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Von Rausch bis Seoane – sie ist seit 20 Jahren die Stimme des FC Luzern
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Andrea Schnellmann an ihrem Arbeitsplatz. (Bild: pze )

Andrea Schnellmann ist Stadionsprecherin des FCL Von Rausch bis Seoane – sie ist seit 20 Jahren die Stimme des FC Luzern

6 min Lesezeit 25.02.2018, 11:45 Uhr

Trainer, Präsidenten, Spieler – sie alle kommen und gehen. Eine Konstante bleibt: Andrea Schnellmann feiert heuer ihr 20-Jahr-Jubiläum beim FCL. Die Stadionspeakerin erzählt von ihrem schönsten Spiel in einer verkorksten Saison, den eindrücklichsten Promis und ihren fussballfaulen Männern.

«Ich habe einen der schlechtesten Plätze im ganzen Stadion», sagt Andrea Schnellmann lachend, als sie ihren Arbeitsort vorstellt. Hinter ihrem Mikrofon, ganz oben in der Swissporarena, gibt Schnellmann den Zuschauern stets die aktuellsten Mitteilungen durch – auf Deutsch, Englisch und Italienisch. Eigentlich ein guter Platz: Doch ein Pfosten im Fenster der Speaker-Kabine verdeckt die Sicht auf den Mittelkreis.

Dieses Jahr feiert Schnellmann ein grosses Jubiläum: Seit 20 Jahren ist sie die Stimme im Stadion des FC Luzern. Die Speakerin hat laut eigenen Angaben drei Stadien, sieben Präsidenten, 14 Trainer und knapp 250 Spieler kommen und gehen sehen.

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Auf einer Party zur Speakerin verführt

Zum Job als Stadionstimme kam Andrea Schnellmann über Lukas Gresch-Brunner, der seit rund 30 Jahren die Durchsagen im FCL-Stadion macht, inzwischen vor allem in Französisch oder bei ihrer Abwesenheit. Schnellmann erinnert sich: «Wir wohnten im selben Haus. An einer Party entdeckten wir unsere gemeinsame Liebe für den FCL.» Als er sie fragte, ob sie Interesse hätte, sich als Speakerin zu versuchen, lehnte sie erst dankend ab. «Ich dachte, das sei nichts für mich», so Schnellmann. Doch sie begleitete ihn ins Stadion für ein Spiel – und fing Feuer. «Seither sitze ich hinter dem Mikrofon», sagt sie und lacht.

Andrea Schnellmann zeigt den Pfosten, der ihr die Sicht aufs Spielfeld nimmt.

Andrea Schnellmann zeigt den Pfosten, der ihr die Sicht aufs Spielfeld nimmt.

(Bild: pze)

Thomas Erni ist als Stadionmoderator verantwortlich für die Stimmung – er heizt die FCL-Fans mit euphorischer Stimme an. Schnellmann dagegen ist für die neutralen Informationen zuständig. «Das ist vom Schweizerischen Fussballverband so vorgegeben, die Speakerin muss unparteiisch sein.» Ihre innere FCL-Liebe muss sie für die Durchsagen also zurückstellen. «Selbst wenn der Gegner 4:0 führt und man kocht vor Wut», meint sie schmunzelnd.

Schon in der Meistersaison mitgeholfen 

Schnellmanns Interesse an Fussball wurde ihr in die Wiege gelegt. Ihr Vater Hans Meyer ist Präsident des Vereins FCL und langjähriger Funktionär des Innerschweizer Fussballclubs. «Als Jugendliche habe ich oft Tickets verkauft, da mein Vater jeweils ein Kassenhäuschen betreute», sagt Schnellmann.

«Beim FCL gibt es immer etwas zu tun», sagt sie mit einem Schmunzeln, «hier ist man um jede helfende Hand froh.» Entgelt gab es für die Arbeit lange Zeit nicht. Lohn seien die bleibenden Erinnerungen und Bekanntschaften mit Ikonen wie beispielsweise Friedel Rausch gewesen.

«Früher bekamen wir eine Wurst und ein Getränk spendiert oder auch mal Freikarten für einen Cupfinal», sagt Schnellmann. Heute ist sie im Stundenlohn angestellt; fünf Arbeitsstunden pro Spiel. «Ich habe den Job jahrelang umsonst gemacht, weil ich ihn leidenschaftlich gerne mache.» Dass sie nach 20 Jahren zum Team gehört und bezahlt wird, erachtet sie als ein Zeichen der Wertschätzung.

Die Männer sind nie im Stadion

Neben dem Job in der Swissporarena arbeitet Andrea Schnellmann in einer Boutique in Horw. Die Kastanienbaumerin hat dort ihr eigenes Nähatelier «Lulu-Art». Daneben unterstützt sie ihren Mann Georg bei der Buchhaltung – der Gastronom führt das Restaurant «Esscube» in Rotkreuz.

«Murat Yakin hat eine tolle Aura.»

