Warum die Armee im Kanton Zug immer seltener zu Gast ist
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Bevor zwei der fünf Kompanien nach Zug dürfen, übernimmt das gesamte Gebirgsinfanteriebataillon 29 die Fahne. (Bild: zvg)

Gewerbe in Baar und Menzingen vermisst Soldaten Warum die Armee im Kanton Zug immer seltener zu Gast ist

4 min Lesezeit 07.03.2019, 10:59 Uhr

Das Schweizer Militär führt viel weniger Wiederholungskurse im Kanton Zug durch als noch vor einigen Jahren. Lokale Metzger und Bäcker sind aber froh um den Zustupf, den sie von der Armee bekommen.

Im Kanton Zug finden sehr viel weniger Wiederholungskurse (WK) der Armee statt, als noch vor einigen Jahren. Wenn in drei bis vier Jahren die Truppenunterkunft in Baar einem Neubau weichen muss, werden nur noch in Menzingen und in Neuheim WK durchgeführt. Die restlichen Gemeinden beherbergen keine Truppen mehr. Das Militär lässt trotzdem pro Jahr immer noch mehrere hunderttausend Franken im Kanton Zug.

Früher war das Militär fast überall

Vor 10 bis 15 Jahren sei das noch ganz anders gewesen, sagt Urs Marti, der Leiter des  Amtes für Zivilschutz und Militär des Kantons Zug. Damals habe noch fast jede Zuger Gemeinde von Zeit zu Zeit einen militärischen Truppenkörper beherbergt.

«Diese vielen Standorte kamen fast alle aus einer Zeit, als die Schweizer Armee noch fünf bis sechs mal grösser war als heute», erklärt Marti. Entsprechend brauche es heute auch nicht mehr die gleiche Anzahl Unterkünfte.

Standort Baar ist sehr beliebt

Das Militär reduzierte ausserdem zwischen 1995 und 2003 aus Kostengründen die Zahl der WK-Immobilien, die nicht der Armee gehört. Das wären im Kanton Zug nur die Anlagen in Menzingen und Neuheim. Da das Truppenlager in Baar aufgrund seiner Grösse und den verfügbaren Parkplätzen sehr beliebt ist, wird aber auch dieses vorerst weitergeführt, so Marti.

Entsprechend hat sich in den letzten fünf Jahren auch die Anzahl der WK in Baar relativ konstant gehalten. Anders sah es in Neuheim aus. Weil die Unterkunft dort kleiner ist, nahmen die WK von Jahr zu Jahr ab. 2018 wurde dort kein einziger durchgeführt.

«Fleisch und Brot beziehen wir von lokalen Geschäften.»

Julien Hug, Kommpaniekommandant

Die Truppenunterkunft Gubel wurde von 2016 bis Anfang 2018 als Asylunterkunft benutzt. Entsprechend war die Anzahl der WK im Kanton Zug zu dieser Zeit sehr viel kleiner. Im Moment ist die Unterstützungskompanie des Gebirgsinfanteriebattaillons 29 auf dem Gubel stationiert.

«Fleisch und Brot beziehen wir von lokalen Geschäften», sagt der Kommandant der Kompanie auf dem Gubel, Julien Hug. Darüber freut man sich in Menzingen. Adrian Britschgi von der Konditorei Schlüssel sagt, der Kontakt sei sehr unkompliziert. Die Kompanie auf dem Gubel bestelle und er liefere. «So einfach ist das», sagt Britschgi und lacht.

Zehn oder zwölf Liter Brotteig

«Für uns ist das eine schöne Zuarbeit, weil es nicht wirklich einen Unterschied macht, ob wir zehn oder zwölf Liter Brotteig machen», erklärt der Konditor. Er müsse dafür auch nicht mehr Personal haben.

Seit dem die Anlage auf dem Gubel wieder von der Armee genutzt wird, sei der «grüne Besuch» sogar regelmässiger als vor dem Unterbruch, glaubt Britschgi.

Auch Markus Hegglin, der die gleichnamige Metzgerei in Menzingen führt, ist froh um den militärischen Besuch. «Vor 30 Jahren waren die Truppenbesuche aber noch viel konstanter und die Truppe noch mitten im Dorf. Da war es auch für das Gastgewerbe noch attraktiver», ergänzt der Metzger.

Dass es mit dem Ausgang etwas schwierig sei, berichtet auch Hug. «Da man dort oben etwas ab vom Schlag ist, haben wir uns anstelle des Ausgangs einen gemütlichen Abend auf dem Gubel gemacht», erklärt der Kommandant. Sonst gefalle es ihnen aber sehr gut, «neben dem tollen Ausbildungsplatz, schätzen wir natürlich auch die Aussicht», fügt er an.

Auf die Grösse kommt es an

Der Kommandant des Gebirgsinfanteriebataillons 29, Nicolas Disch, habe diesen Standort vor allem aufgrund der Grösse ausgesucht. Dasselbe gilt auch für die Unterkunft in Baar, wo eine weitere Kompanie ist.

Der Bataillonskommandant bekommt von der Armeeführung jeweils einen Raum für den eigenen WK zugewiesen, diesmal war das Uri, Schwyz und Zug. Innerhalb dieses Raumes kann der Kommandant selbst entscheiden, welche verfügbaren Infrastrukturen er belegen will.

Regionale Lieferanten bevorzugt

Disch hat sich neben der Grösse aufgrund der guten Verkehrsanbindung für den Standort Baar entschieden. Beim Gubel spielte der eigene Ausbildungsplatz eine Rolle. Als Nachteil sieht Disch, dass Zug keine grossen Schiessplätze oder Häuserkampfanlagen hat.

«Bei den Nahrungsmitteleinkäufen bevorzugen wir regionale Lieferanten», sagt Disch. Die Gemeinden würden von der Vermietung der Unterkünfte profitieren. Das höhere Kader nächtigt zum Teil in lokalen Hotels und während den Ausgängen verpflege sich die Truppe zudem in lokalen Restaurationsbetrieben.

«Das Bataillon gibt etwa 30’000 Franken für Nahrungsmittel in lokalen Zuger Geschäften aus.»

Nicolas Disch, Kommandant Gebirgsinfanteriebataillon 29

Den Zustupf, den lokale Läden und Gastbetriebe jährlich von der Armee erhalten, soll laut Marti auch heute noch beträchtlich sein. «Ich gehe davon aus, dass die Armee mit Einkäufen und Ausgang pro Jahr mehrere hunderttausend Franken im Kanton Zug liegen lässt», sagt der Kreiskommandant.

Disch sagt, dass während dieses WK ungefähr 110’000 Franken für Unterkünfte und Hotels in den Kanton Zug fliessen. Ausserdem «gibt das Bataillon etwa 30’000 Franken für Nahrungsmittel in lokalen Zuger Geschäften aus», ergänzt der Kommandant.

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