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Vroni Straub: «Ich muss von Frauen wie von Männern gewählt werden»
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Vroni Straub-Müller (Bild) will 2018 erste Stadtpräsidentin in der Geschichte von Zug werden. (Bild: zVg)

Zuger Stadtpräsidenten-Kandidatin im Interview Vroni Straub: «Ich muss von Frauen wie von Männern gewählt werden»

5 min Lesezeit 20.12.2017, 09:55 Uhr

Die Zuger Stadträtin Vroni Straub-Müller ist von den Christlichsozialen der Stadt Zug für eine dritte Legislatur nominiert worden. Ausserdem kandidiert Straub im Oktober 2018 als erste Frau fürs Zuger Stadtpräsidium. zentralplus hat die viel beschäftigte Schulvorsteherin am Telefon erwischt.

zentralplus: Vroni Straub, war die Präsidentinnenfrage unbestritten in Ihrer Partei?

Vroni Straub: Unsere Nominationsversammlung war diesmal ein wenig feierlich, mit einem Weihnachtsbaum, gar nicht so sehr politisch. Es gab keinen Streit und keine Gegenkandidatur, beide Nominationen waren einstimmig.

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zentralplus: Warum schickt Sie die CSP fürs Stadtpräsidium ins Rennen?

Straub: Wir wollen einen Kontrapunkt setzen zu den bürgerlichen Männern. Die CSP schickt mich als erste Frau ins Rennen, das ist cool für so eine kleine Partei. Einige fanden, dass nicht im Vordergrund stehen sollte, dass ich als Frau kandidiere, sondern meine Fähigkeiten, die ich einbringe.

zentralplus: Wie beurteilen Sie selbst Ihre Qualifikationen?

Straub: Nach acht Jahren im Stadtrat und zwölf Jahren im Kantonsrat ist mein Rucksack recht gut gefüllt mit Erfahrungen.

zentralplus: Ist die Zeit reif für die erste Zuger Stadtpräsidentin?

Straub: Ich denke, das ist sie. In anderen Städten und Ländern stehen ebenfalls Frauen an der Spitze.

«Ich bewundere Frauen in Führungspositionen, wenn sie authentisch bleiben und ihre Bodenhaftung nicht verlieren.»

zentralplus: Denken Sie da an bestimmte Frauen?

Straub: Zürich hat mit Corine Mauch schon lange eine Stadtpräsidentin.

zentralplus: In Deutschland ist Angela Merkel als langjährige Kanzlerin der CDU wiedergewählt worden. Was halten Sie von Mauch und Merkel?

Straub: Ich bewundere Frauen in Führungspositionen, wenn sie authentisch bleiben und ihre Bodenhaftung nicht verlieren – das trifft für mich auf beide genannten Frauen zu.

zentralplus:

Zur Person

Vroni Straub-Müller ist 2010 für die Christlichsozialen (CSP) in den Zuger Stadtrat gewählt worden, wo sie seither das Bildungsdepartement leitet. Ausserdem politisiert sie seit 12 Jahren im Kantonsrat in der ALG-Fraktion. Die 54-jährige Schulvorsteherin mit Wurzeln in Gersau ist in Zug aufgewachsen. Vroni Straub ist gelernte Hebamme und arbeitete lange in diesem Beruf, bevor sie in den Zuger Stadtrat gewählt wurde. Sie kommt aus einer politisch interessierten und engagierten Familie: Ihr Vater, Albert Müller, war lange Zuger Stadtschreiber (1981 bis 1998). Ihre Schwester, Magda Feldmann-Müller, ist ebenfalls Kantonsrätin der CSP. Vroni Straub ist verheiratet und hat einen Sohn.

Haben Sie weibliche Vorbilder?

Straub: Ein weibliches Vorbild für mich ist die Autorin Marcella Maier. Sie wurde 1920 in St. Moritz geboren und hat die Familiensage «Das grüne Seidentuch» geschrieben – eine Familiengeschichte über vier Generationen.

zentralplus: Im August machten Sie Ihre Ambitionen fürs Stadtpräsidium öffentlich. Welche Reaktionen erhielten Sie seither?

Straub: Ich habe durchwegs positive Reaktionen erhalten. Andere Stimmen, die vielleicht finden, ich übertreibe oder ich hätte sowieso keine Chance, sind bis jetzt nicht zu mir durch gedrungen.

zentralplus: Glauben Sie, dass die Zuger Frauen Sie wählen werden?

