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Vom FCL-Geist, der lebt – und einer herrlichen Schmonzette
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Die Hansi-Burri-Imitation beim Einlauf mit dem Original-Meisterpokal: Da war der hölzerne Sockel schon abgefallen. (Bild: ain)

So feierten die Fans ihre Meisterhelden von 1989 Vom FCL-Geist, der lebt – und einer herrlichen Schmonzette

4 min Lesezeit 08.06.2019, 17:46 Uhr

Es fühlte sich an, als ob es erst am Vortag geschehen wäre. Viele hundert FCL-Fans huldigten am Samstag in der Seebadi Sempach ihren ersten und bisher einzigen Meisterspielern von 1989. Es war eine grossartige Sause, und sie lieferte dem aktuellen FCL-Präsidenten eine wichtige Erkenntnis.

Es war kurz nach eins, als sich ein mehrreihiges Spalier bildete. Am einen Ende stand eine kleine Bühne, dahinter hatten sich Vertreter der verschiedenen FCL-Fanclubs mit ihren riesigen Fahnen aufgereiht. Am anderen Ende standen die FCL-Meisterhelden.

Einer nach dem andern wurde aufgerufen, um den «Walk of Fame» zu durchschreiten, und die Fans stimmten die Huldigungen an, als wären sie erst kürzlich letztmals besungen worden.

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Dabei sind die gefeierten Mohrs, Gretarssons, Schönenbergers, Burris, Marinis und viele mehr nicht mehr ganz knusprig, mittlerweile zumindest in den Fünfzigern angekommen, wenn nicht schon in den Sechzigern (zentralplus berichtete).

Die Begeisterung für die unter den Fahnen der FCL-Fanclubs aufgereihten Meisterspieler von 1989 war riesig.

Die Begeisterung für die unter den Fahnen der FCL-Fanclubs aufgereihten Meisterspieler von 1989 war riesig.

(Bild: ain)

Der aktuelle FCL-Präsident Philipp Studhalter hatte bei dieser grandiosen Stimmung quasi ein Erweckungserlebnis: «Erstmals spüre ich, wie fussballverrückt die Innerschweiz ist.» Jetzt kennt er zumindest die Messlatte für sein eigenes Tun und Wirken.

FCL-Präsident Philipp Studhalter (2. von links) und der originale Hansi Burri präsentieren die von der Konditorei Bachmann gestiftete Torte zum 30-Jahre-Jubiläum.

FCL-Präsident Philipp Studhalter (2. von links) und der originale Hansi Burri präsentieren die von der Konditorei Bachmann gestiftete Torte zum 30-Jahre-Jubiläum.

(Bild: ain)

Wenn der Sockel vom Meisterpokal abfällt

Der FCL-Geist lebt. Zumindest lebte er am Samstag in der von Meisterspieler Hansi Burri geführten Seebadi in Sempach intensiv auf. Dessen Double, das sich schon an der heurigen Luzerner Fasnacht grosser Beliebtheit erfreute, hatte den ersten bemerkenswerten Auftritt.

Mit dem Original-Meisterpokal auf dem Kopf – in Erinnerung an Hansi Burris legendären Meisterjubel (zentralplus berichtete) – erschien Roli aus Rothenburg  am Morgen vor den über 350 geladenen Gästen. Er kam keine 30 Meter weit, da lag der hölzerne Sockel des Meisterpokals schon auf dem Boden. Unglücklich abgefallen.

Der FC Basel, der das mehrere Zehntausend Franken teure Stück 2015 nach dem Gewinn des zehnten Meistertitels für immer für sich behalten durfte, lieh den Pokal mit Aufpasser für die Jubiläumsfeier der FCL-Meisterhelden aus. FCB-CEO Roland Heri war laut Hansi Burri dank «einer Recherche von zentralplus» auf dieses Begehren aufmerksam geworden. Eine schöne Geste der Basler.

Warum Marini die Meistermedaille spendet

Der Pokal spielte an dieser Meisterparty eine zentrale Rolle. Vor einem gigantischen FCL-Fanbild an der Wand der Seebadi konnte sich jeder, der Lust dazu hatte, mit der grössten Begehrlichkeit einer jeden Meisterschaft ablichten lassen – eine Maschine spuckte den Schnappschuss innerhalb von Sekunden als Erinnerung auf Fotopapier aus.

