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Von der Vision in die Realpolitik: Wie viel Rückhalt hat die Metro?
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So könnte aus Sicht der Initianten der Metro-Ausgang beim Schwanenplatz aussehen. (Bild: Visualisierung/zvg)

Luzern: Debatte um Carpolitik flammt wieder auf Von der Vision in die Realpolitik: Wie viel Rückhalt hat die Metro?

5 min Lesezeit 1 Kommentar 02.07.2019, 05:04 Uhr

Und wieder schmettert der Luzerner Stadtrat ein privates Verkehrsprojekt ab: Zu teuer und unnötig sei die Metro. Die Initianten geben sich unbeirrt und Politiker suchen nach einer Position.

Der Stadtrat will kein Geld und Ressourcen in die Vision der Metro stecken. Unrealistisch und zu teuer sei das Projekt, hat er am Montag mitgeteilt. Darum lehnt er die private Initiative einer unterirdischen Verbindung vom Schwanenplatz in den Ibach ab (zentralplus berichtete). Mit dem Durchgangsbahnhof stehe Luzern bereits vor einem zukunftsträchtigen ÖV-Netz.

Ronald Joho-Schumacher, Medienverantwortlicher des Projekts, ist enttäuscht von der ablehnenden Haltung des Stadtrates: «Die Luzerner Stadtregierung hat keinen Mut, das ist schade.» Er ist sicher, dass das Nein an der Bevölkerung vorbeizielt. Diese zeige sich meist begeistert für die Idee.

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Sind denn Visionen nicht immer verlockend? «Die Metro ist keine reine Vision mehr, sondern ein Projekt. Wir haben eine Machbarkeitsstudie und wissen, dass es finanzierbar ist», entgegnet Joho.

Er ist darum überzeugt, dass die Stimmung auch nicht kippen wird, wenn es um die Kosten geht. «Im Gegenteil, die Metro hat immer mehr Freunde», sagt Joho. «Wir müssen den Tourismus in Luzern weiterleben.»

Befreiungsschlag oder sinnloses Megaprojekt?

In der Tat ist in den Kommentarspalten eine Diskussion entbrannt – sie fällt mehrheitlich pro Metro aus: «Es ist Zeit für visionäre Ideen», heisst es etwa. Oder: «Für die Stadt wäre diese Lösung ein Befreiungsschlag, wären doch alle Reisecars der Tagestouristen schlagartig weg.»

Andere fordern eine Verlängerung bis Kriens oder Ebikon, nur so würde eine Metro Sinn machen. Auch den Initianten schwebt ein ganzes Metro-Netz mit fünf Linien vor: unter dem See durch, durch den Sonnenberg, nach Ebikon, Kriens, Littau oder Emmenbrücke. Eine Linie würde als Ring ganz Gross-Luzern bedienen.

«In Luzern braucht es endlich wieder Visionen statt Ideologien, damit aktuelle und zukünftige Probleme gelöst werden», schreibt ein Leser. Gegner befürchten, dass es beim Projekt letztlich nur um ein Parking und nicht um die Metro geht. Oder: «Wie schon bei der glorreichen Parkhaus-Musegg-Idee sperrt sich der Stadtrat völlig gerechtfertigt gegen ein weiteres, total sinnentleertes Megaprojekt.»

Wie stehen die Parteien zur Metro?

Nach dem kategorischen Nein des Stadtrates wird im September das Stadtparlament über die Metro debattieren – bis dann werden sich auch die Parteien positionieren. Bis jetzt stellen sich GLP und SVP vorbehaltslos hinter die Idee. Dazu kommen einzelne Kantons- oder Grossstadträte von CVP und FDP.

Für die SVP sitzen der städtische Präsident Dieter Haller und Fraktionschef Marcel Lingg im Unterstützer-Komitee. Haller sagt: «Die Metro ist längerfristig das einzige Projekt, das eine echte Verkehrsentlastung in der Innenstadt bringt.» Wichtig ist aus seiner Sicht, dass diese gut mit dem Durchgangsbahnhof und dem Autobahnzubringer Spange Nord abgestimmt werde – die drei Projekte gehörten für ihn zusammen. «Wir denken zukunftsweisend und nicht wie der Stadtrat nur von einem Feuerwerk zum nächsten», sagt Haller.

Keine ernsthafte Auseinandersetzung

Die GLP, die das Musegg-Parking zusammen mit den Linken bekämpfte, hat sich früh hinter die Metro gestellt. Der städtische Präsident Louis von Mandach ist dementsprechend enttäuscht, dass der Stadtrat die Metro ablehne.

Vor fünf Jahren hat eine externe Evaluation im Auftrag der Stadt die Metro-Idee als «unverhältnismässig» und «nicht zukunftsträchtig» beurteilt. Von Mandach bemängelt, dass es seither keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Projekt mehr gegeben habe.

«Wir glauben nach wie vor, dass die Metro für Luzern eine deutliche Verkehrserleichterung, Effizienz- und Wohlstandssteigerung bringen würde», sagt er. Er denkt dabei nicht nur an die für Touristen wichtige Verbindung zwischen Schwanenplatz und Ibach, sondern an die bessere Erschliessung des Kantonsspitals und die Vision eines erweiterten Netzes. «Die Metro nützt nicht nur dem Tourismus, sondern muss zum integralen Bestandteil des Mobilitätskonzeptes werden.»

Direkt am Schwanenplatz wäre der Ausgang der Metro, so die Idee. (Visualisierung: zvg)

Direkt am Schwanenplatz wäre der Ausgang der Metro, so die Idee. (Visualisierung: zvg)

Wer finanziert die Metro?

