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Von wegen süsse Früchtchen: Erst hat es keine, dann will sie keiner
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Hier hat die Kirschessigfliege bereits zugeschlagen. (Bild: pbu)

Chriesi-Krise reloaded: Zuger sind abstinent Von wegen süsse Früchtchen: Erst hat es keine, dann will sie keiner

3 min Lesezeit 3 Kommentare 10.07.2017, 16:54 Uhr

Von wegen Chriesi-Krise: Die Ernte war trotz allem besser als gedacht. Nur will die süssen Dinger nun keiner kaufen. Schuld daran ist nicht nur der harte Preiskampf zwischen einheimischen Früchtchen und Importprodukten.

Die aktuelle Saison wurde erst unter apokalyptischen Vorzeichen eingeläutet: «Chriesi-Krise», «Katastrophenernte» oder gar «Kirsch-Engpass». Schauder … (zentralplus berichtete)

Nun scheint’s aber gar nicht so schlecht um die Zuger Kirschernte bestellt zu sein: Anstatt dass nämlich eine Kirschenknappheit das Zugerland zu überrollen droht, bleiben die Zuger Chriesi in den Regalen liegen.

Jetzt stockt der Absatz

Georg Bregy vom Schweizer Obstverband Swissfruit bestätigt: «Schweizweit gesehen ist die Kirschen-Ernte tatsächlich nicht so schlecht wie erst gedacht. Jedoch stockt teilweise der Absatz.» Wollen Zuger also nach dem Aufschrei der Chriesi-Krise nun doch keine Kirschen kaufen? 

Doch, wollen sie schon, nur müssen sie diese auch finden können, meint Georg Bregy: «In diesem Jahr war der Markt für Schweizer Kirschen sehr schwierig, es gab viele importierte Kirschen zu sehr attraktiven Preisen.»

Grossverteiler bestellten nämlich aus Angst vor leeren Regalen wegen der schlechten einheimischen Ernte mehr Importkirschen als in anderen Jahren bereits im Voraus. Das erschwerte den Wettbewerb für die einheimischen Produzenten zusätzlich.

«Wir hatten tatsächlich 95 Prozent Ernteausfall.»
Philipp Hotz, Kirschenproduzent aus Baar

95 Prozent Ernteausfall

Für die Zuger Kirschenproduzenten wirkt das frustrierend: «Wir hatten tatsächlich 95 Prozent Ernteausfall», erzählt Philipp Hotz, Kirschenproduzent aus Baar. In der Restschweiz sei die Ernte sehr unterschiedlich ausgefallen: «Je nach Region schwach bis gut.» Einige Bauern hätten auch in Zug mehr Glück gehabt als Hotz mit seinem Hof in Baar. «An den Seelagen im Kanton Zug war die Ernte nicht ganz so schlecht.»

Georg Bregy vom Schweizer Obstverband bestätigt: «Die diesjährigen Ernteerträge sind sehr stark abhängig davon, ob die Frostbekämpfungs-Massnahmen erfolgreich waren oder nicht.» So kann es eben sein, dass zwei Bauernhöfe direkt nebeneinander ein sehr unterschiedliches Angebot haben.

«Die Katastrophenernte hat sich in den Köpfen der Leute festgesetzt. Deshalb kaufen sie gar nicht erst.»
Philipp Hotz

Direktverkauf ist besser

Im Direktverkauf ist der harte Preiskampf zwischen Zuger Kirschen und Importwaren weniger spürbar: Die mangelnde Nachfrage habe er nicht gespürt, meint Bauer Philipp Hotz. «Wir haben einen guten Absatz bei den Kirschen gehabt, die wir angeboten haben.» Er sieht neben den Preisunterschieden noch einen anderen Grund für die niedrige Nachfrage. «Die Katastrophenernte hat sich in den Köpfen der Leute festgesetzt. Deshalb kaufen sie gar nicht erst.»

Chriesi-Ernten mit dem Rosenkavalier

Dem wollen nun drei angeschlagene Zuger Sportler mit einem kurzen Clip entgegentreten. In ihrer Verletzungspause sind Sportler normalerweise zu frustrierendem Nichtstun verdammt. Da ist etwas körperliche Arbeit wohl gar keine so schlechte Idee, dachten sich wohl die drei.

Der fünffache Wakeboard-Weltmeister Andy Meyenberg, das sportliche Multitalent Sebi Eichenberger und der wahlweise Fäuste oder Rosen verteilende Kickboxer Janosch Nietlispach machen sich stark für die folsäurehaltige Zuger Leibspeise. Und gehen einem Zuger Bauern beim Kirschenpflücken zur Hand. Damit Zuger vielleicht etwas animiert werden, doch noch ein paar «Chrättli» zu kaufen.

So oder so: Es wäre doch schade, wenn die Kirschen, welche der Frost verschonte, nun einfach in den Gestellen der Produzenten verfaulen würden. Am ehesten unterstütze man die örtlichen Kirschenbetriebe übrigens, wenn man direkt ab Hof kaufe: «So unterstützt man die Chriesi-Bauern am besten», rät Philipp Hotz. Und umgeht damit auch geschickt die Versuchung, einfach ein Kistchen der pralleren und günstigeren Importware heimzunehmen.

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3 Kommentare
  1. Heinrich Vogelsang, 12.07.2017, 14:07 Uhr

    @Schwab: Wenn Sie die faden Einmachäpfel aus Altproduktion essen wollen, bitteschön, guten Appetit! Ich betrachte es als mein Menschenrecht als Feinschmecker, die jüngste Ernte von der Südhalbkugel zu verkosten. Bei Tafeltrauben und allem andern Zeug ist das kein Problem, warum dann bei Äpfeln? Ich mein, wir reden hier von einer verderblichen Delikatesse, nicht von Mineralwasser, das um die Welt gekarrt wird …

  2. Florian Schwab, 12.07.2017, 11:30 Uhr

    Sechs Monate Seereise oder doch lieber ein First-Flug für die Äpfel? Manchmal ist einfach nicht die Zeit für frische Äpfel, das ist wie mit den Osterhasen, Weihnachtsgänsen oder dem Bärlauch-Wahnsinn im Frühling. Sowas lässt man ja auch nicht im Hochsommer von irgendwo einfliegen.

  3. Heinrich Vogelsang, 12.07.2017, 11:11 Uhr

    Die Chriesi kaufe ich gern, wenn wir dafür endlich frische Äpfel essen dürfen. Statt neuer Ware aus Neuseeland müssen wir immer noch geschmacksneutrale, überteuerte Früchte aus dem Vakuum der Schweizer Lagerhäuser essen, die vor einem Jahr geerntet wurden.

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