Eine Gruppe von 250 bis 300 FCL-Fans lief mit einem als Jude verkleideten Frontmann durch St. Gallen.
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Eine Gruppe von 250 bis 300 FCL-Fans lief mit einem als Jude verkleideten Frontmann durch St. Gallen. (Bild: fan-foto.ch)

Ein Nachspiel auch für den Fan-Fotografen Von Pressefreiheit und Rassendiskriminierung

2 min Lesezeit 23.02.2015, 17:40 Uhr

Noch ist unklar, ob der «Juden-Vorfall» für die beteiligten FCL-Fans strafrechtliche Konsequenzen haben wird. Die St. Galler Polizei ermittelt wegen Verdachts auf Rassendiskriminierung. Umgehend reagiert hat der FCL: Der Club hat den Fotografen nicht nur für ein Spiel gesperrt, er soll sich künftig auch an vorgeschriebene Regeln halten.

Das Bild machte Schlagzeilen: Rund 300 FCL-Fans «jagten» am Sonntag vor einer Woche einen als Juden verkleideten St. Galler (zentral+ berichtete). Seither ermittelt die St. Galler Polizei wegen Verdachts auf Rassendiskriminierung. «Bis jetzt ist bei uns keine Anzeige eingegangen», sagt Andreas Baumann, Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft. In einem Radiointerview mit FM1 bezeichnete Thomas Hansjakob, erster St. Galler Staatsanwalt, die Aktion als «absolut Geschmacklos». Zum Stand der Ermittlungen gibt Dionys Widmer, Mediensprecher der St. Galler Stadtpolizei, Auskunft.

Noch keine Personen identifiziert

«Wir ermitteln, ob ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt», sagt er. Wäre das der Fall, würde gegen die identifizierten Personen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Dafür ist es aber zu früh. Aktuell wertet die Polizei das Foto- und Videomaterial aus. «Bis jetzt konnten wir noch keine Person identifizieren.» Möglich sei, dass man für die Identifizierung die Luzerner Polizei um Hilfe anfrage. Dass nun gegen alle 300 Personen ein Verfahren eröffnet werde, sei unwahrscheinlich. «Wir konzentrieren uns auf die Hauptmitwirkenden», erklärt Widmer.

Sowohl der FCL wie auch die unabhängige Fan-Organisation United Supporters Luzern (USL) haben sich umgehend von dem Vorfall distanziert. «Die USL distanziert sich von den anti-semitischen Vorkommnissen», teilt die Organisation auf ihrer Webseite mit. Für Schlagzeilen sorgte aber auch die Reaktion des FCL selber. Dem Club missfiel das Foto so sehr, dass er dem Fotografen prompt für ein Spiel keine Akkreditierung gewährte. Gleichzeitig informierte der FCL auch die anderen Clubs der obersten Schweizer Liga über den Fotografen. Weshalb er gesperrt wurde, weiss der langjährige Fan-Fotograf anscheinend selber nicht. «Die Begründung steht noch aus», sagt er gegenüber Watson.

Bild war dem FCL zu «plakativ»

Mit dieser Reaktion stellt sich der Club auch gegen die Pressefreiheit. Max Fischer, Medienchef des FCL, verneint: «Es geht uns nicht darum, die Pressefreiheit zu beschneiden.» Man habe den Fotografen für ein Spiel gesperrt, um in einem Gespräch künftige Regeln zu besprechen. Das Gespräch soll noch diese Woche stattfinden. Sollen die Regeln dazu dienen, solche Bilder zu verbieten?

«Wir wollen ein solches Foto nicht verhindern. Wir wünschen uns aber, dass der Fan-Fotograf oder die USL United Supporters Luzern das Bild mit einem Text versehen, der Bezug zum Bild nimmt und es einordnet. Bei heiklen Aufnahmen kann er sich vorher auch mit uns absprechen», erklärt Fischer. Der FCL-Medienchef hat sich daran gestört, dass das Bild vom Fotografen «plakativ und gross» auf der Webseite online gestellt wurde. Die Themen Gewalt und Rassismus nehme der FCL sehr ernst und man wolle im Gespräch das Bewusstsein dafür schärfen.

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