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Vier Parallelen zwischen dem FCL und Bayern München
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Die Bayern haben Niko Kovac (links) gefeuert. Auch FCL-Trainer Thomas Häberli sitzt nicht mehr ganz so sicher im Sattel. (Bild: Montage les)

Drama beim FC Hollywood Vier Parallelen zwischen dem FCL und Bayern München

5 min Lesezeit 1 Kommentar 06.11.2019, 10:30 Uhr

Das grosse Bayern München steckt in einer sportlichen Krise. Beim FCL bahn sich eine solche an. Auf der Führungsetage gibt es bei beiden Clubs offene Fragen. Und plötzlich könnte das Geschehen in München den FCL beeinflussen. Es wäre nicht das erste Mal.

Am Sonntagabend war es so weit. «Die Leistungen unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen und auch die Resultate haben uns gezeigt, dass Handlungsbedarf bestand.» Mit diesem Satz wurde Karl-Heinz Rummenigge in einer Presseerklärung des FC Bayern München zitiert.

Der FCB gab bekannt, dass Trainer Niko Kovac per sofort freigestellt ist. Die peinliche 1:5-Niederlage am Samstagnachmittag gegen Eintracht Frankfurt war die berühmte Niederlage zu viel.

Wenige Stunden davor in Luzern. Rund um die Swissporarena wird gerade die 1:2-Niederlage gegen Lugano analysiert. Nach Thun, Servette und Xamax verliert der FCL zum vierten Mal in der laufenden Saison gegen einen Gegner, den er eigentlich schlagen muss (zentralplus berichtete).

In den sozialen Medien schreiben FCL-Fans deshalb eine Flut von Kommentaren. Nicht selten ertönt ein Satz a là: «Die Leistungen unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen und auch die Resultate zeigen, dass Handlungsbedarf besteht.» Zahlreiche Fans fordern die Entlassung von Trainer Thomas Häberli.

Noch ist es beim FC Luzern nicht soweit wie beim FC Hollywood in unserem Nachbarland. Doch es gibt zahlreiche Parallelen zwischen den beiden Clubs.

1. Unruhe in der Führungsetage

Im Verwaltungsrat des FC Luzern ging es in den letzten Wochen drunter und drüber. Gleich vier der sechs Verwaltungsräte gaben ihren Rücktritt bekannt (zentralplus berichtete). Hinter den Kulissen tobt ein Kampf zwischen der Gruppe um Marco Sieber und den Anhängern von Bernhard Alpstaeg. Es ist kaum wahrscheinlich, dass das Verhältnis zwischen den zerstrittenen Lagern gekittet werden kann. Aber höchstens ein Lager wird beim FCL eine Zukunft haben.

Auch beim FC Bayern stehen Wechsel in der Vereinsführung an. Präsident Uli Hoeness wird an der Jahreshauptversammlung am 15. November nicht mehr antreten. Beinahe fünf Jahrzehnte prägte Hoeness den Club. Und sogar nach seinem Knast-Aufenthalt ebnete man ihm den Weg zurück an die Vereinsspitze. Gemeinsam mit Karl-Heinz Rummenigge war Hoeness in den letzten Jahren das Gesicht des Clubs.

Doch dem Duo Hoeness/Rummenigge weht mittlerweile ein eisiger Wind entgegen. Längst klaffen die sportlichen Ansprüche in München und die sportlichen Realitäten weit auseinander.

Während sich die Querelen in Luzern wohl noch ein Weilchen hinziehen werden, dürfte bei Bayern spannend zu beobachten sein, ob sich Hoeness ohne Amt wirklich aus den Alltagsgeschäften raushält. Oder wird er die bayrische Antwort auf Luzerns Walter Stierli?

2. Umstrittene Sportchefs

Dass man viel über die Führungsetage spricht, ist auch ein Anzeichen dafür, dass die Sportchefs in den Vereinen die Zügel kaum selber in den Händen halten. Bei FCB-Salihamidzic ist dies genauso offensichtlich wie bei FCL-Meyer. Dass beide nicht die eloquentesten Redner sind, verschärft die Situation zusätzlich.

An sich haben aber beide dasselbe Problem: Einen Kader zusammenstellen, der den Ansprüchen des Umfelds genügt, ist praktisch unmöglich. In Bayern träumen sie vom Triple inklusive Champions-League-Titel – in Luzern vom Erreichen der Europa-League-Gruppenphase und einem Cupsieg.

