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Von edel bis randständig: Buslinien im Vergleich
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Der Normale (Alle Illustrationen: Sven Mathis und Manuel von Rotz)

Luzerner ÖV in Bildern Von edel bis randständig: Buslinien im Vergleich

6 min Lesezeit 14.03.2014, 05:00 Uhr

Jede Buslinie hat ihre «eigenen» Fahrgäste, ihre eigene Identität. Während einer ausgedehnten Fahrt können diese Merkmale bestens erforscht werden. Wer sich zum Beispiel in die Linie 7 begibt, sollte kinderfreundlich oder zumindest nicht lärmempfindlich sein. Steigen dem ÖV-Benutzer markante Bierdüfte in die Nase, muss es sich um die Linie 4 handeln. zentral+ präsentiert die exklusive Bus-Analyse – und lässt Bilder sprechen.

Der «Einer» – auf der Route Maihof nach Kriens Obernau – gehört zu den meist genutzten Luzerner Buslinien. An ihm ist vieles «normal». Warten muss man auf den Gelenkbus, der manchmal noch einen Extra-Anhänger für Fahrgäste mitführt, selten. Im Fünfminutentakt befördert er Passagiere quer durch Luzern. Dank der hohen Frequenz kommt es fast nie zu grossen Verspätungen. Und trotz vieler Fahrgäste gibt es meist noch freie Sitzplätze.

Allerdings ist ausserhalb der Rushhour dieser Einer oft gähnend leer. Eine gute Gelegenheit, um ein typisches Schauspiel zu beobachten: Es handelt sich vor allem um ältere Personen, die sich gerne auf den inneren Platz der Zweierreihe setzen. Der Fensterplatz bleibt unerreichbar. Das grosszügige Platzangebot soll ja genutzt werden. Angenehme Luxusverhältnisse. Es profitieren davon auch vermehrt Personen mit Einkaufstaschen, Kinderwagen oder Hunden, die zum Flanieren kommen. Trotz einiger Unterhaltungen – man scheint sich hier öfters zu begegnen – läuft eine Fahrt mit dem Einer eher ruhig ab.

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Kurze Distanzen zwischen den Haltestellen machen aus dieser Buslinie schnell mal eine interessante Alternative zum Fussmarsch. Vielleicht ein Schwatz? Der Einer ist der normale, saubere und zuverlässige Luzerner Stadtbus.

Der Normale (Alle Illustrationen: Sven Mathis und Manuel von Rotz)

Der Normale (Alle Illustrationen: Sven Mathis und Manuel von Rotz)


Nr.2: Der Quirlige

Emmenbrücke Sprengi – Luzern Bahnhof

Im «Zweier» geht es bunter zu. Das ganz besonders zur Rushhour. Der ist vollgestopft mit Menschen jeder Kultur und jeden Alters. Es wird lautstark und in verschiedenen Sprachen miteinander diskutiert. Das Gedränge und die Nähe zu anderen Fahrgästen scheinen hier den wenigsten etwas auszumachen. Auf engstem Raum wird fröhlich quer durch den Bus gerufen, telefoniert, Zeitung gelesen oder auf dem Smartphone gespielt.

Apropos, das Smartphone ist hier auffallend präsent. Manche – es ist die jüngere Generation – vollbringen wahre Kunststücke in Sachen Multitasking. Sie sprechen mit ihrem Gegenüber, gleichzeitig scrollen sie auf den blinkenden Bildschirmen herum, ein Kopfhörer mit zu lauter Musik im Ohr. Dabei übertönt gerne mal das eine oder andere Schimpfwort die metallischen Beats.

Der Zweier: Ein lauter, quirliger Bus mit Unterhaltungswert.

Der Quirlige

Der Quirlige


Nr.4: Der Randständige

Hubelmatt – Luzern Bahnhof

Im «Vierer» kann es auffallend laut und derb werden. Soeben geleerte Bierdosen werden zerdrückt, es wird geflucht, Hunde zusammengestaucht oder schallend gegrölt und gelacht. Die auffälligen Fahrgäste sind Klienten der Gassenküche am Geissensteinring, wo diese Linie durchfährt.

Andere Fahrgäste sind dabei nicht selten peinlich berührt. Skeptische Blicke, Kopfschütteln, Aufatmen, wenn sie aussteigen, das sind die üblichen Reaktionen.

Der Vierer ist selten wirklich voll. Trotzdem, vor allem zur Rushhour, muss man mit Unpünktlichkeiten rechnen, weil er gerade in der Hirschmattstrasse im Stau steht.

Der Randständige

Der Randständige

 

Nr. 7: Der Kinderwagenfreundliche

Biregghof – Wesemlin-Unterlöchli

Achtung Kinderwagen! Oft sind die Eingangsbereiche des «Siebners» gleich mit mehreren Exemplaren zugestellt. Damit einhergehend hört man mahnende und erklärende Eltern. Die jungen Familien kennen sich untereinander und bewerten im Gespräch die lokalen Top-Spielplatz-Destinationen. Ansonsten ist das Heranwachsen der Kinder als Thema sehr beliebt.

Platz gibt es in diesem Gelenkbus oft genug. Zur Rushhour kann sich das allerdings schnell ändern, wie sich vor allem im Eingangsbereich zeigt. Ab dem dritten Kinderwagen sind die Engpässe als kritisch zu bewerten. «Entschuldigung, darf ich mal?» quetschen sich Fahrgäste an den Eltern vorbei. 

