Warum David Zibung nicht die Nummer eins bleiben kann
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FCL-Torhüter David Zibung war gegen YB grandios. Hier applaudiert er einem Mitspieler. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Zur Auferstehung des FCL-Methusalems Warum David Zibung nicht die Nummer eins bleiben kann

3 min Lesezeit 15.10.2018, 12:58 Uhr

Mit dem Sieg beim zuvor ungeschlagenen Leader und Meister YB hat der FC Luzern für die grösste Überraschung in der laufenden Super League gesorgt. Dabei setzte FCL-Trainer René Weiler mit einem Goaliewechsel und einer taktischen Meisterleistung ein Ausrufezeichen. Ist dies das grosse Comeback?

Es gab und gibt sie immer wieder, die Comebacks im Sport. Auch ganz grosse. Wie zum Beispiel jenes von Tennisgott Roger Federer. Nur Dauerpessimisten rechneten nicht mehr damit. Doch sein Genius sollte sich schlichtweg als zu gross erweisen. Im Januar 2017, rund viereinhalb Jahre nach seinem letzten Grand-Slam-Sieg in Wimbledon, gewann der mittlerweile 37-jährige Baselbieter in Australien. Titel Nummer 18. Mittlerweile steht er bei 20.

Auch David Zibung gab ein grosses Comeback. Seines wird zwar nur in den Köpfen der Innerschweizer Fussballliebhaber haften bleiben. Doch das kann dem FCL-Goalie egal sein. Das 3:2 in Bern wird einer der grossen Momente seiner Karriere bleiben. Damit hat der älteste Spieler im aktuellen FCL-Kader ein Stück weit Frieden geschlossen mit dem Berner Stadion, das ihn zwei seiner drei verlorenen Cupfinals mit dem FCL (2005, 2007, 2012) erleben liess.

Zurück ins Rampenlicht

Bei seinem langjährigen Arbeitgeber werden sie sich insgeheim vielleicht schon erste Gedanken darüber gemacht haben, wie man den 34-jährigen, den gleichaltrigen Aussenverteidiger Christian Schwegler und den an einer mühseligen Schambeinverletzung laborierenden Claudio Lustenberger im nächsten Sommer gebührend verabschieden könnte.

Und dann geschieht es wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Weiler degradiert den auf diese Saison neu verpflichteten Stammgoalie Mirko Salvi (24) und scheucht Zibung vom FCL-Alterssitz zwischen die Pfosten im Berner Stade de Suisse. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Weilers Spieler tanken jede Menge Selbstvertrauen. Doch was bedeutet das nun für die Goaliehierarchie beim FC Luzern?

Zibung soll kämpfen

Zibung und Weiler sahen sich in dieser Woche nicht in der Lage, Auskunft zu geben. Deutet das etwa auf eine erhöhte Brisanz in dieser Frage hin?

«Ich glaube nicht, dass der FCL gegen YB dank den Paraden von Zibung gewonnen hat.»

Rolf Fringer

Nein. Zibung muss zwar den Ehrgeiz haben, mit dem Rückenwind des überraschenden Erfolgs den zehn Jahre jüngeren Salvi so lange wie möglich auf der Ersatzbank zu halten. Einen Konkurrenten, der in seiner Leistungsskala munter zwischen Glanzparaden und vermeidbaren Toren pendelt. Und Weiler wird sich vielleicht noch nicht mal selber im Klaren sein, wie er mit der neuen Goaliesituation umgehen soll.

Fringer: «Eine psychologische Geschichte»

Warum? Sein Goaliewechsel hatte nach dem Kriechgang mit drei Niederlagen in Folge einen psychologischen Hintergrund. Weiler wollte im Team für ein Aha-Erlebnis sorgen und die Feldspieler aufwecken. Dafür bot sich Zibung mit seiner Persönlichkeit, Erfahrung und Autorität geradezu an.

«Ich glaube nicht, dass der FCL die Partie dank den Paraden von Zibung gewonnen hat. Die wären auch Salvi gelungen. Für mich war es eine psychologische Geschichte», urteilte Rolf Fringer, ehemals Spieler, Trainer und Sportchef der Luzerner.

Ein nächstes Spiel verdient

Was heisst das jetzt für die unmittelbare Zukunft der Luzerner auf der Goalieposition? Es ist zu erwarten, dass der Torhüter im nächsten Meisterschaftsspiel zu Hause gegen Thun (20. Oktober, 19 Uhr) wieder Zibung heissen wird. Das hat sich der Mann, der insgesamt 32’653 Spielminuten in der Super League verbrachte und sein vorletztes Meisterschaftsspiel am 26. Februar 2017 für den FCL bestritt, redlich verdient.

Aber auch seine Fehlgriffe werden unweigerlich kommen. Wegen seiner Inkonstanz ist Zibung nie der grosse Goalie geworden, für den sich der Hergiswiler einst gehalten hatte. Zudem ist er mit 34 Jahren kein Perspektivspieler. Und diese sind Weiler bei der Entwicklung des FCL wichtig. Das hat er mit seinen Zuzügen klar gemacht.

Goldener Herbst wäre erfreulich

Zibung steht im Herbst seiner Karriere. Wenn es ein goldener werden sollte, hat niemand etwas dagegen. Erst recht der Trainer nicht.

Er könnte den Oldie dann punktuell einsetzen und für einen gebührenden Abschied vor dem eigentlichen Abschiedsspiel sorgen. Eine Verlängerung des FCL-Vertrages mit Zibung über den nächsten Sommer hinaus wäre hingegen eine noch grössere Überraschung als der Sieg in Bern.

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