Bereichen, ist der Zugang für Frauen schwieriger.» Zudem seien in männerdominierten Branchen wie Tech und Finanzen Vorurteile gegenüber Frauen stark spürbar. «So werden Frauen auf ‹typische Frauenpositionen› reduziert, wie Assistenz oder Marketing.»

Frauen müssen sich mehr anstrengen

«Frauen müssen sich sicherlich mehr anstrengen, um ernst genommen zu werden und brauchen eine dicke Haut», sagt Nicoud. «Ein potenzieller Investor hat mir einmal direkt gesagt, dass Frauen nicht in die Geschäftsleitung gehören, da diese nicht mit dem hohen Druck umgehen können.» Eine solche Aussage gibt natürlich zu denken und sei stossend, so Nicoud.

«Doch es gibt auch ganz tolle Investoren, wo ausschliesslich in diversifizierte Teams investieren und so auch einen Beitrag zur Gleichstellung leisten.»

«Ein potenzieller Investor hat mir einmal direkt gesagt, dass Frauen nicht in die Geschäftsleitung gehören, da diese nicht mit dem hohen Druck umgehen können.»

Eugenie Nicoud, Unternehmerin

Neigen Frauen dazu, übermässig kritisch gegenüber sich oder ihren Geschäftsideen zu sein? Ideen zu hinterfragen, sei ein wichtiger Prozess beim Aufbau eines Unternehmens, so Nicoud. «Ich denke aber nicht, dass Frauen übermässig kritisch gegenüber sich selbst sind, sondern viele Frauen sind oft einfach stark verunsichert, da sie leider nicht ernst genommen und gehört werden.»

Die Unternehmerin Eugenie Nicoud.

Plattform will Vernetzung stärken

Sylvie Oldenziel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Wirtschaft der Hochschule Luzern, hat sich mit den HSLU-Forschenden Gena Da Rui, Valentina Fontana, Isabelle Oehri und Luca Grossmann zum Ziel gesetzt, die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Schweizer Start-up-Szene zu fördern. Entstanden ist dadurch das interdisziplinäre Forschungsprojekt «Digital Female Founders» und die Plattform «Funding Female Founders», die sie gemeinsam mit Isabelle Siegrist und Pietro Morandi ins Leben gerufen hat.

Ziel der Plattform ist es, Gründerinnen mit Investoren und Coaches zu vernetzen. Denn die neusten Zahlen zeigen Handlungsbedarf: Frauen werden im Finanzierungsprozess benachteiligt: Nur rund fünf Prozent der Unternehmensgründerinnen erhalten Investitionskapital.

Wachstum von Unternehmerinnen ist vielleicht langsamer – aber nachhaltig

Wie kommt es, dass sich Sylvie Oldenziel seit Jahren so intensiv mit dem Thema Female Founders auseinandersetzt? «Ich finde es wichtig, dass Frauen die gleichen Chancen haben wie Männer, ihre innovativen Ideen und grossen Visionen zu verwirklichen. Auch wenn sie das vielleicht anders tun», sagt Oldenziel. «Diese Chancengleichheit haben wir heute – trotz sich verbessernden Rahmenbedingungen – noch nicht erreicht.»

«Studentinnen brauchten oftmals intensiven Zuspruch, ihre ausgezeichneten Ideen in ein Start-up umzusetzen.»

Sylvie Oldenziel, Hochschule Luzern

Das spürte Oldenziel auch im Rahmen des Förderprogramms Smart-up an der Hochschule Luzern. Dieses setzt sich zum Ziel, Studentinnen und Absolventen dabei zu unterstützen, eigene Geschäftsideen umzusetzen. «Hier zeigte sich, dass Studentinnen oftmals intensiven Zuspruch brauchten, ihre ausgezeichneten Ideen in ein Start-up umzusetzen.»

Frauen noch stärker in die Schweizer Volkswirtschaft einzubinden, wäre aber durchaus wichtig. «Das Wachstum weiblich geführter Unternehmen verläuft oftmals anders als bei von Männern gegründeten Start-ups – vielleicht eher langsam, eher lokal, dafür häufig auch nachhaltiger», sagt Sylvie Oldenziel.

Sylvie Oldenziel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Wirtschaft der Hochschule Luzern. (Bild: zvg)

Frauen werden bei der Finanzierung benachteiligt

«Auch in der Schweiz geht überproportional viel Geld an männlich geführte Unternehmen», sagt Oldenziel. Laut dem «Swiss Venture Capital Report 2018» haben 45 Prozent der finanzierten Unternehmen mindestens eine Frau im Top-Management oder im Verwaltungsrat. Diese Unternehmen erhielten 76 Prozent der gesamten investierten Summe. Allerdings haben nur 10 von 175 Start-ups eine Frau als Chefin an der Spitze. Diese Unternehmen erhielten gerade einmal etwa zwei Prozent der Investitionen.

