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Von wegen nur Touristen: Damit kann Luzern prahlen
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Sogar ein Kind passt ins längste Alphorn der Welt. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Zehn Rekorde aus der Leuchtenstadt Von wegen nur Touristen: Damit kann Luzern prahlen

7 min Lesezeit 30.07.2018, 19:03 Uhr

Luzern ist nicht so gross wie Zürich, nicht so industriell wie Basel und nicht so reich wie Zug. Dafür haben wir andere Superlative zu bieten – von den ersten Shoppingkunden über den ältesten Mammutzahn bis hin zu den meisten Klicks. 

Die Schweiz kann sich zurzeit vor Superlativen kaum retten. Der heisseste Tag! Der trockenste Monat! Die meisten Badegäste seit Jahren! Das ist vor allem dem ausbleibenden Regen zuzuschreiben (zentralplus berichtete).

zentralplus hat sich in diesen rekordverdächtigen Hitzetagen auf die Suche gemacht nach Bestmarken, mit denen Luzern – egal bei welcher Temperatur – prahlen kann. 

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1. Saumässig viel Schwein

Man ahnt es auf den ersten Blick gar nicht: Denn wer durch den Kanton Luzern fährt, sieht wohl öfters eine Kuh, ein Rapsfeld oder Sonnenblumen, aber nicht allzu viele Schweine. Doch von diesen gibt es wahrlich saumässig viele in Luzern. Schweizweit an der Spitze steht das ehemalige Amt Sursee, wo letztes Jahr über 157’000 Schweine lebten. Mit Willisau und Hochdorf belegen zwei weitere Luzerner Regionen die Podestplätze.

Von allen Schweinen des Landes grunzt fast jedes dritte in Luzern – kein Wunder, schmückt uns der Übername «Säuli-Kanton». Insgesamt zählte der Kanton letztes Jahr über 430’000 Säuli – und damit mehr Schweine als Einwohner.

2. Hoch hinaus: der älteste Lift

Weniger bekannt dürfte dieser Rekord sein: Der älteste noch laufende Schindlerlift in der Schweiz befindet sich mitten in der Stadt Luzern. Und zwar versteckt in einem Haus am Hirschengraben. Das antike Stück Industriegeschichte im Jugendstilgebäude wurde zu einer Zeit gebaut – in den 1910er-Jahren –, als Lifte als Luxus galten. Er wurde vom Hausbesitzer eingebaut, der zugleich Zahnarzt war und seinen Kunden einen möglichst angenehmen Weg in die Praxis bahnen wollte.

Die älteste noch orginalgetreue Schindler-Anlage der Schweiz findet sich am Hirschengraben.

Die älteste noch orginalgetreue Schindler-Anlage der Schweiz findet sich am Hirschengraben.

(Bild: Studhalter Thomas)

86 Jahre lang beförderte der Lift Besucher und Bewohner auf und ab, doch hatte das Gefährt immer öfter mit Tücken und teuren Reparaturen zu kämpfen. 1998 musste er aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden, wie es in einem Blog des in Ebikon ansässigen Liftunternehmens heisst (siehe Box mit externen Links). In den 2000er-Jahren wurde der Lift im Zuge einer Renovation des Hauses unter Denkmalschutz gestellt und infolge dessen von einem Seil- zu einem Hydraulikaufzug umgebaut. Wer übrigens durch die Glastüre späht, erblickt einige der historischen Komponenten des Lifts.

3. Jurassic Park im Seetal

Es geht noch älter: Etwa 85’000 Jahre alt sind die fünf Stosszahnfragmente, die in den letzten Jahren in Kiesgruben im Luzerner Seetal gefunden worden sind. Die Mammutzähne gelten als die ältesten bis anhin bekannten Funde in der Schweiz. 

In Ballwil im Kanton Luzern ist der bis anhin älteste Mammutzahn gefunden worden.

