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Wahlkreis Entlebuch: Kann die CVP ihre Dominanz wahren?
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Gerät die CVP im Wahlkreis Entlebuch durch die anderen bürgerlichen Parteien in Bedrängnis? (Bild: jal)

Jungparteien von CVP und SVP mit vollen Listen Wahlkreis Entlebuch: Kann die CVP ihre Dominanz wahren?

5 min Lesezeit 19.03.2019, 18:45 Uhr

Die CVP ist im Entlebuch die Hausmacht: Vier von sieben Sitzen im Wahlkreis gehen auf ihr Konto. Das soll trotz eines Rücktritts so bleiben. Doch die bürgerliche Konkurrenz will ein Wörtchen mitreden.

Entlebuch ist zwar der kleinste Wahlkreis. Aber deswegen keineswegs weniger politisch, im Gegenteil: Im Entlebuch geht noch jeder Zweite an die Urne, bei den Wahlen 2015 lag die Beteiligung bei 54,3 Prozent – der höchste Wert im ganzen Kanton.

Hoch ist im Entlebuch auch die Verbundenheit mit der CVP. Das Entlebuch, traditionell katholisch, gilt als Bastion der Partei. Das hat historische Bedeutung, war es doch mit Josef Zemp ein Entlebucher, der als erster CVP-Vertreter den Sprung in die Landesregierung schaffte.

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Und das widerspiegelt sich auch in der aktuellen politischen Konstellation: Vier von sieben Kantonsräten gehören zur CVP, damit stellt sie nach wie vor die absolute Mehrheit im Entlebuch.

SVP will ausbauen

Noch. Denn nebst der ebenso historischen Konkurrenz zu den Liberalen ist in den letzten Jahren auch die SVP im Entlebuch im Aufwind. Seit sie vor 20 Jahren den ersten Grossrat stellte, trauen sich im Tal der Konservativen immer mehr Menschen, offen zur Partei zu stehen.

Dazu kommt: Die CVP konnte vor vier Jahren ihren vierten Sitz nur durch ein Restmandat sichern. Und nun zieht sich mit Josef Dissler aus Wolhusen auch noch einer der Bisherigen nach 16 Jahren aus der Politik zurück. «Unser Ziel ist ganz klar, wiederum vier der sieben Sitze zu holen», gibt sich Wahlkreispräsident und Kantonsrat Hans Lipp trotz allem erfolgssicher. «Somit wollen wir als stärkste Kraft und Partei aus den Wahlen 2019 gehen.»

Wahlkreis Entlebuch

Der Wahlkreis Entlebuch ist flächenmässig der grösste – in Sachen Mandate indes der kleinste im Kanton. Er umfasst die neun Gemeinden Doppleschwand, Entlebuch, Escholzmatt-Marbach, Flühli, Hasle, Romoos, Schüpfheim, Werthenstein, Wolhusen.

Entlebuch ist seit 2011 mit Willisau in einem Wahlkreisverbund organisiert. Gewählt wird zwar separat in den jeweiligen Wahlkreisen, die Mandate werden anschliessend aber in einer aufwändigen Berechnung über das gesamte Gebiet verteilt. Das soll die Chancen für kleine Parteien erhöhen, denn laut Bundesgericht sind Proporz-Wahlkreise mit weniger als zehn Sitzen verfassungswidrig.

Doch die anderen Parteien würden der CVP gerne ein Schnippchen schlagen. «Die Entlebucherinnen und Entlebucher haben in den letzten Jahren vielfach wie unsere Abstimmungsempfehlung abgestimmt», sagt Stefan Dahinden, Präsident der SVP Wahlkreis Entlebuch. Somit gehe er davon aus, dass die SVP ihre Parteistärke ausbauen könne.

Einzige Frau aus dem Entlebuch

Personell kann sie jedenfalls aus dem Vollen schöpfen: Die SVP, die im Entlebuch übrigens als einzige Partei eine Frau ins Parlament entsendet, tritt mit den beiden Bisherigen wieder an. Mit Vroni Thalmann aus Flühli stellte die Partei in der laufenden Legislatur auch die Kantonsratspräsidentin, die dank dem Amt über die Region hinaus bekannter wurde – und die Wahl in den Nationalrat 2015 nur haarscharf verpasste. Das schmerzte umso mehr, als die Region seit dem Abgang von Ruedi Lustenberger nicht mehr in Bundesbern vertreten ist. Auch in der Luzerner Regierung fehlt das Entlebuch.