Wie Oldenziel sagt, ist es natürlich auch für Gründerinnen schwierig, festzumachen, ob eine Finanzierung aufgrund ihres Geschlechts nicht zustande gekommen ist. In den Befragungen – bei der es sich jedoch nicht um eine repräsentative Studie handelt – zeigte sich aber: «Einige Frauen haben den Eindruck gehabt, dass sie aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt wurden. So haben Investoren beispielsweise nicht in ihr Start-up investiert, wohl aber in diejenigen ihrer männlichen Kollegen, bei der die Investoren dieselben Punkte um ein Vielfaches hätten kritisieren können wie bei ihnen.»

Umso wichtiger ist es laut Oldenziel, dass Gründerinnen auch die nötigen finanziellen Mittel erhalten, um ihre innovativen Ideen zu verwirklichen. Oftmals würden von Frauen geführte Unternehmen neue und gerade für den männerdominierten Finanzsektor eher unkonventionelle Investitionschancen bieten. So falle es wohl dem einen oder anderen Investor nach wie vor schwer, den Business Case von Tech-Produkten für Fruchtbarkeit und Menstruation oder den Bedarf an Programmierungskursen für Frauen zu erkennen. Doch auch Frauen mit weniger frauenspezifischen Geschäftsideen würden sich oftmals schwertun.

Frauen haben keine Kontakte zu potenziellen Investoren

Ein weiterer Punkt: «Vielen Frauen fehlt schlichtweg das Netzwerk zu Investoren und Investorinnen. Deswegen fallen sie auch früh durchs Raster.» Dabei laufe gerade in der männlich geprägten Investorenszene vieles über informelle Netzwerkkontakte.

«Deswegen unterstützen wir Frauen dabei, ihre Geschäftsideen so aufzubereiten, dass sie möglichst attraktiv sind für Investoren.» Doch gerade aufseiten Investoren gibt es ebenso Handlungsbedarf. «Bei der Frage der Finanzierung von Female Founders sind Geschlechter-Stereotype leider immer noch gängiger, als man denkt», sagt Oldenziel. Deshalb sensibilisiert das Projekt «Funding Female Founders» Investoren auf Stereotypen und Benachteiligungen von Gründerinnen.

«Wir haben bei einigen Investoren und Investorinnen offene Türen eingerannt.»

Sylvie Oldenziel

Bei Gründerinnen mit forschungsintensiven Innovationen, die grosse Summen an Risikokapital gesucht haben, seien die Erfahrungen sehr unterschiedlich ausgefallen. Nicht zuletzt ist bei den Entscheidungen, ob jemand investiert oder nicht, auch die Beziehung zwischen Investor und Gründerin ausschlaggebend. Denn in den Räumen, in denen Ideen gepitcht und über mögliche Investitionen verhandelt wird, lernt man sich gegenseitig auch erst einmal kennen.

Bereits Studentinnen sollen ermutigt werden

Um das Ziel des Projekts «Funding Female Founders» – das auch vom eidgenössischen Büro für Gleichstellung mitfinanziert wird – zu erreichen, knüpft das HSLU-Forschungsteam an drei Punkten an.

«Wir setzen bereits an Hochschulen an und zeigen Studentinnen auf, dass eine Unternehmensgründung als Karriereoption durchaus eine Möglichkeit ist.»

Sylvie Oldenziel

In einem ersten Schritt muss erreicht werden, dass mehr Frauen dazu inspiriert werden, ein Unternehmen zu gründen. «Wir setzen bereits an Hochschulen an und zeigen Studentinnen auf, dass eine Unternehmensgründung als Karriereoption durchaus eine Möglichkeit ist – und dass auch eine mögliche Familienplanung dem nicht im Wege stehen muss», so Oldenziel.

In einem zweiten Schritt sucht das Team den Kontakt zu Female Founders in der Schweiz. Beispielsweise wurde ein LinkedIn-Kanal aufgebaut, um Frauen, die eine Finanzierung für ihre Geschäftsidee suchen, stärker zusammenzubringen. «Wir haben bei einigen Investoren und Investorinnen offene Türen eingerannt, die interessiert wären, Frauen zu unterstützen. Nur brauchen sie eben konkrete Cases – konkrete Geschäftsideen, die ihnen auch zusagen.»

Weiter hat das Projektteam einen Zusammenschluss an Investoren aufgebaut, die interessiert wären, gezielt in Frauen zu investieren. So sollen mögliche Finanzierungspartnerschaften aufgegleist werden.

Wie sieht es mit Erfolgsgeschichten aus? Einige der Gründerinnen führen bereits vielversprechende Diskussionen mit potenziellen Investoren, so Oldenziel. Insbesondere lasse jedoch das grosse Interesse von Investorinnen, Coaches, Mentoren und Gründerinnen hoffen, dass die Schweizer Start-up-Welt in Zukunft weiblicher werde.

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7 Kommentare
  1. lucommenter, 30.03.2021, 23:51 Uhr

    Der Titel des Artikel lässt darauf schliessen, dass Frauen es schwerer haben, Investoren zu überzeugen. Im Artikel findet sich dann leider rein gar nichts wissenschaftliches zu dieser These. Die Hochschule hat nur «nicht repräsentative Befragungen» durchgeführt – was nicht stichhaltig ist. Gerade von einer einer Hochschule sollte ein fundierter wissenschaftlicher Ansatz verfolgt werden. Ein Einsatz von Steuergeldern darf nicht von subjektiven Einschätzungen abhängen.

