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Von der Schmuddel-Videothek zur Café-Bar
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Parat an der «Hinicht»-Bar: Sara Kathriner. (Bild: jwy)

Luzerner Neustadt-Ecke erhält neues Leben Von der Schmuddel-Videothek zur Café-Bar

5 min Lesezeit 10.08.2016, 16:29 Uhr

Die Luzerner Neustadt hat bald ein neues Café: Das «Hinicht» steht kurz vor der Eröffnung. Wirtin Sara Kathriner sagt, warum alles etwas länger dauerte. Und warum sie es unterschätzte, den Traum vom eigenen Lokal umzusetzen.

Wer sich öfters in der Luzerner Neustadt bewegt, ist ziemlich sicher schon an diesem Haus an der Ecke Dornacherstrasse/Murbacherstrasse vorbeigekommen. Das Lokal im Parterre stand lange Zeit leer und war zugepflastert mit Plakaten. Die türkise Fassade gammelte vor sich hin und versprühte den zwielichtigen Charme seiner Vergangenheit als Videothek. Und so mancher fragte sich: Wieso passiert hier nichts?

Dann wurde Anfang Jahr bekannt, dass sich etwas tut: Die Luzernerin Sara Kathriner bekam mit ihrem Geschäftspartner den Zuschlag für ein neues Lokal. Ihr Plan: eine neue Café-Bar. «Hinicht» soll sie heissen und Passanten auf 25 Quadratmetern zum Verweilen einladen (zentralplus berichtete).

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So sah das Lokal lange Zeit aus: türkis und etwas trostlos, früher war da ein Video-Verleih.  (Bild: zvg)

So sah das Lokal lange Zeit aus: türkis und etwas trostlos, früher war da ein Video-Verleih.  (Bild: zvg)

Sie befreiten das Eck-Lokal aus seinem Dornröschenschlaf – heute, ein halbes Jahr später, ist es kaum wiederzuerkennen. Es bekam grössere und höhere Fensterfassaden, das Türkis ist verschwunden, «Demnächst», klebt prominent auf der Scheibe.

Überraschungen zu Beginn

Wenn man das Lokal betritt, staunt man über den hohen Raum, den man von aussen nicht vermuten würde. Es ist viel passiert hier drin in den letzten Monaten – «mehr, als wir ursprünglich erwartet hatten», sagt Sara Kathriner. Das ist auch der Grund, wieso die Eröffnung später als geplant stattfand. Ende Mai sollte es ursprünglich so weit sein, nun ist es August geworden.

«Das Lokal war in schlechterem Zustand, als wir erwartet hatten. Da wurden wir überrascht», sagt Kathriner. Stromleitungen und sanitäre Anlagen waren veraltet, diese mussten sie komplett erneuern. «Vieles haben wir selber gemacht», sagt sie, etwa die ganze Bar aus Holz und Stahl. So konnten sie zwar Geld sparen, doch es hat das Ganze zusätzlich verzögert.

Auf Instagram und Facebook dokumentieren sie den Umbau: Man sieht Leute beim Schreinern, Malen, Verlegen der Böden, Schweissen der Tische, Schreiben der Getränketafel, der Inbetriebnahme der Kaffeemaschine  und Siebdrucken. Kathriner ist ursprünglich Siebdruckerin – und so hat sie die Kaffeetassen gleich selber bedruckt.

 

Kathriner legt Wert auf Details – das sieht man etwa am Boden: Um die Bar herum bilden schwarze, weisse und graue Fliesen ein Wabenmuster. «Daran habe ich mega Freude», sagt sie. «Das hatten wir lange im Kopf, wollten es dann wieder aufgeben. Doch dann sagten wir uns: Es wär doch schade, wenn wir’s nicht machen.»

