Vier Bewerber dürfen Mitte März zur «Castingshow»
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Das ehemalige Lagergebäude der «Papieri» soll mitsamt seinem Grundstück und den Gleisen bald in Gemeindebesitz übergehen. Es wird für eine Zwischennutzung zur Verfügung stehen. (Bild: mbe.)

Chamer Papierfabrik-Lagerhaus ist heiss begehrt Vier Bewerber dürfen Mitte März zur «Castingshow»

4 min Lesezeit 03.03.2017, 05:20 Uhr

Das Gebäude gehört der Gemeinde Cham noch gar nicht, doch viele wollen schon jetzt hinein. Die Rede ist vom Lagerhaus auf dem Papierfabrik-Areal. Während einige Chamer von der Zwischennutzung träumen, verzögert eine Verwaltungsbeschwerde den ganzen Bebauungsplan.

Die Spannung steigt. Wer macht am Ende das Rennen im Ideenwettbewerb, den die Einwohnergemeinde Cham veranstaltet hat (zentralplus berichtete)?
 
Es geht um die Umnutzung des leer stehenden Lagerhauses mit den Gleisen davor, das immer noch der Papierfabrik gehört. Das Gebäude mit einer Grundfläche von rund 570 Quadratmetern soll samt Gleisen und einer Bauparzelle als Teil des Abkommens zwischen der Arealbesitzerin Cham Paper Group und der Einwohnergemeinde in Gemeindebesitz übergehen.
 
Und zwar sobald der an der Volksabstimmung 2016 angenommene Bebauungsplan rechtskräftig wird. Das könnte noch eine Weile dauern, denn eine Einsprache ist beim Regierungsrat hängig. Der VCS Sektion Zug hat Verwaltungsbeschwerde erhoben (siehe Box).

Vier Bewerber kommen in zweite Runde

In Cham hoffen derzeit verschiedene Personen auf den Zuschlag für die Zwischennutzung. Ende Januar haben sieben Gruppen oder Personen ihre Ideen und Konzepte für den Ideenwettbewerb eingereicht. Am 10. Februar hat die Gemeinde die Bewerbungen beurteilt und eine Vorauswahl getroffen.

VCS kritisiert Bebauungsplan

Der VCS Sektion Zug hat eine Verwaltungsbeschwerde gegen den von den Chamer Stimmberechtigten 2016 angenommenen Bebauungsplan eingereicht. Dies bestätigt Geschäftsführerin Stéphanie Vuichard auf Anfrage. Konkret kritisiere der VCS, dass die Luftreinhalteverordnung und die Lärmschutzverordnung nur knapp eingehalten würden. Beanstandet wird auch die hohe Anzahl Parkplätze. Der VCS verlangt ferner, dass der öffentliche Verkehr und der Langsamverkehr besser gefördert werden. Laut Vuichard wurden frühere VCS-Einwendungen während der Planauflage bis auf eine abgelehnt. Die Beschwerde ist beim Zuger Regierungsrat hängig. Laut dem Generalsekretär der kantonalen Baudirektion, Arnold Brunner, dauert ein solches Beschwerdeverfahren üblicherweise rund sechs Monate.

Bis zum 8. März sollen ausgewählte Bewerber – vier der sieben – Post erhalten und zu einer Art Casting eingeladen werden, wo sie ihre Ideen dem neunköpfigen Auswahlgremium präsentieren können. «Bitte reserviert im Kalender provisorisch den 17. März 2017», teilte die Gemeinde allen Bewerbern per Mail mit.

Kulturleute, Skater, Sportler, Musiker …

Wer hat sich eigentlich alles beworben? «Dazu darf ich Ihnen keine Auskunft geben», sagt Basil Stocker, der zuständige Projektleiter Hochbau und Liegenschaften der Gemeinde Cham. Wenn neue Fakten vorlägen, werde die Gemeinde informieren. Nicht jeder Bewerber wolle zudem seinen Namen in der Zeitung lesen, gibt Stocker zu bedenken.

