Wie sich Zuger Unternehmen mit dem Coronavirus arrangieren
  • Wirtschaft
Auch in Zug befasst man sich mit dem Corona-Virus (Bild: Montage zentralplus)

Von der Geschäftsreise ins erzwungene Home-Office Wie sich Zuger Unternehmen mit dem Coronavirus arrangieren

3 min Lesezeit 30.01.2020, 17:31 Uhr

Ferien lassen sich absagen, aber was ist mit wichtigen Geschäftsterminen? Businessreisen lassen sich nicht in den jedem Fall vermeiden – finden aber seltener statt. Unternehmen entdecken Home-Office als Quarantäne-Station.

Dass das Coronavirus durch die Sistierung von Gruppenbuchungen aus China Auswirkungen auf den Tourismus hat, ist bekannt. Doch was ist mit denen, die nicht zum Spass reisen, sondern von Berufes wegen – etwa um Verträge zu unterschreiben?

«Reisen nach ganz China wurden vorläufig aufgrund des Coronavirus auf geschäftskritische Reisen beschränkt», sagt Thomas Moser von Johnson & Johnson. Der US-Konzern unterhält in Zug einen Campus mit diversen Hauptquartierfunktionen und beschäftigt nahezu 1000 Mitarbeiter. Der Johnson-&-Johnson-Ansatz ist bei vielen Konzernen mittlerweile Standard.

«Wir beobachten die Situation weiter»

Zum Beispiel auch beim Luzerner Liftbauer Schindler, der eine kleine und mittlerweile isolierte Niederlassung in Wuhan unterhält. Schindler hat,  basierend auf Empfehlungen der WHO, Anweisungen herausgegeben, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. «Wir beobachten die Situation weiter und passen unsere Reise- und Sicherheitsbestimmungen entsprechend an, falls dies notwendig sein sollte», sagte eine Unternehmenssprecherin.

Dass sich Geschäftsreisen nicht gänzlich vermeiden lassen, liegt auf der Hand. Glencore-Kommunikationschefin Sarah Antenore kehrte eben von einem Interkontinentalflug zurück, als zentralplus zum Thema recherchierte. Und beim Zuger Schraubenhändler Bossard ist Finanzchef Thomas Zehnder mit Meetings und der Vorbereitung von Geschäftsreisen dergestalt ausgelastet, dass er keine Zeit für Medienauskünfte findet.

Werke in und um Shanghai

Bossard ist im übrigen im Reich der Mitte präsent, hat in Shanghai seit zwei Jahren ein grösseres Vertriebszentrum aufgebaut. Dort unterhält auch Roche Diagnostics, die grösste Arbeitgeberin des Kantons Zug, ein regionales Hauptquartier. Produziert wird in der Nähe – genauer gesagt in der 10-Millionen-Einwohner-Stadt Suzhou.

Fast eine halbe Milliarde investierte Roche vor fünf Jahren in die Anlage, in der bis zu 600 Angestellte Tests für die Immundiagnostik und klinische Chemieprodukte herstellen. Der Gesamtkonzern beschäftigt 7000 Leute in China und hat als erste Massnahme die Ferien zum chinesischen Neujahrsfest um zwei Tage verlängert. Ausserdem können die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten – und erhalten regelmässig neue Informationen zur Situation.

Nachfrage nach Flügen sinkt

Das Home-Office als Quarantänestation haben auch die beiden Schweizer Grossbanken UBS und CS entdeckt. Geschäftsreisende, die von Festland-China zurückkehren, arbeiten zwei Wochen von zu Hause aus. Wobei ihre Zahl in nächster Zukunft sinken dürfte, denn die Verbindungen werden schlechter.

Die Fluggesellschaft Swiss und die Lufthansa-Gruppe haben gestern angekündigt, ihre Flüge nach Shanghai und Peking bis 9. Februar einzustellen. Angeflogen wird lediglich noch Hongkong.

Gesellschaften wie etwa British Airways oder American Airlines fliegen gar nicht mehr nach China. Andere, wie etwa KLM, Air France oder Cathay Pacific dünnen ihren Flugplan wegen sinkender Nachfrage aus.

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