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Wann grasen Mammuts wieder beim Roche-Areal?
  • Gesellschaft
Vor 17’000 Jahren verendete ein Wollhaar-Mammut in Rotkreuz. (Bild: Montage mam)

Ausstellung in Zug, Klonversuche im Ausland Wann grasen Mammuts wieder beim Roche-Areal?

4 min Lesezeit 14.12.2018, 08:31 Uhr

Nach dem Fund eines 30’000 alten Mammutzahns in einer Chamer Kiesgrube stellt sich die Frage: Könnte man die ausgestorbene Elefantenart wieder zu Leben erwecken? Zumal Zuger Knochenfunde schon genauen Erbguttests unterzogen wurden – und in China Tiere bereits kommerziell geklont werden.

Manchmal geschehen Zeitreisen ausgesprochen schnell. Wie zum Beispiel für jenen Baggerführer im Kieswerk der Risi AG im Chamer Äbnetwald, der kürzlich der Eiszeit begegnete. Als er im Aushub ein schön helles und geripptes Objekt entdeckte und es bei den Archäologen ablieferte.

Eine Equipe des Amts für Denkmalpflege und Archäologie war gerade dabei, den Moränenhügel des Äbnetwalds zu untersuchen. Der war in der Frühzeit besiedelt und wird daher jeweils untersucht, bevor der Abbau ein Stück weiter voranschreitet.

Knifflige Altersbestimmung

«Eigentlich ist es fast ein Wunder, dass er das Stück entdeckt hat», sagt Gishan F. Schaeren, der Leiter der ur- und frühgeschichtlichen Zuger Archäologie im Kanton Zug. Das Objekt ist nur 20 Zentimeter lang und entpuppte sich als Backenzahn eines Mammuts (zentralplus berichtete). Die Forscher freuen sich, dass das Mammut mehr als 30’000 Jahre alt ist – und somit mindestens doppelt so alt ist wie jene Mammutknochen, die man vor drei Jahren auf dem Rotkreuzer Roche-Areal in einer Baugrube fand.

Schluss mit solchen Mondlandschaften wie im Äbnetwald: Das Chamer Stimmvolk votierte gegen einen Kiesabbau in Hatwil-Hubletzen.

Kiesgrube Äbnetwald in Cham-Oberwil.

(Bild: mam)

Ob ihnen der Zahn zu zusätzlicher Weisheit verhilft, ist indes fraglich. «Es war für die Altersbestimmung bereits schwierig, genügend Kollagen zu finden», sagt Schaeren. Deshalb werde wohl auch eine DNA-Analyse nicht viel bringen. Nicht so schlimm: In derselben Kiesgrube hatte man schon 1965 einmal einen Mammut-Stosszahn gefunden.

Rotkreuz war Ödland

Beim Rotkreuzer Fund hat man das Erbgut indes gründlich untersucht. Der Stosszahn und die Knochen wurden genauestens analysiert und durchleuchtet. Die Verwandschaft zu anderen späteiszeitlichen Mammuten in Europa wurde enthüllt.

Untersuchungen des Erdreiches haben Aufschluss darüber gegeben, was damals auf dem Roche-Areal in Rotkreuz wuchs – nämlich nichts – und wie die Landschaft der damaligen Kältesteppe ausgesehen haben muss.

Elefanten, die Kälte liebten

Dies alles wird nun im Januar im Zuger Museum für Urgeschichte(n) ausgestellt, wo man die Eiszeit im Kanton Zug wieder auferstehen lässt. Die Mammute als Bestandteil des heimischen Tierreichs gehören natürlich dazu. In der Tat scheint die an die Kälte angepasste Elefantenart einst in beträchtlicher Zahl durch die Zentralschweiz gezottelt zu sein.

