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Warum die Gleichstellung im Kanton Zug ein Papiertiger bleibt
  • Gesellschaft
Eine Verordnung und ein darauf bauender Massnahmenplan soll's in Zug richten mit der Gleichstellung.   (Bild: zvg )

Noch harzt es bei der Umsetzung des Auftrags Warum die Gleichstellung im Kanton Zug ein Papiertiger bleibt

7 Min 23.03.2019, 05:02 Uhr

Der Kanton Zug muss mehr für die Gleichstellung zwischen Frau und Mann tun. Der Bundesgerichtsentscheid fiel vor Jahren, Massnahmenpläne wurden erstellt. Bloss: Diese sind äusserst schwammig formuliert und kaum messbar. Ausserdem hat der Kanton bis jetzt praktisch kein Geld gesprochen für das Anliegen.

Der Kanton Zug verfügt seit 2016 über eine Verordnung sowie einen Massnahmenplan zur Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Diesen führte die Regierung im Jahr 2017 auf Druck des Bundesgerichts ein.

Doch was hat sich seither wirklich getan in Sachen Gleichstellung? CSP-Stadträtin Vroni Straub findet, zu wenig. «Der Kanton Zug wird seinem Auftrag noch nicht gerecht.» Die Verordnung, welche der Regierungsrat verfasst habe, «sei in aller Eile erlassen worden, um danach in Ruhe das Gleichstellungsgesetz erneut in den Kantonsrat zu bringen. Seither warten wir auf diese Gesetzesvorlage.»

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Auch Heidi Hauenstein, Präsidentin der Frauenzentrale Zug gibt zu bedenken, dass man in Zug von einer gelebten Chancengleichheit noch weit entfernt sei. «Es ist offensichtlich, dass in Themen wie Lohngerechtigkeit, Vereinbarung von Beruf und Familie und Frauenanteil in der Politik und Wirtschaft noch sehr viel Handlungsbedarf besteht.»

Wir nehmen also den «Massnahmenplan 2016–2018» zur Hand. Auf vier Seiten wurden sieben ziemlich vage Massnahmen aufgelistet.

Ziele sind oft schwammig

Eines der Ziele ist die «Erhöhung der Anzahl der männlichen Studierenden an der PH Zug». Ohne konkrete Zahl, ohne Prozentsatz. Als mögliche Mittel, wie man dies erreichen könnte, werden verschiedene Veranstaltungen genannt, die sich explizit an Männer richten. Neu sind diese Massnahmen jedoch nicht, wie man uns bei der PH Zug mitteilt. Zusätzliche finanzielle Mittel vom Kanton wurden gemäss Plan dafür nicht eingeplant.

In den Jahren 2013 bis 2015 lag der Männeranteil an der PH bei 20 Prozent, im Jahr 2017 waren es 18,4 Prozent.

«Natürlich wären wir sehr interessiert an einer näheren Zusammenarbeit mit dem Kanton bezüglich Gleichstellung», erklärt Luc Ulmer, der Kommunikationsleiter der PH Zug. «Wir möchten einen möglichst hohen Männeranteil erreichen. Schülerinnen und Schüler sollen nämlich sowohl von Frauen als auch Männern unterrichtet werden.» Damit der Lehrerberuf nicht mehr als typischer Frauenberuf wahrgenommen werde, müsse laut Ulmer ein kultureller Wandel passieren.

Personalamt dient als Gleichstellungsbüro

Im Massnahmenplan weiter verankert ist die Förderung von Beruf und Familie bei den Kantonsmitarbeitenden. Mögliche Mittel: Etwa die «Bezeichnung einer verwaltungsinternen Ansprechstelle für die Mitarbeitenden», sollten diese Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben. Dies insbesondere bei Fragen zur Bewältigung der Doppelbelastung von Familie und Beruf.

«Gewissermassen ist das auch eine Holschuld.»

Fabio Lanfranchi, Amtsleiter Zuger Personalamt

Wurde also eine explizite Ansprechstelle geschaffen dafür? «Das Personalamt ist verwaltungsintern für Gleichstellungsfragen im Personalbereich zuständig. Entsprechend musste keine zusätzliche Stelle geschaffen werden», erklärt Fabio Lanfranchi, der Amtsleiter.

