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Warum ein Wohnhaus der SBB bis unters Dach vergittert ist
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Vergittert bis in die obersten Stockwerke – die Güterstrasse 7 in Luzern. (Bild: zvg)

Besetzung verunmöglichen: Letzte Mieter sind weg Warum ein Wohnhaus der SBB bis unters Dach vergittert ist

3 min Lesezeit 04.07.2018, 17:31 Uhr

Einen kurzen Moment stand das Haus an der Güterstrasse 7 im Fokus der Öffentlichkeit. Eine Wohnung im rosaroten Haus wurde vergangenen Winter besetzt. Nun sind die letzten Mieter ausgezogen – und schon tags darauf ist das Haus bis unters Dach vergittert.

Das rosarote Haus an der Güterstrasse 7 steht nun leer. Die letzten Mieter sind ausgezogen, die Schlüsselübergabe fand am 3. Juli statt. Einen Tag später sind alle Fenster und Türen – sogar die Balkontüren – vergittert. Die Hauseigentümerin SBB will keine weitere Besetzung riskieren.

Gitter um Gitter

Denn das Haus hatte im vergangenen Winter die Aufmerksamkeit einer Gruppe von Besetzern auf sich gezogen. Diese hatten eine Wohnung am 3. Januar besetzt und wollten im teilweise leer stehenden Haus eine autonome Schule einquartieren (zentralplus berichtete). Die Besetzung dauerte jedoch nicht lange. Eine Woche später war sie schon wieder vorbei. Bei einer Kontrolle der Polizei wurde niemand festgenommen, die Wohnung war verlassen.

«Es sieht hier momentan aus wie im alten Zentralgefängnis», meldete anschliessend im Februar ein Mieter zentralplus. Schon damals hatte die SBB bei den bereits leer stehenden Wohnungen die Fenster im Erdgeschoss vergittern lassen (zentralplus berichtete).

Doch das hielt die Besetzer nicht ab. Bereits wenige Wochen später liess ein Transparent am Gebäude vermuten, die Aktivisten seien zurück. Auf Nachfrage von zentralplus schrieben sie: «Mit der Vergitterung hatten wir einige Arbeit. Unser Wille aber nach Räumen ist stärker als das Eisengitter.» «Rosa Lavache», wie sich die Gruppe nannte, lasse sich nicht vertreiben. Erneut wurde daraufhin Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht, doch die Polizei traf im Haus wieder auf eine leere Wohnung.

Wie die Luzerner Polizei bestätigt, läuft aktuell ein Strafverfahren in der Sache.

Die Wohnungen, aus welchen die Mieter bereits ausgezogen sind, wurden vergittert.

Die Wohnungen, aus welchen die Mieter bereits ausgezogen sind, wurden vergittert.

(Bild: zvg)

Weshalb der Leerstand?

Dass die SBB sehr strikt gegen eine mögliche Zwischennutzung oder weiteres Bewohnen des Hauses plädierte, begründet sie mit dem schlechten Zustand des Gebäudes. Diese Sorge teilten Bewohner und Besetzer nicht. Sie sorgen sich mehr um das rosarote Gebäude, dessen geplanten Abbruch sie im Rahmen der Neuüberbauung Rösslimatt befürchten (zentralplus berichtete).

Für die ehemaligen Anwohner besteht kein Zweifel: «Die Strategie der SBB ist klar, das Haus soll abgerissen werden.» Diese jedoch erklärte, weitere Untersuchungen in Auftrag gegeben zu haben, ob und wie die Fundation und das Tragwerk saniert werden könnten.

Sanierung geplant

Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner befindet sich mit der SBB im Gespräch. Der Gestaltungsplan Rösslimatt der SBB stehe kurz vor der Genehmigung durch den Stadtrat, erklärt er. Zum Gebäude an der Güterstrasse 7 ist die Situation für Rehsteiner klar: «Wir gehen bei der Stadt davon aus, dass das Haus erhalten bleibt», sagt er. Das Gebäude sei im kantonalen Bauinventar als erhaltenswert aufgelistet und Teil des Gestaltungsplans der SBB für das Quartier.

Die SBB selbst will zum Gestaltungsplan und der Zukunft des Gebäudes nichts Genaueres sagen. «Die Abklärungen zur Zukunft sind noch nicht abgeschlossen. Zum weiteren Zeitplan können wir uns noch nicht äussern», so Mediensprecher Reto Schärli und knüpft damit an die wortkarge und undurchsichtige Kommunikation der Bundesbahnen zum Thema Güterstrasse der letzten Monate an.

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