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«Vielleicht müssen wir den Begriff ‹Metro› relativieren»
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Hat die Metro eine Chance verdient? Timo Ohnmacht (links) und Paul Stopper reden darüber. (Bild: jwy)

Braucht Luzern ein neues Verkehrssystem? «Vielleicht müssen wir den Begriff ‹Metro› relativieren»

9 min Lesezeit 17 Kommentare 22.01.2020, 04:43 Uhr

Oft totgesagt, aber immer noch populär: Die Luzerner Metro steht vor der entscheidenden Abstimmung. Über Sinn und Unsinn des visionären Projekts haben wir uns mit zwei Verkehrsexperten unterhalten.

Sie lässt politische Fronten bröckeln, sie polarisiert und ist bei vielen nachhaltig populär: Die Luzerner Metro ist wohl das ambitionierteste private Verkehrsprojekt, das Luzern je kannte. Am 9. Februar stimmt die Stadtbevölkerung darüber ab (siehe Box).

Muss man visionär denken, um die Carprobleme zu lösen? Oder ist die Metro Ausdruck von Grössenwahn? Über Sinn und Unsinn des Metro-Projekts haben wir mit zwei Experten gesprochen:

  • Paul Stopper, pensionierter Verkehrsplaner aus Uster und «Vater» der Zürcher Durchmesserlinie. Er engagiert sich im Ja-Komitee für die Metro und befasst sich seit über 30 Jahren mit Luzerner Verkehrsthemen.
  • Timo Ohnmacht, Verkehrssoziologe und Dozent am Kompetenzzentrum für Mobilität der Hochschule Luzern. Er erstellt unter anderem Verkehrsanalysen für Stadt und Kanton Luzern oder den Verkehrsverbund.

zentralplus: Paul Stopper, was treibt einen Zürcher Verkehrsplaner dazu, sich für die Luzerner Metro zu engagieren?

Paul Stopper: Ich bin eingeladen worden, weil ich Hans-Niklaus Müller, den Präsidenten des Initiativkomitees, gut kenne. Ich habe das Projekt sachlich und von extern angeschaut und fand es eine Sache, für die ich mich engagieren will.

zentralplus: Timo Ohnmacht, wie intensiv haben Sie die Argumente von Befürwortern wie Gegnern studiert?

Timo Ohnmacht: Ich schaue im Rahmen des Verkehrsmonitorings für Stadt und Kanton immer, was es für Lösungsvorschläge gibt, welche die Verkehrszahlen beeinflussen können. Aber auch als Stimmbürger bin ich am verkehrspolitischen Prozess interessiert.

«Es werden immer wieder Metrolösungen aufs politische Tapet gehoben.»

Timo Ohnmacht

zentralplus: Zu welchem Schluss kommen Sie: Ist die Metro Luzern ein sinnvolles Projekt?

Ohnmacht: Die Initiative will, dass die Metro in den Variantenfächer der Lösungen aufgenommen wird. Das finde ich als Verkehrswissenschaftler sehr interessant. Man kann entweder das Bestehende schrittweise verbessern, etwa Busspuren, S-Bahnen oder Verkehrsdosierungen. Oder man kommt mit der Killer-Applikation: einem neuen Lösungsweg.

zentralplus: Das Metro-Projekt sei grössenwahnsinnig und unrealistisch, sagen Kritiker.

Ohnmacht: Es werden immer wieder Metrolösungen aufs politische Tapet gehoben. Sie stellen eine mögliche Variante dar, um Verkehrsprobleme zu beseitigen. Ein gutes und funktionierendes Beispiel ist die Metro in Lausanne. In den 80er-Jahren wurde über eine schweizweite Swiss Metro diskutiert, für die es immer noch Befürworter gibt.

Metro: Worum geht’s?

Am 9. Februar stimmen die Stadtluzerner Stimmberechtigten über die Initiative «Die Metro Luzern verdient eine Chance» und somit über die weitere Existenz des privaten Verkehrsprojekts ab. Es geht noch nicht darum, ob eine Metro gebaut werden soll, sondern um eine Kosten-Nutzen-Nachhaltigkeitsanalyse. Als Kern schwebt den Initianten eine unterirdische Verbindung zwischen einem neuen Parkhaus im Gebiet Ibach (mit rund 170 Car- und bis zu 2500 Autoparkplätzen) und dem Schwanenplatz vor. Das Metro-Netz könnte dereinst auf weitere Gebiete ausgebaut werden. Die Kosten werden auf mehrere hundert Millionen Franken geschätzt.

