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Von der Kontaktbar zum Luxusloft: Heizt Airbnb den Wohnungsmarkt an?
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Airbnb spannt mit Luzern Tourismus zusammen. (Bild: jwy)

Luzerner streiten über stärkere Regulierung Von der Kontaktbar zum Luxusloft: Heizt Airbnb den Wohnungsmarkt an?

4 min Lesezeit 24.07.2018, 19:25 Uhr

«Es hat genügend freie Wohnungen!», sagen die kommerziellen Anbieter von Airbnb. «Falsch», entgegnen Befürworter einer stärkeren Regulierung. Leer seien die Wohnungen nur, weil sie zu teuer seien. Doch das Beispiel einer ehemaligen Kontaktbar in Luzern steht exemplarisch für die teure Airbnb-Welt.

Am Hirschenplatz gab’s mal eine beliebte Beiz mit Etablissement in den oberen Etagen – den «Hirschen». 2015 hat die NLU Immobilien mit Sitz in Genf das historische Haus gekauft und aufwendig umgebaut. Statt einer Kontaktbar werden hier jetzt schicke Apartments vermietet: die «Hirschen 1 bis 7», zu haben zwischen 276 und 419 Franken die Nacht über Airbnb.

Mehrere Millionen hat die Immobilienfirma in den Umbau investiert, die mit diesem Haus erstmals in Luzern Fuss gefasst hat. Wer soll die hohen Mieten bloss bezahlen? Es zeigt sich: Es sind nicht Mieter, sondern Touristen – und so kommt man schnell auf einen Umsatz im fünfstelligen Bereich im Monat mit einer Wohnung.

Wer profitiert?

Immer häufiger tummeln sich auf der Sharing-Plattform Airbnb solche kommerziellen Anbieter mit 20 oder mehr dauervermieteten Apartments, sie machen damit gutes Geld. Das ist ihr gutes Recht, doch strittig wird’s bei der Frage: Heizen sie damit den knappen Wohnungsmarkt an und treiben die Mieten in die Höhe? Der Mieterverband sagt Ja und will den Stadtrat zu einer Einschränkung zwingen (zentralplus berichtete).

Der ehemalige Luzerner Kampfsportler Patrik Berisha, der die «Hirschen»-Apartments vermietet, sagt entschieden Nein zu einem Verbot von kommerziellen Anbietern. Er beherbergt pro Tag im Schnitt 90 Gäste in seinen 25 Apartments in Luzern, davon würden sowohl die Stadt wie der Tourismus profitieren (zentralplus berichtete).

Verbote würden nicht dazu führen, dass die Mieten sinken, behauptet er. «Viele der Wohnungen sind vorher zum Teil länger als sechs Monate leer gestanden. Wir alle wissen, dass sich der Wohnungsmarkt auch in Luzern entspannt hat. Wir treiben die Mietzinsen nicht in die Höhe.»

3’000 Franken für vier Zimmer

Die Aussage erstaunt. Gibt es tatsächlich genügend freie Wohnungen auf dem Markt? Ein zentralplus-Leser widerspricht: Er suche seit fünf Monaten eine Wohnung – vergeblich. Der Markt spiele bezüglich Wohnraum nur sehr begrenzt, schreibt ein anderer Leser in einem Kommentar. «Oder wie sonst ist es zu erklären, dass Wohnungen lieber monatelang leer stehen gelassen werden, als sie etwas günstiger anzubieten?» Er nennt als Beispiel das historische Haus am Löwenplatz 5, das im Sommer 2017 totalsaniert wurde (zentralplus berichtete).

«Dass es viele freie Wohnungen gibt, mag für Kriens stimmen, aber sicher nicht in der Luzerner Innenstadt.»

Cyrill Studer, Mieterverband

Die 4,5-Zimmer-Attikawohnung hinter dem Bourbaki-Gebäude steht immer noch leer – seit nunmehr bald zwölf Monaten. Die monatlichen Mietkosten von 3’000 Franken scheinen also zu teuer an dieser Lage. Das Wohnungsinserat ist zwar in der Zwischenzeit vom Netz verschwunden, aber eingezogen ist angeblich noch niemand. Die Hausbesitzerin war am Dienstag nicht erreichbar.

Luzern ist nicht Kriens

Das Beispiel zeigt: Es gibt sehr wohl Wohnungen, die lange leer stehen, diese sind jedoch häufig im Hochpreissegment zu finden. Kommerzielle Airbnb-Anbieter können da in die Bresche springen, weil sie die hohen Mietpreise viel eher stemmen können. Damit drehen sie aber weiter an der Preisspirale.

Cyrill Studer, SP-Grossstadtrat und Geschäftsleiter des Luzerner Mieterverbandes, sagt klar: «Dass es viele freie Wohnungen gibt, mag für Kriens stimmen, wo viel gebaut wird. Aber sicher nicht in der Luzerner Innenstadt: Hier gibt es kein Überangebot an Mietwohnungen.»

Cyrill Studer vom Mieterverband (links) – Armin Hartmann vom Hauseigentümerverband.

Cyrill Studer vom Mieterverband (links) – Armin Hartmann vom Hauseigentümerverband.

(Bild: zvg)

Tatsächlich ist die Leerwohnungsziffer im Kanton gestiegen, aber in der Stadt Luzern gegenüber dem Vorjahr gesunken (zentralplus berichtete). Wenn Wohnungen monatelang leer stünden, müsse man sich fragen, ob die Mietpreise nicht überrissen sind. «Wohnungen in der Innenstadt sind grundsätzlich beliebt», weiss Studer.

Dass professionelle Airbnb-Anbieter bereit sind, diese überzogenen Mieten zu bezahlen, spiele den Vermietern in die Hände. «Eine Hand wäscht die andere», so Studer. Und wenn es erste überteuerte Luxusapartments in einem Quartier hat, setzt das eine Aufwertung in Gang, ist Studer überzeugt. «Jeder kann sich ausrechnen, was man damit verdient, das spricht sich rum.» Diese Veränderung geschehe schleichend und entziehe sich der öffentlichen Diskussion, sagt er. Und hier setzt sein Postulat an, über das wohl Ende Jahr das Parlament debattieren wird.

Hauseigentümer sehen andere Gefahr

Nicht ganz überraschend ist der Hauseigentümerverband (HEV) anderer Meinung, der eine liberale Haltung vertritt. «In Luzern haben wir im Moment keine Indizien, dass die Mieten aufgrund von kommerziellen Airbnb-Angeboten steigen würden», sagt Armin Hartmann, Präsident HEV Kanton Luzern, auf Anfrage. Der SVP-Kantonsrat fände es falsch, wenn Hauseigentümer bei der Airbnb-Vermietung eingeschränkt würden, «während der Bundesrat für die Untermiete fast einen Freipass erteilen will».

«Aktionismus ist fehl am Platz.»

Armin Hartmann, Hauseigentümerverband

Airbnb-Vermietung sei letztlich eine Ergänzung, so Hartmann. «Der Anteil der so bewirtschafteten Wohnungen ist noch immer klein und bleibt beschränkt. Ausserdem ist nicht zu erwarten, dass deshalb viel mehr Leute in die Stadt strömen.» Zudem dürfe man die Stadt Luzern nicht isoliert beurteilen: «Der Wohnungsmarkt in Luzern und Umgebung funktioniert, es hat mehr als genügend freie Wohnungen. Aktionismus ist fehl am Platz.»

Wichtig sind laut Hartmann bei der Airbnb-Vermietung ganz andere Aspekte: «Dass die Bewirtschaftung für die Nachbarn keine übermässigen Immissionen verursacht.»

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