In Ballwil im Kanton Luzern ist der bis anhin älteste Mammutzahn gefunden worden.

(Bild: zvg)

Der grösste Brocken Zahn stammt aus Ballwil und misst zirka 1,8 Meter. Zu sehen ist er im Naturmuseum, während die übrigen Funde im Depot der Kantonsarchäologie lagern. Nicht nur Stosszähne wurden im Seetal übrigens gefunden, sondern auch gleich alte Mammutbackenzähne, Rentierknochen und Geweihe.

4. Adieu, du Weltrekord

Hoch hinaus geht es auch bei diesem Objekt: einem Strommasten auf dem Zimmeregghügel in Littau. Was unspektakulär klingt, ist tatsächlich der weltweit grösste und schwerste Betonmast einer Starkstromleitung. Der wenig ansehnliche Mast ist 60 Meter hoch und wiegt rund 307 Tonnen. Der Weltrekord ist sogar offiziell anerkannt: Er ist im Guinnessbuch der Rekorde festgehalten.

Eine Höchstmarke, die bald der Vergangenheit angehören dürfte. Denn den Guinnessbuch-Eintrag wird Luzern wohl verlieren. Mit dem Ausbau der Schulanlage Rönnimoos in der Nähe will die Stadt nämlich die Stromleitung unter die Erde versenken. Zwar hat das Stadtparlament diesen Frühling einen Stopp eingelegt (zentralplus berichtete). Doch der Widerstand richtet sich gegen den Abriss des Grenzhof-Schulhauses und keineswegs gegen den Abriss des Strompfeilers. Oder wie der Littauer CVP-Grossstadtrat Roger Sonderegger sagte, der letzten Herbst auf das Kuriosum aufmerksam machte: «Es ist ein spezieller Weltrekord, den die Stadt hier beerdigen würde. Ich hoffe, dass es gelingt.»

5. Historisches Shoppen

Die Zentralschweiz stand letztes Jahr im nationalen Rampenlicht, weil mit der Mall of Switzerland das zweitgrösste Shopping-Center des Landes den Betrieb aufnahm. Genauso gross war das Interesse vor 51 Jahren: Damals wurde im Schönbühl-Quartier in Luzern das erste Shopping-Center der Schweiz eröffnet. Die Euphorie war gross, Luzern wurde als Pionierin gefeiert.

Die Begeisterung für Konsumtempel ist inzwischen bekanntlich wieder verflogen. Dennoch darf sich Luzern nach wie vor mit dem ältesten Shopping-Center des Landes brüsten. Im Vergleich zu den modernen, vielgescholtenen Einkaufszentren hat die alte Tante in Schönbühl, die 2006 restauriert wurde, als Quartiertreffpunkt ihre Rolle gefunden.

Im damaligen Fernsehbeitrag wurden den Zuschauern die Merkmale eines Shopping-Centers erläutert:

 

6. Der höchste Turm – zumindest bei den Papsttreuen

Mit 97,56 Metern Höhe überragt der Turm der St.-Martins-Kirche in Malters weitherum alles. Spitzig wie ein Dolch strebt er gegen den Himmel zu. Der Turm sollte gegenüber der Stadt ein Machtsymbol darstellen, denn früher lieferten sich die Kirchen ein regelrechtes Wettrüsten mit Kirchen und Türmen. Es handelt sich beim Bau von Malters um den höchsten katholischen Kirchturm des Landes. Noch höher bauten nur die Reformierten: Das Berner Münster mit gut 100 Metern Höhe gilt als höchster Kirchturm des Landes.

7. Die meisten Klicks auf Youtube

Während Kirchtürme und Shopping-Center in der Regel stehen bleiben, ist dieser Rekord nur von limitierter Dauer. Dennoch: Das meistgesehene Youtube-Video des letzten Jahres stammt von einem Luzerner. Dominic Deville schaffte es mit seiner Botschaft an Donald Trump an die Spitze – und liess sogar so Prominente wie den deutschen Jan Böhmermann hinter sich. Inzwischen haben sich über 12,4 Millionen Menschen den Clip zu Gemüte geführt – also mehr, als es überhaupt Menschen in der Schweiz gibt.

