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Vier Genossen, zwei Favoriten
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Wollen für die SP ins Stadthaus: Daniel Furrer (von links), Giorgio Pardini, Theres Vinatzer und Beat Züsli. (Bild: Bildmontage zentral+ )

Auftakt zu Luzerner Stadtratswahlen Vier Genossen, zwei Favoriten

9 min Lesezeit 3 Kommentare 20.08.2015, 21:09 Uhr

Gleich vier Genossen möchten Ursula Stämmers Sitz im Stadtrat beerben. Doch nicht alle haben die gleichen Chancen. zentral+ zeigt, was die Kandidaten in die Waagschale werfen wollen und was für und was gegen ihre Nomination im Dezember spricht.

Wer holt sich bei den Gesamterneuerungswahlen nächsten Frühling den Sitz der nicht mehr antretenden SP-Stadträtin Ursula Stämmer? Schafft die SVP diesmal den Einzug? Kann sich GLP-Stadträtin Manuela Jost vor der Abwahl retten? Wird der Stadtrat linker oder rechter? Diese Fragen treiben seit Monaten die lokalen Parteistrategen um. Wer aber genau mit wem ins Rennen steigt, ist erst bei der SP klar. Mit Beat Züsli (52), Theres Vinatzer (54), Giorgio Pardini (57) und Daniel Furrer (45) stehen gleich vier Kandidaten in den Startlöchern.

Zwar findet die SP-Nominationsversammlung erst am 4. Dezember statt. «Ich halte es aber für eher unwahrscheinlich, dass noch weitere Kandidaten dazu kommen», sagt Claudio Soldati, Präsident der städtischen SP. Die Truppe der Genossen steht folglich. Grund genug für zentral+, die vier Anwärter aufs hohe Amt ein erstes Mal zum Kurz-Interview zu bitten. Auch wenn noch unklar ist, ob die SP mit einem oder zwei Kandidaten in den Wahlkampf steigen wird.

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Daniel Furrer, der Junior

Wir gehen alphabetisch vor und fangen bei Daniel Furrer an. Furrer ist verheiratet, hat zwei Töchter und arbeitet als Leiter Finanzen und Dienste beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk Zentralschweiz (SAH) in Luzern. Seit 2011 sitzt er für die SP im Stadtparlament und in der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Stadtrates.

zentral+: Daniel Furrer, warum möchten Sie Stadtrat werden?

Daniel Furrer: Weil ich das Gefühl habe, die entsprechenden Voraussetzungen mitzubringen. Ich bin ein Generalist und finde das Amt eine sehr spannende Aufgabe. Als Stadtrat könnte ich noch mehr bewegen, noch mehr erreichen.

zentral+: Welche Kompetenzen bringen Sie mit?

Furrer: Ich konnte beruflich Erfahrung in ganz verschiedenen Bereichen sammeln. Unter anderem in der Verwaltung und in der Wirtschaft. Ich habe Führungserfahrung, und auch politisch engagiere ich mich nun seit 2011. Ich kenne die Stadt sehr gut und bin gut vernetzt. Zudem sehe ich mich eher als pragmatische Person. Ich kann auf Leute zugehen und Lösungen finden.

zentral+: Welches sind für Sie die grossen Herausforderungen der Stadt?

Furrer: Nebst den Finanzen ist für mich die Entwicklung der Schlüsselareale zentral. Einige davon sind jedoch blockiert. Eine rasche Realisierung würde Mehreinnahmen sowie Arbeitsplätze und Wohnraum schaffen. Auch der Verkehr ist eine grosse Herausforderung, plus die Frage, wie wir künftig mit unseren Nachbargemeinden und dem Kanton zusammen arbeiten.

zentral+: Warum sind Sie besser als ihre drei Mitbewerber?

Furrer: (lacht) Ich weiss nicht, ob ich besser bin als die anderen. (überlegt) Ich bin der jüngste von uns Kandidaten, bin Vater zweier Kinder im Primarschulalter und von daher in einer anderen Lebensphase.

zentral+: Hat die SVP nicht ein Anrecht auf einen Sitz im Stadtrat?