Andrea Schnellmann, FCL-Stadionsprecherin

Doch hauptsächlich ist die FCL-Stadionsprecherin Mutter. Ihre beiden Kinder Laurin (8) und Noëmi (12) gehen bereits zur Schule. Die Tochter eifert ihrer Mutter nach – sie ist genauso fussballverrückt, spielt als Juniorin bei den FCL Frauen. Doch die Frauen stehen bei Schnellmanns mit ihrer Leidenschaft allein da. «Meine beiden Männer interessieren sich null für Fussball», sagt Andrea Schnellmann lachend. Sie seien kaum einmal im Stadion anzutreffen.

Dafür könnte Noëmi einmal in ihre Fussstapfen treten. «Sie hat die Leidenschaft für den Sport und schon jetzt eine bessere Stimme als ich. Wer weiss, vielleicht übernimmt sie ja in zehn Jahren», sagt Schnellmann. Dann wäre ihre Tochter so alt wie sie damals bei ihrem Debüt hinter dem Mikrofon.

Hektik während des legendären Barragespiels

Was bleibt Andrea Schnellmann aus den 20 Jahren im Gedächtnis haften? Ihre schönste Erinnerung ist interessanterweise aus einer Saison, in der es sportlich nicht gut lief: «Das Barragespiel gegen Lugano, als der FCL dank einem 5:0-Sieg nicht abstieg.» 

Die Stimmung im Spiel gegen Lugano:

Die Partie am legendären 13. Juni 2009 war hochdramatisch: Es war das letzte Fussballspiel im alten Allmend-Stadion. Nach einer 0:1-Niederlage im Tessin war der FCL unter Zugzwang. Dann der Trubel: Nachdem ein Knallkörper aus dem Publikum in Richtung Linienrichter flog, drohte gar der Spielabbruch – der Linienrichter erlitt einen Hörschaden.

Der damalige Präsident Walter Stierli stellte sich vor die Fankurve und verharrte dort während der ganzen 90 Minuten. Wegen des Böllers und der Hektik musste auch die Stadionsprecherin das Publikum zur Ordnung aufrufen – das goutierten nicht alle Fans gleich. «Das Spiel war sehr hektisch und ich musste alle Durchsagen auf Italienisch und Deutsch machen – das war ein sehr intensives Erlebnis», erinnert sich Schnellmann. 

Die kleine Geste des Andy Egli

Doch auch ohne Hektik hat das «bezahlte Hobby», wie Schnellmann es nennt, seine Sonnenseiten: Die 40-Jährige lernte viele wichtige Leute der FCL-Geschichte kennen. Es sei schwer zu sagen, wer bei ihr am meisten Eindruck hinterliess. «Murat Yakin hat beispielsweise eine tolle Aura. Er zieht einen in seinen Bann, sobald er den Raum betritt.» Aber auch Rolf Fringer, Markus Babbel oder Carlos Bernegger habe sie oft nach den Spielen im Stadion getroffen – Meistertrainer Friedel Rausch habe in ihrer Nachbarschaft gewohnt. «Mit jedem, der kam und ging, war es anders – mit jedem speziell», sagt sie.

«Ich könnte mich nicht erinnern, je unter der Gürtellinie angegriffen worden zu sein.»

Andrea Schnellmann, seit 20 Jahren Stadionspeakerin

Manchmal waren es auch kleine Gesten, die sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzten. «Andy Egli war bisher der Einzige, der mir auf der Tribune nach einem Spiel die Hand schüttelte und mir für meine Arbeit dankte», sagt Schnellmann. Und was ist mit dem neuen FCL-Coach Gerardo Seoane? Schnellmann lacht: «Ich habe ja während der Zeit, als Gerry noch selber spielte, schon gespeakert. Von daher kenne ich ihn schon lange.» 

Fans haben sich an Stimme gewöhnt

Eine weibliche Stadionsprecherin in der Männerdomäne Fussball mag speziell anmuten – doch Schnellmann musste sich in all den Jahren kaum einmal Kritik oder gar Spott anhören. «Ich könnte mich nicht erinnern, je unter der Gürtellinie angegriffen worden zu sein», sagt sie. Vielleicht tauchte auf Social Media der eine oder andere Kommentar auf – doch das habe sie wieder vergessen. «Für die Gästefans ist es möglicherweise speziell», mutmasst sie, «aber die FCL-Supporter haben sich an meine Stimme gewöhnt.»

Und was sagt die Speakerin aus der Swissporarena zur sportlichen Situation? Sie begrüsst, dass der FCL konsequent auf Spieler aus der eigenen Jugend setzt. Und das Potenzial, um in der Super League zu bestehen, das hätten die Luzerner Junioren allemal. Die Tabelle gestalte sich sehr eng, «zwei, drei Siege und man ist da unten raus», sagt sie. Schnellmann ist sich sicher: «Wir packen das, wir steigen nicht ab.»

zentralplus ist Medienpartner des FC Luzern.

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