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Von grausam schlecht bis ganz passabel
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Diverse Beiträge aus Luzern und Zug wollen an den Eurovision Song Contest. Darunter Shou Konrad aus Zug, der mit einem originellen Videoclip auf sich aufmerksam macht. (Bild: Printscreen youtube)

Eurovision Song Contest mit Zugern und Luzernern? Von grausam schlecht bis ganz passabel

6 min Lesezeit 22.11.2015, 05:00 Uhr

Sieben Künstler aus Luzern und Zug wollen nach Stockholm an den Eurovision Song Contest. zentral+ hat sich die Beiträge angesehen und angehört. Fazit: Viel Masse, kaum Klasse. Aber immerhin einen Lichtblick gibts.

Das waren noch Zeiten, als Lys Assia, Pepe Lienhard oder Peter, Sue und Marc die Schweiz ausgezeichnet am Eurovision Song Contest vertraten. Oder als es Celine Dion 1988 sogar gelang, den Titel in die Schweiz zu holen. In letzter Zeit hiess es vermehrt «Switzerland: zero points». Der Allerschlechteste war Piero Esteriore 2004, doch auch für Michael von der Heide 2010 oder letztes Jahr Mélanie René reichte es zur goldenen Ananas.

Dank einem Casting des Schweizer Fernsehens soll sich das nun ändern. Nächste Woche werden die Ergebnisse und die zehn qualifizierten Halbfinalisten von 160 Bewerbungen aus der Deutschschweiz bekannt gegeben. Auch sieben Zuger und Luzerner Künstler haben sich beworben. zentral+ nahm diese Beiträge kritisch unter die Lupe.

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Die Jury

Luca Wolf, Redaktionsleitung Luzern: «Der ESC ist ja eher Unterhaltungs- und Freak- als Musikshow. Das hat zwar seinen Reiz, drückt aber auf die musikalische Qualität. Peinlich, dass für die Schweiz ständig nur Mittelmass-Künstler antreten.» 

Linus Estermann, Redaktioneller Mitarbeiter: «Den ESC schaue ich jedes Jahr. Angefangen hat die Leidenschaft mit dem Sieg von Lena mit ‹Satellite› für Deutschland. Aber auch der Sieg der Wurst war sensationell.» 

Dominique Rüedi, Verlag: «Mir gefällt die Vielfalt des Contests. Und die mutigen Künstler, die trotz Widerstand ihre verrückten Nummern knallhart durchziehen.»

So läuft die zentral+-Bewertung

Die drei Jury-Mitglieder vergeben zwischen einem und fünf Sterne. Bewertet werden der Song, die gesangliche Qualität, der Auftritt, das Ohrwurm-Feeling, der Freak-Faktor, der Sex-Faktor und wie sehr der Beitrag in die ESC-Welt passt. Anschliessend gibt jedes Jury-Mitglied noch seinen persönlichen Senf dazu.

1. Beitrag: Tommy King – Daddy’s Sugar Girl

 

Das Jury-Urteil
  Luca Linus Dominique
Song ** *** ***
Gesangliche Qualität ** ** ****
Auftritt * **** *****
Ohrwurm-Feeling ** * ***
Freak-Faktor hoch ***** ***
Sex-Faktor *** **** ****
ESC-Tauglichkeit ** *** **

Experten-Statements

Luca: «Der Mann beweist immerhin schon mit seinem Künstler- und Songnamen Mut – Mut der Verzweiflung. Frauen in Strapsen, wackelnde Popos und eine Blondine an der Gitarre? Ach herrje. Auch das Lied ist allerhöchstens ein bisschen originell.»

Linus: «Mir gefällt der Zuhälter-Elvis. Der hat Mut, er verbrennt sogar Geld. Und er fährt einen Mustang. Die Schmuddel-Nummer erinnert mich an Stefan Raab damals mit Maschendrahtzaun.»

Dominique: «Eine typische Schweizer Billig-Protzerei. Die Frauen sind recht unpassend und das Ganze kommt ziemlich ghettomässig daher. Das noch mit Rock’n’Roll zu verbinden, ist irgendwie komisch.»

2. Beitrag: Marcellina – Perfume of Love

Das Jury-Urteil
  Luca Linus Dominique
Song ** * **
Gesangliche Qualität ** * ***
Auftritt ** ** **
Ohrwurm-Feeling ** * *
Freak-Faktor **** **** *****
Sex-Faktor ** ** *
ESC-Tauglichkeit * ** ****

Die Experten-Statements

Luca: «Die Lady in Pink mit ihrem Saxophon: Gesanglich ein völliges 08/15-Geleier ohne Höhen und Tiefen. Das ist eher was für das anspruchslose Firmenfest und kommt mir vor wie belangloser 80er-Jahre-Disco-Pop. Wobei der damals richtig gut war.»

Linus: «Die Tänzerinnen mit ihren Bändern sind echt etwas fürs Auge. Aber der Gesang geht überhaupt nicht: ein unsägliches Geschrei. Zudem: In welcher Sprache singt sie überhaupt? Vielleicht würde uns das Sprachwirrwarr viele Stimmen der osteuropäischen Staaten bringen, aber Liebesduft kommt bei mir mit diesem Song garantiert keiner auf.»

Dominique: «Sie erinnert etwas an Madonna. Aber singt sie tatsächlich ‹Ich liebe dich› auf alle Sprachen? Das ist ja sehr sinnlos. Immerhin stimmt der Freak-Faktor: die Haare, das Saxophon und die Ballettänzerinnen im Estrich – noch Fragen?»

3. Beitrag: Bella C – Another world

 

Das Jury-Urteil
  Luca Linus Dominique
Song *** *** **
Gesangliche Qualität *** **** ***
Auftritt *** *** *
Ohrwurm-Feeling ** * ***
Freak-Faktor * ** Null
Sex-Faktor ** * **
ESC-Tauglichkeit ** *** **

Die Experten-Statements

Luca:«Bella C? Wer sich so einen schwachsinnigen Namen gibt, kann keine gute Musik machen, denk ich mal vorab. Die grosse Frage dieses Beitrags: Sind die Haare der Sängerin echt? Dann doch noch etwas Gutes: Der Song ist etwas Gähnig, aber durchaus nett. Insgesamt aber zu unoriginell. Immerhin: Die herzigen Kinderlein im Video funktionieren.»

Linus: «Diesen Song habe ich schon hundertfach gehört. Irgendwie tönt es nach einem James Bond Song. Aber im Gegensatz zum Bond wird’s hier nie spannend. Und was soll der Clip mit den Weizenfeldern, dem Regenbogen und den tanzenden Kindern? Allerdings überzeugt zumindest die Stimme, bei Conchita Wurst hat ein ähnlicher Song bekanntlich zum Sieg gereicht.»

Dominique: «Was für eine Schlaftablette. Die würde besser zum Cirque du Soleil passen als an den ESC. Völliger 08/15-Song, belanglos und konventionell.»

4. Beitrag: Vivien – So wie ich bin

 

Das Jury-Urteil
  Luca Linus Dominique
Song * * *
Gesangliche Qualität * ** **
Auftritt * * *
Ohrwurm-Feeling * ** *
Freak-Faktor *** * **
Sex-Faktor – 1 Stern ** – 1 Stern
ESC-Tauglichkeit * * *

Die Experten-Statements

Luca: «Sehr, sehr banales Synthie-Gedröhne. Gesanglich schampar mager. Sie ist eine Mischung aus Blümchen und Helene Fischer, kommt aber optisch niemals, wirklich niemals an die beiden scharfen Superstars heran. ESC? Ja, auf der Tastatur.»

Linus: «Die Schlager-Handbewegungen sind der Hammer: die Faust, die Sonne, der Teller. Alles hat sie im Repertoire. Sonst ist der Song die reinste Katastrophe. Da braucht es in der Kafihütte an der Fasnacht über 20 Kafi Schnaps, bis man da mitgrölen kann.»

Dominique: «Ein sehr billiger Schlager-Pop-Mix. Sie ist nicht attraktiv und der Mann ist auch unsexy. Das einzige Plus des Clips ist das Meer.»

