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Villiger: «Heute werde ich auf jeden Fall noch nicht zurücktreten»
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Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger. (Bild: woz)

Regierungsrat Beat Villiger zu seiner Wiederwahl Villiger: «Heute werde ich auf jeden Fall noch nicht zurücktreten»

6 min Lesezeit 1 Kommentar 07.10.2018, 18:32 Uhr

Am Wahlabend wird er nicht zurücktreten: Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger. Der 61-jährige CVP-Politiker, der öffentlich in die Bredouille gekommen ist durch ein eingestelltes Strafverfahren sowie durch eine geheimgehaltene Liebesaffäre mit unehelichem Kind, will abwarten.

Am Sonntagnachmittag verbringt Beat Villiger – bis die Wahlergebnisse bekannt sind – ganz allein in den Büros der Zuger Sicherheitsdirektion in der Bahnhofstrasse. Vor dem Interviewtermin begleitet der CVP-Politiker Monika Barmet, Heini Schmid und Martin Pfister nach einer Krisensitzung aus dem Lift auf die Strasse. Alle wirken angespannt und haben ernste Gesichter.

Vor dem Interview mit zentralplus raucht Beat Villiger noch eine Zigarette. Er trägt ein blütenweisses Hemd und eine silberne Krawatte. Aber wer ihm ins Gesicht blickt, sieht, dass er sehr mitgenommen wirkt und tiefe Spuren hat.

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zentralplus: Herr Villiger, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie nach ihrer heutigen Beichte (zentralplus berichtete)?

Beat Villiger: Es geht mir gut. Es war wie ein Befreiungsschlag. Das Interview führt ja zu einer schweizweiten Wahrnehmung. Und ich kann davon ausgehen, dass es manche mutig empfanden, was ich gesagt habe. Andere werden enttäuscht sein.

zentralplus: Enttäuscht – warum?

Villiger: Weil es für meine Familie nicht einfach war, ebensowenig für meine Partei und für alle, die mich kennen. Ein Kind kann man ja nicht als Fehler abtun. Aber das Ganze, wie es gelaufen ist, war eben nicht ganz einfach.

zentralplus: Warum haben Sie Ihre aussereheliche Beziehung nicht klar kommuniziert und dann einfach die Wähler entscheiden lassen, wie sie das finden – anstatt die ganze Angelegenheit mit einer stümperhaften Kommunikation zu vertuschen suchen?

«Die Kommunikation war nicht stümperhaft.»

Villiger: Das war nicht stümperhaft. Es war eine gewählte und gezielte Strategie. Das Strafverfahren wurde ja eingestellt. Hätte man mich schuldig gesprochen, hätte ich es mir sicher anders überlegt, diese Sache zu kommunizieren. Es geht einfach um das hoch zu achtende Prinzip der Privatsphäre, die ich auf jeden Fall schützen wollte. Auch ein Politiker hat ein Anrecht auf Privatsphäre. Vor allem wollte ich für die Privatsphäre der Mutter und des Kinds Sorge tragen. Dabei sind mir sicher Fehler passiert.

zentralplus: Welche Fehler?

Villiger: Vor allem, dass ich nicht konsequent genug war bei der Übergabe des Autos und bei der Kontrolle des Führerausweises. Andererseits frage ich mich, ob man denn in jedem Fall an die Öffentlichkeit muss, wenn man als Privatmann mit der Polizei zu tun hat.

zentralplus: Haben denn aus Ihrer Sicht die Luzerner Justizbehörden korrekt gehandelt – es wurde ja der Vorwurf von Filz laut?

«In meinem Fall ist alles korrekt abgelaufen.»

Villiger: Ich glaube an unseren Rechtsstaat und ich bin überzeugt davon, dass in meinem Fall alles korrekt abgelaufen ist. Ich habe mich ja immer als Privatperson an die Luzerner Polizei gewandt und habe nie versucht, als Zuger Sicherheitsdirektor irgendwie konkret Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen. Nach dem Motto: «Ich bin Beat Villiger, passen Sie bloss auf, was Sie da machen.»

Licht und Schatten fallen derzeit auf Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger.

Licht und Schatten fallen derzeit auf Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger.

(Bild: woz)

zentralplus: Was würden Sie jetzt anders machen, wenn Sie die Möglichkeit hätten, die Sache nochmals regeln zu können?

Villiger: Ich würde vor allem nicht mehr die gleichen Fehler machen, ja gar keine Fehler mehr machen. Es ist einfach nicht geschickt gelaufen.

zentralplus: Die entscheidende Frage am heutigen Wahltag ist ja: Nehmen Sie die Wahl an oder treten Sie aufgrund der Vorfälle in der Öffentlichkeit und den Druck durch die Medien von Ihrem Amt zurück? Denn gewählt sind Sie ja mit grosser Wahrscheinlichkeit.

Villiger: Ich kann im Moment noch nicht sagen, was ich mache. Ich werde erstmal das Wahlergebnis analysieren und mit meiner Partei und meiner Familie darüber sprechen. Ich werde die nächsten Stunden und Tage beobachten, wie es weitergeht. Heute werde ich auf jeden Fall noch nicht zurücktreten.