Der Chamer Zahnfund ist schon der fünfte Mammutnachweis im Kanton. Auch in der Nachbarschaft, dem Luzerner Seetal, wurden schon prächtige und uralte Stosszähne aus dem Schotter geborgen – sodass die Luzerner Kantonsarchäologie vor wenigen Jahren ein 93-seitiges Magazin zur Eiszeit herausgab.

Der stellvertretende Werkmeister Peter Honauer fand den Mammutzahn im Kieswerk Eschenbach.

Der stellvertretende Werkmeister Peter Honauer fand im Kieswerk Eschenbach schon mehr als einen Mammutzahn.

(Bild: zvg)

Forscher will Supertier schaffen

Angesichts von erfolgten Gentests, Computertomografie und Isotopenanalyse stellt sich die Frage, ob man das ausgestorbene Tier nicht auch wieder zum Leben erwecken könnte. Die vorläufige Antwort dazu liefert der Dokumentarfilm «Genesis 2.0», der kürzlich in den Kinos war. Der Schweizer Filmemacher Christian Frei zeigt darin den amerikanischen Molekularbiologen George Church, einen Star der Genomik.

Church arbeitet seit einigen Jahren an einem Wollhaar-Mammut-Projekt. Er verbindet dazu Abschnitte des Mammuterbguts mit jenem des asiatischen Elefanten. Sein Ziel ist es, ein genetisch verbessertes Elefantenmammut zu schaffen. Dazu wären überaus viele Änderungen nötig, was zu viel Zeit beansprucht. Weil ausserdem das Problem, wer eine solche Kreatur zur Welt bringen könnte, nicht gelöst ist, sind von Church bis auf weiteres allerhöchstens leicht genmanipulierte Elefanten zu erwarten.

Komplettes Mammut entdeckt

Frei erzählt zusammen mit dem Russen Maxim Arbugaev aber auch eine unglaubliche Geschichte von den Gestaden des Eismeers. Auf den Neusibirischen Inseln suchen nämlich Jäger nach Stosszähnen des ausgestorbenen Wollhaar-Mammuts. Denn das Elfenbein bringt gutes Geld. Eines Tages stossen sie im Permafrostboden auf ein überraschend gut erhaltenes Mammutkadaver. Fleisch, Knochen und Pelz sind noch dran – sogar Blut rinnt aus dem auftauenden Körper.

 

In der Folge bringt der Direktor des Mammutmuseums in Jakutsk eine Probe zu einem chinesischen Klonunternehmen, das sich darauf verlegt hat, für eine reiche Klientel Hunde zu klonen. Wenn der Lieblings-Wauwau infolge einer kürzeren Lebenserwartung vor dem Herrchen oder Frauchen stirbt, können diese bei der Unternehmung ein Lebewesen bestellen, das genetisch mit dem alten Haustier übereinstimmt.

Tiefgefroren, aber tot

Die Klonwissenschaftler in Shanghai planen nun, eine Mammutzelle in die Eizelle einer Elefantenkuh zu spritzen. Fürs Klonen müssen sie aber eine lebendige Mammut-Zelle finden. Daran scheitert das Vorhaben: Das Mammut war zwar hervorragend erhalten und tiefgefroren – aber eben auch schon Tausende von Jahren mausetot.

Dies bringt uns zurück in die Zentralschweiz. Weil es bis auf weiteres unmöglich scheint, ein Tier der Eiszeit in die Jetztzeit zu bringen, bleibt eben nur die Zeitreise zurück. Das Museum für Urgeschichte plant, in einer «Erlebniswelt Eiszeit» den eiszeitlichen Alltag erfahrbar zu machen.

Dazu soll auch eine Virtual-Reality-Brille dienen, welche die Besucher um 17’000 Jahre zurück versetzt – in eine Landschaft, als noch Wildbeuter und Mammuts durch den Kanton Zug streiften. Dazu wird die Shedhalle neben dem Museum in Beschlag genommen. Denn der Platzbedarf ist gross – zumal auch ein Mammut in Lebensgrösse nachgebildet wird.

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