Warum der Luzerner Regierungspräsident eine Art Kristallkugel braucht
  • Politik
Mischte sich mit seinen Regierungskollegen unter die Leute: Sicherheitsdirektor Paul Winiker (links). (Bild: bic)

Tag des offenen Regierungsgebäudes Warum der Luzerner Regierungspräsident eine Art Kristallkugel braucht

5 min Lesezeit 26.05.2018, 17:01 Uhr

Am Samstag lud der Kanton Luzern seine Bürger ins Regierungsgebäude ein. Es gab viel zu entdecken und zu lernen. Neben den vielen Attraktionen und persönlichen Gesprächen mit der Regierung offenbarte der Tag auch persönliche Einblicke in das Leben der Politiker. Und lehrte sie die Bedeutung einer Kaffeemaschine.

Das Wetter meinte es am Samstag gut mit dem Kanton Luzern und seinen Bürgern. Wohl auch deshalb waren die Plätze rund um das Regierungsgebäude schon am Vormittag gut besucht.

Der Kanton Luzern lud zum «Tag des offenen Regierungsgebäudes», ermöglichte den Bewohnern einen Blick hinter die Kulissen der Politik und gewährte einen Einblick in die tägliche Arbeit der verschiedenen Abteilungen.

Gute Stimmung im Kantonsrat

Im Regierungsgebäude präsentierte die Polizei ebenso stolz ihre neusten Geräte wie Studierende der Hochschule Luzern – Technik ihre jüngsten Erfindungen. Jede der fünf Direktionen stellte ihre Arbeit den zahlreichen interessierten Besuchern vor.

Kein Wunder galt grosses Interesse den Räumlichkeiten, wo Politik gemacht wird. So wurde der Kantonsratssaal bereits um 10 Uhr von den Bürgern in Beschlag genommen. Für einmal sassen die Wähler dort, wo sich sonst ihre Repräsentanten einfinden.

Im Saal wurde der Verein «Pfasyl» von der Regierung für seine Arbeit bei der Integration von Flüchtlingskindern geehrt. Ein Ländlertrio sorgte für gute Stimmung, und dafür, dass die Harmonie im Parlamentssaal stimmte.

Wenn diese Kaffeemaschine sprechen könnte …

Eine gefragte Politikerin war Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann. Uns gewährte sie sogar einen kleinen Einblick hinter die Kulissen des Kantonsparlaments hinter dem Parlamentssaal.

«Wir haben hier quasi unsere kleine Wandelhalle», sagt sie schmunzelnd. Wird hier in diesem unscheinbaren Raum mit der beliebten Kaffeemaschine (das hört man jedenfalls in Gesprächen mit Parlamentariern) also die ganz grosse Politik gemacht?

«Die politischen Diskussionen führen wir hauptsächlich in den Kommissionen», so Thalmann. Aber natürlich ziehe man sich hie und da mal für ein kurzes Gespräch hierhin zurück. Es komme deshalb oft vor, dass man sich dann an der Kaffeemaschine treffe.

«Die Politiker nutzen den Raum aber auch, um etwas Dampf abzulassen, wenn es vielleicht nicht so kam, wie man es gerne gewollt hätte. Wenn diese Kaffeemaschine sprechen könnte …»

Präsentiert die beliebte Kaffeemaschine: Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann.

Präsentiert die beliebte Kaffeemaschine: Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann.

(Bild: bic)

Marathon für den Regierungspräsidenten

Neben dem Kantonsratssaal ist vor allem die Besichtigung des Sitzungszimmers des Regierungsrates bei den Besuchern sehr beliebt. Hier nimmt sich Gastgeber und Regierungsrat Guido Graf viel Zeit für die Fragen der Gäste und erklärt, wie die Sitzungen der Exekutive ablaufen und wer wo sitzt. 

Graf hat sichtlich viel zu tun. Alle fünf Minuten kommt eine neue Besuchergruppe ins Zimmer und der Sozialdirektor kann wieder von vorne beginnen. Mit der Zeit bilden sich auch erste Schweissperlen auf seiner Stirn. Der warme Sommertag trägt seinen Teil dazu bei.

«Früher wurde im Regierungsratssaal noch geraucht.»

Guido Graf, Regierungspräsident

Sichtlich gut an kam bei den Besuchern, wie Graf einen kleinen Einblick in die Sitzungen gewährte. «Wir sind alle per Du. Das war früher noch anders», sagt er.

Es komme aber auch vor, dass seine Kollegen im Verlauf einer Sitzung plötzlich vom «Herrn Sicherheits- oder Baudirektor» sprächen. «Dann merkt man sofort, dass in einer Diskussion Feuer im Dach ist», so Graf.