Rekapitulieren wir also selbst. Zwei Gruppen haben ihre Bewerbung publik gemacht (zentralplus berichtete). Die «Interessengruppe Langhuus», eine Gruppe von 30  Personen aus den Vereinen Kulturcheckin Cham und Papierisch, hat ein «multifunktionales» Konzept eingegeben. Von der Krabbelecke für Mütter mit Kindern über die Gärtner bis zu den Hobbyköchen reichen die Nutzungsideen.

Ebenfalls beworben hat sich die «Interessengemeinschaft Freestyle-Halle Zug». Die jungen Parkour-Sportler und Skater suchen schon lange eine Trainingsmöglichkeit im Kanton Zug. Sie wollen nur einen Teil des länglichen Gebäudes nutzen.

Eine Eingabe gemacht hat laut Recherchen von zentralplus auch ein lokaler Bewerber aus dem Sportbereich. Er will jedoch mit seinen Plänen erst an die Öffentlichkeit treten, wenn er den Zuschlag erhalten sollte. Auch junge Musiker sollen ihr Interesse bekundet haben, im Lagerhaus Konzerte zu veranstalten.

… und der «Karton-Mann»

Bleiben noch drei Unbekannte. Wie zentralplus aus sicherer Quelle erfahren hat, ist eine Person darunter, die ihre Idee unkonventionell auf einen Karton schrieb – und diesen bei der Gemeinde abgab. Das immerhin bestätigt Projektleiter Basil Stocker. «Eine Person hat eine Idee ganz einfach kundgetan. Sie ist natürlich auch willkommen.» Man habe keine weiteren Unterlagen verlangt.

Am Schluss wird der Gemeinderat Cham aufgrund der Vorauswahl entscheiden, welcher Bewerber (oder welche) den Zuschlag für das Lagerhaus erhalten. Laut Zeitplan soll das im April 2017 geschehen. Ob der Termin angesichts der Verwaltungsbeschwerde beim Zuger Regierungsrat eingehalten werden kann, ist offen.

Was die Parteien in Cham sich wünschen

Um den Puls in Cham zu fühlen, haben wir die Parteipräsidenten der Chamer Ortsparteien gefragt, was für eine Zwischennutzung des Lagerhauses sie sich wünschten – und was sie sich gar nicht vorstellen könnten.

Der Chamer FDP-Präsident, Arno Grüter, sagt auf Anfrage, seine Partei sei offen für alle Nutzungen und gespannt auf die verschiedenen Ideen. «Die Nutzung sollte aber schon mit dem kulturellen Bereich zu tun haben. Ein weitere Beiz braucht es nicht in Cham», fügt er hinzu. Grüter würde sich – als Willisauer in Cham – mehr Jazzkonzerte wünschen. «Doch das ist bewusst und erwartungsvoll laut gedacht», fügt er hinzu.

Der Co-Präsident der SP, Franz Stappung, sagt auf Anfrage, seine Partei finde, das Langhaus müsse für eine breite Nutzung offen sein. «Wenn nur ein paar Gruppen fix das Gebäude nützen könnten, wäre das sicher nicht die Lösung.» Ihm persönlich würde ein Konzept wie im Veranstaltungsraum «Fuhrwerk» neben dem Ökihof gefallen.

Die Co-Präsidentin der KRIFO Alternative Cham, Sha Ackermann, möchte keine Meinung abgeben, da sie die eingereichten Konzepte ja nicht kenne. Sie spricht jedoch von «heftigen Vorgaben», welche die Gemeinde gemacht habe. «Kommerzielle Nutzer dürften deshalb nicht unter den Bewerbern sein.»

SVP-Vizepräsident Hans Jörg Villiger sagt auf Anfrage: «Wir hoffen, dass man einen Konsens findet zwischen den verschiedenen Gruppen und möglichst viele Bedürfnisse abdecken kann.» Er findet es speziell, jetzt schon über die Nutzung eines Gebäudes zu diskutieren, das der Gemeinde noch gar nicht gehört. «Es fuchst uns ausserdem, dass nach einer Urnenabstimmung doch noch Einsprachen gemacht werden können», sagt Villiger. Das Chamer Volk habe Ja gesagt zum Bebauungsplan, nun werde das Vorhaben verzögert und es würden weiter Ressourcen gebunden, was bedauerlich sei.

Der CVP- und der GLP-Präsident waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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