Furrer: Gute Frage…. (überlegt lange) Der SVP-Sitz ginge wohl auf Kosten der GLP. Das wäre dann ein klarer Rechtsrutsch. Das aber würde die politischen Verhältnisse der Stadtbevölkerung nicht gut abbilden. Insofern möchte ich die SVP eher nicht im Stadtrat.

zentral+: Dafür die GLP als Kleinstpartei?

Furrer: Vorher sorgte ja Urs W. Studer als parteiloser Stadtrat für ein einigermassen ausgewogenes Gremium. Nun habe ich das Gefühl, dass die Bevölkerung 2012 Manuela Jost in diese Rolle gewählt hat. Von daher hat die GLP sicher eine Berechtigung.

So, das wärs fürs Erste für Daniel Furrer. zentral+ orakelt über seine Chancen: Furrer wird von den Genossen am 4. Dezember nicht nominiert. Zwar gilt er als tüchtiger, undogmatischer Schaffer. Allerdings ist er noch zu unbekannt und die parteiinterne Konkurrenz ist zu stark. Wie wärs mit einem zweiten Anlauf 2020?

Giorgio Pardini, der Senior

Weiter geht’s mit Giorgio Pardini. Mit seinen 57 Lenzen ist er der Älteste unter den vier SP-Kandidaten. Pardini ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er arbeitet als Leiter des Sektors Telecom/IT und als Mitglied der Geschäftsleitung bei der Gewerkschaft syndicom. Politisch sass er von 1999 bis 2001 im Stadtparlament, seit 2001 ist er Kantonsrat, wo er seit 2011 die Kommission Wirtschaft & Abgaben präsidiert. Aktuell kandidiert er für den Nationalrat.

zentral+: Giorgio Pardini, warum möchten Sie Stadtrat werden?

Giorgio Pardini: Weil ich der Stadt etwas geben und meine Erfahrungen einbringen will. Ich möchte neuen Drive rein bringen, zumal wir sehr viele Aufgaben angehen müssen. Konkret möchte ich mich dafür einsetzen, neue Unternehmungen anzusiedeln, etwa im IT-Bereich.

zentral+: Welche Kompetenzen bringen Sie mit?

Pardini: Meine Erfahrung in der Führung von Personal. Ich bin es gewohnt, auf Leute zuzugehen, in Gremien mit zu arbeiten. Ich bin zudem gut vernetzt, sowohl im Kanton wie auf Bundesebene.

zentral+: Welches sind für Sie die grossen Herausforderungen der Stadt?

Pardini: Die Ansiedlungspolitik muss stärker entwickelt werden, die Stadt muss wachsen können. Dazu braucht es einen innovativen Stadtrat. Zudem sollten wir mit den Nachbargemeinden Synergien nutzen.

zentral+: Warum Sind Sie besser als Ihre drei Mitbewerber?

Pardini: (lacht) Das ist keine einfache Frage… Ich habe den Mut, auch unangenehme Themen anzupacken. Ich habe auch bewiesen, dass ich Projekte langfristig angehe und sie durchziehe. Ich denke offensiv und bin nicht festgefahren. Die Leute wissen bei mir, woran sie sind.

zentral+: Hat die SVP nicht ein Anrecht auf einen Sitz im Stadtrat?

Pardini: Ich bin da konsequent. Man kann nicht sagen, im Kanton hat die SVP ein Anrecht auf einen Sitz in der Regierung, aber in der Stadt nicht. Und wenn eine Mehrheit der Bevölkerung das will, soll es so sein.

zentral+: Und die GLP?

Pardini: Von der Parteistärke her eher nicht. Aber Manuela Jost leistet sehr gute Arbeit. Und Exekutivwahlen sind Personenwahlen. Ich finde, Jost soll bleiben.

Voilà, das war der Kurzauftritt von Pardini. zentral+ orakelt: Auch er wird von den SP-Mitgliedern anfangs Dezember nicht nominiert. Auch wenn Pardini über enorm viel Polit-Erfahrung verfügt: Ein so alter beinharter Gewerkschafter dürfte in den Augen von vielen Genossen als beim Volk nicht mehrheitsfähig eingestuft werden.

