«Vorteil des Einkaufscenters zur Stadt? Ganz einfach – ein Dach»
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Franz Stalder (rechts) hat mit Hasan Dogan einen Nachfolger für sein Geschäft gefunden. (Bild: few)

City-Chef Franz Stalder gibt sein Lebenswerk ab «Vorteil des Einkaufscenters zur Stadt? Ganz einfach – ein Dach»

5 min Lesezeit 09.03.2017, 16:01 Uhr

Sein Geschäft in neue Hände zu legen, ist kein einfacher Schritt. Der Luzerner Vollblut-Unternehmer Franz Stalder ist darum glücklich, mit Hasan Dogan einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben. Als Präsident der City Vereinigung wird es Stalder bestimmt nicht langweilig – er will der Stadt ein Dach vermachen.

Franz Stalder ist ein Pionier. Vor 22 Jahren setzte er den Gedanken, sich selbstständig zu machen, in die Tat um. Daraus entstand das «Stalder Kaffee Maschinen Center», welches an der Bleicherstrasse 23 in der Stadt Luzern beheimatet ist. Als erstes Unternehmen der Schweiz vereinte es Verkaufsladen und Werkstatt. Heute, nachdem sich Stalder einen Bekanntheitsgrad aufgebaut hat, sei die Zeit reif, sein Lebenswerk der nächsten Generation zu übergeben. Das Geschäft bleibt zwar nicht in der Familie, aber einem völlig Fremden übergibt es Stalder auch nicht.

«Ich bin froh in Hasan Dogan einen munteren, und tüchtigen Nachfolger gefunden zu haben», sagt Stalder. Da sie sich bereits seit 13 Jahren kennen, fällt es den beiden nicht schwer, offen zu kommunizieren. Sie bilden bereits jetzt ein eingespieltes Team. Dogan möchte das Center ganz im Sinne von Stalder weiterführen. Auch der Name bleibt, einzige Änderung wird die Umwandlung zu einer GmbH.

Auf die Frage, wie er an das Ganze heran geht, antwortet Dogan: «Mir ist bewusst, dass die Arbeit in einem solchen KMU nicht immer nur ein Zuckerschlecken ist. Bereits jetzt sind Zehn- oder Elf-Stunden Tage-kein Fremdwort für mich.» Aktuell ist Dogan Inhaber der «Kneubühler Gastro GmbH», einer Luzerner Firma für Kücheneinrichtungen.

Beim Kebap-Essen kennengelernt

Die ersten Gedanken zur Nachfolge machte sich Stalder zwar schon vor zehn Jahren. Aber auf die Suche begab er sich nicht direkt: «Ich hatte den Gedanken schon von oben bis unten durchgespielt, doch wirklich bereit und willig loszulassen war ich noch nicht», erzählt er. Und so kam die Nachfolgeregelung eher zufällig zustande.

«Er war und ist ein guter Verkäufer und wusste bei jedem Besuch was wir in unserem Kebab wollten.»

Franz Stalder

Kennen lernten sich die beiden Geschäftsmänner, wie soll es denn auch anders sein, durchs Geschäft. Stalder war ein Kunde des heute 38-jährigen Hasan Dogans als dieser in Ebikon seinen Kebab Imbiss führte. «Er war und ist ein guter Verkäufer, wusste bei jedem Besuch was wir in unserem Kebab wollten», erinnert sich Stalder. Dogan wurde im Verlauf der Jahre ebenfalls zum Kunden von Stalders Kaffeemaschinencenter, was nicht zuletzt auch Einfluss auf die Nachfolgeregelung hatte.

Im letzten November sei Hasan, mit der Absicht eine Kaffeemaschine zu kaufen, im Laden aufgetaucht. Beim Plaudern wurde das Thema der Nachfolge angesprochen. Dogan sah, mit der Unterstützung von Stalder könnte man es weiterführen und ausbauen.

Mittlerweile arbeitet Hasan Dogan zwei Tage in der Woche im Geschäft. So kann er sich bis zur Übergabe im Juli noch etwas Fachwissen aneignen. Vor allem aber soll er die Kunst des Reparierens sowie die Servicearbeiten erlernen. Stalders Wunsch sei es immer gewesen, dass jemand direkt im Laden diese Arbeiten vornehmen könne.

Stalder: Vom Chef zum Angestellten

«Der Detailhandel befindet sich ganz klar im Umbruch. Hasan wird also keine einfache Aufgabe vor sich haben» so Stalder. Seine Devise fürs Überleben von Kleinunternehmen: «Vermehrt auf Dienstleistungen setzen. Heute besteht nur noch, wer sich durch Freundlichkeit, Bedienung, Serviceleistungen und den Auftritt abhebt. Man muss durch ständigen Wandel aus der Masse herausstechen». Ganz nach seinem Motto «Handel ist Wandel und Wandel ist Handel».