Selten gibt sich Remo Meyer vor der Presse so gelöst. Das Bild stammt von der Vorstellungs-Pressekonferenz von René Weiler.

Den Sportchefs gelingt es aber nicht, die dazu notwendige Qualität ins Team zu holen. Im Luzerner Fall hat man das Geld nicht und im Fall des FC Bayern war man lange nicht bereit, bei dem von den Scheichklubs betriebenen Transfer-Irrsinn mitzumachen. Mit Philippe Coutinho und Lucas Hernandez hat man nun zwar zwei teure Kracher verpflichtet, den in den letzten Jahren verschlafene Umbruch vermögen die beiden jedoch nicht wegzumachen.

3. Angeschlagene Trainer

Am meisten unter der Situation leidet der Trainer: Er ist das schwächste Glied. Der FCL präsentierte nach dem Abgang von Gerry Seoane mit René Weiler einen grossen Trainer. Das Unterfangen scheiterte grandios und seit Anfang des Jahres setzt der FCL mit Thomas Häberli auf eine Lösung aus der Region. Sein Leistungsausweis war vor dem FCL-Engagement bescheiden und bisher hat er den Nachweis nicht erbringen können, eine Mannschaft weiterentwickeln zu können.

Auch Niko Kovac trat in grosse Fussstapfen. Er folgte auf Trainerlegende Jupp Heynckes. Dieser war nach Carlo Ancelottis Scheitern nochmals für seinen Freund Uli Hoeness zu den Bayern zurückkehrt. Doch von Anfang an war Kovac intern umstritten. Er war nie die grosse Lösung, die man sich in München wünschte und die dem Selbstverständnis des Clubs entsprach. Dass es sich Kovac mit den Weltmeistern Hummels, Boateng und Müller verspielte, dürfte wohl der Hauptgrund für sein Scheitern gewesen sein.

4. Aderlass auf dem Flügel

Im Sommer verlor der FC Luzern mit Ruben Vargas seinen talentiertesten Spieler (zentralplus berichtete). Der Verkauf spülte zwar Geld in die Kasse, dennoch trifft der Verlust eines jungen Spielers aus der Region den FCL hart. Auch wenn man ihn sportlich und wirtschaftlich mit Ibrahim Ndiaye gleichwertig ersetzt hat, ein Spieler der auch schon das Trikot der Schweizer Nati tragen durfte, gibt es in Luzern nicht alle Tage.

Und bei den Bayern? Da hat man im Sommer mit Franck Ribery und Arjen Robben zwei Clublegenden verabschiedet. Sie bildeten über Jahre die gefürchtete Flügelzange der Bayern. Gemeinsam holten die beiden 17 Meisterschaften und elf Pokalsiege und erreichten dadurch Kultstatus.

Die Lösung auf sportlicher Ebene liegt so nahe

Das Treiben in München hat den FCL bereits einmal arg erschüttert. Als Bayern nämlich Niko Kovac aus Frankfurt verpflichtete, spannte die Eintracht den Berner Youngs Trainer Adi Hütter aus. YB hielt danach in der Super League Ausschau und stiess auf Gerardo Seoane.

Was nun, wenn bei den Bayern urplötzlich Adi Hütter, der bei Frankfurt einen brillanten Job macht, auf die Liste möglicher Kovac-Nachfolger gerät? Beim Bundesligisten aus Frankfurt hat man sich den Namen Gerry Seoane bestimmt bereits in die Notizblöcke geschrieben. Es wäre dann ja nichts als logisch, wenn YB seinen Kultstürmer Häbi auf die Trainerbank beordern würde.

Hatten die FCL-Fans Seoane nach seinem Abgang noch als Verräter beschimpft, heute würden wohl einige erleichtert aufatmen. Und einmal mehr hätten die Bayern alles ausgelöst.

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1 Kommentare
  1. Kaufmann, 06.11.2019, 13:21 Uhr

    Journalisten, Sozialmediaschreiber und Pyro-Zeusler dürfen meinen, sie verstehen mehr von Fussball. Zu denken gibt mir, was alle diese Fussballfans damit auslösen können. Lasst doch Häbi in Ruhe mit seinen Jungs arbeiten. Es braucht Geduld und Verständnis dafür, dass verletzte Schlüsselspieler bei diesem Kader nicht immer 1:1 ersetzt werden können.