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Der Rapper Mimiks (links) und der Singer-Songwriter Damian Lynn treten inmitten internationalen Musikgrössen am Blue-Balls-Festival auf. (Bild: cha)

Damian Lynn und Mimiks am Blue Balls Von Glanz & Gloria und peinlichen Fan-Momenten

8 min Lesezeit 17.07.2015, 13:17 Uhr

Zwischen Namen wie James Bay oder Mando Diao finden sich zwei Luzerner Musiker, die am diesjährigen Blue Balls Festival zum ersten Mal auftreten. Damian Lynn und Mimiks erzählen im Doppelinterview, was ihnen das bedeutet, woran es dem grössten Luzerner Festival fehlt und weshalb Verwandte an Konzerten nicht immer willkommen sind.

Ab diesem Freitag steht die Stadt Luzern während eineinhalb Wochen ganz im Zeichen der Musik. Das Blue Balls Festival lockt jedes Jahr internationale Musikgrössen in die Leuchtenstadt – und somit auch Zehntausende Zuschauer an. Dieses Jahr sind es die grossen Namen, wie James Bay, Mando Diao oder Jamie Cullum, die Luzern mit ihren Klängen beehren.

Inmitten dieser international bekannten Künstler treten zwei Lokalmatadoren auf. Der Rapper Mimiks und der Singer-Songwriter Damian Lynn dürfen 2015 das Festival zum ersten Mal bespielen. zentral+ hat die jungen Musiker zum Doppelinterview getroffen.

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zentral+: Ihr seid die Lokalmatadoren am Blue Balls Festival 2015. Was bedeutet es für euch, zum ersten Mal an diesem wichtigen Anlass aufzutreten?

Damian Lynn: Erstens einmal ist es Zuhause. Klar, das Luzerner Fest findet ja auch in Luzern statt, aber um das Blue Balls kommt man einfach nicht herum, weil es während mehrerer Tage stattfindet. Es ist super für mich, hier zu spielen. Mittlerweile hat das Blue Balls Festival auch einen Ruf als «cooles» Festival – besser als das Luzernerfest, da sie wählerischer sind.

Mimiks: Ich finde vor allem super, dass ich im Pavillon auftrete. Ich habe mir schon immer vorgestellt, wie grandios es wäre, wenn man den Platz zwischen Pavillon und See mit Fans füllen könnte. Das gibt sicher eine geile Stimmung.

zentral+: Für euch ist es ja quasi ein Heimspiel. Fällt der Auftritt vor heimischem Publikum leichter als vor auswärtigem?

Mimiks: Ja, das ist schon so. Aber wenn ich selber ein Konzert spiele, ist es eben meistens heimisches Publikum, das vor der Bühne abgeht. Ich habe eine kleine Fanbase, die mich überall hin an meine Auftritte begleitet.

Damian Lynn: Ich selber spiele noch nicht vor extrem grossen Menschenmassen. Wenn ich zu Hause spiele, ist es einfach deutlich voller, weil dann das engere Umfeld auch kommt. Es hat mehr Leute – ob es das einfacher macht, ist eine andere Frage.

«Wenn ich in Englisch singe und dann englischsprachige Künstler da sind, ist das für mich ein komischer Moment.»

Damian Lynn, Luzerner Singer-Songwriter

zentral+: Keine Spur von Nervosität also?

Damian Lynn: Was mich oft nervös machen kann, sind andere Künstler, die mir dann während meines Auftritts ganz genau auf die Finger schauen. Auch wenn ich in Englisch singe und dann englischsprachige Künstler da sind, ist das für mich ein komischer Moment.

Mimiks: Nervös nicht, nein. Ich habe aber Mühe damit, wenn Verwandte von mir an ein Konzert kommen. Wenn der Auftritt gut ist und viele Fans da sind, ist es okay, weil sie dann beeindruckt sind. Wenn es jedoch wenig Publikum hat, denken meine Verwandten dann, dass das der Normalzustand sei. Deshalb achte ich mich immer, dass keine Verwandten kommen, wenn die Möglichkeit besteht, dass wenig Leute vor der Bühne stehen.

zentral+: Mimiks, hauptsächlich bei dir könnte ich mir vorstellen, dass einige Kollegen schon etwas die Nase gerümpft haben, als sie von deinem Auftritt am Blue Balls Festival erfahren haben?