Der Stadtrat und das Parlament lehnen die Initiative ab, auch die Parteien CVP, SP und Grüne sind dagegen. Ja sagen die GLP, SVP und die FDP, deren Basis gegen die eigene Fraktion stimmte.

Stopper: Dass es hirnverbrannt oder zu gross sei, sagt man von jedem Projekt, weil man es sich noch nicht vorstellen kann. Wenn man ideologisch dagegen ist, sagt man, es sei unrealistisch. Ob das Projekt nun Metro heisst oder anders, ist nicht so entscheidend. Aber es wäre ein erster Schritt für eine weitere Entwicklung. Luzern hat heute eine schwache Position: Man kann weiter Busspuren ausbauen, aber das Problem des Carverkehrs löst man so nicht. In Lausanne hat es auch mit einer Linie begonnen, die nun auf drei Äste ausgebaut wird.

zentralplus: Werden der visionäre Ansatz und das Potential in Luzern zu wenig gewürdigt?

Stopper: Vor rund 30 Jahren wurde in Luzern eine Tram-Initiative abgelehnt, seither ist im innerstädtischen ÖV nichts mehr passiert. Die Metro wäre ein neuer Mittelverteiler zwischen dem bestehenden Bahnnetz und dem Bussystem. Von aussen betrachtet, ist es schwer nachvollziehbar, dass die Luzerner Behörden die Idee nicht aufgenommen haben und von sich aus eine Auslegeordnung machen. Das Metro-Projekt wurde immer negiert, obwohl der Ansatz richtig ist.

zentralplus: Die Innenstadt von Cars entlasten, das Kantonsspital besser erschliessen, den Stadtraum aufwerten: Kann eine Metro diese Versprechen tatsächlich einlösen?

Ohnmacht: Es wird momentan viel über die sogenannten Hubs diskutiert. Der Verkehr soll am Stadtrand Halt machen und mit S-Bahnen oder anderen Shuttles in die Stadt geführt werden. Dieser Gedanke kam mir bei der Metro. Man muss ihr zugutehalten, dass sie im Gegensatz zu anderen Parkhausideen den Verkehr vor der Stadt abfängt. Andererseits liegt der Standort Ibach auf der grünen Wiese, in dieser Region ist nicht viel los.

Die Verkehrsexperten Timo Ohnmacht (links) und Paul Stopper diskutieren über die Metro-Abstimmung.

zentralplus: Man baut in erster Linie einen Shuttle für Touristen. Liegen die Pendelströme und Engpässe nicht woanders?

Ohnmacht: Eine solche Metro ist auf einen sehr engen Takt von fünf bis zehn Minuten angelegt. Es ist schon die Frage, ob die Nachfrage am Ibach und Schwanenplatz reicht, um diese wirtschaftlich zu betreiben. Aber eine Verkehrsinfrastruktur beginnt häufig als Punkt-zu-Punkt-Verbindung. Ich sehe die Metro als ausbaufähigen Punkt-zu-Punkt-Shuttle.

Stopper: Die Initiative fordert ja darum einen Projektierungskredit und eine Analyse, um das Projekt den anderen gegenüberzustellen. Vielleicht erweist sich die Metro noch nicht als die einzige Lösung. Sie ist aber entwicklungsfähig – man muss sie genau anschauen. Das Carproblem ist da, das Kantonsspital ist schlecht angeschlossen, also ist die Metro ein erster Schritt. Aber nur, wenn sie ausbaufähig und kompatibel mit der Zentralbahn ist.

«Wenn man das als Bauingenieur nicht lösen kann, muss man sein Büro sofort schliessen.»

Paul Stopper

zentralplus: Es geht bei der Initiative auch um Kredite und Grundstücksicherungen. Es braucht einen klaren Nutzen, um Geld und Ressourcen zu investieren.