«Aber wenn die ganze Sache weiterkocht, wenn es keine Ruhe gibt, und wenn trotz eingestelltem Verfahren weitere Haare in der Suppe gefunden werden, muss ich mich fragen, ob ich das will.»

zentralplus: Aber warum können Sie nicht klipp und klar sagen vor der Wahl: «Ich trete zurück» oder nach der Wahl: «Ich mache weiter»?

Villiger: Meine Überlegung ist, dass ich schauen will, wie sich das weiterentwickelt. Wie die Leute auf mich reagieren. Ich habe ja zahlreiche Rückmeldungen erhalten von Leuten, die sagten: «Jetzt wähle ich Dich erst recht.» Aber wenn die ganze Sache weiterkocht, wenn es keine Ruhe gibt, und wenn trotz eingestelltem Verfahren weitere Haare in der Suppe gefunden werden, muss ich mich fragen, ob ich das will und ob ich das verkraften kann. Denn wenn ich vier weitere Jahre Regierungsrat sein will, muss ich mich psychisch und physisch fit fühlen.

zentralplus: Allerdings könnte man die Frage schon stellen, ob die Art und Weise, wie die Kommunikation des Falles gelaufen sei, genügend Integrität für einen Regierungsrat ausstrahle? Fühlen Sie sich wirklich noch integer genug, dieses Amt auzuüben?

«Ich weiss nicht, ob man solche Fehler unbedingt in Zusammenhang bringen kann oder muss mit meiner Tätigkeit als Regierungsrat.»

Villiger: Ja. Ich habe private Fehler gemacht, für die ich mich entschuldigt habe. Ich weiss nicht, ob man solche Fehler unbedingt in Zusammenhang bringen kann oder muss mit meiner Tätigkeit als Regierungsrat. Und ob das an meiner politischen Glaubwürdigkeit kratzt. Ich möchte natürlich den Leuten in meiner Sicherheitsdirektion in die Augen schauen können trotz der Fehler, die ich gemacht habe. Letztendlich ist ja, wie gesagt, das Strafverfahren eingestellt worden.

zentralplus: Glauben Sie denn, dass Sie den Leuten in die Augen schauen können?

Villiger: Ja. Natürlich hat die Medienschlacht Spuren hinterlassen, und ich muss mich möglichst schnell davon erholen. Deshalb kann ich, im Moment, wie erwähnt, nicht sagen, wie es weitergeht. Es muss ein gutes Resultat sein, und es muss für die Partei und die Familie stimmen.

zentralplus: Apropos Sicherheitsdirektion. Könnten Sie sich denn vorstellen wegen der Vorkommnisse auch das Departement zu wechseln, wie dies hinter vorgehaltener Hand bereits gemunkelt wird?

Villiger: Das kommt erst viel später, das kann ich jetzt noch nicht sagen.

zentralplus: Apropos Familie. In dem «Blick»-Interview wurde immer wieder von «dieser Frau» geredet, die Sie offenbar einmal geliebt haben und der Sie offenbar zugesagt haben, sich um das gemeinsame Kind zu kümmern. Wer kümmert sich eigentlich um «diese Frau»?

Villiger: Das ist meine Privatsphäre, über die ich mich nicht äussern will. Ich kann nur soviel sagen, dass ich noch sporadischen Kontakt zu ihr habe, auch um meine Vaterpflichten wahrzunehmen. Aber es besteht keine Beziehung mehr. Sie möchte auch wegen des Kinds um keinen Fall in den Fokus der Öffentlichkeit geraten.

«Es hat schon viel Mut und Kraft gekostet.»

zentralplus: Warum haben eigentlich CVP-Politiker immer so ein Problem, wenn es um das Eingeständnis privater Beziehungen geht? Ist es das «C» für christlich im Namen, mit dem so scheinheilig umgegangen wird oder werden muss?

Villiger: Nein, das glaube ich nicht. Es ist einfach ein persönliches Problem. Es ist schlichtweg nicht so leicht, so etwas zu kommunizieren – vor allem, wenn man plötzlich damit konfrontiert wird. Das erfordert einen Riesenrespekt. Vielleicht hätte ich meine frühere Beziehung schon vor zig Jahren öffentlich machen sollen. Aber so wie es jetzt gelaufen ist, hat es schon viel Mut und Kraft gekostet.

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1 Kommentare
  1. David Meyer, 08.10.2018, 07:59 Uhr

    Die Aussage von Hr. Villiger “Meine Überlegung ist, dass ich schauen will, wie sich das weiterentwickelt.” zeugt keinesfalls von Führungskompetenz. Es hinterlässt den Eindruck eines planlosen Treibens in Sog der Brandung. Dem Kanton Zug stehen herausfordernde Zeiten bevor und er kann sich diese Wankelmütigkeit in der Exekutive nicht leisten. Da wäre es ehrlicher Platz zu machen und abzutreten.

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