Über den Massnahmenplan seien die Kantonsangestellten damals via ihre Direktionen informiert worden. «Gewissermassen ist das auch eine Holschuld. Alle haben Zugriff auf entsprechende Dokumente im elektronischen Personalhandbuch. Dort findet man Informationen, etwa zu Home Office oder Teilzeitarbeit», sagt Lanfranchi.

Kantonsangestellte wissen von nichts

Die Frage, ob seit Einführung des Massnahmenplans die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker thematisiert werde, kann der Personalamtsleiter exakt beantworten. Eine Statistik darüber führe man nicht. «Zu spezifischen Gleichstellungsthemen haben wir immer noch sehr wenige Anfragen pro Jahr», so Lanfranchi.

Eine Anfrage von zentralplus bei mehreren Kantonsmitarbeitenden zeigte: Der Massnahmenplan und der darin beinhaltete Hinweis auf die Ansprechstelle für Mitarbeitende war niemandem bekannt.

Verweis auf ein nationales Projekt

Auch dringliche Themen wie «die Förderung von Frauen im Kader der kantonalen Verwaltung» sowie das «Engagement Lohngleichheit» werden im Massnahmenplan genannt.

Bei ersterem wird als Ziel die «Erhöhung der Anzahl Frauen in Führungspositionen der kantonalen Verwaltung» erwähnt. Dass als mögliches Mittel das «Ansprechen von Frauen für Führungspositionen» genannt wird, macht die Sache nicht konkreter. In Sachen Lohngleichheit verweist der Kanton einzig auf ein nationales Projekt, bei dem er sich rege Teilnahme wünscht.

Kaum überprüfbare Resultate

In der Zuger Verordnung über die Gleichstellung von Frau und Mann ist festgehalten, dass vor der Bestimmung neuer Massnahmen die bisherigen geprüft werden sollen. Doch wie soll das gehen, wenn man bisher keine messbaren Ziele gesetzt hat?

Item. Seit Anfang 2019 ist ein neuer Massnahmenplan in Kraft. Auch Ursula Uttinger, Generalsekretärin der Direktion des Innern, bestätigt, dass insbesondere Zahlen wichtig sind, um Entwicklungen in Sachen Gleichstellung festzustellen und sich für weitere Massnahmen daran zu orientieren.

«Es ist noch zu früh zu beurteilen, ob und wenn ja, wie die Massnahmen greifen.»

Ursula Uttinger, Generalsekretärin Direktion des Innern

Bloss: «Vor rund zwei Jahren wurde der Plan von einer Arbeitsgruppe ins Leben gerufen und die Datenerhebung auf eine neue Basis gestellt», sagt Uttinger. Und weiter: «Es ist daher noch zu früh zu beurteilen, ob und wenn ja, wie die Massnahmen greifen. Dafür müssten wir mindestens auf vier bis sechs Jahre zurückblicken können.»

Grundsätzlich habe man sich beim zweiten Massnahmenplan am ersten orientiert, diesen jedoch weiterentwickelt. Die Generalsekretärin erklärt: «Irgendwo und irgendwann müssen wir anfangen. Und ich kann Ihnen versichern: An diesem Thema sind wir stark dran. Anbei handelt es sich um ‹Work in Progress›.»

Das Problem der Vergleichbarkeit

Schaut man sich den neuen Massnahmenplan 2019–2022 an, sind bereits einige Anpassungen feststellbar. Nicht nur ist das Dokument ausführlicher, auch hat sich die Wortwahl geändert. «Gleichstellung geht in beide Richtungen. Gerade bei pädagogischen Berufen etwa fehlt es an Männern. Darum sprechen wir in der neuen Fassung explizit von Geschlechterquote, nicht von Frauenquote», so Uttinger.

Ein weiterer Punkt, auf den der Kanton sein Augenmerk legen will, ist das Geschlechterverhältnis in Kaderjobs beim Kanton. Auf die Frage, wie es um dieses stehe, kann uns Uttinger keine Antwort liefern. Die Schwierigkeit beginne bereits bei der Definition. «Wird die durch die Höhe des Lohns oder die Anzahl Leute, die man führt, definiert? Es gibt beim Kanton hoch eingestufte Angestellte ohne Führungsaufgaben.»

