Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Vom Polizisten zum Trainer übergewichtiger Kids
  • Sport
  • Gesundheit
  • Wirtschaft
Stephan Kaiser ist eine «Nanny» der anderen Art. Er setzt sich dafür ein, dass Kinder sich mehr bewegen. (Bild: wia )

«Sportnanny» Stephan Kaiser macht Kindern Beine Vom Polizisten zum Trainer übergewichtiger Kids

4 min Lesezeit 30.05.2017, 17:45 Uhr

Die Zahl der übergewichtigen Minderjährigen steigt auch im Kanton Zug mehr und mehr. Der Chamer Stephan Kaiser hat sich diesen unglücklichen Umstand zu Herzen genommen und als sogenannte «Sportsnanny» ein Geschäft daraus gemacht. Und auch wenn sein Angebot mitnichten günstig ist, findet er hierzulande durchaus Kundschaft.

Seit Kurzem gibt es in Zug eine «Sportsnanny», lernen wir aus einem Amtsblatt-Inserat. Das klingt seltsam, so finden wir, und treffen diese – oder besser gesagt diesen – zu einem Gespräch. Denn hinter der Sportsnanny steckt der Chamer Stephan Kaiser, ein ausgebildeter Sportlehrer, der es sich auf die Kappe geschrieben hat, übergewichtigen, depressiven, hyperaktiven und allen anderen Kindern mittels Bewegung auf die Sprünge zu helfen.

Kaiser erklärt: «Bereits vor Jahren hatte ich die Idee dafür, seit damals sitzt sie im Hinterkopf. Seit meiner Kindheit bin ich in Vereinen tätig und immer schon hatte ich Freude am Sport.»

Unterstütze Zentralplus

Der Anfang ist am schwierigsten

Doch wie muss man sich denn das vorstellen, die Arbeit einer Sportsnanny? Der 44-Jährige sagt: «Zuerst mache ich immer ein Beratungsgespräch mit den Eltern des Kindes. So können sie sich ein Bild von mir machen, und ich erkläre, was mein Ziel ist.» Das da wäre? «Ich möchte den Kindern zeigen, wie viele tolle Möglichkeiten es gibt, sich zu bewegen. Oft ist es gerade für übergewichtige Kinder schwierig, überhaupt erst anzufangen.» Und Kaiser betont: «Es ist sehr wichtig, dass die Kinder in den Anfangsprozess einbezogen werden und mir ihre Interessen mitteilen, um die nötige Motivation zu schaffen.»

Kaisers Broschüren liegen neuerdings auch bei einigen Kinderärzten auf, und auch bei Psychotherapeuten und Psychiatern möchte der Chamer vorsprechen: «Denn es ist erwiesen, dass Sport auch bei AD(H)S und leichteren Depressionen oder Verstimmungen hilfreich sein kann. Natürlich nur in Kombination mit anderen, professionellen Massnahmen. Ich bin kein ausgebildeter Psychologe und masse mir das auch nicht an, zu sein.»

Ein Angebot, das seinen Preis hat

Kaiser, der nicht nur Sportlehrer, sondern ehemaliger Polizist ist, holt die Kinder also zu Hause ab, unternimmt mit ihnen verschiedene Aktivitäten und bringt sie dann wieder nach Hause. «Mieten» kann man ihn ab einer Stunde bis zu einem ganzen Tag. Und das hat seinen Preis. Eine Einzelstunde kostet 130 Franken, ein ganzer Tag knapp 500 Franken. Dabei sind Extras wie Eintritte und Verpflegung – abgesehen von der Kilometerentschädigung – nicht inbegriffen.

«Ich bin mir bewusst, dass mein Stundenansatz nicht billig ist. Er bewegt sich aber absolut im Durchschnitt mit vergleichbaren Angeboten.»

Ein Angebot also nur für wohlhabende Zuger? «Mein Angebot richtet sich an den Mittelstand und aufwärts. Ich bin mir bewusst, dass mein Stundenansatz nicht billig ist. Er bewegt sich aber absolut im Durchschnitt mit vergleichbaren Angeboten.» Ausserdem könnten sich, so Kaiser weiter, Eltern zusammentun und gleich drei Kinder aufs Mal zu ihm schicken. Dann würde es für sie deutlich günstiger.

Häufig handle es sich bei den Kunden um Kinder, deren Eltern nur wenig Zeit hätten, sich ausreichend mit ihnen zu beschäftigen, sich dennoch jedoch bewusst seien, dass ihr Kind gesünder leben müsse.

Die Motivation der Eltern reicht nicht aus

Dann ruft also die Mutter an, sagt, mein Kind ist zu dick, bitte schauen Sie zu, dass es schlanker wird? Das klingt nicht sehr erfolgversprechend.

«Ich zwinge ein Kind nicht dazu, mit mir zweimal wöchentlich joggen zu gehen. Vielmehr probieren wir verschiedene Sportarten aus, gehen mal SUP-Fahren, mal klettern oder wir spielen Speedminton, bis wir herausfinden, was dem Kind Spass macht. Es geht nicht darum, die Kinder zu Leistungssportlern zu machen.» Viel eher wolle Kaiser nachhaltig etwas verändern. «Die Motivation der Eltern reicht da nicht aus. Das mache ich bei den anfänglichen Gesprächen auch klar.»

«Vielleicht ist es einfach ein Abbild unserer Zeit, dass Eltern weniger Kapazität haben, sich um die Bewegung der Kinder zu kümmern.»

Auch die Verbesserung der Ernährung ist Teil von Kaisers Angebot. Wenn man so will, füllt Kaiser also mit seinem Unternehmen dort eine Lücke, wo Eltern ihrer Erziehungsaufgabe nicht nachkommen. Das klingt sehr traurig. «Ich werte das nicht. Vielleicht ist es einfach ein Abbild unserer Zeit, dass Eltern weniger Kapazität haben, sich um solche Dinge zu kümmern. Letztlich soll mein Angebot eine Win-Win-Situation generieren.»

Vor der Gründung von «Sportsnanny» hat Kaiser einige Jahre als Polizist gearbeitet. Das klingt nach Drill und hartem Training. Ob da nicht der eine oder andere Elternteil abgeschreckt wird? «Wenn man mich sieht, merkt man sehr schnell, dass ich eine offene und nette Persönlichkeit bin. Auf der Webseite steht die Info zu meinem früheren Beruf vor allem drin, um zu zeigen, dass ich seriös bin.» Auch wolle Kaiser damit demonstrieren, dass er schon einiges an Lebenserfahrung gesammelt habe.

 

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare