Wähle zwei aus drei – die Stadtratskandidatinnen im Überblick
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Drei Stadtratskandidatinnen, verschiedene Profile: Am 28. Juli wird gewählt. (Bild: zentralplus)

Zweiter Wahlgang vom 28. Juni Wähle zwei aus drei – die Stadtratskandidatinnen im Überblick

3 min Lesezeit 4 Kommentare 12.06.2020, 05:00 Uhr

Die Chancen stehen gut, dass am 29. Juni zwei Frauen als Luzerner Stadträtinnen erwachen. Die Frage ist: Werden es zwei bisherige sein – oder ist eine neue dabei? Wir haben die verschiedenen möglichen Kombinationen angeschaut.

Auf der Lauer liegen zwar die beiden Jungpolitiker Skandar Khan (Juso) und Jona Studhalter (Junge Grüne). Etwas weiter hinten schielt auch der inzwischen parteilose Silvio Bonzanigo noch in Richtung Luzerner Stadtrat. Doch Beobachter sind sich sicher: Am 28. Juni werden zwei Frauen in den Luzerner Stadtrat gewählt (zentralplus berichtete).

Bitzi und Jost: Die bürgerliche Variante

Das Rennen gestaltet sich dabei so offen wie selten. Auf der einen Seite die bisherigen, Manuela Jost (GLP) und Franziska Bitzi (CVP). Es wäre übertrieben, die beiden als politische Zwillinge zu bezeichnen, doch ein Blick auf ihre politischen Profile bei smartvote zeigt eine vergleichbare politische Grundhaltung:

Das Profil von Franziska Bitzi und Manuela Jost.

Beide setzen sich für eine liberale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik ein, zeichnen sich durch eine offene Politik nach aussen aus. Zudem wollen beide einen moderaten Sozialstaat mit einem guten Umweltschutz und ausgewogenen Finanzen. Bei jedem dieser Punkte erhält man bei Manuela Jost etwas mehr davon.

Dafür ist Franziska Bitzi etwas strenger: Sie setzt sich stärker für Recht und Ordnung ein und verfolgt eine etwas restriktivere Haltung bei der Migration. Auch wenn Jost keine lupenreine Bürgerliche ist, dann hat ihr Profil doch einen sehr hohen Deckungsgrad mit dem von Franziska Bitzi.

Gemeinsame Eckpunkte:

  • Eher sparsam: Keine Lockerung der Schuldenbremse beim städtischen Budget
  • Klares Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft
  • Kein zusätzliches Engagement für Asylsuchende

Dörflinger und Jost: Die grünlinke Mitte

Sie stehen auf keiner gemeinsamen Liste, könnten sich aber in einem Anliegen gemeinsam starkmachen – dem Umweltschutz. Bei der Frage, wie stark der Umweltschutz auch auf Kosten der Wirtschaft gehen soll, ist Manuela Jost allerdings vorsichtiger als Dörflinger.

Judith Dörflinger und Manuela Jost im Vergleich.

Zwischen den beiden Kandidatinnen gibt es grosse politische Unterschiede, gerade was die Finanz- und Wirtschaftspolitik betrifft. Punktuell teilen die Kandidatinnen aber doch einige Standpunkte.

Gemeinsame Haltungen:

  • Zusätzliche Stärkung des gemeinnützigen Wohnungsbaus
  • Beide befürworten, dass Ausländerinnen nach zehn Jahren Aufenthalt das Stimmrecht erhalten
  • Klar gegen eine weitere Kürzung von Kultursubventionen
  • Für die Offenlegung der Parteifinanzen und bei Wahl- und Abstimmungskampagnen in der Stadt Luzern

Bitzi und Dörflinger: Die klaren Verhältnisse

Bewirken können dieses Paket vor allem Jost-Abwähler und linke Listeneinwerfer: Die Kombination aus der am deutlichsten bürgerlich ausgerichteten Kandidatin Franziska Bitzi von der CVP und der SP-Frau Judith Dörflinger.

Resultat davon wäre ein Stadtparlament, bei dem in vielen Fragen klare Positionen herrschen: Die bürgerlichen Merki und Bitzi stünden der linksgrünen Fraktion Dörflinger, Borgula und Züsli gegenüber.

Hier trifft Franziska Bitzi auf Judith Dörflinger.

Es ist nicht ganz einfach, Gemeinsamkeiten zwischen Dörflinger und Bitzi zu finden, die Manuela Jost nicht auch teilen würde. Genaugenommen haben wir keine Überschneidungen gefunden, die über die folgende Liste hinausgehen:

Was alle Kandidatinnen gemeinsam haben

  • Für eine Legalisierung von Cannabis
  • Für weniger motorisierten Verkehr in der Stadt
  • Sie lehnen die Spange Nord und ihre bisherigen Folgeprojekte ab
  • Alle drei befürworten einen Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen
  • Positive Einstellung gegenüber Digitalisierung
  • Gegen Dispensationen im Schulunterricht aus religiösen Gründen
  • Einsatz für erneuerbare Energien
  • Fordern eine stärkere Regulierung des Reisecar-Tourimsus in der Stadt Luzern
  • Gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare

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4 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 13.06.2020, 11:08 Uhr

    Eine der Kandidatinnen versprüht den Charme einer Leiterin der Gefängniswäscherei, was in diesen hochnützlichen Grafiken leider nicht ersichtlich wird. Es wäre sicher segensreich, wenn sie nicht gewählt würde.

    1. Faktencheck, 14.06.2020, 00:23 Uhr

      Der Charme einer Kandidatin ist ebenso irrelevant wie die Parteizugehörigkeit. Die Wählerschaft ist gut beraten, für die Regierung auf die fachlichen Qualitäten und Qualifikationen zu setzen. Exekutivwahlen sind Kopfwahlen! Legislativwahlen sind Parteiwahlen. Dies ist die Zauberformel für die – allen Umständen zum Trotz – relativ gute Gesamtsituation in unserer Stadt, wo Kultur, Kunst und Bildung aber auch der Umweltschutz, das Sozialwesen sowie die Wirtschaft nicht vergessen gehen. Wir dürfen auch einmal zufrieden sein mit dem, was wir haben.

    2. Peter Bitterli, 14.06.2020, 08:50 Uhr

      Stimmt natürlich jetzt auch wieder, Faktencheck. Bezüglich der fachlichen Qualitäten beim Vorlesen eines stilistisch wertvollen Textes empfehle ich die folgende Videobotschaft aus der Quarantänezeit: https://m.youtube.com/watch?v=OZVDteUZtF8

  2. Andy Bürkler, 12.06.2020, 12:53 Uhr

    Warum wird hier nicht auch Silvio Bonzanigos Profil dargestellt?
    Das finde ich nicht fair.
    Der mag ja vielleicht nicht alle Latten am Zaun haben, aber wer hat das schon?

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