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Crazy Angie, die Erotikdarstellerin aus dem Luzerner Hinterland, setzt auf Natürlichkeit und ihr «Girl Next Door»-Image. (Bild: zvg)

Erotikdarstellerin «Crazy Angie» Von der Post zum Porno

6 min Lesezeit 26.01.2015, 14:28 Uhr

Sie lebt im Luzerner Hinterland, war immer das schüchterne Mädchen und dreht nun Pornos. Crazy Angie liebt ihren neuen Job in der Erotikbranche trotz schwieriger Reaktionen aus dem Umfeld. Sie weiss genau was in der Branche ankommt und lässt sich dabei auf Vieles ein. Trotzdem müsse man die Grenzen klar ziehen und vor allem den Humor nicht vergessen.

Sie wirkt um einiges jünger, als sie tatsächlich ist, und ein wenig aufgeregt, wie sie vor der Bäckerei Weibel in Willisau steht und wartet. «Crazy Angie» ist auf den ersten Blick nicht die typische Porno-Sexbombe, sondern das Mädchen von nebenan. Und genau das kommt an – auch in der Erotikbranche.

«Ich war in der Schule eher zurückhaltend und unscheinbar. Erst nach einer längeren Beziehung vor ein paar Jahren bin ich aufgetaut», so die Luzernerin, die ihren echten Namen nicht öffentlich bekanntgeben möchte. «Es muss nicht jeder wissen, wo ich zu finden bin», sagt sie mit einem Augenzwinkern.

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70 «Kurzpornos»

Die gelernte Detailhandelskauffrau kam über’s Modeln zum Erotikfilm. «Als Model bin ich nicht gross genug mit meinen 168 Zentimetern. Erotikmodels hingegen können auch kleiner sein. Und dadurch habe ich schliesslich den Spass an der Freizügigkeit und Erotik vor der Kamera gefunden.» Hemmungen habe sie dabei nie gehabt. Auch nicht, als sie im letzten Jahr mit ihren Kurzfilmen online ging. Als Erotikmodel hingegen arbeite sie kaum mehr. «Ich habe mittlerweile einige tausend Bilder von mir. Irgendwann sind es genug.»

Die 30-Jährige hat im letzten Herbst ihren Beruf bei der Post aufgegeben, um vollberuflich im Erotikgewerbe zu arbeiten. Begonnen hatte sie damit schon ein paar Monate zuvor. «Bisher sind es rund 70 Kurzclips, die ich gedreht habe.» Diese «Kurzpornos» dauern meist zwischen fünf und 20 Minuten und werden auch für DVD’s zusammengefasst. Daneben hat sie bisher zwei Erotikfilme in Spielfilmlänge gedreht. Crazy Angie plant, organisiert und produziert diese DVD’s selbstständig. Für Pornolabels hingegen dreht sie nicht. Denn Darsteller besitzen dort so gut wie keinen Einfluss auf Drehbuch und Auswahl der Drehpartner. Dazu kommt, dass die Anreise bei solchen Produktionen das Honorar oftmals übersteige.

«Man muss sich ein bisschen rar machen, sonst wird’s langweilig.»

Von den Filmen und den Kurzclips alleine, könnte sie jedoch nicht leben. «Der DVD-Markt bricht auch in der Erotikbranche immer mehr zusammen.» Es seien nur noch wenige, die spezifisch DVD’s kaufen würden. «Vor allem ältere Männer bevorzugen die DVD’s.» Die Jüngeren seien eher online unterwegs. «Online läuft es viel besser – gerade, wenn die Männer einen Kurzclip schauen und anschliessend live mit mir chatten können oder mich auf der Webcam beobachten können.» Dieses Leben vor der Live-Webcam ist ihre Haupteinnahmequelle.

Dabei wechselt sie die Live-Zeiten und auch zwischen verschiedenen Plattformen. «Man muss sich ein bisschen rar machen, sonst wird’s langweilig für den Betrachter.» Sie habe aber auch mehrere Stammgäste, die regelmässig die Plattformen besuchen. Von diesem gesamten Paket könne sie gut leben und ein wenig für die Zukunft zur Seite legen.

Lockeres Umfeld

Ihre Clips dreht Angie regelmässig. Die Erotikdarstellerin lebt gemeinsam mit ihrem Partner im Luzerner Hinterland. Er stehe voll hinter ihr und unterstütze sie bei der Produktion ihrer Clips und Filme. «Er kümmert sich dabei um die Kameraführung, den Schnitt und auch meinen Webauftritt.»

Doch wie steht es mit dem Rest ihres nahen Umfelds? «Mein Vater ist sehr früh verstorben und vor einigen Jahren auch meine Mutter. Aber meine Mutter war eine sehr offene Frau, sie hätte mich dabei unterstützt, da bin ich sicher.»

