Warum die Schweiz für EVZ-Meistertrainer Dan Tangnes Favorit auf den WM-Titel ist
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Die Zuger Hockey-Festspiele stehen im Nationalteam vor einer Fortsetzung: Coach Dan Tangnes (rechts) ist stolz darauf, dass der EV Zug neun Meister-Spieler an die WM schicken konnte. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Zwei Vorteile im Titelkampf Warum die Schweiz für EVZ-Meistertrainer Dan Tangnes Favorit auf den WM-Titel ist

5 min Lesezeit 03.06.2021, 05:00 Uhr

Der Norweger Dan Tangnes (42) ist durch die schwedische Trainerschule gegangen, bevor er den EV Zug in der abgelaufenen Saison auf überragende Art und Weise zum zweiten Meistertitel der Klubgeschichte geführt hat. Er redet über die WM-Titelchancen der Schweiz, das Versagen der Schweden und warum er nicht deren neuer Nationaltrainer wird.

Während die Schweden, die den Schweizern 2013 und 2018 im Final jeweils WM-Gold wegschnappten und an diesem Titelturnier in Riga eine 0:7-Klatsche verpassten, bereits ausgeschieden sind, spielen die Schweizer am Donnerstag (15.15 Uhr, SRF 2) gegen den ewigen Rivalen Deutschland. Mit den Viertelfinals beginnt im lettischen Riga die finale Phase um den Gewinn der Weltmeisterschaft.

zentralplus: Dan Tangnes, stehen Sie schon Kontakt mit dem schwedischen Verband?

Dan Tangnes: Nein, nein. Wie kommen Sie auf so was?

zentralplus: So schwer ist das nicht zu erraten: Das stolze Eishockeyland Schweden hat mit dem Verpassen der WM-Viertelfinals die grösste Schmach seit 84 Jahren erlitten. Da wird der Trainer wegen des öffentlichen Drucks kaum im Amt zu halten sein. Sie hingegen haben sich mit dem Zuger Titelgewinn zu einem der interessantesten Namen auf dem internationalen Trainermarkt gemacht.

Tangnes: Aber ich bin kein schwedischer Staatsbürger. Und das ist eine Grundvoraussetzung für den Job.

zentralplus: Aber Sie gehen doch zumindest als assimilierter Schwede durch. Sie sind im schwedischen Hockey gross geworden, sind mit einer Schwedin verheiratet und besitzen ein Haus in Angelholm.

Tangnes: (schmunzelt.) Und meine Tochter ist auch Schwedin. Sehen Sie: Es ist eine Eigenheit der skandinavischen Länder, dass es erst – Irrtum vorbehalten – seit rund einem Jahr möglich ist, überhaupt Doppelbürger zu werden. Und weil ich seit 2018 meinen Lebensmittelpunkt in der Schweiz habe, werden mir seither keine weiteren Jahre zur Erlangung der schwedischen Staatsbürgerschaft angerechnet. Aber viel wichtiger ist: Ich habe im Moment nicht die geringste Ambition, Nationaltrainer zu werden. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt in meiner Karriere. Aber ich kann mir jetzt nicht vorstellen, auf die tägliche Arbeit, die ein Klubtrainer zu verrichten hat, zu verzichten. Und ich bin mit meiner Arbeit in Zug richtig glücklich. Dazu kommt, dass es meiner Ansicht nach ein Fehler wäre, wenn Schweden Johan Garpenlöv als Nationaltrainer entliesse.

«Es liegt nicht am Coach, sondern am schwedischen System.»

zentralplus: Warum?

Tangnes: Weil das Versagen der Schweden an dieser WM eine andere Ursache hat. Meines Erachtens liegt das Problem bei der Entwicklung der schwedischen Spieler. Seit Jahren ging es nur noch darum, so viele Spieler wie möglich in die NHL zu bringen. Aber nicht darum, die Qualität der höchsten schwedischen Liga zu stärken. Was jetzt passiert ist, muss den schwedischen Verantwortlichen die Augen öffnen. Darum: Es liegt nicht am Coach, sondern am System.

zentralplus: Für die Schweiz ist es natürlich ein Vorteil, wenn der Angstgegner aus dem Rennen um den WM-Titel ist. Was für einen Eindruck haben Ihnen die Schweizer in der Gruppenphase gemacht?

Tangnes: Bislang sind sie beeindruckend unterwegs. Für mich war die Schweiz schon vor Turnierbeginn einer der grossen Favoriten.

«Der Schweizer Coachingstaff hat sich seit Jahren nicht verändert und der Stamm der Spieler weiss ganz genau, was verlangt wird.»

zentralplus: Sagen Sie das bloss, um für sich guten Wind in der Schweiz zu machen?

Tangnes: Ach was, wo denken Sie hin? Im Vergleich zu anderen grossen Nationen wie beispielsweise Schweden, Tschechien oder die USA hat die Schweiz seit Turnierbeginn zwei grosse Vorteile auf ihrer Seite: Der Coachingstaff hat sich seit Jahren nicht verändert und der Stamm der Spieler weiss ganz genau, was verlangt wird. Zudem ist die Spielweise schon lange bekannt. Andere Nationen hingegen mussten sich in kürzester Zeit erst mal aufeinander einlassen und finden.

zentralplus: Das Rückgrat der aktuellen Schweizer Auswahl bildet die Zuger Meistermannschaft.

Tangnes: Mit Leonardo Genoni, Santeri Alatalo, Raphael Diaz, Tobias Geisser, Dario Simion und Grégory Hofmann treten sechs Spieler für die Schweiz an, mit Jan Kovar, Carl Klingberg und Justin Abdelkader drei für andere Nationen. Das ist ein schönes Kompliment für unsere Arbeit, die wir alle zusammen in Zug leisten. Darauf bin ich stolz, weil es ein Statement mit grosser Strahlkraft ist.

«Darum müssen wir beispielsweise daran denken, ob es Sinn macht, unsere Mannschaft gegen das Coronavirus zu impfen.»

zentralplus: Seit Ihrem Titelgewinn mit dem EV Zug ist gut ein Monat verstrichen und Sie arbeiten nach wie vor in Zug. Können Sie nicht loslassen und Ihre wohlverdienten Ferien geniessen?

Tangnes: (schmunzelt.) Meine Frau sähe es auch gerne, wenn ich mehr zu Hause wäre. Aber wir haben noch ein paar Arbeiten, die noch nicht erledigt sind, vor uns. Zum Beispiel die Saisonabschlussgespräche mit den Spielern, die noch nicht fertig sind. Dazu gilt es, die Vorbereitung auf die nächste Saison zu planen. Ein Teil davon ist die Champions League, die uns nach Rögle in Schweden führen wird. Ein Land, das nach wie vor auf der Quarantäneliste der Schweiz steht. Darum müssen wir beispielsweise daran denken, ob es Sinn macht, unsere Mannschaft gegen das Coronavirus zu impfen.

zentralplus: Sie haben ja die Coronainfektion überstanden – und weitere EVZ-Spieler auch.

Tangnes: Ja, trotzdem habe ich mich bereits einmal impfen lassen. Nächstens wird man mir wohl mitteilen, ob eine zweite in meinem Fall notwendig ist.

zentralplus: Aber wie sieht es aus bei Ihnen mit Ferien?

Tangnes: Ab Anfang Juli wird es so weit sein. Ich freue mich darauf, während rund drei Wochen die Batterien aufladen zu können. Am 26. Juli werden wir mit dem EV Zug in die Vorbereitung auf nächste Saison einsteigen.

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