5. Beitrag: Larissa Baumann – Love is another word for …

Leider ist der Song nicht auf Youtube verfügbar. Der Link führt Sie zum Video.

Das Jury-Urteil
  Luca Linus Dominique
Song ** ** ***
Gesangliche Qualität *** *** ****
Auftritt * * *
Ohrwurm-Feeling ** * *
Freak-Faktor * * *
Sex-Faktor * ** *
ESC-Tauglichkeit ** *** **

Die Experten-Statements

Luca: «Schöne Stimme und schöne Sängerin. Der Song geht allerdings links rein und rechts wieder raus. Oder umgekehrt, auf alle Fälle bleibt er nicht haften, hat absolut keinen Spirit. Immerhin: Die Dame zeigt, dass man auch mit null Aufwand ein Video drehen kann. Ein furchtbares zwar, aber immerhin.»

Linus: «Der Refrain geht, aber was kommt in diesem Lied sonst noch? Nach zehn Sekunden hab ichs schon total satt.»

Dominique: «Naja. Stur lächeln und winken oder steif sitzen und singen? Dieser Song ist gar nichts.»

6. Beitrag: Konrad Shou – Urlaub

Das Jury-Urteil
  Luca Linus Dominique
Song *** **** **
Gesangliche Qualität ** * *
Auftritt *** **** *****
Ohrwurm-Feeling *** *** ****
Freak-Faktor *** ***** ****
Sex-Faktor *** ***** ****
ESC-Tauglichkeit *** **** ****

Die Experten-Statements

Luca: «Dieser Beitrag sticht aus der Auswahl hervor, er hat etwas Originelles. Der discotaugliche Techno-Pop bringt das Füdli in Bewegung. Es ist mutig, am ESC auf Deutsch zu singen. Wobei der Typ genau genommen gar nicht singt, sondern erzählt. Irgendwie und irgendwas»

Linus: «Geile Nummer. Insbesondere der Samichlaus, der vor den Eispferden tanzt, ist genial. Itzi-bitzi-tini-mini!»

Dominique: «Zwar schlecht gesungen, hat aber trotzdem Ohrwurm-Potenzial – After-Festival-Party-Mucke. Irgendwie eine Mischung aus Falco und Müslüm.»

7. Beitrag: Cristina Maria – Dramer

Das Jury-Urteil
  Luca Linus Dominique
Song * * **
Gesangliche Qualität * ** ***
Auftritt * * ***
Ohrwurm-Feeling * * ***
Freak-Faktor *** ** **
Sex-Faktor *** **** **
ESC-Tauglichkeit * * **

Die Experten-Statements

Luca: «Stimmlich ganz passabel, der Song ist aber zu schläfrig und kitschig, besonders mit dem Synthie-Streichorchester im Hintergrund. Alles in allem viel zu oberflächlich und zu banal. Weg damit.»

Linus: «Wie verzweifelt ist die Gute? Schrecklich. Und sie singt ein Weihnachtslied am Meer. Sie holt definitiv weniger Punkte, als ihr mit solchen übersätes Kleid schon hat.»

Dominique: «Sie ist möchtegern-herzig und setzt auf einen Jöö-Effekt. Das klappt aber nicht, sondern wirkt einschläfernd. Wie sie am Strand sexy sein will, ist zudem billig. Und sehr unsexy.»

Das Fazit der zentral+-Jury

Überzeugen konnte die anfänglich noch gut gelaunte zentral+-Expertenjury kein einziger Beitrag. Nach dem Betrachten war sie erst mal konsterniert. Man fragt sich schon, weshalb sich trotz so vieler toller lokaler Musiker nur Freaks, selbstverliebte Stümper oder Banalitätskönige an den Eurovision Song Contest wagen. Am ehesten traut die Jury noch «Konrad Shou» aus Zug eine Überraschung zu. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste ESC-Sieger aus Luzern oder Zug kommt, ist – und das trotz grossem Lokalpatriotismus – bei 0,0 Prozent. Höchstens. Wir drücken natürlich trotzdem die Daumen, dabei sein ist ja schliesslich alles.

Der Gewinner des letzten Jahres war übrigens der Schwede Måns Zelmerlöw mit dem Song «Hero»:

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