  2. Peter Bitterli, 30.03.2021, 13:24 Uhr

    Vielleicht liegt es ja auch am windschiefen, munter helvetisierenden Relativsatz der Startuperin:
    „Doch es gibt auch ganz tolle Investoren, wo ausschliesslich in diversifizierte Teams investieren und so auch einen Beitrag zur Gleichstellung leisten.“
    Deutsche Sprache diversifiziert. Sofort investieren!

  3. Nina, 30.03.2021, 00:52 Uhr

    Zitat: Ich denke aber nicht, dass Frauen übermässig kritisch gegenüber sich selbst sind, sondern viele Frauen sind oft einfach stark verunsichert, da sie leider nicht ernst genommen und gehört werden.

    Ja, das ist genau ein Problem, dieses unkritisch sein bzw diese Selbstgerechtigkeit doch alles richtig gemacht zu haben. Wer gute Selbstkritik übt, muess auch nicht allen sexistischen Mist, den man vorgeflötet bekommt, auf seine Kappe nehmen. Das gilt aber für alle und nicht speziell den Frauen. Jedoch endlich einmal aus dem Solipsismus rauskommen, würde den Frauen sicher helfen.

    Es gibt mehr als genug Frauen dies geschaft haben und als Role Model dienen. Solche Artikel verkommen langsam zum Klassiker der selbsterfüllenden Prophezeihung.

    Man sollte Frauen lieber ermutigen, den gleichen Mist wie die Männer zu fabrizieren, Als noch mehr Druck aufzubauen als Frau alles richtig machen zu müssen UND gleichzeitig vorzuhalten, dass das aber nicht geht aufgrund von sexistisch motivierten, unüberwindbaren Hindernissen.

  4. Rudolf, 29.03.2021, 14:16 Uhr

    Anstatt Diskriminuerung zu wittern, könnte man geradeso gut darauf schliessen, dass Ideen von Frauen einfach Marktuntauglich sind und niemand Geld investieren möchte. Das wäre ja dann eigentlich keine Diskriminierung. Das klingt zwar hart, aber die Überlegung müsste man ja au machen. Die andere Herangehensweise, Denken, Empathievon Frauen die ev doch einen Markterfolg generieren zählt als Argument nicht, weil dass wäre dann wirklich sexistisch, anzunehmen, dass Frauen anders sind. Dann schliesst man nämlich primär aufs Geschlecht. Im ersten Fall ist einfach die Idee ziemlich sicher ein Käse. Die meisten Startups sind übrigens Käse.

  5. Frau, 29.03.2021, 11:17 Uhr

    Man muss jetzt wirklich mal anfangen zu differenzieren, anstatt für alle Ungerechtigkeiten und Hindernisse den Geschlechtsunterschied verantwortlich zu machen. Das kann sicher eine Rolle spielen, das ist auch nicht abzustreiten. Aber es kommt mir manchmal schon so vor, dass Frauen jedes Hindernis persönlich nehmen, und denken es ist gegen Sie als Frau gerichtet. Die gebildeten uni, matura etc. Feministinnen sind wohl nach den alten weissen Männern die privilegierteste Gattung Menschen. Wer ein Unternehmen Gründen will gehört einfach nicht zur Unterschicht und ist per se privilegiert.

  6. Peter Bitterli, 29.03.2021, 07:29 Uhr

    Ideologischer Unsinn auf falsch interpretierter Datenbasis. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass „männliche“ „Start-ups“ durch fachhochschulische Projekte gefördert werden, unterstützt durch einschlägige eidgenössische Büros. Bleibt zu hoffen, dass Investorinnen durch den bürokratischen Rattenschwanz nicht abgeschreckt werden. Dass es ihn nicht braucht, sagt Frau Oldenziel ja selber „Wir haben bei einigen Investoren und Investorinnen offene Türen eingerannt, die interessiert wären, Frauen zu unterstützen.“ Klar, Investoren investieren dort, wo es sich zu investieren lohnt. Gute Projekte brauchen keine Gouvernanten. Aber wissenschaftliche Mitarbeiterinnen brauchen schlechte Ideen, um ihre Stelle zu rechtfertigen.

    1. Scherrer Baumann, 03.04.2021, 18:28 Uhr

      Antwort auf Herrn Bitterli und weitere
      Klar ist es manchmal ermüdend zu hören, wo es für Frauen ( immer noch und immer wieder) höhere Hürden gibt als für Männer. Aber dann sollte man nicht über die Frauen herfahren, sondern sich erst einmal kundig machen. Studien gibt’ s genug, welche die Diskriminierung und ihre gravierenden Folgen in praktisch allen Lebensbereichen belegen.
      Wir müssen uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Gleichstellung von Mann und Frau endlich Realität wird. Missgunst und Frauen herabmachen, das ist völlig verfehlt.

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