Im Freundeskreis wurde ihr neuer Job sehr unterschiedlich aufgenommen. «Einige waren geschockt und haben sich dementsprechend von mir zurückgezogen.» Damit habe sie auch gerechnet. Andere hätten jedoch sehr locker reagiert. «Sie finden es teilweise auch spannend.» Durch den Job habe sie aber natürlich auch einige neue Freunde gefunden.

Comedy-Porno

Mit einer dieser Freunde hat sie vor Kurzem einen Film gedreht. «Eine Kollegin von mir ist Domina. Wir haben gemeinsam einen Film gedreht, in welchem sie mich in ihre Welt einführt.» Doch im ersten Moment wirkte der Film überhaupt nicht wie geplant. «Als wir uns die ungeschnittenen Szenen anschauten, konnten wir uns vor Lachen kaum mehr halten. Dieser Film war mehr Comedy als Porno.» Erst nach der Schneidearbeit ihres Partners wurde der Film für seinen eigentlichen Zweck brauchbar. «Der Sklave hat teilweise äusserst seltsam gewinselt, was alle am Set immer wieder zum Lachen brachte. Dann ist mir auch noch ständig mein Umschnall-Dildo runtergefallen.»

Aber Pannen gehörten dazu und das sei auch gut so. «Spass ist wichtig beim Dreh. Sobald ein Dreh auch lustig ist, bist du viel lockerer und das merkt man beim Endprodukt.»

Doch immer Lust, das habe natürlich auch sie nicht. «Da ich selbständig bin, kann ich aber auch mal einen Tag nichts machen, wenn ich nicht in Stimmung bin. Dann gehe ich etwas länger mit meinem Pferd ausreiten.»

«Teilweise lach ich mich auch mal schief.»

Bis vor einigen Jahren hatte sie sexuell noch nicht viele verschiedene Partner. «Ich war immer in längeren Beziehungen und auch immer treu.» Erst nach ihrer letzten längeren Beziehung habe sie den Spass am Ausprobieren entdeckt. «Ich habe das Singleleben voll ausgenutzt.» In ihrer jetzigen Beziehung sei sie grundsätzlich auch treu: «Ich stehe voll und ganz zu meinem Partner und er weiss auch immer was ich tue.»

Füsse oder auch mal Mehl und Eier

Crazy Angies Kurzclips tragen interessante Namen wie beispielsweise: «Deepthroat – Wann bist du dran?», «Die Schwarze Witwe mal anders», «Pissen am Meer», oder «Blowjob Tour auf Teneriffa».

«Ich mache Einiges», sagt Angie. Viele Männer hätten ganz seltsame Vorstellungen, die sie im Chat bei der Webcam teilweise erfülle. «Zum Beispiel muss ich einem Mann befehlen, er müsse sich Mehl und Eier über den Kopf schütten.» Andere hingegen möchten nur ihre Füsse sehen. «Teilweise lach ich mich auch mal schief.»

«Ich bin nicht devot.»

Doch sie hat auch klare Grenzen, gerade bei den Filmen. «Ich bin nicht devot. Unterwerfen lasse ich mich nicht. Und allgemein die harten SM-Praktiken mit Nadeln, Strom oder Atemreduktion, das mache ich auf keinen Fall. Und auch Kaviar ist tabu. Alles was bei mir Ekel auslöst. Kein Thema sind auch die ohnehin verbotenen Dinge wie Gewalt oder Praktiken mit Tieren.» Sie sei auch schon angefragt worden, Leute anzukotzen oder anzufurzen. Sie lacht. «Was soll man dazu sagen. Auf keinen Fall.»

Die Männer, die mit ihr drehen, wählt sie vorsichtig aus. «Meist merkt man bereits beim Schreiben, ob es passt und welche Absichten dahinter stecken. Anschliessend sehe ich beim Vorgespräch, ob es tatsächlich harmoniert und etwas Brauchbares daraus entstehen kann.»

Plan B?

Ihr nächstes Ziel sei es, über die Grenzen hinaus noch bekannter zu werden. In Deutschland hat sie bereits Fuss gefasst «Da kommt der Schweizer Dialekt auch ziemlich gut an.» Ob sie denn auch einen Plan B habe? «Zurück in meinen Beruf gehe ich nicht mehr. Grundsätzlich möchte ich später etwas weniger arbeiten, deshalb gebe ich jetzt Gas und lege zur Seite, was geht. Aber ich kann mir auch vorstellen als Bardame zu arbeiten oder auch weiterhin Webcam zu machen.» Die Vorlieben der Männer seien ja auch beim Alter der Frauen unterschiedlich.

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