Mimiks: Nein, überhaupt nicht. Die finden das hammermässig, egal wo ich gebucht werde. Es gibt kaum einen Anlass, bei dem meine Kollegen einen Auftritt von mir völlig daneben finden würden.

zentral+: Auch nicht an der Sempacher Schlachtfeier?

Mimiks: Überlegt. Nun, ich habe gesagt, fast überall. Das ist schon ein extremes Beispiel. Bei solch einem Anlass würde ich nicht zusagen. Was mich eher nervt, ist, dass ich immer wieder für ein Konzert an Lehrabschlüssen angefragt werde. Das ertrage ich nicht. Aber ich hatte auch schon oft Auftritte an komischen Events, wo ich mir im Nachhinein gedacht habe, dass ich mir das auch hätte sparen können.

zentral+: Erkennen euch Leute auf der Strasse?

Damian Lynn: Ja, schon ab und zu. Für mich ist es aber eher noch ungewohnt. Bei meiner Promotour im Welschen haben mich zwei Frauen im Zug erkannt. Das war schon witzig.

Mimiks: Wenn ich durch die Stadt laufe, habe ich sicher ein, zwei Mal einen solchen Moment. Interessant ist auch, dass man einen Sinn für das entwickelt. Man merkt einfach, ob die Leute einen kennen oder nicht.

Damian Lynn: Ja, das stimmt. Die Schweizer sind halt einfach zurückhaltender als Fans in anderen Ländern.

Mimiks: Das ändert sich aber auch langsam. Ich habe auch schon erlebt, dass die Jüngeren teils ziemlich offensiv sind. Ein Beispiel: Eine Gruppe junger Mädchen erkennt mich im Bus. Die Leute, die um mich herum sitzen, wissen natürlich nicht, wer ich bin. Die fragen sich dann immer, ob man mich kennen müsste und wer ich überhaupt sei. Das ist mir immer so peinlich.

«Mein Ziel ist es, irgendwann am Frauenfeld während einer guten Zeit auf der Hauptbühne aufzutreten.»

Mimiks, Luzerner Rapper

zentral+: Welche Bühne habt ihr noch nicht, wollt ihr aber unbedingt einmal bespielt haben?

Damian Lynn: Klar gibt es da grosse Namen, wie das Glastonbury-Festival. Aber das ist schon eher träumerisch.

Mimiks: Mein Ziel ist es, irgendwann am Frauenfeld-Openair während einer guten Zeit auf der Hauptbühne aufzutreten.

Damian Lynn: Stimmt, die Zeit des Auftritts ist auch relevant. Es sagt an einem Festival schon etwas ganz anderes aus, ob man abends um 22 Uhr auftritt oder am Mittag.

zentral+: Festival oder Klub?

Mimiks: Ich finde beides super. Wenn’s an einem Festival regnet, dann regnet es halt. Wenn die Leute da sind, ist es trotzdem super. So war es auch am letztjährigen Luzerner Fest.

Damian Lynn: Dem schliesse ich mich an. Obwohl: Der Hang bei der Waldbühne des Gurtenfestivals wurde wegen extrem viel Regen auch schon quasi zu einem Bach. Das ist dann nicht so witzig.

Auftritt beim KKL und Pavillon

Damian Lynn wird am 20. Juli beim KKL Plaza auftreten. Insgesamt drei Sets von je einer Stunde wird der Musiker ab 18 Uhr zum Besten geben. Mimiks hofft, bei seinem Auftritt am 23. Juli ab 18 Uhr den Raum zwischen Pavillon und See mit Publikum füllen zu können.

zentral+: Was kommt am Blue Balls musikalisch gesehen zu kurz?

Mimiks: In puncto Rap ist ja fast nichts vertreten. Möglicherweise gibt es immer noch Berührungsängste, oder die Organisatoren denken, dass diese Musik bei den Gästen nicht zieht. Oder dass es imagetechnisch nicht zum Festival passt.

Damian Lynn: Stimmt. Das Blue Balls Festival ist zwar schon extrem vielseitig. Aber Rap ist klar untervertreten.

Die beiden schweifen ab und beginnen über die deutschen Musiker Casper und Cro zu diskutieren, ob diese dem Rap zuzuordnen seien. Das Resultat: Beide sind Rap, nur Cro ist nicht so wie Casper. Nun gut. Was aus der Diskussion klar hervorgeht: Jan Delay ist kein Rap.

