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Von Pleiten, Bugs und Black Screens
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Der «Reflection Tunnel» an der Media World im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. So richtig funktioniert noch nicht alles. (Bild: pbu)

In der Media World im Luzerner Verkehrshaus Von Pleiten, Bugs und Black Screens

5 min Lesezeit 01.10.2016, 18:30 Uhr

Im Luzerner Verkehrshaus gibt es einen neuen Ausstellungsraum. Media World heisst dieser und verspricht eine geballte Ladung digitaler Spielereien. Ein Rundgang am Eröffnungstag zeigt allerdings, dass niemand vor den Tücken der Technik gefeit ist – und diese einen Museumsbesuch gehörig durcheinanderbringen können.

Über die Rolltreppe tauche ich ein in eine Welt aus Bildschirmen, Kameras und allerlei digitaler Spielereien. Dunkles Blau prägt den neuen Ausstellungsraum im Verkehrshaus in Luzern. «Willkommen in der Media World», begrüsst mich ein weisser Schriftzug am Eröffnungssamstag. Ich grüsse zurück und begebe mich mit neugieriger Erwartungshaltung auf den Rundgang.

Bevor das Drehkreuz allerdings passiert wird, gilt es, sich angemessen vorzubereiten. Eine Informationstafel legt einem nahe, sich doch einen Account einzurichten. Auf der entsprechenden App werden dann die eigens produzierten Inhalte auf dem Rundgang gespeichert. Media World ist nämlich eine interaktive Geschichte. Man lässt sich hier nicht einfach berieseln, sondern ist aktiver Medienproduzent. Nun ja, so sollte es eigentlich sein. Nur gibt es da ein kleines Problem.

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Fünf Bildschirme begrüssen die Besucher der Media World.

Fünf Bildschirme begrüssen die Besucher der Media World.

(Bild: pbu)

Ungeziefer am Drehkreuz

Bevor ich mich nämlich mit meinen Daten einloggen kann, eilt ein Mitglied des Media-World-Teams herbei und legt mir nahe, die Übung gleich wieder abzubrechen. «Das Login-System weist noch einige Probleme auf und funktioniert leider nicht richtig», sagt Tim, der junge Herr, der in Wirklichkeit zwar wohl nicht so heisst, den ich jetzt aber einfach mal so nenne.

«Wir haben noch mit Bugs auf der App zu kämpfen», fügt Tim an. Besser, man lege sich den Account erst nach dem Rundgang an und speichere sein Produziertes auf der Eintrittskarte. Das funktioniere über den Strichcode. «Damit keine Daten verloren gehen, empfehle ich, alles in einem Zug raufzuladen», erklärt er.

Ich demonstriere Verständnis. Kann ja mal passieren. Schliesslich ist heute Eröffnungstag, da gehört es doch fast schon zum guten Ton, dass nicht alles reibungslos funktioniert. Zudem versteht es Tim, galant aufzutreten und den Sachverhalt klar vorzubringen. An seiner Seite durchschreite ich das Drehkreuz, plaudere mit ihm kurz über die Tücken der Technik und verspreche, ihn bei Fragen ungeniert zu konsultieren.

Schwarze Evolution

Jetzt aber zum Wesentlichen. Zielstrebig peile ich die Station namens «Evolution» an. Diese besteht aus einer interaktiven Medienwand, welche die Meilensteine der TV-Geschichte zusammenfasst. Auf einem Touchscreen kann man sich über 300 Beiträge einverleiben. Das heisst, man könnte. Denn der Screen bleibt schwarz. Nichts da mit geballter Ladung Mediengeschichte.

Die Brille als Pforte in die virtuelle Realität.

Die Brille als Pforte in die virtuelle Realität.

(Bild: pbu)

Kann ja mal passieren. Eröffnungstag und so. Tim lasse ich in Ruhe. Er assistiert ohnehin gerade einem älteren Paar, das sich mit kindlicher Begeisterung von ihm durch den Rundgang führen lässt. Stattdessen geht’s auf zum nächsten Posten: dem «Lab».

Blick in die Nacht

Drei Paar Virtual-Reality-Brillen hängen hier von der Decke. Eine Kurzanleitung instruiert den Besucher: Brille aufsetzen, Grösse einstellen, Startknopf fokussieren und los geht’s. Kinderleicht. Also los.

Hmm, *hust*, die Brille ist aufgesetzt, aber das einzige was man sieht, ist ein Sandührchen. Und dieses bewegt sich nicht mal! Tim, was ist hier los? Virtual Reality by night? Das Gestell wird wieder abgesetzt. Von Tim keine Spur. Dafür fängt seine Kollegin meinen fragenden Blick auf und eilt zur Hilfe.