Theres Vinatzer, die Überzeugungstäterin

Kommen wir zu den zwei aussichtsreichsten Kandidaten. Theres Vinatzer (54) ist dipl. Pflegefachfrau, verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 2006 arbeitet sie als Instruktorin in der Pflege im Luzerner Kantonsspital. Politisch aktiv war sie von 2004 bis 2009 im Einwohnerrat Littau, seit 2010 wirkt sie im Luzerner Stadtparlament mit. Aktuell kandidiert auch sie für den Nationalrat.

zentral+: Theres Vinatzer, warum möchten Sie Stadträtin werden?

Theres Vinatzer: Ich fühle mich sehr verbunden mit der Stadt und würde mich freuen, hier mitzugestalten und mitzudenken. Ich befasse mich auch in der Freizeit sehr oft mit der städtischen Politik. Insofern könnte ich mit der Wahl mein Hobby zum Beruf machen.

zentral+: Welche Kompetenzen bringen Sie mit?

Vinatzer: Sicher viel politische Erfahrung. Auch kenne ich die aktuellen Themen und Prozesse der Stadt sehr gut. Ich bin weiter gut vernetzt, kommunikativ und habe ein Leben lang mit Menschen zusammen gearbeitet.

zentral+: Welches sind für Sie die grossen Herausforderungen für die Stadt?

Vinatzer: Sicher der Verkehr. Aber auch die Wohnungsnot und die demografische Entwicklung. Hier sind neue Modelle des Zusammenlebens gefragt. Weiter ist die neue Theaterinfrastruktur ein sehr wichtiges und spannendes Projekt.

zentral+: Warum sind Sie besser als ihre drei Konkurrenten?

Vinatzer: (überlegt lange) Wir sind wohl alle etwa gleich gut… Aber wenn man die jetzige Zusammensetzung des Stadtrates anschaut, ist die Sozialpolitik eher schwach vertreten. Dort könnte ich viel bewirken. Zudem: Wenn Ursula Stämmer weg ist, gäbs im Stadtrat mit Manuela Jost nur noch eine Frau.

zentral+: Hat die SVP nicht ein Anrecht auf einen Sitz im Stadtrat?

Vinatzer (überlegt lange, gibt eine Antwort, ruft dann aber später zurück und formuliert diese um) Nein, einfach so hat die SVP keinen Anspruch. Ihr Wähleranteil in der Stadt ist völlig anders als im Kanton.

zentral+: Und die GLP?

Vinatzer: (überlegt wieder lange) Grundsätzlich hätte ich natürlich gerne eine linke Stadtregierung. Aber ich bin nicht dafür, dass Manuela Jost abgewählt wird, da sie einen guten Job macht.

Stopp, das muss fürs Erste genügen. zentral+ orakelt: Vinatzer hat prima Chancen. Erstens, weil sie sehr engagiert und erfahren ist und über die Parteigrenzen hinweg als sachlicher, kompetenter Gesprächspartner anerkannt ist, und zweitens, weil sie eine Frau ist. Ob sie mit ihrem Schwerpunkt Sozialpolitik aber nicht als zu einseitig wahrgenommen wird, muss sich zeigen.

Beat Züsli, der Smarte

Womit wir bei Beat Züsli (52) wären. Züsli ist geschieden, Vater eines Sohnes und hat sich mit seinem Büro für Architektur und Energie selbstständig gemacht. Politisch sass er von 1998 bis 2010 im Stadtparlament, wo er mehrere Jahre Fraktionschef war. Züsli hat schon 2012 für den Stadtrat kandidiert, im SP-Zweierpacket mit Ursula Stämmer. Während Stämmer im ersten Wahlgang gewählt wurde, holte Züsli immerhin deutlich mehr Stimmen als GLP-Jost und (der völlig abgeschmierte) SVP-Hermetschweiler. Im zweiten Wahlgang hievte dann aber eine bürgerliche Allianz Jost als fünftes Mitglied in den Stadtrat. Das Comeback folgte auf dem Fuss: Diesen Frühling wurde Züsli in den Kantonsrat gewählt.

zentral+: Beat Züsli, warum möchten Sie Stadtrat werden?