Mimiks: Diese Genrefizierung ist sowieso eine blöde Diskussion. Schubladisierungen gehen mir auf die Nerven.

«Ich bin inzwischen 24, und immer mit Bastian Baker verglichen zu werden, geht mir am Allerwertesten vorbei.»

Damian Lynn, Luzerner Singer-Songwriter

zentral+: Apropos Schubladisierung: Nerven euch die Rollenbilder, die euch von den Medien zugewiesen werden?

Damian Lynn: Ja, da liest man Schlagzeilen, wie: Mädchenschwarm blablabla. Im Artikel selbst ist dann nicht ein einziges Mal die Rede davon. Ich denke, die machen das, damit der Artikel einfach gut gelesen wird. Ich bin inzwischen 24, und immer mit Bastian Baker verglichen zu werden, geht mir ehrlich gesagt am Allerwertesten vorbei.

Mimiks: Ich persönlich erlebe das nicht so – werde nicht schubladisiert. Ich bin einfach Rapper und fertig.

zentral+: Abgesehen von der Schubladisierung: Hattet ihr auch schon ein extrem mühsames Erlebnis mit Medien?

Mimiks: Ja, ich! Nachdem ich das Album veröffentlicht hatte, hatten wir einen Auftritt am letztjährigen Funk am See. Glanz & Gloria wollte dann einen Bericht über mich machen. Ich dachte so: Ja, eher nicht, aber man soll ja nicht immer so sein, weshalb ich schliesslich zugesagt habe. Zuerst hatten wir bei mir zu Hause ein Interview. Es war schräg, die Stimmung war komisch. Anschliessend kamen sie auch an mein Konzert, das super war. Der Beitrag lief dann aber auf einer ironischen Schiene, in dem sich Glanz & Gloria lustig über den kleinen, jungen «Räpper Mimiks» machte. Ich war echt wütend danach und wollte mich persönlich beschweren. Aber dann war es halt schon zu spät.

Eine Frage, die erneute Diskussion unter den beiden Musikern auslöst. Wo liegt bei dir die Grenze, was Medien anbelangt, will Mimiks von Damian Lynn wissen. Man müsse schon abwägen, was einen «pusht» oder was einem Glaubwürdigkeit nimmt, antwortet er.

Mimiks: Na gut, apropos Glaubwürdigkeit: Das ultimative Hiphop-No-Go hast du ja schon gemacht. Du bist mit Bligg auf Tour gegangen. Beide lachen. Schlimmer kann es ja nicht werden.

Damian Lynn: Ich mache ja auch keinen Hiphop. Es gibt aber schon mehrere Sachen, bei denen ich mir im Nachhinein überlegt habe, ob das nun etwas gebracht hat oder nicht.

Mimiks: Ich habe mir schon auch überlegt, ob mir das mit dem Toursupport von Stress Glaubwürdigkeit nehmen könnte. Aber da war nichts, niemand hat etwas Schlechtes gesagt. Glanz & Gloria hingegen hätte ich gleich sein lassen können. Ich bin allgemein schon eher negativ gegenüber Medien eingestellt, um auf die eigentliche Frage zurückzukommen. Aber schliesslich muss man die Leute auch irgendwie erreichen – und die Medien sind dazu grundsätzlich ein guter Weg. Medienarbeit wird von vielen Künstlern wahrscheinlich auch unterschätzt. Ich will mich für mein neues Album vermehrt selber darum kümmern. Ich will mehr liefern: Clips, Tourblogs oder Making-ofs, irgendetwas in diese Richtung.

Damian Lynn: Man kann heute als Künstler schon viel selber machen. Ein Jahr lang habe ich beispielsweise das Booking selber gemacht. Ich wollte diese Erfahrung einmal gemacht haben. Viel ist Verhandlungssache, aber es ist schon so, dass man weniger rausholen kann, wenn man mit dem eigenen Namen unterschreibt. Da ist es gut, wenn man als Musiker Unterstütztung hat.

zentral+: Wen wollt ihr auf keinen Fall am Blue Balls Festival verpassen?

Mimiks: The DØ. Ich habe diese Band im letzten Jahr für mich entdeckt. Die machen so Indie-Electro-Pop.

Damian Lynn: Ich werde sicher am Eröffnungsabend bei James Bay vor der Bühne stehen.

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