Straub: Ich muss von Frauen wie von Männern gewählt werden. Natürlich freut es mich, wenn mich Frauen wählen, weil sie sich von mir vertreten fühlen. Aber das reicht nicht.

Vroni Straub, die Echte, neben ihrem Ebenbild.

Vroni Straub, die Echte, neben ihrem Ebenbild aus Karton von den Wahlen 2014.

(Bild: zVg)

zentralplus: Eine ketzerische Frage: Sind Sie nicht in der falschen Partei? Wären Ihre Wahlchancen in der FDP oder der SP, die sich seit Langem mit Vertretern im Stadtpräsidium abwechseln, nicht viel grösser?

Straub: Ich bin sehr gerne in der CSP Zug. Ich fühle mich genau am richtigen Ort. Als kleine Partei scheuen wir uns nicht, die Zusammenarbeit mit anderen Parteien zu suchen. Wir arbeiten im Stadtparlament wie im Kantonsrat mit den Alternativen – die Grünen in der Fraktion zusammen. Doch haben wir Berührungspunkte mit linken wie mit rechten Parteien. Wir sind ja aus der CVP herausgewachsen. Bei Themen, welche die Tradition betreffen, arbeiten wir auch mit der SVP zusammen.

«Man wählt im Herbst 2018 Vroni Straub und nicht die CSP.»

zentralplus: Dennoch ist Ihre Partei CSP winzig. Wie schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein?

Straub: Wir haben jetzt Majorzwahlen, das ist sicher ein Vorteil für mich. Man wählt im Herbst 2018 Vroni Straub und nicht die CSP. Ich will bei dieser Wahl ein wenig mehr erreichen, als nur den bürgerlichen Männern das Leben schwer zu machen.

zentralplus: Sie sprechen es an: Für die Nachfolge von Dolfi Müller schickt die FDP Karl Kobelt ins Rennen und die SVP André Wicki. Nehmen sich die beiden bürgerlichen Kandidaten nicht gegenseitig die Stimmen weg – und steigen dadurch Ihre Chancen, gewählt zu werden?

Straub: Ich schaue nicht, was die anderen machen. Ich konzentriere mich auf meine Werte, meine Person, das, was ich kann und was ich bin.

zentralplus: Welches sind Ihre Werte?

Straub: Solidarität ist für mich wichtig. Zug wächst. In der Stadt Zug soll es Platz für alle haben, und alle sollen in Würde leben können. Menschlichkeit ist für mich auch ein grosses Thema. Wir haben sie schon, aber wir müssen dranbleiben.

zentralplus: Stichwort Wirtschaft: Was halten Sie davon, dass sich Zug immer mehr zu einem Zentrum der Blockchain-Technologie und der Kryptowährungen wie Bitcoin entwickelt?

Straub: Wir dürfen uns der Entwicklung nicht verschliessen und den Prozess begleiten. Aber wir müssen wachsam bleiben und unser Augenmerk verstärkt auf die Sicherheit legen.

«In der Stadt Zug soll es Platz für alle haben, und alle sollen in Würde leben können.»

zentralplus: Zug wächst und wächst, wo liegen für Sie die Grenzen dieses Wachstums?

Straub: Wir sitzen da nur begrenzt im Führersitz. Die bauliche Verdichtung wird weitergehen. Trotzdem müssen wir Freiräume erhalten, wo die Bevölkerung Luft holen und sich erholen kann. Ausserdem muss man die Infrastruktur für die Bevölkerung und die Kinder genauso nachziehen wie die Bauten für Private.

zentralplus: Noch ein Wort zu Ihrer Kandidatur für eine dritte Legislatur als Stadträtin und Vorsteherin des Bildungsdepartements Zug. Was ist Ihre Motivation und was möchten Sie noch erreichen?

Straub: Ich bin stolz darauf, ein Teil eines gut funktionierenden Stadtrates zu sein – und ich bin stolz auf unsere tollen Mitarbeitenden im Bildungsdepartement. In der nächsten Legislatur will ich einen weiteren grossen Schritt in der Schulraumplanung weiterkommen – insbesondere im Stadtteil Zug West.

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