Pröbeln für den perfekten Burger

Das meiste im «Hinicht» ist jetzt parat: Die Lampen hängen von der Decke, die Kaffeemaschine steht auf ihrem Platz und eine wandgrosse Menükarte preist das Angebot an. Neben dem üblichen Getränkeangebot von Kaffee über Apéro, Wein und Bier, gibt es mittags auch Verpflegung, auch wenn eine richtige Küche in der kleinen Bar fehlt. Täglich gibt’s den Pulled-Pork-Burger – einen Burger aus gegartem Schweinefleisch. «An dem haben wir ein halbes Jahr herumgepröbelt: welche Zutaten, welche Sauce, welche Gewürze? Wir haben Testessen durchgeführt, um zu schauen, wie er ankommt», sagt Kathriner.

«Man läuft einer Vorstellung nach und findet sie manchmal nicht, dann musst du dich entscheiden, was dem am nächsten kommt.»

Sara Kathriner

Auch wenn das «Hinicht» jetzt fast fertig aussieht, muss noch ein Endspurt gelingen bis zum 18. August, wenn es zum ersten Mal öffnet. Die Bistrotische warten noch auf ihre Platte, die Vitrine für die Snacks steht noch verpackt auf einer Bank, die grossen Fenster sind noch abgedeckt, Gläser und Tassen fehlen noch. Es passt gut dazu, dass auch vor dem Café gerade emsig gearbeitet wird: Im Zuge der Neustadtsanierung wird die Strasse neu gemacht.

Heller dank höheren Fenster: Blick in die Café-Bar.  (Bild: jwy)

Heller dank höheren Fenstern: Blick in die Café-Bar.  (Bild: jwy)

All diese Entscheidungen!

«Äusserst spannend» sei die Arbeit gewesen, aber sie habe auch unterschätzt, wie viele kleine und grössere Entscheide anfallen. «Man läuft einer Vorstellung nach und findet sie manchmal nicht, dann musst du dich entscheiden, was dem am nächsten kommt. Und man fragt sich dauernd, ob es passt.»

«Wahrscheinlich werde ich am 18. August einen Zettel an die Tür hängen: ‹Wegen Nervosität geschlossen›.»

Die Café-Bar bietet 17 Sitzplätze. Sara Kathriner wird sie zusammen mit Nicole Weibel betreiben, beide haben zuvor im Bourbaki gearbeitet. Kathriner kennt man auch vom früheren Meridiani. Und wieso eigentlich der Name «Hinicht»? «Ich bin Obwaldnerin und sage oft ‹Schöne Hinicht!›, das ist mir geblieben und die Leute haben oft darauf reagiert», sagt Kathriner. «Also sagte ich mir: Das ist es! Und es hat mich nicht mehr losgelassen.»

Den Pulled-Pork-Burger gibt’s jeden Mittag.  (Bild: jwy)

Den Pulled-Pork-Burger gibt’s jeden Mittag.  (Bild: jwy)

Viele träumen vom eigenen Café

Vom eigenen Café träumen manche, doch wenige packen es an. «Auch wir träumten vor fünf Jahren von dieser Idee, aber ich wollte zuerst Erfahrung im Service sammeln und schauen, ob mir das liegt.» Dann stand die lange Suche nach einem passenden Lokal an – bis die leer stehende Videothek ausgeschrieben wurde – und sie setzten sich mit ihrem Konzept gegen andere Interessenten durch.

Obwohl die Gastronomie für viele ein Traum ist: Das Business ist hart und viele scheitern. Keine Angst? «Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, darauf vertraue ich», sagt sie. Auch wenn es manchmal Angst mache, wenn man liest, wie Lokale schliessen. «Doch wenn ich’s nicht gewagt hätte, würde ich es irgendwann bereuen», sagt sie.

Und wie sie davon spricht, steigt die Nervosität. «Wahrscheinlich werde ich am 18. August einen Zettel an die Tür hängen: ‹Wegen Nervosität geschlossen›», scherzt Sara Kathriner.

Das «Hinicht» wird am Donnerstag, 18. August, das erste Mal offen sein. Offizielle Eröffnung ist am Samstag, 27. August, danach hat das Café täglich von Dienstag bis Samstag geöffnet.

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