Stopper: Das Land im Ibach und der Schwanenplatz gehören ja bereits der öffentlichen Hand. Man muss einfach schauen, dass die Grundstücke nicht verkauft werden. Das sind für mich reine Scheinargumente gegen die Metro. Auch die Dimension des Parkhauses kann man diskutieren, aber der Standort gleich bei der Autobahn ist ideal. Ich wäre auch dafür, beim Sedel eine Metro-Haltestelle zu bauen, um sie ins S-Bahn-System einzubauen. Zudem soll die Metro als zweite Etappe vom Schwanenplatz zum Bahnhof verlängert werden. Dann hätte man die ideale Verflechtung auch mit dem SBB-Fernverkehr.

zentralplus: Der Durchgangsbahnhof steckt in Planung und wird für das ganze ÖV-System in Luzern ein Meilenstein sein. Verträgt es den Bau eines parallelen ÖV-Systems? Womöglich fiele der Baustart 2030 bei beiden Projekten zusammen.

Stopper: Das ist technisch überhaupt kein Problem. Die grosse Kiste ist der Durchgangsbahnhof, da kann man daneben noch ein «Bähnli» bauen. Die beiden Projekte kommen problemlos aneinander vorbei. Das hatten wir in Zürich auch, als wir zwischen 1980 und 1990 die S-Bahn für 600 Millionen bauten und gleichzeitig die Sihltalbahn an den Hauptbahnhof verlängerten. Wenn man das als Bauingenieur nicht lösen kann, muss man sein Büro sofort schliessen.

zentralplus: Aber ist es auch sinnvoll?

Ohnmacht: Technisch kann ich das nicht beurteilen, aber es geht letztlich um die Kombinationsfähigkeit der beiden Verkehrssysteme. Eine andere Option wäre, bestehende Systeme zu erweitern – etwa die Zentralbahn nach Kriens.

Wird dereinst eine Metro unter der Stadt die Verkehrsprobleme lösen?

zentralplus: Ist Luzern nicht schlicht zu klein für ein Metro-System neben Bussen und S-Bahn?

Stopper: Vielleicht müssen wir den Begriff «Metro» relativieren. Dieser weckt bei vielen Grossstadtgefühle à la Paris oder New York. Letztlich ist es einfach eine neue Bahnverbindung. Auch die Metro in Lausanne ist eigentlich eine Vorortsbahn und in Lugano wird die Pontre-Tresa-Bahn mit einem Tunnel ins Stadtzentrum verlängert. Das liegt auch für Luzern alleweil drin. Aus Bundesbern gibt es Agglomerationsgelder, aber die Region muss klar sagen, was sie will. Wenn man den Bypass bauen kann, bringt man auch die Metro hin.

Ohnmacht: Es braucht bessere Grundlagen für einen Entscheid. Auch bezüglich möglicher Fahrgefässe: Ist es eher ein Shuttle wie am Flughafen Zürich? Eher eine U-Bahn wie in Berlin? Oder sogar eine S-Bahn wie die Zentralbahn? Die Dimension müsste man noch bestimmen. Interessant fände ich aus verkehrsplanerischer Sicht, nicht nur den Schwanen-, sondern auch den Löwenplatz einzubinden. Auch dort kommt es aufgrund der Touristenströme zu vielen Engpässen.

«Man könnte die Metro als touristische Attraktion inszenieren.»

Timo Ohnmacht

zentralplus: Luzern hat ein Problem mit Cars im Zentrum. Gäbe es nicht einfachere Lösungen als die Metro?

Ohnmacht: Eine Lösung, die diskutiert wird, ist ein Parkplatz über den Gleisen wie in Chur – quasi ein Stockwerk über dem Bahnhof für Cars. Aber auch das wäre eine Notlösung, weil wir immer noch die Gefahrensituation mit den Cars auf der Seebrücke und dem Veloverkehr hätten. Viele Carchauffeure haben keine Erfahrung mit dem Mischverkehr in der Schweiz. Es müssen Lösungen her, um die Cars aus dem Stadtverkehr herauszunehmen.

Direkt am Schwanenplatz wäre der Ausgang der Metro, so die Idee.

zentralplus: Ein Carparkplatz auf der Allmend wäre schneller realisierbar.

Ohnmacht: Die Frage ist dort, wie man Touristenströme mit ihrem engen Zeitplan navigieren kann. Auf der Allmend könnte es zudem zu Problemen mit dem Eventverkehr bei Fussballspielen oder Veranstaltungen der Messe kommen. Auch das Fahrerlebnis spielt mit: Ähnlich wie am Flughafen Zürich könnte man die Metro als touristische Attraktion inszenieren.

zentralplus: Ist Luzern kleingeistig, wenn man jetzt schon vor Milliardenkosten und dem Risiko von Betriebskosten warnt?

Stopper: Man kennt heute die Bau- und Betriebskosten noch nicht detailliert. Wenn man aber schon von Anfang an sagt, dass es zu viel kostet, finde ich das äusserst engstirnig und wenig zukunftsgerichtet. Geld war bei meinen Projekten nie das Problem, sondern die fehlenden Ideen und Projekte. Man muss die Gegner zu überzeugen versuchen.

zentralplus: Zürich ist nicht Luzern, überschätzen Sie die Bedeutung von Luzern?

Stopper: Es kommt drauf an, wie stolz man auf die eigene Stadt ist. Touristisch ist Luzern so wertvoll, dass man das hinkriegt. Man muss einen Ansporn haben, sonst wird es natürlich schwierig. Mit Busspuren allein lockt man keine Leute vom Hocker. Ein Schienenverkehrsmittel ist immer attraktiver.

zentralplus: Die Bevölkerung hat von den Auswirkungen des Tourismus genug, es braucht jetzt innovative Lösungen. Hilft das der Metro?

Ohnmacht: Unser Institut führt aktuell die Befragung im Auftrag der Stadt Luzern zur Wahrnehmung des Tourismus durch (zentralplus berichtete). Ein Grund für die Ressentiments sind vermutlich auch die engen Platzverhältnisse in der Stadt. Touristen treten häufig in Gruppen auf, fahren in Cars in die Stadt und okkupieren den Raum. Wenn die Cars aus dem Stadtbild verschwinden und aus den Parkflächen Grünflächen werden, könnte das zu einer Entspannung führen. Es ist nun zu prüfen, ob die Metro ein Lösungsweg wäre. Der gesellschaftliche Diskurs findet statt. Was noch fehlt, ist eine Versachlichung in Form von Zahlen, Fakten und Studien.

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17 Kommentare
  1. Beat Murer, 24.01.2020, 09:12 Uhr

    Utopie Metro in Ehren, aber Schildbürgerstreich NEIN

    Da wird das Pferd wirklich am Schwanz aufgezäumt. Es ist nicht einzusehen, warum eine verkehrspolitisch und finanziell völlig fragwürdige Metro das Carproblem am Schwanenplatz lösen sollte. Wegen ein paar Geschäften im Bereich des Schwanenplatzes, welche in erster Linie von Einkaufstouristen aus Fernost frequentiert werden, sollen x-Millionen in Planung, Bau und Betrieb einer Mini-Métro investiert werden. Warum haben die einschlägigen Geschäfte nicht längst ihren Geschäfts-Standort an verkehrsgünstiger Lage ausserhalb der Stadt Luzern in Nähe eines Autobahnschlusses zum Beispiel in einem Hochhaus mit Rundsicht als „House of Swiss Souvenirs“ realisiert?
    Ein Metro-Torso von der Reussegg zum Schwanenplatz wäre völlig abseits der innerstädtischen Verkehrsbedürfnisse der einheimischen Bevölkerung. Wenn schon nachhaltig investiert werden soll, dann wäre wie durch den VBL-Direktor propagiert, ein Bus- und Carterminal über den Geleisen des Bahnhofs Luzern, realistischer. Wer schon die verschiedenen Metros bzw. U-Bahnen in den Grossstädten Europas kennen gelernt hat, sollte sich eigentlich bewusst sein, dass eine Metro nur mit grossen Benützungsfrequenzen überhaupt Sinn macht. Selbst in der Stadt Zürich wurde in den 60-Jahren die Erschliessung des Flughafens Zürichs durch eine U-Bahn durch die Stimmenden abgelehnt und später dieser in die Ost-West Transversale der SBB eingebunden. Inzwischen wurde der Flughafen Zürich auch noch durch eine neue Tramlinie erschlossen.

    Auch der Vergleich mit Lausanne zur Propagierung einer Luzerner Métro ist äusserst fragwürdig, weist doch die U-Bahn Lausanne 14 Stationen auf und ist voll ins ÖV-Netz eingebunden inkl. u.a. Lausanne-Gare (SBB) und Ouchy (CNG-Schifffahrt).

    Die am bevorstehenden Urnengang vom 9. Februar 2020 abstimmenden Stadtluzernerinnen und -Luzerner werden hoffentlich mit einem klaren Nein zur Metro-Initiative den Weg für zeitnahe realistische und wirtschaftlich verantwortbare Verkehrslösungen und Tourismuskonzepte ebnen.

    Beat Murer, ehem. Grossstadtrat Luzern

  2. Samuel Kneubühler, 22.01.2020, 20:41 Uhr

    Das war spannend! Schade kennt sich Übervater Stopper nicht so in Luzern aus. Dann wüsste er, dass nicht alles, was in Zürich geht, hier auch geht. Zudem muss das ziel sein, eine richtige S-Bahn zu haben (ob unterirdisch oder nicht spielt keine Rolle) und in Kriens ein Tram. Dafür gab es nicht erst vor 30 Jahren eine Abstimmung sondern eine 2002.

  3. Hans Peter, 22.01.2020, 20:03 Uhr

    Ich persönlich bin froh, hat man in Zürich dazumals keine Metro gebaut und dafür die vorhandene Infrastruktur zu einem massiv leistungsfähigeren System ausgebaut, als es die unterirdische Schmalspurbummel-„U-Bahn“ je gewesen wäre. Die Luzerner dürfen ihre Verkehrsprobleme aber gerne so lösen, wie sie das wollen.

  4. Marcel Sigrist, 22.01.2020, 15:45 Uhr

    Sehr schön, wie ein Interview zum Projekt Metro-Luzern mit zwei unabhängigen Fachleuten die Metrogegner hinter dem Ofen hervorlockt. Wo bei den meisten Artikeln in ZentralPlus kommentarlos darüber hinweggegangen wird, kommen sie hier gleich reihenweise und teils auf rüüde Art, teils mit Unwahrheiten gespickt und unlauteren Vorwürfen an die „Wirtschaftsparteien“ aufgefahren. Als ob das zweite Gegenkomitee nicht aus gerade jenen gemeinten Kreisen stammen würde. Aber das ist wohl einfach die Ironie einer Gegnerschaft aus zwei so unterschiedlich gelagerten politischen Ebenen. Beide Ebenen haben ja das gleiche Ziel: Die Verhinderung nur schon der Prüfung und damit der Diskussion über eine ÖV-basierende und zukunftsfähige Verkehrslösung in Luzern. Die einen träumen von einem Parkhaus mitten in der Stadt, die andern träumen davon gleich alles motorisierte aus der Stadt zu verbannen, die Agglo soll es dann richten.

    1. Tobias Mueller, 22.01.2020, 16:29 Uhr

      Gut auf den Punkt gebracht, Herr Sigrist.

  5. Laurin Villiger, 22.01.2020, 13:35 Uhr

    Ich verstehe nicht, wieso die anderen Kommentarschreiber dem Projekt keine Chance geben! Sind sie vielleicht zu alt? Leben sie in der Vergangenheit anstatt der Zukunft? Ich habe hoffentlich noch etwa 60-70 Lebensjahre in der Stadt Luzern vor mir. Bis dahin wird der Verkehr in der Stadt stillstehen, wenn nichts dagegen unternommen wird.

    Es ist doch gut vorstellbar, dass die Metro künftig vom Sedel via Bahnhof, Allmend, Mattenhof bis nach Horw reichen würde. So würde man ganz viele Nutzergruppen anschliesssen:

    – Touristen die in der Stadt flanieren wollen
    – Konsumenten, die im „Freilufteinkaufszentrum“ Altstadt shoppen
    – Sportfans, welche die Allmend oder die neue Sporthalle im Mattenhof besuchen
    – Geschäftsleute, die an Termine in der Innenstadt oder in den Mattenhof müssen
    – Einheimische, die mit der Metro von Horw zum Kantonsspital wollen
    – Besucher und Angestellte des Kantonsspitals
    – Einwohner, die ihr Auto lieber gleich direkt neben dem Autobahnanschluss parkiert lassen
    – Und wieso in 20 Jahren vielleicht noch einen Abzweiger Richtung Kriens Zentrum bauen?
    – etc.

    Jedes dieser Beispiele umfasst hunderte Autos und Cars die nicht mehr durch die Stadt müssten und in wenigen Sekunden auf der Autobahn in Richtung Zürich, Basel, Bern weg sind. Für mich ist die Berücksichtigung solcher Möglichkeiten sehr wichtig. Es wird ja erst abgestimmt, dass die Metro in die Konzepte miteinbezogen werden soll. Noch wird nichts gebaut. Also wieso gewisse Lösungen einfach im Voraus ausschliessen?

    1. Dim Dunning-Kruger, 22.01.2020, 14:14 Uhr

      @Villiger: Alles kein Problem. Solange die Initianten des Projektes alles aus eigener Tasche finanzieren, würde ich dem sogar zustimmen. PPP auch kein Thema – ist nur ein Euphemismus und als Wirtschaftsstrategie längst enttarnt. Warum also immer diese Zwängerei und Gemaule. Diese Abstimmung hat in der Stadt Luzern ohnehin null Chancen gewonnen zu werden. Also besser bereits jetzt Einsicht zeigen und mit der Sammlung bei Privaten beginnen. Denn es scheint, als bräuchte es dann einen verdammt langen Atem. Aber es ist tatsächlich so: Scheitert das Projekt hinsichtlich Beteiligung mit Steuergeld, scheitert in den Augen der Initianten das Gesamtprojekt. Man will ja schliesslich nicht selber bezahlen, sondern die öffentliche Hand bezahlen lassen. Verkehrspolitischer Nutzen hinsichtlich ÖV-Wirksamkeit nicht erkennbar.

  6. Murti Muheim, 22.01.2020, 11:05 Uhr

    Ohnmacht & Stopper wären als Clown-Duo viel erfolgreicher als mit diesem Metro-Projekt.

  7. CScherrer, 22.01.2020, 10:50 Uhr

    GLP, SVP und FDP zeigen mit ihrem Engagement einmal mehr, dass sie nicht gewillt sind, die Verkehrsproblematik zu lösen. Als Stadtluzerner ärgert mich dieses Vorgehen sehr. Die Bevölkerung leidet unter dem hohen Verkehrsaufkommen und diese Wirtschaftsparteien „schiessen“ gegen sämtliche Massnahmen. Man könnte mit ein paar einfachen Mitteln ohne grossen finanziellen Aufwand sehr viel bereits heute lösen. Dazu benötigt Luzern sicher keine Metro. Diese würde dann Sinn machen, wenn sie richtig konzipiert ist. Diese Abstimmung ist zudem eine Verschwendung von Steuergelder, da diese nichts bringt. Was passiert bei einem JA? Wo ist definiert, was dann geschehen soll? Wie ist das Vorgehen? Wer wird mit der Ausarbeitung von Machbarkeitsstudien etc. beauftragt? Was ist der Umfang einer solchen Metro? Was passiert bei einem NEIN? Wie löst die Stadt die Verkehrsproblematik? Wann endlich begreifen die rechtsbürgerlichen und wirtschaftsfreundlichen Parteien, dass es nun an der Zeit ist, dass die Stadtbevölkerung entlastet und nicht die Wirtschaft bevorzugt wird?
    Diese Abstimmung ist an Nonsens nicht zu überbieten und bringt der Bevölkerung keinen Mehrwert.

    1. Dunning-Kruger, 22.01.2020, 11:22 Uhr

      Sie stellen die richtigen Fragen!