43 Prozent versus 27 Prozent Kaderfrauen

In der obersten Führungsebene der Zuger Verwaltung, also in den Generalsekretariaten, würden aktuell drei Frauen und vier Männer sitzen. In den oberen Lohnklassen, welche man als Kader definieren könne, waren es Ende 2017 27 Prozent Frauen und 73 Prozent Männer.

Weil sich also die Grundlagen des Kantons Zug und des Bundes unterscheiden, würden die Statistiken nicht übereinstimmen und seien daher auch nicht vergleichbar, erklärt die Generalsekretärin. Doch warum passt der Kanton seine Grundlagen nicht einfach jenen des Bundes an?

«Das war tatsächlich ein grosser Diskussionspunkt in der Arbeitsgruppe», so Uttinger diplomatisch.

Vroni Straub wünscht sich Transparenz

Immerhin scheint man beim Kanton diesbezüglich eine Besserung anzustreben. Im neuen Massnahmenplan setzt sich der Kanton zum Ziel, eine gute Datengrundlage zum Stand der Gleichstellung der Geschlechter zu schaffen. Diesbezüglich sollen auch Gleichstellungsindikatoren definiert und Zahlen erfasst werden.

Ein Punkt, der Stadträtin Vroni Straub besonders am Herzen liegt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. «Der Regierungsrat will diesen Bereich bis heute nicht mit einer unabhängigen, vom Bundesrat anerkannten Methode untersuchen lassen.» Dafür jedoch braucht es die entsprechende Datenbasis. Immerhin ist es das Ziel des Kantons Zug, diese bis 2022 auf Vordermann zu bringen.

Zugerinnen fordern Einsatz von Ressourcen

Vroni Straub gibt weiter zu bedenken: «Das Bundesgericht hat gefordert, dass der Kanton Zug klare Zuständigkeiten für die Gleichstellung braucht und auch Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen.» Gerade bezüglich Ressourcen fehle ihr jedoch die Transparenz, wie viel wirklich für die Gleichstellung ausgegeben werde.

Auch Heidi Hauenstein ist überzeugt, das Ressourcen eingesetzt werden sollen. «Aus Sicht der Frauenzentrale Zug ist es unabdingbar, auch auf kantonaler Ebene eine professionelle Stelle zu schaffen, die laufend zum Thema Gleichstellung sensibilisiert, mit Wirtschaft und Politik verhandelt und die Massnahmen auch konsequent überprüft.»

Keine Anpassungen im Budget

Nur: Bezüglich Ressourcen scheint man beim Kanton noch in den Kinderschuhen zu stecken. Die Direktion des Innern kann darüber kein Zahlenmaterial herausgeben. «Es ist nicht einfach zu definieren, wie viel Geld und Stellenprozente der Kanton Zug für die Gleichstellung einsetzt. Dies, weil die internen Ressourcen nicht gesondert aufgeführt werden», so die Generalsekretärin Ursula Uttinger. Im Budget selbst habe man keinen eigenen Posten unter dem Begriff «Gleichstellung».

«Wenn diesem Massnahmenplan auch nachgelebt wird, dann ist für dieses Anliegen schon sehr viel getan.»

Birgitt Siegrist, Präsidentin der Zuger FDP-Frauen

Die allermeisten Massnahmen bezüglich Gleichstellung werden also innerhalb der Ämter mit bereits bestehenden Budgets finanziert. Fragt sich, ob den damit entstandenen Zusatzaufwänden tatsächlich jene Beachtung geschenkt wird, welche sie gemäss Bundesgericht bräuchte.

Frauen haben selber eine Verantwortung

Es gibt übrigens auch Stimmen, die sich positiv zum Vorgehen des Kantons in Sachen Gleichstellung äussern. Birgitt Siegrist, die Präsidentin der FDP-Frauen etwa, erklärt: «Wenn diesem Massnahmenplan auch nachgelebt wird, dann ist für dieses Anliegen von staatlicher Seite schon sehr viel getan.»

Und sie appelliert an die Frauen. «Wir haben nicht nur die gleichen Rechte, wir haben auch die gleichen Chancen. Bei der Lohngleichheit etwa gibt es noch Aufholbedarf und das liegt auch an uns Frauen selbst.» So müssten diese lernen, besser zu verhandeln und ihre Fähigkeiten besser zu verkaufen.»

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