«Wie gut ich mich in der neuen Rolle zurechtfinden werde, kann ich zwar nicht sagen. Bedenken habe ich auf jeden Fall keine.»
Franz Stalder

Innovationen seien gefragt. Von denen habe er noch viele auf Lager, die er auch bereitwillig mit seinem Nachfolger teilen möchte. Die schlussendliche Entscheidungsgewalt liege dann aber bei Dogan. Denn in näherer Zukunft plant Stalder in die Position des Angestellten zu wechseln und von dort aus dem neuen Chef mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. «Wie gut ich mich in der neuen Rolle zurechtfinden werde, kann ich zwar nicht sagen. Bedenken habe ich auf jeden Fall keine.»

Die Mall rüttelt wach

Schon in jungen Jahren war Franz Stalder dem Detailhandel verschrieben. Seine Berufslehre absolvierte er in einem Eisenwarengeschäft in Hochdorf, nach zahlreichen Weiterbildungen wurde er bereits im Alter von 29 Jahren Vizedirektor des «Shoppi Tivoli» in Spreitenbach. Ob er aufgrund seiner Vergangenheit einem solch grossen Einkaufshaus wie der Mall of Switzerland nicht mit Skepsis entgegenschaue, antwortet er: «Wäre ich 20 Jahre jünger, hätte ich mich wohl dort beworben».

Die Mall sei ein bisschen zu seinem Steckenpferd geworden, welches er von Beginn an mitverfolgte. «Jetzt wird ein Verdrängungskampf einsetzen und die Mitbewerber müssen Sportsgeist und Ideenreichtum beweisen, um sich auf dem Markt durchzusetzen», sagt Stalder. Das Positive sei, dass die ganze Innerschweiz wachgerüttelt worden sei, man habe Respekt und wappne sich deshalb gegen «den Neuen».

Schon jetzt lernt Dogan das Handwerk kennen.

Schon jetzt lernt Dogan das Handwerk kennen.

(Bild: few)

Stalder hat grosse Pläne

Der Kleinunternehmer will in Zukunft zwar etwas Kürzertreten und sein Arbeitspensum im Laden reduzieren, doch langweilig wird es ihm bestimmt nicht. «Ich habe noch einige Mandate offen, welche meiner Aufmerksamkeit bedürfen», sagt er. Eines davon ist sein Amt als Präsident der City-Vereinigung Luzern (CVL), welches er nun seit schon bald zehn Jahren ausübt.

Dazu kam es eher zufällig. Vor seiner Mitgliedschaft bei der CVL war er 4 Jahre lang Präsident des Vereins «Attraktivierung der Luzerner Innenstadt». Dieser verwaltete damals 10 Prozent der Parkgebühren der Stadt Luzern. Mittels Gesuchen konnten Organisationen Ideen für Aktivitäten einbringen, welche man mit diesen Geldern finanzierte. In dieser Tätigkeit kam Stalder erstmals in Kontakt mit der CVL. Dort dachte man sich schnell, so einen Mann könne man im Team gebrauchen und Franz Stalder wurde kurzerhand Vorstandsmitglied. Schnell erhielt er einen Blick hinter die Kulissen und ihm wurde klar: Veränderungen müssen her. Die CVL musste moderner werden, dazu gehörte auch ein neuer Präsident.

Ein Dach – als Vorteil und als Geschenk

Im Prozess der Modernisierung wurde er mehrere Male auf das Amt angesprochen, was er erst dankend ablehnte. Je näher die Endphase des Verjüngungsprozesses rückte, desto mehr potenzielle Präsidentenkandidaten begannen bei Stalder Interesse am Präsidentenamt hervorzurufen. Daraufhin änderte er seine Meinung und machte in einem Gespräch mit dem restlichen Vorstand deutlich, entweder werde einer von ihnen Präsident oder er mache es. «Und dann klatschen sie und ich war gewählt», erinnert sich Stalder.

Bis heute ist er seiner Funktion als Stützpfeiler der CVL treu geblieben und möchte dies auch bis zum Jubiläumsjahr 2020 bleiben. Für das Jubiläum selbst habe er auch schon so seine Pläne. «Die Frage ist doch, was für Vorteile ein Einkaufscenter gegenüber dem Marktplatz Stadt Luzern hat? Ganz einfach – ein Dach», sagt er. Und genau ein solches Dach will Stalder der Stadt zum 50. Geburtstag der CVL schenken. Etwas Konkreteres lässt er sich nicht entlocken. Bleibt abzuwarten, was Franz Stalder sich da einfallen lässt.

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