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Von den Freestylern bis zu den Basteltanten – alle wollen ins «Langhuus»
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Das ehemalige Lagergebäude der «Papieri» soll mitsamt seinem Grundstück und den Gleisen bald in Gemeindebesitz übergehen. Es wird für eine Zwischennutzung zur Verfügung stehen. (Bild: mbe.)

Cham: Sieben Bewerbungen für Zwischennutzung Von den Freestylern bis zu den Basteltanten – alle wollen ins «Langhuus»

8 min Lesezeit 26.01.2017, 05:04 Uhr

Die Gemeinde Cham hat einen Ideenwettbewerb für die Nutzung des leer stehenden Lagerhauses der Papierfabrik lanciert. Sieben Projekte sind eingereicht worden, eine Jury wird diese nun prüfen. Einen rechtlichen Haken hat das Ganze aber noch.

Das Lagerhaus (umgangssprachlich «Langhuus») soll gemäss Vereinbarung der Gemeinde mit der «Papieri» bald in Gemeindebesitz übergehen. Und zwar nach Erlangen der Rechtskraft des Bebauungsplans, über den Cham im September 2016 abstimmte. Dort gibt es noch einen Haken (siehe Kasten ganz unten).

Die Gemeinde hat einen Ideenwettbewerb für eine Zwischennutzung lanciert. Am 20. Januar endete die Eingabefrist. Werkstatt, Atelier, Bühne, Café und Treffpunkt: All das soll im ehemaligen Lagerhaus der Papierfabrik möglich sein, wenn die neue Interessengruppe Langhuus den Zuschlag für die Zwischennutzung erhält. Die IG hat vergangenen Freitag ihre Idee bei der Gemeinde eingereicht und eine eigene Webseite namens «langhuus.ch» mit Infos zum Projekt aufgeschaltet. Eins lässt sich bereits feststellen: Das Marketing hat die Gruppierung offenbar im Griff.

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Lebendiger Treffpunkt für alle

Wir warfen einen Blick ins Konzept. Die Vision der IG Langhuus ist, dass das Lagerhaus multifunktional von verschiedensten Gruppen genutzt werden soll. «Es ist ein lebendiger Treffpunkt, ein Markt, ein Atelier, ein Ort für Veranstaltungen und Kurse», heisst es zum Beispiel. Der Ort solle auf vielfältige Weise belebt werden können: Handwerker könnten ihren Znüni im Café geniessen, Mütter ihre Kinder in einer Krabbelecke rumtollen lassen. Bastler, Künstler, Hobbyköchinnen oder Gärtner sollen die Räumlichkeiten ebenfalls nutzen können.

Die Ausstattung setzt bewusst auf «wandelbare Strukturen». Will heissen: das Lagerhaus soll mit einfachen Mitteln wie Paletten möbliert werden. Das hat den Vorteil, dass es auch nicht viel kosten würde.

Einreichung im Mandelhof: Thomas Hauser (vorne links) übergibt Basil Stocker von der Einwohnergemeinde Cham das Langhuus-Konzept.

Einreichung im Mandelhof: Thomas Hauser (vorne links) übergibt Basil Stocker von der Einwohnergemeinde Cham das Langhuus-Konzept.

(Bild: IG Langhuus)

Die IG möchte die Zwischennutzung für mindestens fünf Jahre bespielen, aufgrund der Erfahrungen soll sodann die Basis für die spätere definitive Umnutzung gelegt werden.

Die Gemeinde soll einen fixen Ansprechpartner bekommen: Ein noch zu gründender Verein IG Langhuus wäre für den Betrieb des Lagerhauses zuständig.

Module wie Werkstatt, Markt, Koch- und Gartengruppe

Folgende «Module» sind vorgesehen, mit je einem provisorischen Leiter oder einer Leiterin: Werkstatt und Atelier (Geri Werder), Auftritte und Anlässe (Rolf Bänziger und Karin Pasamontes), Gastronomie und Kochen (Susanne M. Staub). Dazu kommen die Module Markt und Angebote (Thiery Burgherr) sowie Gardening und Aussenraum (Thomas Hauser). Jeder Gruppe gehören ein halbes Dutzend Personen an, am meisten Interesse besteht offenbar an der Kochgruppe (bisher neun Personen).

Zu den Kosten: Die IG erwartet, dass die Gemeinde das Gebäude am Anfang unentgeltlich zur Verfügung stellt. Kleinere Umbauten oder Einbauten will die IG Langhuus in Eigenleistungen und mit Unterstützungsbeiträgen aus verschiedenen Quellen realisieren. Die IG würde das Lagerhaus im heutigen Zustand übernehmen und sich dort einrichten. «Die Projekte finanzieren sich selbst», heisst es im Konzept. Das Projekt ist breit abgestützt: Rund 40 Personen werden im Organigramm aufgeführt.

