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Wahlschlappe von Müri: «Die SVP ist nicht nur unglücklich»
  • Politik
Felix Müri hat die Wahl in den Emmer Gemeinderat im ersten Wahlgang nur knapp verpasst. (Bild: jal)

Luzerner Partei mit merkwürdigem Facebook-Beitrag Wahlschlappe von Müri: «Die SVP ist nicht nur unglücklich»

4 min Lesezeit 24.09.2018, 20:27 Uhr

«Die SVP ist nicht nur unglücklich», schreibt die Luzerner Kantonalpartei auf ihrer Facebook-Seite. Und dies, nachdem Nationalrat Felix Müri am Wochenende den Einzug in den Emmer Gemeinderat verpasste. Fragwürdiger Post oder gar Schadenfreude?

«Vielleicht waren wir uns ein wenig zu sicher», sagt Nationalrat Felix Müri selbstkritisch. Am Sonntag verpasste er den Einzug in den Emmer Gemeinderat, die SVP verliert somit ihren Sitz. Mit 57 Stimmen Abstand landete Müri hinter SP-Kandidat Brahim Aakti auf dem dritten Platz (zentralplus berichtete).

Nationalrat Ja, Gemeinderat Nein

«Im ersten Moment war ich überrascht und enttäuscht, doch nach einer guten Nacht wieder ausgerichtet auf Neues», so Müri. Für ihn heisst die Niederlage nicht, Trübsal zu blasen. Müri ist guter Dinge: «2019 werde ich erneut als Nationalrat kandidieren – jedoch ein letztes Mal», bestätigt er. «Ich muss ja nicht mit 60 Jahren in Rente gehen, wenn alle Politiker immer ein Rentenalter von 65 fordern», sagt er lachend.

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Doch mit der Lokalpolitik dürfte es vorbei sein. 2020 stehen die Gesamterneuerungswahlen des Emmer Gemeinderats an. Für Müri ist klar, dass er für dieses Amt nicht mehr kandidieren werde – wegen seines Alters. Müri galt bei diesen Wahlen für viele als der Favorit, für viele war er schon so gut wie gewählt. Im ersten Wahlgang verfehlte er nur um 91 Stimmen das absolute Mehr (zentralplus berichtete).

Facebook-Post wirft Fragen auf

Meinte Müri es also wirklich ernst mit der Kandidatur in Emmen? Diese Frage stellt sich umso mehr, da sich die SVP des Kantons Luzern auf Facebook mit der Niederlage gut abzufinden scheint: «Familie Müri bleibt national. Die SVP Kanton Luzern und SVP Schweiz ist nicht nur unglücklich!», schreibt die Partei. Freut sich da etwa die Luzerner SVP über die Wahlschlappe Müris?

Der Facebook-Beitrag der Kantonalpartei. Inziwschen wurde der Original-Beitrag jedoch abgeändert.

Der Facebook-Beitrag der Kantonalpartei. Inzwischen wurde der Originalbeitrag jedoch abgeändert.

(Bild: Screenshot Facebook-Seite SVP des Kantons Luzern)

Das glaubt Müri nicht. «In Luzern und Bern sind wohl viele froh, wenn ich weiterhin in Bern bleibe – und wer weiss, vielleicht bringe ich ja da noch mehr auf die Beine als in Emmen», sagt er lachend. «Ich freue mich, dass mir meine Partei volle Rückendeckung gibt.»

Angela Lüthold-Sidler, Präsidentin der SVP Kanton Luzern, ergänzt: «Für Müri und die SVP hatte es klar Priorität, den Sitz im Emmer Gemeinderat wieder zu besetzen und somit in der Exekutive vertreten zu sein.» Die SVP ist die wählerstärkste Partei in Emmen. Dass sie den Sitz des abtretenden Urs Dickerhof nicht verteidigen konnte, macht ihr zu schaffen.

Und Roland Staub, Kommunikationsverantwortlicher der Partei, sagt: «Wir brauchen für die anstehenden Nationalratswahlen starke und erfahrene Persönlichkeiten.» Dies umso mehr, weil der Kanton Luzern 2019 einen seiner Nationalratssitze abgeben muss (zentralplus berichtete).

Dass Müri nun weiterhin im Bundeshaus als Nationalrat tätig sein wird und zur Wiederwahl antritt, ist für die SVP folglich eine Selbstverständlichkeit. Dennoch bedauere man, dass Müri nicht in den Gemeinderat gewählt worden sei. Doch in Niederlagen könne man auch etwas Gutes finden, sagt Staub.

Bereut Müri den Verzicht aufs Nationalratspräsidium?

Seit 15 Jahren politisiert Müri bereits im Bundeshaus. Vergangenes Jahr teilte er mit, 2019 erneut zu kandidieren. Demnächst hätte er sogar höchster Schweizer werden können – ein Traum für ihn. Kurz vor dem zweiten Wahlgang in Emmen gab er bekannt, auf das Nationalratspräsidium zu verzichten. Dies, weil er die Lokalpolitik bevorzuge und lieber Gemeinderat werden möchte (zentralplus berichtete). Teilt Müri nicht die Befürchtung, an Glaubwürdigkeit zu verlieren durch das Hin- und Herspringen zwischen Lokal- und Nationalpolitik?

«Für mich war immer klar, dass ich im Nationalrat bleiben möchte.»

Felix Müri

Müri verneint, er habe stets eine klare Linie verfolgt: «Für mich war immer klar, dass ich im Nationalrat bleiben möchte.» Darum habe ihn auch die Partei gebeten. Er bereut nichts: «Es war der richtige Entscheid, aufs Nationalratspräsidium zu verzichten.» Dadurch habe er der Emmer Bevölkerung signalisiert, was für ihn Priorität habe.

Müri gibt sich selbstkritisch

Als Grund für die Nichtwahl in den Emmer Gemeinderat nennt Müri, dass die SVP-Wähler zu wenig mobilisiert wurden. Zudem zeige ein Blick in die Resultate, dass CVP und SP im zweiten Wahlgang massiv zugelegt haben. Aakti erhielt im zweiten Wahlgang 1’060 Stimmen mehr, bei Müri waren es zusätzliche 361 Stimmen.

«In Zukunft müssen wir unseren Wählern wohl auch sagen, dass sie ihren Mann wählen sollen», sagt Müri. Viele SVP-Wähler hätten nicht treu ihre Partei gewählt. «Die SVP unterstützte die Konkordanz im Gemeinderat.» Lange Zeit stand der Sitz der Linken auf der Kippe, Unterstützung erhielten sie jedoch von ganz rechts, ausgerechnet von der SVP (zentralplus berichtete). Bei 350 veränderten SVP-Wahllisten wird ersichtlich, dass 250 Mal der CVP-Kandidat Patrick Schnellmann aufgeführt wurde, aber nur 55 Mal SP-Kandidat Brahim Aakti.

Es sei logisch, dass man als SVP-Wähler eher zur CVP wechselt und die linke Seite die CVP der SVP vorzieht. Davon habe die Mitte profitiert. 

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