Die Metro sei kompatibel mit dem Durchgangsbahnhof und dem bewährten ÖV-Angebot, glaubt Von Mandach. «In allen Städten läuft die Metro als Ergänzung zu Bus und Bahn», sagt er.

Dass der Stadtrat momentan eine mehrheitsfähige Lösung für die Car- und Tourismusstrategie sucht, mache Sinn – trotzdem müsse er Zeit und Ressourcen in die Metro investieren. «Der Stadtrat denkt sehr kurzfristig operativ und nicht langfristig visionär», sagt von Mandach.

Die GLP glaubt weiterhin an das Projekt und vertraut den privaten Initianten dahinter: «Das sind überzeugende Überlegungen von Profis.»

Mindestens 400 Millionen Franken würde das Projekt kosten, für die Finanzierung stehen nach Angaben der Initianten private Geldgeber bereit, die sich noch bedeckt halten. Die Finanzierung soll ohne Steuergelder auskommen. Wie jedoch der Betrieb und ein allfälliger Ausbau zu einem Netz finanziert würden, ist offen.

 

Skepsis auf der linken Seite

Bei den linken Parteien Grüne und SP dürfte es die Metro-Idee hingegen schwerhaben, die Skepsis gegenüber neuen Parkhaus-Projekten war bisher gross. So sprach die SP-Fraktion im Rat auch schon von einem «misslungenen privaten Projekt». Allerdings hat die städtische SP, die sich bis jetzt immer gegen neue Parkhäuser gewehrt hat, noch keine offizielle Position zur Metro.

Auch die städtischen Grünen befürchteten schon früh, dass das Metro-Projekt «einseitigen Massentourismus fördert», wie Grossstadtrat Marco Müller einst schrieb. Schon damals bemängelte die Partei – gleich wie jetzt der Stadtrat – die fehlende Einbindung im Gesamtverkehrskonzept.

Das Metro-Projekt

Die privat lancierte Metro-Idee sieht ein Parkhaus für 170 Reisecars und bis zu 2'500 Autos im Gebiet Reussegg/Ibach vor, das durch eine unterirdische Metro mit dem Touristen-Hotspot Schwanenplatz verbunden würde. Einen Halt könnte es auch beim Kantonsspital geben. Das Metro-Netz könnte nach Ansicht der Initianten auf bis zu fünf Linien erweitert werden. Unter den Unterstützern findet man prominente Namen wie Peter Mendler oder Paul Stopper – zudem Politiker von GLP, CVP, BDP und SVP.

Was bleibt von der Vision?

Die CVP Stadt Luzern ist vorsichtig positiv gestimmt – die Partei schreibt auf Facebook: «Wir erachten das Metro-Projekt als visionär, auch wenn hinsichtlich Investitionskosten noch einige Fragen offen sind. Diese gilt es im September im Rat zu klären.»

Roger Sonderegger, CVP-Stadtparlamentarier und Verkehrsexperte, findet die Metro verlockend, wie er in einer aktuellen Kolumne in der «Luzerner Rundschau» schreibt. Die Jahreskosten schätzt er auf 40 bis 50 Millionen Franken. Aber: «Wer zeigt uns einen soliden Businessplan?», fragt er. Er hätte sich gewünscht, dass die Initianten – gleich wie beim Musegg-Parking – zugunsten einer Auslegeordnung ihre Initiative zurückgezogen hätte.

Im Parlament haben sich also erst die GLP und SVP klar positioniert und die Zukunft der Metro Luzern ist weiterhin offen. Es wird lustvoll über Visionen debattiert – ob das so bleibt, wenn’s um die Finanzierung geht, bleibt abzuwarten. Die Volksabstimmung zur Metro findet im Februar 2020 statt.

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1 Kommentare
  1. Beat Murer, 03.07.2019, 11:50 Uhr

    Da wird das Pferd am Schwanz aufgezäumt. Es ist nicht einzusehen, warum eine sich eine verkehrspolitisch und finanziell völlig fragwürdige Metro, das Carproblem am Schwanenplatz lösen sollte. Wegen den paar Geschäften im Bereich des Schwanenplatzes, welche in erster Linie von den Einkaufstouristen profitieren, welche (Touroperateure!) Luzern lediglich für ein kleines Zeitfenster anfahren, soll eine Metro gebaut werden? Warum haben sich die einschlägigen Geschäfte nicht längst einen Standort an verkehrsgünstiger Lage ausserhalb der Stadt Nähe Autobahnschluss gesucht zum Beispiel in einem Hochhaus mit Rundsicht als House of Swiss Souvenirs? Ein Metro-Torso von der Reusegg zum Schwanenplatz wäre völlig abseits der innerstädtischen Verkehrsbedürfnisse der einheimischen Bevölkerung. Wenn schon investiert werden soll, dann wäre wie kürzlich vom VBL-Direktor propagiert, ein Bus- und Carterminal über den Geleisen des Bahnhofs Luzern zu bevorzugen.

    Wer schon die verschiedenen Metros bzw. U-Bahnen in den Grossstädten Europas kennen gelernt hat, sollte eigentlich sich bewusst sein, dass eine Metro nur mit grossen Benützungsfrequenzen überhaupt Sinn macht. Selbst in der Stadt Zürich wurde in den 60-Jahren eine U-Bahn nach dem Flughafen Zürich durch die Stimmenden abgelehnt und später wurde zum Glück der Flughafen Zürich in die Ost-West Transversale der SBB eingebunden. Inzwischen wurde er auch noch durch eine neue Tramlinie erschlossen.