Der Kinderwagenfreundliche

Der Kinderwagenfreundliche

 

Nr.12: Der Multikulturelle

Littau Gasshof – Luzern Bahnhof

Ähnlich der Linie Nr. 2, ist das Fahrgast-Aufkommen hier sehr heterogen. Alles ist dabei: Von schreienden Schulkindern, adretten Herren in Anzügen, Familien mit Kinderwagen, Fremdsprachigen, älteren Personen, finden sich im «Zwölfer» alle Menschen auf einmal zusammen. Ein sehr lebhaftes, lautes, fröhliches Mischmasch. Proppenvoll während der Rushhour, aber auch sonst gut ausgelastet. Hier setzen sich Personen gerne neben andere, auch wenn ganze Sitzreihen noch frei sind. Berührungsängste scheinen im «Multi-Kulti-Bus» kaum vorhanden. 

Der Multikulturelle

Der Multikulturelle

Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite: Nr. 18: Der Mitleiderregende

Nr. 18: Der Mitleiderregende

Friedental – Luzern Bahnhof (am Kantonsspital vorbei)

Im «Achtzehner» fallen zwei Arten von Personen auf: Es sind erstens diejenigen, die gerade aus dem Kantonsspital kommen oder jene, die gerade im Begriff sind, dorthin zu gehen. Man erkennt sie an den Krücken, Beinschienen oder an den frischen Verbänden.

Zweitens sind da die Touristen, die zur Jugendherberge möchten. Die meist aus Asien stammenden Gruppen fallen durch ihre überdimensionierten Rollkoffer auf, die – ähnlich wie die Kinderwagen im «Siebner» – das Ein- und Aussteigen zur Schwierigkeit machen. Oder sie fragen den Chauffeur sowie andere Passagiere «Is this the way to station?». Oder: «Gopplismoos-What? … Youth-Hostel, right?»

Beide Gruppen, ob Kranke oder überforderte Touristen, können bei einer Fahrt mit dem Achtzehner gerne mal Mitleid auslösen.

Störend ist, dass die Buslinie zur Rushhour eigentlich immer zu spät dran ist. Manchmal fällt ein Bus kurzerhand einfach aus oder er fährt einen anderen Weg, als es im Fahrplan steht. Das kann manchen Touristen beinahe zum Herzinfarkt bringen. Aber immerhin liegt das Spital ja gleich auf dem Weg. 

Der Mitleiderregende

Der Mitleiderregende

 

Nr. 20: Der Sportliche

Ennethorw – Luzern Bahnhof

Der «Zwanziger» fährt an der Luzerner Allmend vorbei. Die Fahrgäste sind demenstrechend typisch. Junge, hippe Fussballer mit trendiger Föhnfrisur fachsimpeln hier gerne über die letzte Niederlage des FCL, wie viele Frauen sie im Ausgang kennengelernt haben oder über das neuste Playstation-Spiel. Auch andere Sporttreibende «fliehen» mit vollgepackten Taschen aus der Stadt ins Sportmekka Allmend.

Und wenn der FC Luzern ein Heimspiel bestreitet, kann sich der Zwanziger in einen Fanbus verwandeln. Randvoll transportiert er Menschen in blau-weissen Schals und blauen Trikots direkt vors Stadion. Die Stimmung während solcher Fahrten ist fröhlich, aber auch angespannt.

Gleichzeitig bringt der Zwanziger nicht nur sportbegeisterte Luzerner an ihr Ziel, sondern auch die «Pendler» aus Horw. Dann müssen alle Fahrgäste, ob sportlich oder nicht, eng zusammenrücken. 

Der Sportliche

Der Sportliche

 

Nr. 21: Der Edle

Kriens (Kastanienbaum) – Luzern Bahnhof

Eine der ruhigeren Luzerner Buslinien, das ist der «21er» ins Quartier Kastanienbaum. Er fährt in eine der teuersten Wohngegenden Luzerns. Das sieht man auch seinen Fahrgästen an: Die älteren Menschen tragen feinen Zwirn, die Familien sind durchs Band mit hochwertiger Multifunktions-Kleidung ausgerüstet und schieben Hightech-Kinderwagen. Auch zur Rushhour bietet der edle «21er» meist noch Sitzplätze. Manchmal erntet man böse Blicke und eindeutige Seufzer, wenn man sich neben jemanden setzt. Die Route ist sehr schön, mit guter Sicht auf den See. 

Der Edle

Der Edle

 

Nr. 22/23: Der Pendler

Root – Luzern Bahnhof

Während der Rushhour platzt dieser Gelenkbus fast aus allen Nähten. Genervte Pendler reihen sich aneinander wie Sardinen in einer Büchse, lesen dabei Gratiszeitungen, surfen auf ihren Smartphones, starren ins Leere oder hören Musik. Konversationen erlebt man hier selten. Zur Rushhour sind die Fahrgäste denn auch eine mehr oder weniger homogene Gruppe von arbeitstätigen Bus-Pendlern: Frauen im schicken Deux-Pièce, Herren in Hemd und Krawatte. Kinder oder ältere Menschen sind kaum zu sehen.

Der Pendler

Der Pendler

Illustrationen: Sven Mathis und Manuel von Rotz

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