«Die politischen Unstimmigkeiten lassen wir aber immer im Raum zurück, denn man muss ja im Leben miteinander auskommen. Meistens gehen wir nach den Sitzungen gemeinsam essen», so der CVP-Politiker.

Guido Grafs kleiner Glücksbringer

Ein eigentlich recht kleines Objekt sorgte im Regierungszimmer für besondere Aufmerksamkeit. Beim Platz von Guido Graf steht eine kleine, durchsichtige Kugel in einem Regal.

Muss der Regierungspräsident ab und zu in die Kristallkugel schauen, wenn er keinen Ausweg mehr sieht? Graf verneint: «Die Schneekugel ist mein kleiner Glücksbringer, von dem ich mir in schwierigen Debatten die nötige Kraft erhoffe», sagt er lachend. Die Besucher freut’s.

Für einige Heiterkeit und ein paar ungläubige Blicke sorgte vor allem ein Satz: «Früher wurde im Regierungsratssaal noch geraucht», sagte Graf. Im Saal war davon an diesem Vormittag jedoch nichts mehr zu merken.

Guido Grafs kleiner Glücksbringer: sie kleine Schneekugel an seinem Sitzplatz im Regierungszimmer. Im Hintergrund erklärt Graf den Leuten die Arbeit der Regierung.

Guido Grafs kleiner Glücksbringer: Die kleine Schneekugel an seinem Sitzplatz im Regierungszimmer. Im Hintergrund erklärt Graf den Leuten die Arbeit der Regierung.

(Bild: bic)

Besucher sind zufrieden

Die Gäste und Bürger des Kantons zeigten sich mit dem Anlass weitgehend zufrieden. «Ich finde es toll, dass sich die Regierung Zeit nimmt, um den Leuten ihre Arbeit zu erklären.» Denn Politik sei ja nicht immer komplett verständlich, sagte der 72-jährige Alois Bisang aus Ebikon. Und seine Frau Rita ergänzte: «Jetzt kann ich mir besser vorstellen, wie politische Entscheide tatsächlich zustande kommen.»

Ob sie etwas ändern würden, wenn sie selber Regierungsrat wären? «Ich finde es im Kanton Luzern grundsätzlich nicht schlecht», sagte Bisang. Aber es gäbe halt immer etwas, dass man vielleicht etwas anders machen würde. Auf die Äste hinaus wollten er und seine Frau sich dann aber nicht wagen.

Keine Autobahnen und mehr Spielplätze

Ganz anders der zehnjährige Yanis aus Luzern, der soeben ein Gefühl davon bekommen hat, wie es ist, auf einem Polizeitöff zu fahren. «Wenn ich regieren könnte, würde ich alle Autobahnen abreissen und überall Velowege bauen», sagt er überzeugt.

«Ich finde es super, die Regierungsräte einmal in Fleisch und Blut zu erleben.»

Lukas Frei, Besucher

Auch viel mehr Spielplätze würde es geben, wenn er in der Regierung sitzen würde. Dass er später aber tatsächlich einmal Regierungsrat wird, glaubt er nicht. «Ich kann es mir nicht vorstellen», sagt er.

Persönliche Kontakte werden geschätzt

Auch dem 30-jährigen Lukas Frei aus Luzern gefällt die Aktion des Kantons. «Ich bin politisch sehr interessiert und wollte einfach mal sehen, wo die Entscheidungen überhaupt gefällt werden.» Denn ansonsten sehe man den Kantonsratssaal ja meistens nur auf Fotos oder im Fernsehen.

«Ich finde es super, die Regierungsräte einmal in Fleisch und Blut zu erleben», sagt Frei. Man höre zwar viel von ihnen, sie aber einmal persönlich zu treffen, sei doch noch etwas Anderes.

Als Sek-Lehrer interessiert er sich insbesondere für die Bildungspolitik des Kantons Luzern. «Ich finde es schwierig, wenn Bildungsangebote wegen des Spardrucks gestrichen und der Unterricht immer mehr gestrafft werden muss», sagt er. Als Regierungsrat würde er den Hebel deshalb als Erstes hier ansetzen.

Nach den vielen Eindrücken zog es die Besucher auf die Rückseite des Gebäudes, wo kühle Getränke sowie «Ghackets ond Hörnli» serviert wurden. Eine Big Band sorgte für die nötige Stimmung. Den Besuchern werden die zahlreichen gewonnenen Eindrücke wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Sehen Sie weitere Impressionen in der Bildergalerie:

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