«Das Paradies wollen alle. Den Weg dorthin sehen aber alle verschieden.»
Nic Baschung, Kulturcheckin Cham

Verein existiert noch nicht

Nic Baschung, ehemaliger Präsident des Kulturcheckin Cham, ist die Ansprechperson der neuen IG Langhuus. Bei dieser handle es sich momentan noch um eine Interessengruppe. «Sollten wir den Zuschlag erhalten, würden wir einen Verein gründen.» In diesem würden alle ehrenamtlich arbeiten – das ist eine Bedingung der Gemeinde, die das Gebäude nicht für eine rein kommerzielle Nutzung hergeben will.

Eine Vierergruppe von «Geburtshelfern», die sich aus Mitgliedern von Papierisch und Kulturcheckin und einer unabhängigen Person zusammensetzt, sei für das Projekt zuständig. Neben Baschung sind das Xaver Inglin, Thomas Hauser und Roman Ambühl.

«Wir wollen mit unserem Konzept ein möglichst breites Publikum ansprechen und haben die Idee bewusst breit und offen behalten», sagt Baschung. Die IG Langhuus rechnet sich erhebliche Chancen aus, dass sie mit ihrem Konzept zumindest in die zweite Runde komme. «Wir sind breit angelegt und erfüllen damit eine Forderung der Gemeinde, die sich ein Angebot wünscht, das auf die breite Bevölkerung ausgelegt ist.»

Meinungsverschiedenheiten überwunden

Gibt es denn eine solide Basis, dass die beiden Chamer Vereine Kulturcheckin und Papierisch nun am gleichen Strick ziehen? Im November 2016 tönte es noch ganz anders. Die «Zuger Zeitung» machte damals erhebliche Meinungsverschiedenheiten an einer Versammlung publik. Solche Konzepte seien immer ein «Spagat», sagt Baschung diplomatisch dazu. «Das Paradies wollen alle. Den Weg dorthin sehen aber alle verschieden.»

«Nach unserem Knatsch im November haben wir uns doch noch gefunden.»
Xaver Inglin, Verein Papierisch

Unverblümter drückt sich Xaver Inglin vom Verein Papierisch aus. «Nach unserem Knatsch im November haben wir uns doch noch gefunden», sagt er. «Wir schlagen ein Konzept vor, von dem nicht nur eine Gruppe oder eine Sportart profitiert, sondern viele Bevölkerungsgruppen.» Das Ganze habe «Hand und Fuss», es gebe einen Businessplan. «Im Lagerhaus werden nicht 40 Leute einfach vor sich hin blööterle.»

Laut Inglin hat der erste Netzwerk-Anlass im Lagerhaus vom 8. Januar dazu beigetragen, dass die verschiedenen Personen sich nun als Team fühlen. An diesem Abend wurde das Konzept, das nun eingereicht wurde, ausgestellt und diskutiert. Die Interessierten lernten sich kennen. «Am Abend war viel Begeisterung und Energie zu spüren», heisst es in einem Blog dazu. «Es wurde zwar nur geredet – aber es waren keine leeren Worte: Da standen Macher und Macherinnen zusammen!», heisst es.

«Es sind mehrheitlich lokale Bewerber. Das zeigt die Verbundenheit der Region mit dem Areal.»
Basil Stocker, Einwohnergemeinde Cham

Ideenwettbewerb: Mehrheitlich lokale Bewerber

Und was meint die Gemeinde? Haben sich noch weitere Interessenten beworben? Laut Basil Stocker, Projektleiter Abteilung Planung und Hochbau der Einwohnergemeinde Cham, sind sieben Bewerbungen zur Umnutzung eingegangen. «Der Rücklauf freut uns natürlich», sagt Basil Stocker, «die Ausgangslage ist somit vielschichtig und spannend.»

Die Namen der Einsender will die Gemeinde noch nicht publik machen, da der Beurteilungsprozess eben erst gestartet sei. Stocker: «Was wir aber bereits sagen können: Es sind mehrheitlich lokale Bewerber. Das zeigt die Verbundenheit der Region mit dem Areal.»

Die Projekte werden jetzt in der erwähnten Vorprüfung intern analysiert. Mitte Februar wird ein Auswahlgremium, die eigentliche Jury, ihre Arbeit aufnehmen. Im neunköpfigen Gremium sitzen zwei externe Fachvertreter, ebenfalls vertreten sind die Cham Paper Group und die Gemeinde Cham.

