Wagenplatz muss zügeln – aber wohin?
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Im Moment wohnt die Gruppe «Sous le pont» auf dem ehemaligen Bahntrassee beim Südpol – nächste Woche muss sie zügeln. (Bild: zvg)

Offener Brief: Luzern soll Platz freigeben Wagenplatz muss zügeln – aber wohin?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 22.02.2016, 18:04 Uhr

Bis am Samstag müssen die Wagenplatz-Leute den Standort beim Südpol räumen, sonst tut dies die Polizei. Ein neuer Platz scheiterte in letzter Minute am Widerstand der Nachbarn. Nun soll die Stadt Abhilfe schaffen.

Achtmal mussten die Leute vom Wagenplatz «Sous le pont» in den letzten siebeneinhalb Jahren zügeln. Sie leben auf Rädern, doch möchten gerne einen Platz, auf dem sie ihre Bauwagen dauerhaft abstellen können.

Nach fünf Jahren neben dem Südpol (mit einem Abstecher auf das alte Pilatusmarkt-Gelände) neigt sich ihre Krienser Zeit dem Ende zu: Neben dem Südpol wird die neue Musikhochschule gebaut und auf dem ehemaligen Trassee der Zentralbahn, dem jetzigen Standort des Wagenplatzes, gibt es bald einen neuen Veloweg: Am Samstag ist Spatenstich, bis dann muss sich das Wagendorf einen neuen Standort suchen, sonst droht die Räumung durch die Polizei.

Nachbarn verhinderten neuen Platz

Ein neues Daheim hat die momentan achtköpfige Gruppe noch nicht. Bis vorletzte Woche sah es so aus, als könnte man für die nächsten Jahre auf der Wiese zwischen Südpol und Autobahn unterkommen. «Eine Bauunternehmung wollte uns dort eine Zwischennutzung ermöglichen», berichtet Tobias, ein Aktivist der Wagenplatz-Gruppe, der anonym bleiben will. Doch Nachbarn hätten Druck auf die Grundstückeigentümerin ausgeübt, bis diese das benötigte Baugesuch zurückgezogen habe. «Zwei Tage später ist auch die Räumungsaufforderung für unseren jetzigen Platz von der Gemeinde Kriens gekommen», so der Wagen-Bewohner. «Offensichtlich will man uns nicht in Kriens haben.»

«Wir wollen dem geplanten Veloweg nicht im Weg stehen.»

Tobias, Bewohner des Wagenplatzes

Die Gruppe wird den Räumungstermin einhalten und keinen Widerstand leisten, sagt Tobias: «Wir wollen dem geplanten Veloweg nicht im Weg stehen.» Wohin der Wagenplatz zieht, will er nicht sagen: «Wir prüfen im Moment verschiedene Alternativen. Legale Standorte sind aber leider nicht darunter.»

Damit droht der Gruppe nun, dass sie wieder von Platz zu Platz getrieben wird. Wie schon vor 2011, als die «Sous le pont» in drei Jahren von einem Platz unter einer Autobahnbrücke in Emmen auf die Allmend, in den Krienser Schlund, in die Emmenweid, ins Tribschen auf den Schlossberg und schliesslich neben den Südpol zügelten. Doch diese Situation möchten die Wagenplätzler verhindern, sagt Tobias: «Wir wollen jetzt ein bisschen Ruhe und einen legalen Status. Wir haben Jobs und können nicht alle paar Wochen umziehen.»

Standortsuche verlief erfolglos

Auf der Suche nach einem neuen Platz habe man zahllose private Eigentümerinnen, Genossenschaften und Unternehmen angeschrieben, berichtet Tobias: «Leider gab es darauf nur zwei Angebote, die sich nicht realisieren liessen.» Das Grundstück neben dem Südpol verhinderten die Anwohner und ein Angebot der Stadt sei unrealistisch gewesen: «Dort hätten wir über 40’000 Franken ausgeben müssen, um Strom- und Wasserleitungen zu legen. Für eine Zwischennutzung von drei Jahren hätten wir das nie zahlen können.»

«Wir wollen nicht wieder zum Objekt eines Schwarz-Peter-Spiels werden.»

Tobias, Bewohner des Wagenplatzes

Die Gruppe «Sous le pont» setzt deshalb nun auf die öffentliche Aufmerksamkeit, um doch noch ein neues Zuhause zu finden. In einem offenen Brief fordert sie die Stadt auf, ihr ein städtisches Grundstück zur Verfügung zu stellen. «Wir wollen unbedingt verhindern, wieder zum Objekt eines Schwarz-Peter-Spiels zwischen den Gemeinden zu werden. Hoffentlich kommt jetzt eine Diskussion in Gange», begründet Tobias den Gang an die Öffentlichkeit.

«Im Südpol hat es fünf Jahre lang ohne Probleme und Reklamationen funktioniert.»

Tobias, Bewohner des Wagenplatzes

Die Gruppe schlägt im Brief acht Grundstücke vor, die sich im Besitz der Stadt befinden: «Dort stehen keine Bauprojekte an. Wenn sonst niemand diese Brachflächen braucht, können wir sie ja beleben. Im Südpol hat das fünf Jahre lang ohne Probleme und Reklamationen funktioniert.»

An einen dieser acht Standorte würde die Gruppe «Sous le pont» gerne zügeln:

«Es geht nicht darum, dass die Stadt für uns einen Platz organisiert», kontert Tobias die Frage, ob das Aufgabe der Stadt sein solle. «Unser Leben findet in der Stadt Luzern statt. Es soll auch möglich sein, anders zu leben hier. Das hat viel mit Selbstbestimmung zu tun. Nur haben wir merken müssen, dass auch ein selbstbestimmtes Leben ohne Goodwill der Behörden nicht geht. Das ist schon etwas frustrierend.»

Die Stadt bestätigte am Montag, den offenen Brief erhalten zu haben. Man werde in den nächsten Tagen etwas dazu sagen können. zentral+ bleibt dran.

Acht Leute wohnen momentan auf den ehemaligen Geleisen, am Wochenende müssen sie weg.

Acht Leute wohnen momentan auf den ehemaligen Geleisen, am Wochenende müssen sie weg.

(Bild: zvg)

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1 Kommentare
  1. Mario Stübi, 22.02.2016, 22:24 Uhr

    Ich bringe hiermit als Sofortlösung den Innenhof des Stadthauses ins Spiel. Vorteile:
    – Die Fläche ist komplett ungenutzt, man schaut sie bloss an.
    – Sie gehört der Stadt Luzern.
    – Anschlüsse für Strom, Frisch- und Abwasser sollten vorhanden sein.
    – Nächtliche Sicherheit für die Bewohner der Wagenburg, weil die Tore zum Hof nachts geschlossen werden.
    Einzige Herausforderung wäre die Einfahrt via Winkelriedstrasse (ist sie genug hoch?). Es braucht jetzt eine schnelle (Übergangs-) Lösung. Bitte abklären, sonst mach ichs. Vielen Dank.

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