Als eine der letzten Besucher schmissen sich Ben und Tom in Pose. Die beiden Buben hatten zuvor als Glücksbringer für einen unvergesslichen Moment bei der Verlosung der originalen Goldmedaille von FCL-Champion Stefan Marini gesorgt.

Die Glücksbringer der Verlosung zu Gunsten des FCL-Nachwuchses, Ben (links) und Tom, posieren schon mal mit dem Meisterpokal.

Die Glücksbringer der Verlosung zu Gunsten des FCL-Nachwuchses, Ben (links) und Tom, posieren schon mal mit dem Meisterpokal.

(Bild: ain)

Dazu muss man wissen: Für die FCL-Meistermedaille von 1989, die einen geschätzten Materialwert von über 1000 Franken haben soll, wurden 200 Bierflaschen zum Preis von je 30 Franken verlost.

Jedes Retro-Bier trug eine eigene Nummer, und der Erlös ging zu Gunsten der FCL-Akademie. «Ich hatte nie eine emotionale Bindung zu dieser Medaille», sagt Marini, und erzählt, warum er die einmalige Erinnerung spendete. «Ich bin verbunden mit diesem Titel und der Mannschaft, mit der wir das erreicht hatten. Das zählt für mich.»

Er habe einige Zeit dafür investieren müssen, um die Meistermedaille zu Hause zu finden, die in «irgendeiner Kiste» versteckt gewesen war. Nur: Ganz selbstlos ist seine Aktion nicht. Als Trainer der Schweizer U17-Auswahl profitiert er von einem guten FCL-Nachwuchs. «Ja, das ist so», gibt Marini lachend zu.

Alles Burri oder was?

Als der Verteidiger der FCL-Meistermannschaft später vor dem witzigen «Conferencier» Stefan «Büsché» Bucher trällerte, er möge den von ihm gestifteten Hauptpreis seiner Gattin Claudia gönnen, konnte Marini unmöglich ahnen, wie schicksalshaft er die Fussballgötter damit in Stellung gebracht hatte.

Grossartiges Highlight: Stefan Marini überreicht Barbara Burri, der Gewinnerin des Wettbewerbs, seine Goldmedaille von 1989.

Grossartiges Highlight: Stefan Marini überreicht Barbara Burri, der Gewinnerin des Wettbewerbs, seine Goldmedaille von 1989.

(Bild: ain)

Denn die Glücksbringer Ben und Tom leisteten ganze Arbeit. Sie wählten mittels Los eine Gewinnerin der Goldmedaille aus. Und als diese ins Mikrofon sagte, sie heisse Burri, trauten wohl viele Besucher ihren Ohren nicht. Aber der Knaller ist erst ihr Vorname. Genau so heisst nämlich auch Hansi Burris Ehefrau. Dem Meisterspieler war es so unangenehm, dass er aus einer ersten Emotion heraus um Diskretion in der Berichterstattung bat.

Aber um irgendwelchen Spekulation sogleich den Riegel vorzuschieben: Die glückliche Gewinnerin ist weder «Burri, Burri, Burris» Ehefrau, noch verwandt und erst recht nicht verschwägert mit dem «kleinen Sempacher mit dem grossen Kämpferherzen», wie die Fans Hansi Burri für immer im Herzen tragen.

Es war nichts weiter als eine herrliche Schmonzette, die wohl dem sarkastischen Regisseur dieses wunderbaren Samstages nicht in den Sinn gekommen wäre.

Hans-Peter Elsener, früher Wirt des Restaurants Eichhof und FCL-Taliban, streckt sein Antlitz durch die von der Luzerner Biersorte gesponserte Meister-Wand.

Hans-Peter Elsener, früher Wirt des Restaurants Eichhof und FCL-Taliban, streckt sein Antlitz durch die von der Luzerner Biersorte gesponserte Meister-Wand.

(Bild: ain)

Barbara Burri, die Gewinnerin von Marinis Goldmedaille, bekannte später, dass sie damals nicht eine der über 28’000 Zuschauer gewesen sei, die am 10. Juni 1989 auf der Allmend den einsamen Höhepunkt der FCL-Klubgeschichte gefeiert hätten: «Ich war zu Hause und stillte damals meine sechs Wochen alte Tochter.»

So hatte sie zumindest das FCL-Gen an die nächste Generation übergeben, bemerkte Frau Burri. Es ist die wichtigste Aufgabe von Philipp Studhalter und seiner aktuellen Crew, diese Begeisterung in die FCL-Moderne zu verpflanzen.

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