Warum das Ladensterben in Luzern eine Chance ist – und was es jetzt braucht
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Ziel muss es sein, dass die vielen bunten Stühle in der Luzerner Altstadt künftig immer besetzt sind. Dafür braucht es neue Ideen. (Bild: bic)

Neue Ideen sind gefragt Warum das Ladensterben in Luzern eine Chance ist – und was es jetzt braucht

4 min Lesezeit 1 Kommentar 03.03.2021, 16:58 Uhr

In der Luzerner Altstadt stehen grössere Veränderungen an. Es braucht ein Umdenken vonseiten der heimischen Wirtschaft und des Gewerbes – aber auch neue Ideen und gute Rahmenbedingungen. Warum und wie eine Wiederbelebung gelingen könnte.

Dass in der Luzerner Altstadt immer mehr Läden schliessen müssen, ist seit Jahren zu beobachten. Corona und die ausbleibenden Touristen haben diese Entwicklung noch verstärkt (zentralplus berichtete). Die aktuelle Situation bietet aber auch Chancen.

Die Geschäftsmieten dürften nun sinken, weil die bisherigen Preisvorstellungen der Vermieter nicht mehr realistisch sind. Das heisst: Den Kleinunternehmern, die ein publikumswirksames Lokal in der Altstadt suchen, eröffnen sich neue Perspektiven.

Wichtig: Konsum vor Ort fördern

Eine Herausforderung für die bisherigen Läden ist der zunehmende Online-Handel. Tatsächlich ist es so, dass sich die Kunden von einem Kleidungsstück gleich mehrere Grössen nach Hause liefern lassen können, um sie da bequem anzuprobieren. Was nicht passt, wird zurückgeschickt. Mit anderen Worten: Der Shopping-Ausflug in die Luzerner Altstadt wird hinfällig.

Eine Lösung könnte sein, Geschäfte und Dienstleistungen in der Altstadt anzusiedeln, deren Angebot nur nutzen kann, wer physisch vor Ort ist. Solche sind in den letzten Jahren in der Stadt Luzern gleich mehrfach entstanden.

Ein junges Beispiel: Das «Gameorama» am Hirschengraben. Eine Art Museum für Spiele, unter anderem mit alten Automaten, Konsolen und Flipperkästen. Zudem kann man in gemütlichem Rahmen und bei einem Getränk, das man vor Ort kauft, diverse Gesellschaftsspiele aus aller Welt spielen (zentralplus berichtete).

Das Gameorama am Hirschengraben.

Es gibt bereits Ideen, aber auch neue sind gefragt

Wer regelmässig an dem Lokal vorbeigeht, sieht, dass sich das Angebot grosser Beliebtheit erfreut (zentralplus berichtete). Hie und da trifft man auf Bekannte, was zeigt, dass das «Gameorama» auch Einheimische anlockt.

Wegen des Besucheransturms mussten kurzerhand ein Reservierungssystem eingeführt und die Preise erhöht werden. Letzteres, weil der Verschleiss der Geräte wegen der vielen Besucherinnen höher war als erwartet (zentralplus berichtete). Das Gameorama ist also eine Attraktion, die kaum dem Klumpenrisiko Tourismus ausgesetzt ist.

Es gibt noch weitere Angebote, die insbesondere Menschen aus der Region anziehen – und das nicht selten gleich in grösseren Gruppen. Beispielsweise die sogenannten «Escape Games» wie «The Riddle» an der Baselstrasse oder die «Adventure Rooms» beim Seetalplatz in Emmenbrücke.

Ziel dieser Spiele ist es, innert einer Stunde alle Rätsel zu lösen und dadurch den Ausgang aus dem Rätselraum zu finden. Vor allem im Sommer ist das mitunter eine schweisstreibende Angelegenheit. Glücklich ist, wer sich danach sofort in der Beiz gegenüber stärken kann – gefolgt von einem gemütlichen Nachtessen.

Die Altstadt muss einzigartig sein

Selbstverständlich gäbe es noch viele andere publikumswirksame Angebote wie zum Beispiel die Event-Gastronomie. Gerade diese Branche hat während Corona gezeigt, wie kreativ sie sein kann. Die neu geschaffenen Angebote werden sicherlich auch in den kommenden Jahren noch nachgefragt bleiben. Und wer die Geschichte der Stadt Luzern nur ein bisschen verfolgt, weiss, dass es in früheren Zeiten auch oberhalb der Reuss einige Bars und Restaurants mehr gab.

Aber auch der Detailhandel muss sich diversifizieren. Vor allem muss sich die Luzerner Altstadt in Zukunft von anderen Einkaufsmeilen und insbesondere von den Shoppingcentern unterscheiden und Einzigartigkeit entwickeln. Schuh-, Kleider- und Schmuckgeschäfte allein reichen in Zukunft nicht mehr, auch wenn ein gutes Angebot dieser Art essenziell ist. Mit der Spielkiste an der Seidenhofstrasse oder dem Geschäft «Perpetuum Mobile», das an der Hirschmattstrasse physikalische Spielereien feilbietet, gibt es auf der linken Seite der Reuss Beispiele von etwas anderen Läden, in denen man gerne etwas verweilt und sich die Zeit vertreibt.

Der «Riddle Escape Room» an der Baselstrasse.

Konsumenten gibt es auch ohne Massentourismus

Fachleute gehen davon aus, dass die Menschen hierzulande den Lebensraum unmittelbar vor der eigenen Haustür in naher Zukunft vermehrt nutzen werden. Entsprechend wird vielerorts die Aufwertung des öffentlichen Raums mit aller Konsequenz vorangetrieben.

Ausserdem dürfte die Stadt Luzern in 15 bis 20 Jahren der Mittelpunkt eines Lebensraums von 200’000 Menschen sein (zentralplus berichtete). Potenzielle Konsumenten wird es, zumindest für genannte Angebote, also auch ohne Massentourismus genug geben.

Natürlich müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören nicht nur erschwingliche Mieten, sondern auch tolerante Nachbarschaften. Denn wo Menschen sind, gibt es unweigerlich Emissionen verschiedener Art. Oder anders gesagt: Eine lebendige Stadt ist ohne Lärm wohl nicht möglich.

Nun gilt: gemeinsam an den Tisch sitzen

Um das Verständnis für und die Toleranz gegenüber solchen Angeboten zu fördern, wurde in Luzern vor kurzem eine Bar- und Clubkommission gegründet, die sich unter anderem dies zur Aufgabe gemacht hat (zentralplus berichtete). Und mit einem City-Manager wollen die Gewerbler ebenfalls die Interessen besser bündeln, um so unter anderem Leerstände zu verhindern (zentralplus berichtete). Erste Projekte wurden also bereits gestartet. Es wird spannend sein zu sehen, was sie bewirken können und wo man gemeinsame Lösungen findet.

Wie müsste die Luzerner Altstadt eurer Meinung nach in Zukunft aussehen? Was braucht es dafür? Und welche Ideen habt ihr, um die Gassen zu beleben? Wir sind gespannt auf eure Kommentare.

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1 Kommentare
  1. Carla Winkler, 04.03.2021, 09:23 Uhr

    Etliche Eigentümer werden es sich wohl überlegen, ob sie ihre Geschäftshäuser nicht besser in Wohnobjekte umwandeln sollen, als sie zu Tiefstpreisen an finanzschwache Läden oder Bars zu vermieten. Die Annahme, man könne die Mietzinse beliebig senken, ist ein Irrtum. Viele Objekte gehören auch Pensionskassen, die im Interesse ihrer Versicherten eine Rendite erwirtschaften müssen.

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