«Sie haben leider diejenige Brille erwischt, die nicht funktioniert», sagt sie. Unglaublich, und das bei einer Wahrscheinlichkeit von 1:3. Deshalb spiele ich kein Lotto. Ich versuche es mit Brille Nummer zwei. Und tatsächlich, vor meinen Augen baut sich eine virtuelle Realität auf. Ich begebe mich auf einen Helikopterflug über irgendein Gebirge, blicke nach oben und unten und drehe mich um die eigene Achse. Von aussen muss das ziemlich bescheuert aussehen.

Damit der Moderator weiss, wo er stehen muss.

Damit der Moderator weiss, wo er stehen muss.

(Bild: pbu)

Die Greenbox, nebenan das TV-Studio.

Die Greenbox, nebenan das TV-Studio.

(Bild: pbu)

TV, ein Balanceakt

Der Auftakt in die Welt der neuen Medien hat nun also doch noch geklappt. Vergessen sind die Kinderkrankheiten. Schon geht’s zum nächsten Posten, dem TV-Studio inklusive Greenbox und Schneideraum.

Das Studio ermögliche TV-Produktionen unter wirklichkeitsgetreuen Bedingungen, schreibt das Verkehrshaus. Mit professionellem Equipment können Besucher hier eigene Sendungen produzieren und ihr Geschick in der Regiearbeit testen. Ein Vater spannt gerade seine beiden Töchter als TV-Moderatorinnen von morgen ein. Unter Anleitung der hilfsbereiten jungen Frau von vorhin wird das Produzierte anschliessend zurechtgeschnitten.

Zwischenzeitlich vertue ich mich in der Greenbox. Eine lustige Spielerei. Nach ein paar Klicks steht man auf einer steilen Felsklippe und balanciert über eine Slackline über dem Abgrund. Wie von Tim nahegelegt, speichere ich die Szene über den Strichcode auf meiner Eintrittskarte.

36 Kameras produzieren ein 360-Grad-Selfie.

36 Kameras produzieren ein 360-Grad-Selfie.

(Bild: pbu)

Für die Fotogalerie

Direkt neben der Greenbox befindet sich der nächste Posten: «360° Booth» nennt sich dieser und ist eine Art Fotoautomat für Ganzkörperselfies. 36 kreisförmig platzierte Spiegelreflexkameras sind auf das Objekt in der Mitte gerichtet und erstellen ein 360-Grad-Bild davon. Das Objekt bin ich.

Das ist eindeutig das Highlight der Media World. Unter vollem Körpereinsatz lasse ich gleich mehrere 360-Grad-Bilder von mir schiessen und packe diese wiederum auf meine Eintrittskarte. Zufrieden folge ich dem Ausstellungspfad.

Fünf Protagonisten zeigen, wie unterschiedlich Medien im Alltag verwendet werden.

Fünf Protagonisten zeigen, wie unterschiedlich Medien im Alltag verwendet werden.

(Bild: pbu)

Die folgenden Stationen widmen sich dem Medienkonsum und dem Umgang mit Medien in der Schule. Auf fünf Monitoren wird der mediale Alltag unterschiedlicher Personen in einem Zeitraum von 24 Stunden dargestellt. Und gegenüber kann man die Vor- und Nachteile von Whiteboard und Touchscreen gegeneinander aufwiegen.

Verschwunden im Äther

Dann neigt sich der Rundgang auch schon dem Ende zu. Als Schlussfeuerwerk wartet der zwölf Meter lange «Reflection Tunnel». Dieser besteht aus einer Vielzahl von Monitoren, Lichtpanels und Spiegelflächen. Die Idee dahinter: Der Besucher begegnet beim Durchqueren des Tunnels all dem wieder, was er auf dem Rundgang erlebt und produziert hat. Klingt gut. Auf geht’s.

Ähm, ja, also, um es kurz zu machen: Der «Reflection Tunnel» funktioniert nicht. Also nicht ganz. Zwar läuft da was auf den Monitoren, aber das mit den Eigenproduktionen will scheinbar noch nicht klappen. Nichtsdestotrotz verlasse ich die Media World ohne Bedauern.

Dieses kommt dann allerdings doch noch auf. Zu Hause, als ich mir voller Vorfreude mein 360-Grad-Selfie nochmals zu Gemüte führen möchte. «Wir haben noch mit Bugs auf der App zu kämpfen», sagte Tim. Und er sollte Recht behalten. Denn mein Rundgang auf der Media World inklusive fulminantem 360-Grad-Selfie stecken wohl irgendwo im Äther fest. Damit schliesst sich wohl der Kreis.

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