Jury lädt ausgewählte Projektverfasser ein

Diese Jury wird ausgewählte Projektverfasser einladen, ihr Konzept im März 2017 vorzustellen. Aufgrund der Präsentation wird das Gremium sich für einen oder mehrere Favoriten entscheiden, der oder die den Umnutzungsvertrag mit der Gemeinde abschliessen dürfen. «Doch dafür braucht es vorher noch einen formellen Gemeinderatsbeschluss, der voraussichtlich im April 2017 fällt», sagt der Gemeindevertreter. Dies immer unter der Voraussetzung, dass der Bebauungsplan rechtskräftig sei. Dieser Ball liegt momentan beim Kanton (siehe Kasten unten).

So stellt sich die Freestyle-Gruppe die Raumaufteilung im «Langhuus» vor.

So stellt sich die Freestyle-Gruppe die Raumaufteilung im «Langhuus» vor.

(Bild: zVg)

Die Auswahlkriterien und deren Gewichtung sind bereits definiert: Am wichtigsten ist das Kriterium der erfüllten Mehrfachnutzung, der Belebungsqualität und des Nutzens für die Öffentlichkeit (40 Prozent); die Verträglichkeit mit der Nachbarschaft zählt 30 Prozent; die kommerzielle Tragbarkeit und die Nachvollziehbarkeit des eingereichten Businessplans sind mit 20 Prozent gewichtet; ein weiteres Kriterium ist die Erfahrung und Kompetenz der Projektverfasser (10 Prozent).

Musiker? Billard-Lounge?

Neben der IG Langhuus haben also sechs andere Gruppen ebenfalls Konzepte eingereicht. Es sollen gerüchteweise Chamer darunter sein, die im Langhuus Musik machen oder Konzerte veranstalten wollen. Spuren im Internet hinterlassen hat eine weitere Person: Auf der Webseite der Gemeinde fragte eine Person an, ob man Personen kenne, die Interesse hätte, mit ihr zusammen eine Billard-Lounge im Langhuus zu betreiben.

IG Freestyle-Halle Zug hat sich auch beworben

Sport ist auch ein Thema. «Eine Freestyle-Halle für Zug» fordert eine Gruppe von Parkour-Sportlern und Skatern schon länger. Ein grundsätzliches Konzept für eine solche Halle liegt bei ihnen schon länger in der Schublade. Nun wittern sie die Chance, es im Langhuus in Cham zu verwirklichen. Marut Kiatprasert von der Interessengemeinschaft Freestyle-Halle Zug sagt auf Anfrage: «Wir haben das bereits bestehende Konzept an die Gegebenheiten im Langhaus Cham angepasst und eingegeben.»

Damit sind die Freestyler nun ebenfalls offiziell Teil des Ideenwettbewerbs für die Zwischennutzung in Cham. Im Falle, dass die IG Freestyle-Halle Zug den Wettbewerb gewinnt, würden etwa zwei Drittel der Halle im Langhaus unter die Herrschaft der Skater geraten. «Die benötigen auch den meisten Platz. Etwa ein Drittel stellen wir für Parkour-Sportler zur Verfügung», meint Marut Kiatprasert. Zusätzlich soll es ein Bistro geben und die Möglichkeit für Konzerte: «Ich kann mir vorstellen, dass man die Rampen auch mal als Bühne benutzen kann.»

 

Eine Einsprache gegen Bebauungsplan beim Kanton hängig

Das ehemalige Lagerhaus der Papierfabrik soll gemäss Vereinbarung der Gemeinde mit der «Papieri» in Gemeindebesitz übergehen. Und zwar nach Erlangen der Rechtskraft des Bebauungsplans, über den Cham im September 2016 abstimmte. Momentan sei noch eine Einsprache gegen den Bebauungsplan beim Kanton hängig, war bei der Gemeinde Cham zu erfahren. Arnold Brunner, Generalsekretär der Zuger Baudirektion, bestätigt auf Anfrage, dass die Beschwerde beim Regierungsrat hängig ist. Das Verfahren laufe noch.

Ist der Bebaungsplan einmal rechtskräftig, wird die Einwohnergemeinde Cham an der Ecke Knonauer-/Fabrikstrasse eine Landfläche von 5400 Quadratmetern von der «Papieri» übernehmen. Auf dem Areal steht das denkmalgeschützte Lagerhaus mit Baujahr 1928, dessen Nutzung nun diskutiert wird. Dieses wird von der Papierfabrik nicht mehr genutzt und steht grösstenteils leer.

Die Einwohnergemeinde Cham beabsichtigt, das Lagerhaus, die angrenzenden Gleise und die Bauparzelle an eine oder mehrere Trägerschaften für eine öffentlich orientierte Nutzung im heutigen Zustand abzugeben. Vorerst provisorisch, fünf Jahre Jahre lang als Zwischennutzung. Später soll aufgrund der Erfahrungen über eine definitive Nutzung entschieden werden.

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