Und weil es so schön war, hier zum Nachschauen:

Und es sieht so aus, als ob Luzern den Rekord 2018 weiterhin halten könnte. Die Rapperin und Influencerin Loredana Zefi aus Emmenbrücke hat mit ihrem Video zum Song «Sonnenbrille» bereits über 20 Millionen Klicks.

8. Die Amis lieben uns

Ob es an Devilles Video liegt, mag bezweifelt werden, doch Fakt ist: Die Amis lieben Luzern. Zwar prägen besonders die asiatischen Touristen das Bild der Stadt, ja, haben sich geradezu als Sinnbild der Luzerner Touristen festgesetzt. Dennoch hat es nirgendwo sonst anteilsmässig so viele US-Amerikaner wie in Luzern. 14,7 Prozent aller ausländischen Gäste, die letztes Jahr in Luzerner Hotels und Kurbetrieben ankamen, stammten aus Amerika. Das ist ein Spitzenwert: Im schweizerischen Durchschnitt machen sie nur knapp 10 Prozent der ausländischen Touristen aus, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen.

9. Das längste Alphorn – made in Lucerne

Das dürfte manchem Touristen gefallen: das längste Alphorn. Das 47 Meter lange Instrument wurde vom Krienser Alphornbauer Josef Stocker hergestellt. Er hält den Weltrekord zusammen mit dem US-Amerikaner Peter Wutherich, der ein ebensolanges Instrument baute.

Das 1991 auf der Krienseregg präsentierte Alphorn mit einer Länge von 47 Metern.

Das 1991 auf der Krienseregg präsentierte Alphorn mit einer Länge von 47 Metern.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

So richtig freudige Melodien lassen sich auf dem Rieseninstrument offenbar nicht spielen. Beispielbar ist es nur, wenn es auf 14 Meter «zurückgebaut» wird. Das 250 Kilogramm schwere Teil beherrscht – wen wundert’s – ein Luzerner. Der gebürtige Ruswiler Walti Sigrist tourt mit dem «Superhorn» seit Jahren durch die Schweiz und um die Welt.

Sigrist, der in Luzern die Jazzschule besuchte und sogar schon einen Charts-Hit landete, setzte dem Superlativ 2013 nochmals einen drauf: Auf dem Cornergrat, wo er mit über 500 Alphornisten gemeinsam musizierte und sich so den Weltrekord sicherte, verlängerte er sein Alphorn um einen Meter – und holte mit 48 Metern den Titel des längsten Alphorns wieder zurück nach Luzern. Das Superhorn steht übrigens geschützt an einem geheimen Ort in Luzern.  

10. Das kürzeste und steilste Bergrennen

Auf der Luzerner Hochbühlstrasse Richtung Gütschwald findet jährlich das kürzeste und steilste Bergrennen der Schweiz, ja, vielleicht der Welt, statt. 60 Höhenmeter werden auf einer Strecke von 300 Metern absolviert. Zum Vergleich: Es ist in etwa, als würde man innert Kürze die Türme der Hofkirche erklimmen. 

«Hilliminator» nennt sich der verrückte Anlass – eine Wortmischung aus den englischen Begriffen für Hügel und Eliminierung. Trotz der Schweisstropfen und Muskeln, die es den Teilnehmern abverlangt, erfreut sich das Spektakel grosser Beliebtheit. Dieses Jahr haben 60 wagemutige Männer und sechs Frauen den kurzen, aber schmerzvollen Weg unter die Räder genommen (zentralplus berichtete).

So sieht es aus, wenn die Teilnehmer die Hochbühlstrasse erklimmen:

 

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