  8. Joseph de Mol, 22.01.2020, 10:10 Uhr

    Peter Mendler, seines Zeichens Unternehmensberater, befürwortet den Bau der Metro natürlich auch sehr dezidiert! Das war bereits bei der Planung der starken Stadtregion so. Mendler war damals Projektleiter. Logischerweise werden solche Unterfangen nicht aus einem öffentlichen Interesse heraus unterstützt, sondern um Gross-Aufträge für Kundschaft, welche logischerweise bestens bezahlt (wenn nachher die Zug-um-Zug-Geschäfte winken und „bezahlen“ dahingehend als Investition betrachtet werde darf!) zu akquirieren! Glücklicherweise fällt der Stadtluzerner Souverän je länger je mehr nicht mehr auf solche „Schlüngge“ herein, die ihn dann Abermillionen kosten und nix nützen. Das die Metro jetzt flugs wieder an die Oberfläche dringt, ist symptomatisch und passt chronologisch bestens ins Bild. Jetzt wo z.B. keine Stadtluzerner Boden mehr an Private verscherbelt werden darf, müssen halt andere Geschäftsfelder/Märkte erschlossen werden. Diesmal triffts den „öv“!

    1. Ram Dass, 22.01.2020, 10:30 Uhr

      @de Mol: Sie haben noch die Salle Modulable vergessen! Ein weiteres Projekt, das nie realisiert wurde. Gottlob! Denn trotz den Trust-Millionen hätte dieses Projekt, auch unter dem Eindruck der Standort-Zwängerei, für die Öffentlichkeit Millionenausgaben bedeutet. Dabei sind gerade solche Theaterhäuser, modulable ja oder nein spielt gar keine Rolle, nur für ca. 1 % der Bevölkerung von Nutzen!

    2. Dunning-Kruger, 22.01.2020, 10:31 Uhr

      Parkhaus Musegg ebenso! Spange Nord und und und. Die Wirtschaftsverbände müssen endlich wieder mal ein Grossprojekt realisieren dürfen. Das ist der Hauptgrund, warum der Druck dermassen steigt!

  9. Dim Dunning-Kruger, 22.01.2020, 09:31 Uhr

    Ausser der Bauindustrie (Phase 1) und der Tourismusindustrie (Phase 2) profitiert bei diesem Projekt niemand! Ich darf nochmals die Zahlen von Stadträtin Bitzi-Staub zur Klärung hervorkramen. Das Steuersubstrat direkt und indirekt vom Tourismus in der Stadt Luzern stammend, macht gerade einmal 7% der Gesamtsteuereinnahmen aus. Ist also, nach Adam Riese, vernachlässigbar. Warum also Investitionen dahingehend tätigen? Ökonomisch (aus der Sicht des Steuerzahlers) absolut hirnrissig! Kosten-/Nutzenverhältnis beschämend. Politisch nicht vertretbar!

  10. Joseph de Mol, 22.01.2020, 09:28 Uhr

    Alleine die Baukosten der Metro im Untertagebau belaufen sich auf mind. CHF 400 mio. Erfahrungsgemäss und nach pragmatischer Sichtung ähnlicher Projekte (vorallem PPP-Projekte, da bezahlt ja die Öffentlichkeit mit) muss man feststellen, dass dies ein offener Schlund bedeuten würde, indem das Steuergeld nur so massenhaft verschwindet.

  11. JMüller, 22.01.2020, 08:00 Uhr

    eine Metro all 500 oder 1 km, halt, sicher schon gar nicht Bahnhof ,Spital fertig ,das ist ja wieder Typisch Kindergarten Flickerei, nehmt euch ein Beispiel, Wien vor Etlichen Jahren endlich angefangen zu bauen heute 4 Linienen undenkbar wie das Früher ging, macht eine Schwebebahn, oder Reisst Häuserzeilen nieder dan könnt ihr ja das Tram bauen über 40 jahre hinkt Luzern hinterher, seit ich klein bin sagte man dieses und jenes und wurde was gemacht nein,

  12. Ramon Dassler-Maldonado, 22.01.2020, 07:04 Uhr

    Verkehrspolitisch macht diese Metro null Sinn – Unternull! Die Kosten wären horrend. Warum die Metro-Idee nicht totzukriegen ist, ist schnell erzählt: Exorbitante Kosten (am besten durch den Steuerzahler berappt!) verbunden mit Grossaufträgen für die Bau- und Zuliefererwirtschaft. Schon mal was von Lobbying gehört? Damit ist die ganze Geschichte bereits erzählt. Das Kosten-/Nutzenverhältnis dieser „vermeintlichen Lösung“ ist unterirdisch!

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