Beat Züsli: Ich habe mich auch nach meinem Rücktritt aus der Politik 2010 immer weiter politisch engagiert. Speziell in der Wohnpolitik war ich sehr aktiv und habe die vom Volk angenommene Wohnrauminitiative mitgeprägt. Gestaltungsmöglichkeiten sehe ich speziell im Bereich Soziales, Ökologie und Ökonomie. Ich möchte mehr Spielraum schaffen für die Stadt, diese weiter entwickeln.

zentral+: Welche Kompetenzen bringen Sie mit?

Züsli: Politische Erfahrung auf verschiedenen Stufen, auch in Leitungsfunktionen. Auf beruflicher Ebene habe ich diverse grössere Projekte geleitet. Das sind Fähigkeiten, die wichtig wären.

zentral+: Welches sind für Sie die grossen Herausforderungen für die Stadt?

Züsli: Zuerst müssen die Finanzen gelöst werden. Dann ist für mich die Verkehrsthematik zentral. Sorge macht mir auch die Tendenz, dass wegen immer höheren Mieten günstiger Wohnraum aus der Stadt verdrängt wird. Darunter leidet auch jenes Gewerbe, welches auf günstige Mieten angewiesen ist.

zentral+: Warum sind Sie besser als Ihre drei SP-Konkurrenten?

Züsli+: (lacht) Da müssen Sie andere fragen.

zentral+: Hat die SVP nicht ein Anrecht auf einen Sitz im Stadtrat?

Züsli: Das ist eine theoretische Frage, die auch schon bei meiner Kandidatur 2012 ein Thema war. Am Schluss entscheidet die Bevölkerung darüber. Einen Anspruch abzuleiten ist schwierig, dazu hat niemand einfach so ein Anrecht.

zentral+: Und die GLP hat ein Anrecht?

Züsli: Der heutige Stadtrat bildet die politischen Kräfteverhältnisse im Parlament und im Volk wohl nicht schlecht ab.

Geschafft, nun sind wir endlich am Ende dieses langen aber hoffentlich informativen Artikels angelangt. zentral+ orakelt: Züsli ist clever und smart, hat als Grossstadtrat viel bewirkt, erfolgreich das Comeback in den Kantonsrat geschafft und wird deshalb von nicht wenigen Beobachtern als Kronfavorit gehandelt. Wäre er eine Frau, wäre er so gut wie gewählt. Nominiert werden am 4. Dezember wohl Vinatzer und/oder Züsli.

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3 Kommentare
  1. Melanie Setz, 23.08.2015, 13:10 Uhr

    Schade, wenn Theres Vinatzer oft nur auf ihre Kompetenz in der Sozialpolitik reduziert wird, wo sie sich nota bene bestens auskennt. Theres Vinatzer ist in vielen Themen sattelfest und vertritt beharrlich, aber freundlich, eine linke Politik. Was sie auch in ihren Antworten zeigt. Es scheint vor allem auch ein Geschlechterproblem zu sein, wenn Politikerinnen vor Wahlen irgendwelche von Männern aufgelegten Kompetenzen (Führungsk., Finanzk., etc.) abgesprochen werden.

  2. Christian Bertschi, 21.08.2015, 17:02 Uhr

    Liebe Ursula, der Argumentation von Luca Wolf kann ich durchaus folgen. Ich kann Dich aber beruhigen: Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Stadtluzerner Genossinnen und Genossen sich selten von einem Journalisten vorschreiben lassen, wie sie zu entscheiden haben. Und das ist ja auch gut so. Von da her fliesst bis zur Nomination noch viel Wasser die Reuss hinunter!

  3. Ursula Stämmer-Horst, 21.08.2015, 16:29 Uhr

    Interessant, wie Herr Luca Wolf sich die Kompetenz gibt, die Entscheide der Stadtluzerner Genossinnen und Genossen vorwegzunehmen. Vielleicht bekommt er ja recht. Es würde aber einem Redaktoren gut anstehen, allen die sich bewerben, die Chance zu geben, sich im kommenden halben Jahr zu präsentieren und den Auswahlprozess geschehen zu lassen.Schliesslich bedeutet es für alle Kandidierenden, sich ins Rampenlicht zu begeben. Vorab benötigen wir noch keine Noten!

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