Auch die FDP strebt einen zweiten Sitz an, wie Rolf Binggeli, Präsident der FDP Wahlkreis Entlebuch, gegenüber der «Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch» festhielt. Allerdings muss die Partei ohne ihren bisherigen Kantonsrat ins Rennen steigen: Guido Bucher (Flühli) zieht sich nach 13 Jahren aus der Politik zurück.

So sieht die aktuelle Sitzverteilung im Entlebuch aus:

 

 

CVP setzt auf Strasse statt Säli

Bei der CVP gibt man sich trotz der Konkurrenz zuversichtlich. «Mit unseren ausgewogenen und sehr guten Kandidatinnen und Kandidaten sollten wir das Ziel erreichen», sagt Hans Lipp. Diese seien erfahren und bestens vernetzt. «Zudem haben wir eine tolle, junge und dynamische JCVP-Liste.» Die Jungen sollen mit ihren Zusatzstimmen helfen, die vier Sitze der CVP zu sichern.

Dabei setzt die CVP auf die Strategie «Strasse statt Sääli». Mit Standaktionen will die Partei auf der Strasse und auf dem Dorfplatz mit Wählern ins Gespräch kommen. «Die Erfahrungen zeigen, dass die Leute sich mit der Politik und den Themen beschäftigen. Wichtig ist aber, dass wir diese Menschen an die Urne bringen und sie dann auch dementsprechend abstimmen», sagt Hans Lipp.

Drei der vier bisherigen CVP-Kantonsräte treten wieder an: Guido Roos, Hans Lipp und Pius Kaufmann (v.l.n.r).

Drei der vier bisherigen CVP-Kantonsräte treten wieder an: Guido Roos, Hans Lipp und Pius Kaufmann (v.l.n.r).

(Bild: zvg)

Ein grosses Thema im Entlebuch ist die Infrastruktur. Nebst der Umfahrung Wolhusen und dem Erhalt der Kantonsschule in Schüpfheim erwähnt die CVP auch das Gesundheitswesen. «Der Neubau des Spitals in Wolhusen ist für unsere Region sehr wichtig. Als Erst- und Grundversorgungsspital unerlässlich», sagt Hans Lipp von der CVP.

Auch die SVP nennt das Spital und ein gutes Gesundheitsangebot als zentrales Thema, und nebst einem guten Bildungsangebot, dem Wirtschafts- und Tourismusstandort und der Landwirtschaft ein Punkt, um Arbeitsplätze zu erhalten und die Abwanderung zu verhindern.

Das Duell zwischen CVP und SVP umfasst im Entlebuch auch die junge Generation: Denn nebst der Jungen CVP tritt auch die Junge SVP dieses Jahr mit einer eigenen Liste an – als einzige zwei Jungparteien. «Eines der Ziele ist sicher, dass wir auch vermehrt junge Wähler ansprechen wollen», sagt Stefan Dahinden. Er begrüsst die Jungliste aber auch als gutes Zeichen für die Zukunft der Partei.

Die SVP geht mit Bernhard Steiner und Vroni Thalmann wieder ins Rennen.

Die SVP geht mit Bernhard Steiner und Vroni Thalmann wieder ins Rennen.

(Bild: zvg)

Hartes Pflaster für die Linken

Auch die SP und die Grünen mischen beim Wahlkampf im Entlebuch mit – wenn auch nur mit Aussenseiterchancen. Bei den letzten Wahlen kamen sie zusammen auf einen Wähleranteil von 6 Prozent.

«Klar ist es aufgrund der Grösse des Wahlkreises für uns schwierig, im Entlebuch einen Sitz zu holen», sagt SP-Wahlkampfleiter Sebastian Dissler. Dennoch will die SP mit ihren fünf Kandidaten einen engagierten Wahlkampf betreiben und möglichst gut abschneiden.

Nicht zuletzt wegen des Wahlkreisverbundes mit Willisau (siehe Box). «Im Entlebuch geht keine Stimme verloren», sagt Dissler. «Wenn wir es im Entlebuch nicht schaffen, erhöhen die Stimmen dort die Chance auf einen Sitzgewinn im Wahlkreis Willisau.» SP und Grüne haben zusammen eine Listenverbindung.

Hinweis: Im zentralplus-Wahldossier finden Sie alle Beiträge zu den kantonalen Wahlen vom 31. März 2019.

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